Facebooks neue Nutzungsregeln – das musst du wissen

Facebooks neue Nutzungsregeln – das musst du wissen
Facebook will seine Nutzungsregeln anpassen und gerät dadurch erneut ins Visier der Datenschützer. Sie stören sich an der Art und Weise der Einführung und halten die „Datenverwendungsrichtlinien“ nicht für rechtmäßig. Noch bis 17 Uhr am heutigen 22. März stehen Facebooks neue Nutzungsregeln zur Diskussion.

Facebooks neue Nutzungsregeln - das wird kritisiert

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Daumen runter für Facebooks neue Nutzungsregeln. (Foto: GOIABA (Goiabarea) / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Seit dem 15. März 2012 stehen Facebooks neue Nutzungsregeln zur öffentlichen Diskussion. Öffentlich bedeutet in diesem Fall, dass nicht etwa alle Facebook-Nutzer darauf aufmerksam macht, sondern nur die diejenigen, die der Seite Facebook Site Governance folgen. Das sind weltweit zwar über zwei Millionen Nutzer, doch bei etwa 850 Millionen Mitglieder ist das nur ein sehr kleiner Teil. Aber nicht nur daran stören sich die Datenschützer.

In einer gemeinsamen Erklärung des Unabhängigen Landeszentrums für Schleswig-Holstein (ULD) und des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) werden weitere Kritikpunkte an Facebooks neue Nutzungsregeln aufgelistet. Der ULD-Chef Thilo Weichert erklärt dazu:

Die Datenverwendungsrichtlinien sind weder mit europäischem noch mit deutschem Datenschutzrecht vereinbar. Eine wirksame Einwilligung der Nutzer scheitert vor allem an einer klaren Aufklärung über die Datenverarbeitung und der fehlenden Wahlmöglichkeit für die Betroffenen, die Verwendung ihrer Nutzungs- und Inhaltsdaten für Werbezwecke zu untersagen.

Die Datenschützer kritisieren zudem den Satz: „Deine weitere Nutzung von Facebook nach Änderungen an unseren Bedingungen bedeutet gleichzeitig dein Akzeptieren unserer geänderten Bedingungen“ (Abschnitt 14.6). Für ein Inkrafttreten der Änderungen sei aber ein ausdrücklicher Hinweis und eine Einwilligung der Nutzer notwendig - die Weiterverwendung könne hier nicht einfach als Einverständnis gewertet werden, wenn die Nutzer gar nicht über die neuen Nutzungsregeln aufgeklärt worden sind.

Als nächsten Punkt stellen die Datenschützer die Formulierung: „Du verstehst, dass wir bezahlte Dienstleistungen und Kommunikationen möglicherweise nicht immer als solche kennzeichnen“ (Abschnitt 10.3) in Frage, weil sie gegen das Telemediengesetz verstößt (§ 6 Abs. 1).

Auch der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Johannes Caspar, zeigt sich enttäuscht von den neuen Nutzungsregel von Facebook: „Facebook verpasst es wieder einmal, das Recht der Nutzerinnen und Nutzer, selbst über den Umfang der Verwendung ihrer Daten zu entscheiden, hinreichend zu beachten und technisch umzusetzen“. Außerdem weist er auf ein laufendes Verwaltungsverfahren hin, bei dem die Verarbeitung von biometrischen Daten ohne Einwilligung der Nutzer auf dem Prüfstand steht. Darüber hinaus hätten Untersuchungen des ULD und des HmbBfDI Anzeichen dafür geliefert, dass Facebook ein „umfassendes Nutzertracking von angemeldeten und nicht angemeldeten Nuterinnen und Nutzer“ durchführe. Das werde in den Nutzungsregeln aber nicht erwähnt.

Protest gegen Facebooks neue Nutzungsregeln

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Eineinhalb Stunden vor dem Ablauf der Frist sind etwas über 1.000 Kommentare über Facebooks neue Nutzungsregeln eingegangen.

Trotz der Kritik der Datenschützer aus Schleswig-Holstein und Hamburg scheint Facebook an der geplanten Einführung der neuen Nutzungsregeln festzuhalten. Zwar gibt es unter dem zur Diskussion gestellten Entwurf nur ablehnende Bekundungen der Nutzer, doch auf eine Reaktion von Facebook warten die Kommentartoren bislang vergeblich. Stand 15:00 Uhr, zwei Stunden vor dem Ende der Diskussionszeit, gibt es etwa 1.000 Kommentare, die die Änderungen ablehnen. Wie Spiegel Online berichtet, wolle Facebook erst ab einer Zahl von 7.000 Kommentaren weitere Alternativen zur Diskussion stellen.

Da Facebook die Diskussion aber nur über die Seite „Facebook Site Governance“ führt, ist sie nicht mal für ein Prozent der Nutzer greifbar. Wären die Nutzer stattdessen mit einem Banner beim Aufrufen der Facebookseite auf die Diskussion aufmerksam gemacht worden, wären die 7.000 Kommentare sicherlich innerhalb der ersten Stunden zusammengekommen. Wollte Facebook sich also vor der wirklich öffentlichen Diskussion drücken? Es scheint zumindest so…

Weiterführende Links zum Thema Facebooks neue Nutzungsregeln:

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15 Antworten
  1. von Volker Knim via facebook 22.03.2012 (17:08Uhr) 1.

    Wie bei allem. Jeder schreit und beschwert sich und trotzdem wird es jeder weiter nutzen.
    Warum macht Facebook so Sachen? Weil Facebook es nun mal kann.

  2. von Marcus Locher via facebook 22.03.2012 (17:38Uhr) 2.

    So ist es, wer ein Monopol hat, kann sich halt wie ein Diktator aufführen....

  3. von Alexander Hebeler via facebook 22.03.2012 (17:42Uhr) 3.

    Wenn nur ein Politiker den Mut hätte zu sagen: Wer sich nicht an geltendes Recht hält, wird gesperrt! Facebook würden innerhalb weniger Tage einlenken! So kurz vor dem IPO einen der wichtigsten Märkte verlieren?

  4. von hans 22.03.2012 (18:22Uhr) 4.

    ich lehne die Änderungen ab

  5. von Suckerburg 22.03.2012 (18:34Uhr) 5.

    hi, ich wiederhole mich ungern:
    FAcebook ist schlicht und ergreifend überfordert.

    Das geht doch schon bei den Copyrightgeschützten Bildern los und hört bei FB-Rechtswidrigen Pagesbildern auf. Die sind ja noch nicht mal in der Lage ihre eigenen Richtlinien unter Kontrolle zu haben. Wie sollen die dann erst auf alle 830 Mille eingehen?

  6. von Ode Waeller via facebook 22.03.2012 (18:56Uhr) 6.

    StudiVZ wirbt mit datenschutz,aber dort will keiner mehr hin !

  7. von DKC Datenschutz-News via facebook 22.03.2012 (22:29Uhr) 7.

    das Problem ist doch, dass Facebook die Änderungen der Nutzungsbedingungen mit dem Etikett der Transparenz versieht aber in Wirklichkeit die Rechte seiner Nutzer immer weiter einschränkt und uns damit in gewisser Weise auch für dumm verkaufen will. Es ist halt eine absurde Situation, dass wir Nutzer nicht schreiend wegrennen. Aber solange der Nutzen und die Anziehungskraft von Facebook so groß sind, scheint das der Preis zu sein. "Richtig" zahlen wollen wir ja auch nicht...

  8. von NaitschaIx 23.03.2012 (08:06Uhr) 8.

    ich kann mich @suckerburg nur anschließen. FB ist überfordert und versucht sich über schwebend unwirksame Richtlinien eine gewisse Freiheit zu erschleichen.

    Wenn ein deutscher Fotograf mit Gerichtsstand Deutschalnd gegen die Verwendung eines seiner Werke, zu Werbezwecken klagen würde, hätte auch FB keine Chance... Also was soll das.

    Wichtig ist, dass man auf FB nur das veröffentlicht, was man auch auf einer Bühne vor allen Leuten die man kennt und je kennen wird, äußern würde.

  9. von querdenken 23.03.2012 (11:10Uhr) 9.

    mittlerweile sind es 36.876 ablehnungen. bin gespannt wie fb reagiert...

  10. von Volker Knim via facebook 23.03.2012 (11:47Uhr) 10.

    rechte und transparenz vs. brain.
    solange leute online dinge von und über sich preisgeben, die sie abends in der kneipe oder bei der familie nie erzählen würden, solange ist die ganze diskussion über datenschutz eine farce.
    datenschutz fängt beim benutzer an, nicht bei facebook.
    facebook bietet lediglich die möglichkeit sich -wie auch immer- der ganzen welt zu zeigen. wer es macht ist selbst schuld.
    von daher ist die ganze diskussion um datenschutz und rechte überflüssig.
    ich lade was ins internet. also ist und bleibt es im internet. und wenn das passwort dann noch "passwort" oder "geheim" ist ...

  11. von waldo 23.03.2012 (13:45Uhr) 11.

    Ich war noch nie bei facebook. und sp wird es auch bleibe. facebook ist so wichtig wie ein pickel am ar.....

  12. von Personalmarketing-Blog Sebastian Manhart… 23.03.2012 (14:12Uhr) 12.

    [...] * t3n.de: Facebooks neue Nutzungsregeln – das musst du wissen [...]

  13. von Facebook-Alternativen: Große und kleine… 28.03.2012 (13:50Uhr) 13.

    [...] wieder für einige Kritik. Die Datenschützer Thilo Weichert und Johannes Caspar fassten die Kritikpunkte in einer gemeinsamen Erklärung zusammen. Facebook wird hier nachbessern müssen, denn die selbstauferlegte Zahl von 7.000 [...]

  14. von Facebook Nutzungsbedingungen: Neue Versi… 23.04.2012 (12:02Uhr) 14.

    [...] Seit Mitte März versucht Facebook neue Nutzungsbedingungen für die Plattform einzuführen. Die über die Seite „Facebook Site Governance“ veröffentlichte Version erreichte zwar nur deren Fans, die einen verschwindend geringen Anteil der gesamten Nutzer darstellen, aber dennoch reichte die Zahl der ablehnenden Kommentare für eine Aussetzung. Allein in Deutschland gab es etwa 36.000 Kommentare. Facebook kündigte bald nach dem Ablauf der Diskussionsfrist eine überarbeitete Version an, die jetzt wiederum zur Diskussion bereitsteht. [...]

  15. von Facebook lässt wählen und keiner bekom… 04.06.2012 (18:14Uhr) 15.

    [...] Facebooks neue Nutzungsregeln – das musst du wissen - t3n News Weitere Artikel zu Facebook Kommentare: 8 Tweets: 28 Facebook-Likes: 294 04.06.2012 Ads_BA_AD("FOOT"); [...]

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