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Facebooks Randi Zuckerberg: Anonymität im Web muss verschwinden

Facebooks Randi Zuckerberg: Anonymität im Web muss verschwinden

Randi Zuckerberg, die Schwester von Facebook-CEO , hat sich für die Abschaffung der Anonymität im Internet ausgesprochen. Die bei als Director angestellte Zuckerberg wiederholt damit eine Aussage von Googles früheren CEO Eric Schmidt und mischt sich zudem in die aktuelle Realname-Debatte bei Google+ ein. Menschen würden sich einfach besser benehmen, wenn sie ihren eigenen Namen benutzen, erklärt Zuckerberg zur Begründung.

Facebooks Randi Zuckerberg: Anonymität im Web muss verschwinden

Facebooks Randi Zuckerberg: Anonymität führt zu schlechtem Benehmen

„I think anonymity on the Internet has to go away“ sagte Randi Zuckerberg bei einer Panel Diskussion zum Thema Social Media. Sie begründetet ihre Forderung durch das unterschiedliche Verhalten der Nutzer. Wer im Web seinen Klarnamen nutzt, würde sich einfach besser benehmen. Wer sich dagegen hinter einem Pseudonym verstecke, glaubt er könne hinter dieser Fassade alles sagen was und wie er es will.

Hält nichts von Anonymität im Web: Randi Zuckerberg, Marketing Director bei Facebook. (Foto: nrkbeta / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Diese Diskussion ist nicht neu. Der frühere Google-CEO Eric Schmidt ging beispielsweise im letzten Jahr sogar noch einen Schritt weiter und erklärte Anonymität im Internet für gefährlich. Er forderte die Regierungen dazu auf, ihre Bürger rechtlich dazu zu zwingen, ihre echten Namen für sämtliche Aktivitäten im Netz zu benutzen. Wie das dann in der Praxis aussehen soll, blieb offen.

Anonymität vs. Identität ist auch bei Google+ ein Thema

Eines der heißesten Themen bei Google+ ist derzeit die Frage nach der Nutzung von Klarnamen. hat ähnlich wie Facebook in den Nutzungsbestimmungen verankert, dass Nutzer sich nicht mit einem Pseudonym anmelden dürfen, sondern ihren echten Namen verwenden müssen oder einen, den man als „gebräuchlich“ bezeichnen kann. Daran haben sich aber einige Nutzer nicht gehalten und deren Accounts wurden jetzt von Google wieder entfernt.

Das Problem an sich ist auch nicht einfach zu lösen. Auf der einen Seite stehen Nutzer, die einen Dienst verwenden wollen, ohne dabei auf ihre Privatsphäre verzichten zu wollen oder auch auf ein Pseudonym, unter dem sie schon seit Jahren im Netz unterwegs sind und sich einen „Namen“ gemacht haben.

Auf der anderen Seite steht mit Google ein Unternehmen, das mit einem neuen Social Network sehr viele Dienste verknüpft, bei denen ausgenutzte Anonymität zu einem Problem werden kann. Konkret wird beispielsweise die Bekämpfung von Spam genannt.

Einen sehr lesenswerten und weitsichtigeren Kommentar zur Anonymität hat die Flickr-Mitgründerin Caterine Fake (ja, sie heißt auch wirklich so) auf ihrem Blog abgegeben:

Pseudonyms are not in themselves harmful. Yes, they can be used for harm, as when people use them for anonymous, slanderous attacks, trolling, etc., but in the vast majority of cases there is no harm done. Importantly, they can serve to protect vulnerable groups. There’s even a comprehensive list of people harmed by Real Names policies. In the cases where pseudonyms are being abused, it is the harm that should be stopped, not the pseudonyms.

Im Klartext heißt das: Nicht die Pseudonyme an sich sind gefährlich, sondern lediglich diejenigen, die ihre Anonymität für schädliche Aktionen ausnutzen. Und die sind ihrer Meinung nach immer noch in der klaren Minderheit.

Fazit: Anonymität in Maßen ist nicht schädlich

Anonymität muss nicht grundsätzlich gefährlich sein. (Foto: afroboof / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Spam, Trollerei oder persönliche Beschimpfungen und Beleidigungen im Internet haben bereits viele Nutzer erlebt. Dabei kommt es auch immer wieder vor, dass die Personen sich hinter einem Pseudonym verstecken und man sie so nicht richtig greifen kann, um auf ihre Aktionen zu reagieren. Das ist ärgerlich, keine Frage. Aber es ist auch seit Anbeginn des Internets ein Wesenszug der digitalen Gesellschaft, den man nicht mal eben beiseite fegen kann. Und das ist auch gut so, denn man denke nur an die Menschen in totalitären Staaten, die sich bei der Nutzung ihrer Klarnamen im Web nicht mehr politisch äußern könnten oder eben Repressalien zu erwarten hätten.

Anders sieht es dagegen aus, wenn sich Nutzer nur hinter ihrer Anonymität verstecken, um andere zu schädigen. In solchen Fällen wäre dann eine Sperrung eines Accounts mit einem Pseudonym denkbar, weil es die Allgemeinheit schützen würde. Die Schwierigkeit dabei: Wo zieht man die Grenze zwischen verträglichen und schädlichen Aktivitäten?

Ich persönlich verwende seit Jahren das Pseudonym Wissenssucher, habe mich damit allerdings nicht bei Google+ angemeldet. Dennoch bin ich der Meinung, dass ich mit meinem Pseudonym alles andere als anonym bin. Ganz im Gegenteil, durch Twitter kennen mich viele Online-Freunde nur unter diesem Namen und nennen mich bei Treffen im Real Life auch schon mal „Wissenssucher“. Man denke in diesem Zusammenhang auch an Personen, die ihren Namen mit vielen anderen Personen teilen. Für sie wäre ein einzigartiges Pseudonym sogar der Ausweg aus der zahlenmäßigen Anonymität.

Wie haltet ihr es denn mit der Anonymität bzw. der Verwendung von Pseudonymen?

Weiterführende Links zum Thema Anonymität:

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6 Antworten
  1. von hallo am 28.07.2011 (13:11 Uhr)

    Wow... Diese Feindschaft gegenüber Anonymität im Netz muss also in den Genen liegen.

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  2. von Marcel am 28.07.2011 (13:24 Uhr)

    Das ist doch wieder nur zur Hälfte gedacht. Wenn die Anonymität im Netz verschwindet, kann sich ja jeder meine Identiät zu Eigen machen und in meinem Namen auftreten, beleidigen, Verträge abschließen etc. Eine gesunde Mischung aus beidem ist richtig!

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  3. von Pascal am 28.07.2011 (13:51 Uhr)

    Für die meisten Europäer, Nordamerikaner und anderen Personen aus demokratischen und freien Ländern ist die Realname Politik kein Problem. Für viele Internet Human Rights Aktivisten aus z.B. arabischen Ländern ist ein Pseudonym der einzige Schutz, dass sie nicht im Gefängis laden wegen Regime-kritischen Meinungen.

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  4. von Arno nymp am 28.07.2011 (14:29 Uhr)

    Denke nicht das sich dadurch irgendwas verpessert.

    Spam wird weiter geben, trolle und verarsche und co auch. Gibts auch im wirklichen Leben.
    Die chance im echten leben steht sagen wir mal bei 1:10 einen Idioten zu treffen. Im internet auch, nur da treffen wir uns mit 2000 auf einmal, und nicht mit 5-6 Leuten.... deswegen tritt das Gefühl auf, das Menschen im Internet sich "daneben" benehmen weil sie Anonym sind. Dieses stimmt aber nicht.

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  5. von Ulli Würdemann am 28.07.2011 (22:33 Uhr)

    so sehr ich das bepürfnis nach anonymität verstehen kann und respektiere, der (zielführenden) debatte sind meiner erfahrung nach klarnamen förderlicher ...

    aber es muss weiterhin die möglichkeit zu anonymität geben - ergo: kein zwang zu klarnamen

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  6. von derdurden am 29.07.2011 (10:13 Uhr)

    Das soll doch wohl ein Witz sein, oder? Ein Mario Müller dürfte weiterhin den Genuss der Anonymität genießen, wohingegen eine selten Namenskombination eindeutig zuzuordnen wäre.
    Zudem: Es könnte ja sein, dass man sich in Foren beteiligt bei denen man nicht möchte, dass der Arbeitgeber erfährt, mit welchen Themen man sich in der beschäftigt.

    Solche Forderungen und auch noch die nach rechtlicher Verpflichtung sind nicht nur daneben, sondern sie gefährden das Internet und die politischen Willensbildung in diesem.

    Dass ein Mitarbeiter von Facebook diese Forderung stellt verwundert nicht. Staaten jedoch aufzufordern Gesetze zu erlassen, also Kontrolle einzuführen schlägt dem Fass den Boden aus!

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