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Digitale Gesellschaft

Urheberrechts-Debatte: Warum wir endlich eine Fair-use-Klausel brauchen

    Urheberrechts-Debatte: Warum wir endlich eine Fair-use-Klausel brauchen

(Grafik: Shutterstock)

Experten fordern eine Art pauschaler Internetgebühr für die Nutzung geschützter Werke im Netz, eine Fair-use-Klausel aber lehnen sie ab. Dabei wäre das die einzig faire Lösung für alle Seiten. Ein Kommentar von Florian Blaschke.

Die Kulturflatrate: Die großartigste Erfindung seit dem Sandwich-Toaster?

Menschen haben schon einige großartige Erfindungen gemacht. Der Sandwichtoaster gehört ganz klar dazu. (Foto: Shutterstock)
Menschen haben schon einige großartige Erfindungen gemacht. Der Sandwichtoaster gehört ganz klar dazu. (Foto: Shutterstock)

„Es geht auch darum, dass Institutionen nicht am Netz und seinen Möglichkeiten teilnehmen können.“

Experten haben sich auf einer Konferenz der „Initiative Urheberrecht“ wieder einmal für „eine Art Internetvergütung“ ausgesprochen. Ein Begriff, der ungute Erinnerungen weckt an Ideen wie die Kulturflatrate oder die Kulturwertmark des Chaos Computer Club. Es ist erst ein gutes Jahr her, da habe ich über dieses Thema gebloggt und geschrieben, „dass ich diese Utopie einer durch eine Pauschale befreiten digitalen Gesellschaft einmal für das Großartigste gehalten hatte, was Menschen seit Erfindung des Sandwich-Toasters eingefallen ist“. Doch dass ich das inzwischen anders sehe, „dass ich keine Lust hätte, mit einer Kulturflatrate auch all die Fortschrittsverhinderer und Fortschrittsverhinderinnen zu unterstützen.“ Ich schrieb über die Manipulationsgefahr und die Vergrößerung der digitalen Kluft.

Dabei sehe ich die dringende Notwendigkeit einer Überarbeitung des Urheberrechts. In Zeiten, in denen das Remixen von YouTube-Videos oder Songs, das Erstellen von Memes auf Basis von Filmausschnitten oder Fotos und die Verwertung urheberrechtlich geschützter Güter über Dutzende von Plattformen hinweg so normal geworden ist wie der Kaffee zum Frühstück, ist das bestehende System schlicht alltagsfeindlich.

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Fair use vs. Kulturflatrate vs. „problemspezifische Lösung“

Doch Matthias Leistner, Bonner Professor für „Geistiges Eigentum“, schwebt eigentlich etwas anderes vor. Er will eine „problemspezifische Lösung“, die Zusatzdienste für Suchmaschinen, News-Aggregatoren und neue Anbieter ähnlicher Geschäftsmodelle vergütungspflichtig macht, die „massenhaft und automatisiert Internet-Inhalte nutzen, aufbereiten und vermitteln“. Ein solcher neuer Vergütungsanspruch schaffe „Rechtssicherheit für Online-Plattformen wie Google, Soundcloud oder Amazon und private Nutzer“.

Was in dieser Debatte oft vergessen wird ist, dass es nicht nur um die Googles dieser Welt geht und nicht nur darum, dass private Nutzer nach derzeitigem Stand Tag für Tag Rechtsbruch begehen. Es geht auch darum, dass Institutionen wie Museen, Bibliotheken oder Veranstaltungshäuser schlicht nicht am Netz und seinen vielfältigen Möglichkeiten teilnehmen können, ohne erhebliche Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Schon Postings auf Facebook stoßen nicht selten an Rechtsgrenzen.

Eine Fair-use-Klausel belebt die Wirtschaft

Sprach sich für eine Fair-use-Klausel aus: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. (Foto: Flickr / politikdigital / CC BY-SA 2.0)
Sprach sich für eine Fair-use-Klausel aus: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. (Foto: Flickr / politikdigital / CC BY-SA 2.0)

Begriffen hatte das die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Sie hatte 2012 erweiterte Möglichkeiten zum Remixen von Inhalten und die Einführung einer „Fair-use“-Klausel ins Urheberrecht nach US-Vorbild gefordert – eine Regelung, die Studien zufolge nicht nur für Freiheiten und mehr Rechtssicherheit sorgt, sondern darüber hinaus auch die Wirtschaft beflügelt. „Erlaubt ist, was fair ist“, schrieb Leutheusser-Schnarrenberger in der FAZ. Und wer hier fair nicht als „fair für alle Seiten“ definiert, verkennt die Realität.

„Wer fair nicht als ‚fair für alle Seiten‘ definiert, verkennt die Realität.“

Insofern ist die jetzt wieder aufkeimende Debatte wichtig und überfällig, sie darf sich aber nicht nur an der aktuellen Rechtssprechung und aktuellen Gesetzen orientieren. Wenn Silke von Lewinski vom Max-Planck-Institut eine Fair-use-Klausel ablehnt, weil sie „nicht zu unserem System“ passe und die Breite von Nutzeransprüchen von Gerichten ausgelegt werde, „wozu hierzulande die nötige Rechtsprechung fehlt“, dann zeugt das nur von der Angst davor, genau diese Rechtssprechung an die Realität anzupassen. Ohne das zu tun, wird es aber keinen Fortschritt geben, der allen Seiten gerecht wird.

Das Urheberrecht, wie wir es kennen, ist jetzt genau 50 Jahre alt. In diesen 50 Jahren haben Massenmedien und das Internet unsere Welt auf den Kopf gestellt. Zeit, es mal wieder anzufassen.

Weitere Artikel des Autors findet ihr hier. Ihm auf Twitter folgen könnt ihr unter @trotzendorff.

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64 Reaktionen
Mark
Mark

Es mutet schon ein wenig wahnsinnig an, wenn der Redaktionsleiter "Online" einer Zeitschrift, die überwiegend auch von Kreativen gelesen wird, so vehement und wenig fundiert gegen das bestehende Urheberrecht bzw. den Schutz der von seinen Lesern geschaffenen Werke und damit gegen deren Lebensunterhalt anschreibt.

Warum meinen in der "Urheberrechtsdiskussion" immer die das Wort ergreifen zu müssen, die die Rechte anderer beschneiden wollen, aber ansonsten mit dem Urheberrecht nichts zu tun haben und vor Allem keine Ahnung davon haben? Sind Sie Urheber? Sind Sie Urheberrechtler? Zweimal "Nein"? Dann hören Sie doch einfach auf sich dazu unqualifiziert zu äußern Herr Blaschke!

Antworten
Florian Blaschke

Es mutet schon ein wenig seltsam an, über Qualifikationen zu sprechen, aber die eigenen nicht offenzulegen. Und was die beiden Fragen am Ende angeht: Beantworte ich nicht beide mit Nein. Insofern: Danke, dass ich mich weiter äußern darf, vor allem, wenn es um meine Meinung geht, lieber Mark.

Antworten
Volker Rieck
Volker Rieck

OK, ich habe indirekt unterstellt, das gehört zur Aktion Recht auf Remix. Das nehme ich hiermit zurück. Was Sie kommentieren intendiert aber exakt das Gleiche.

" In Zeiten, in denen das Remixen von YouTube-Videos oder Songs, das Erstellen von Memes auf Basis von Filmausschnitten oder Fotos und die Verwertung urheberrechtlich geschützter Güter über Dutzende von Plattformen hinweg so normal geworden ist wie der Kaffee zum Frühstück, ist das bestehende System schlicht alltagsfeindlich."

Es bleibt dabei, auch wenn es wehtut, 99% interessiert es nicht. Die schauen sich mit dem Frühstückskaffee vielleicht etwas an, sind aber keine Remixer.
Das ist die Realität.
Möglicherweise meinen Sie eine Bagatellschranke. Das wäre aber etwas anderes als Fair Use und tatsächlich diskutabel.

Ihr Rechtsverständnis teile ich nicht. Wurde hier mehrfach darauf hingewiesen. Mir passen Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht, viele Menschen halten sich nicht dran, also sollte sich die StVo doch endlich an die Realität anlehnen und jegliche Beschränkungen sollten aufgehoben werden.
Es wäre nach Ihrer Logik richtig.

Das Recht Herr Blaschke wägt immer verschiedene Rechtsgüter ab, die fast immer in einem Konflikt stehen. Das kann man sehr gut am Urheberrecht sehen. Es schränkt an etlichen Stellen die Rechte der Urheber ein (daher heißt das auch Schranke). Was Recht aber nicht macht, ist das populistische Hinterherhecheln. Wenn das anders wäre, hätten wir keinerlei Schutz mehr von Minderheiten, weil die Mehrheiten es verhindern würden.

Es wird erst dann blanglos, wenn es als Recht nicht mehr existriert. Bis dahin gilt es und kann durchgesetzt werden. Sie mögen die StVo für belanglos halten, wenn Sie aber beim zu schnellen Fahren erwischt werden, werden sie merken, das sie noch gilt.

Antworten
Volker Rieck
Volker Rieck

Zitat Florian Blasche:

"Ich glaube, da missverstehen sie, was ich mit Fair use meine, aber das scheint ohnehin häufiger der Fall hier in den Kommentaren zu sein."

Das ist doch die beste Bestätigung meiner These. Wenn jeder etwas anderes darunter versteht, wie soll es dann funktionieren?
Und weil das so ist, gibt es regelmäßig Gerichtsverfahren darüber in den USA. Noch mal, es ist *Richterrecht*.
Wie soll Rechtssicherheit erreicht werden, wenn jeder es für sich anders interpretiert? Da sind die Schranken im Urheberrecht erheblich besser geeignet für Rechtssicherheit zu sorgen.
Ich erwarte auch von einem Technikliebhaber, dass er solche Basics wenigstens versucht zu begreifen.

MIr ist schon klar, dass das Rap Beispiel nicht beliebt ist, aber es ist genauso passiert. Wir können gern was anderes nehmen.
Ich nehme den neuen Bondfilm, schneide 1 MInute raus und deklariere es als Remix. Dann lade ich es hoch und warte bis Sony mich irgendwann mal verklagt. Bis dahin verdiene ich Dank Zwangslizenz prächtig und das auch noch mehr oder minder legal, solange bis ein Richter sagt, es wäre gar kein Remix.
Hier wird immer so viel von Alltagswirklichkeit gesprochen. Das ist bereits Alltag. Wird bei Musik genauso gemacht.

Und um auf die Jugendlichen zu kommen. Auch die fallen unter die 90/9/1 Regel. Wenn es tatsächlich so ein immenses Bedürfnis an Recht auf Remix (das betrifft die Remixer) geben würde, dann hätten wir jedes Wochenende Millionen Menschen auf der Straße. Die 99% interessiert es schlicht nicht.
Da kann man noch so viele lauwarme Kommentare verfassen, das wird sich nicht ändern. Auch wenn das furstrierend für die Kommentatoren ist. Begreift es endlich. Eure Aktion wird nicht in Schwung kommen.

Antworten
Florian Blaschke

Der Satz „Eure Aktion wird nicht in Schwung kommen“ verkennt zwei Dinge: Es gibt in meinem Fall keine Aktion, sondern eine Meinung. Ich bin kein Aktivist, ich bin Journalist. Und das zweite ist: Was in Schwung kommt, ist nicht eine Aktion, sondern die Realität. Und die hat jetzt schon das geltende Recht überholt. Es kann sich bewegen und versuchen Schritt zu halten oder es wird in Teilen schlicht belanglos werden.

Antworten
Jens V
Jens V

-----------------
Florian Blaschke am 04.12.2015 (10:24 Uhr)

...
Ich glaube, Ignoranz wäre es, wenn es wirklich ein wissentlicher Rechtsbruch wäre. Aber in vielen Fällen ist es, so wie ich das sehe, Unwissenheit. Sicher, die schützt vor Strafe nicht. Aber wenn sie dennoch so massenhaft vorkommt, wie es passiert, ist es dann richtig, das einfach zu ignorieren? Ich denke nicht.
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Nein, ignorieren natürlich nicht. Sondern aufklären und erklären. So machen wir es in anderen Bereichen ja auch. Zum Beispiel das Thema "Aids und Kondome" - da gab es auch viel Unwissen und es wurden Kampagnen dazu aufgelegt. Wenn Unwissen der Grund ist, dann sollte nicht das Gesetz angepasst werden und damit (Überlebens-)Rechte anderer gekippt werden, sondern die Unwissenheit durch Aufklärung bekämpft werden. Und wenn es Unwilligkeit ist, dann muss man eben erklären. Das ist mühsam, klar. Aber es geht nicht zu Lasten der Lebensgrundlage der Urheber und es dient langfristig dazu, dass auch weiterhin gute Inhalte erzeugt werden.

Antworten
Florian Blaschke

Das habe ich weiter oben schon zu einem anderen Kommentar geschrieben: „Wäre ich bei dir, wenn ich nicht glauben würde, dass es in vielen Punkten für Aufklärung schlicht schon zu spät ist. Da haben etliche Parteien (nicht die politischen) schlicht die Entwicklung verschlafen.“

Antworten
Jens V
Jens V

Was ist denn am bestehenden Recht kompliziert? Der Grundsatz ist doch wohl so einfach wie einleuchtend: Was mir nicht gehört, darf ich nur nutzen, wenn ich den frage, dem es gehört. Leider wird dieser Grundsatz, der unser Zusammenleben offline selbstverständlich bestimmt und für Frieden sorgt, in der Netzgemeinde nicht akzeptiert. Ohne, dass es dafür auch nur einen Grund gibt.

Antworten
Markus
Markus

Das bestehende Recht ist in allen Bereichen des Lebens gleich kompliziert oder unkompliziert.

Würde man diesen Grundsatz im digitalen beherzigen, es gäbe die ganze Debatte nicht.

Antworten
Florian Blaschke

Das ist das, was ich oben geschrieben habe. Man kann vor dieser Entwicklung die Augen verschließen und darauf beharren, dass etwas doch bitte so zu bleiben hat, wie es war, oder akzeptieren, dass sich Dinge verändern, ob sie einem gefallen oder nicht. Das meinte ich mit Haltung – und gegen diese Haltung anzuargumentieren, funktioniert eben leider nicht. Und was den Satz „Das bestehende Recht ist in allen Bereichen des Lebens gleich kompliziert oder unkompliziert“ angeht, klingt er nach Kapitulation. Die Nutzer meines Produkts verstehen die Bedienungsanleitung nicht? Oh. Pech gehabt. Die verstehen ja die Anleitungen anderer Hersteller auch nicht. Kein Grund, was zu ändern.

Antworten
Markus
Markus

Wann haben Sie denn die letzte Bedienungsanleitung angesehen? Das macht man als junger Mensch heute gar nicht mehr. Das bringt mich zu dem Punkt, weil sich keiner mehr die Zeit dafür nimmt, Dinge zu verstehen, sondern man setzt voraus, dass sie eben funktionieren, wie ich es erwarte.

Kapitulationen sehen anders aus. Mit der Aussage möchte ich darauf hinweisen, dass wenn man das Urheberrecht als zu kompliziert definiert, dass wäre das BGB ja ebenso zu kompliziert. Aber damit kennen sich die Leute ja aus. Oder wie kommen sonst die vielen Geschäftstätigkeiten zustande.

Wo ich Ihnen uneingeschränkt recht geben würde: Die Anwendung von Recht ist kompliziert, was aber nicht an der zugrundeliegenden Materie liegt, sondern an der Art, wie Richter und Rechtsanwälte es naturbedingt für ihre Mandanten anwenden. So kommt eine Ausnahme nach der Beugung und so weiter. Als Fotograf bin ich mir sicher, dass es nicht sicher rechtens ist, wie man arbeitet.

Florian Blaschke

Korrekt. Recht ist kompliziert, und im Grund ist das BGB für einige Punkte sicher auch zu kompliziert. Es hat sich aber ein gewisser Kanon etabliert, der in das Verhalten der Menschen übergegangen ist. Das hat Zeit gebraucht, hat aber unter anderem dazu geführt, dass Menschen gewisse Dinge tun oder lassen, ohne das dahinter liegende Gesetz zu verstehen. Im Fall des Urheberrechts geschieht aber seit einigen Jahrzehnten etwas anderes. Es etablieren sich Verhaltensweisen am Gesetz vorbei, sie überholen das Gesetz quasi im Sprint, was unter anderem deshalb so gut funktioniert, weil die Sprache, die für juristische Texte genutzt wird, zu kompliziert ist, um sich damit als Laie ernsthaft auseinandersetzen zu können und weil Verhaltensweisen wie im Falle des Fair use aus anderen Ländern und damit anderen Rechts-Ordnungen übernommen werden.

Markus
Markus

Ich verstehe es nicht..dann können wir das Recht doch lassen wie es ist, denn die Änderung des Rechts würde ja wieder keiner verstehen? Oder dann doch?

Florian Blaschke

Könnte ein Argument sein, wenn Neuregelungen nicht immer eine stärkere Aufmerksamkeit kriegen würden als alte Regelungen, die noch mal jemand rauskramt und sagt: „Lies dir das durch. So geht's.“ Und ganz klar: Wenn eine Neuregelung so formuliert ist, dass sie ein Großteil nicht versteht, beißt sich die Katze in den Schwanz.

Christian Weber
Christian Weber

Fair use? Fair bedeutet, dass man nicht von anderen kopiert und stiehlt. Das ist fair. Ende.

Antworten
Markus
Markus

Jap..und genau das wäre heute ja schon möglich.

Antworten
Jens V
Jens V

Danke für die klaren Worte.

Antworten
Jens V
Jens V

Ich verstehe nicht, mit welchem Rechtsempfinden Menschen von mir fordern, dass sie meine geistige Arbeit kostenlos nutzen und weiterveräußern dürfen. Schon mal zu einem Autohändler gegangen und um ein kostenloses Auto gebeten, dass dann mit einer anderen Lackierung verkauft (oder auch verschenkt) werden soll? "Fair use" ist ein Schlagwort, in dem der Urheber nicht fair behandelt wird. So wie das Urheberrecht heute aussieht, ist doch alles gut. Sofern man Eigentum und Leistung nicht grundsätzlich ablehnt.

Antworten
Florian Blaschke

Ich glaube nicht, und das ist keine Ablehnung von Eigentum, dass diese Haltung heute noch funktioniert. Denn die Lebenswirklichkeit vieler Menschen sieht anders aus, da brauchen wir uns nur die Meme-Kultur anzuschauen. Natürlich kann man das aus eigenem Rechts- oder Gerechtigkeitsempfinden verurteilen, aber der Umgang, der sich auch durch das Internet oder mobile Geräte, gerade mit Fotos, Audio- oder Video-Aufnahmen (oder Schnipseln davon) etabliert hat, wird bleiben. Man kann versuchen dagegen anzukämpfen oder Lösungen zu finden, die eben AUCH die berechtigten Interessen der Nutzer berücksichtigen.

Antworten
Markus
Markus

Kleine Empfehlung..lesen Sie ihre Texte mal in ein paar Jahren und sagen Sie nicht, das hätte keine kommen sehen.

Also um meinen Content zu erstellen investiere ich viele tausend Euro und sehr viel Zeit. Und dann soll ich es gut finden, weil es eben alle so machen, dass dieser Content fair-used wird? Fair nach ihrer Definition schnell verwechselt mit kostenlos und ohne Gegenleistung?

Sorry, aber bitte nicht wundern, wenn Ihr Chef auf die Idee kommt: Herr Blaschke ich zahlen Ihnen jetzt den berühmten 1€ und würde gern Ihre Inhalte fair nutzen. Als Gegenleistung erhalten Sie sicher eine große Reichweite und die Werbeinnahmen landen auf meinem Konto. Finden Sie doch fair oder?

Florian Blaschke

Ich glaube, da missverstehen sie, was ich mit Fair use meine, aber das scheint ohnehin häufiger der Fall hier in den Kommentaren zu sein. Und was das Lesen in ein paar Jahren angeht: Das werde ich tun und habe ich schon häufiger getan. Und ich habe mich auch schon häufiger geirrt. Das gehört dazu, wenn man als Journalist Kommentare schreibt. Und dann gehört es auch dazu, sich selbst zu korrigieren und den Irrtum einzugestehen. Das gilt für Rechtschreibfehler ebenso wie für irrige Annahmen. Sollte das in ein paar Jahren so sein: Ich werde dazu stehen.

Hochschul-Duzent
Hochschul-Duzent

1.
Diese Folie erklärt den Unterschied zwischen Copyright und Urheberrecht: http://www.bpb.de/system/files/pdf/0YDMH0.pdf

2.
"Das Urheberrecht, wie wir es kennen, ist jetzt genau 50 Jahre alt. In diesen 50 Jahren haben Massenmedien und das Internet unsere Welt auf den Kopf gestellt. Zeit, es mal wieder anzufassen."

Darum wurde auch 2008 das folgende Gesetz beschlossen:

"Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz), § 31a Verträge über unbekannte Nutzungsarten"
http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__31a.html

3.
Zeitlich befristet, für einen definierten Nutzerkreis und geschütz ist bereits jetzt die Zugänglichmachung urheberrechtlich geschützer Werke erlaubt.

Antworten
Hans Hafner

Also ich halte mal fest:

Fair use wird das Persönlichkeitsrecht schwächen, dabei aber keine rechtliche Sicherheit schaffen, sondern im Gegenteil, noch mehr Unsicherheit. Diese Unsicherheit wird dazu führen, dass die User noch mehr "erst mal einfach machen" und am besten auch gleich noch monetarisieren, während die Urheber den schwarzen Peter in der Hand halten. Schöne verstärkte Spaltung.

Fair use ermöglicht den Plattformen, billig hochwertige und publikumswirksame Inhalte vorhalten zu können um ihr Geschäftsmodell zu stärken. Natürlich ohne die Urheber beteiligen zu müssen, deren Arbeiten meist die Grundlage der Memes und Remixe sind.

Ist natürlich ein guter Deal. Für alle außer die Urheber.

Genau aus diesem Grund sind wir froh, dass wir das Urheberrecht haben und nicht das Copyright. Aber das hat Volker weiter oben ja schon geschrieben.

Beste Grüße
Hans

Antworten
Florian Blaschke

Hier wurde ja schon Lessig erwähnt, deshalb sei auch darauf hingewiesen, dass er in einer Fair-use-Regelung durchaus einige Vorteile für die Urheber sieht. Geringere Barrieren für Remixes könnte zum Beispiel eine Fangemeinde aktivieren. Eine solche Aktivierung würde steigende Fanzahlen bedeuten, was wiederum mehr Umsatz bedeuten kann.

Antworten
Andreas Roedl
Andreas Roedl

Herr Blaschke,

da Sie sich so sehr für das Thema Urheberrecht interessieren, nehme ich an, dass Sie die letzten beiden Tage auf der Konferenz "Die Zukunft des Urheberrechts" verbracht haben. Von Dobusch bis Maas war alles vertreten und es wurde sehr intensiv auch "Fair Use" diskutiert. Allerdings auf einem Niveau, welches ich in Ihrem Kommentar und Ihren Kommentaren nicht erkennen kann.

Aus der Ecke der Urheberrechtsreformer hört man immer wieder, dass Rechtsunsicherheiten bekämpft werden sollen, gleichzeitig wird ein "Recht auf Remix" und "Fair Use" gefordert. Das passt nicht zusammen.

Antworten
Florian Blaschke

Dass ein einzelner Kommentar nicht die Tiefe haben kann, die eine mehrtägige Konferenz bietet, halte ich für selbstverständlich. Und ob die aktuelle Situation, in der Pauschalmaßnahmen gegen (vermeintliche) Urheberrechtsverstöße an der Tagesordnung sind, mehr Rechtssicherheit bietet als eine Fair-use-Regelung, ist vermutlich eine Frage der Perspektive – sprich der Frage, ob man eher aus Nutzersicht oder aus Urhebersicht auf die Dinge schaut.

Antworten
Volker Rieck
Volker Rieck

Irgendwie warte ich immer noch auf wirklich gute Argumente dafür. Im Kommentar stehen sie nicht. Ich bin mir noch nicht mal im Klaren darüber, ob die Unterschiede der Rechtssysteme wirklich bekannt sind.
Die Diskussion wird nicht geführt oder auf Meta gezogen (was für ein Rechtssystem wollen wir?) um danach irgendwie von dannen zu ziehen.
Oder es geht auf das nächste Ästchen, in diesem Fall mal eben einen Graben ziehen zwischen Kreativen und den Konsumenten. Funktioniert nur schlecht, den meisten (siehe 90/9/1 Regel) ist Fair Use komplett egal. Die gehen auf die Straße, wenn das Lausaugen in Gefahr ist (ACTA) aber nicht für ein Recht auf Remix.

Und nun mal wieder zur Realität: Remix ist nicht gleich Remix. Gut gesagt Herr Kommentator.
Um bei dem Beispiel Rapper und Megamix zu bleiben, den erstelle ich, zahle die Zwangslizenz und lade es überall fleißig hoch. Dann warte ich, bis der Rapper mich irgendwann vor den Kadi zerrt. Bis dahin habe ich dann aber völlig legal mit seinem Werk schön Geld verdient. Super Idee.

Es ist keine Frage der Perspektive, es ist eine Frage des Verständnisses. Genügend Hinweise habe ich doch nun schon gegeben. Es ist RICHTERRECHT. Es gibt demjenigen, der es anwendet das Recht einen Anwalt zu beschäftigen und später ein Gericht. Ist das echt so schwer zu verstehen?

Eine Frage noch: Was sind bitte Pauschalmaßnahmen?

Florian Blaschke

Die Frage ist doch nicht, was zu verstehen ist, sondern – und das habe ich ja auch schon geschrieben – welche Haltung ich habe. Und, und damit wäre ich beim entscheidenden Argument in meinen Augen, ich habe die Haltung, dass das geltende Recht alltagsfeindlich ist, weil es die Wirklichkeit der Menschen ignoriert. Zudem ist es, und das haben wir in den letzten 20 Jahren erlebt, nicht in der Lage, auf technologische Entwicklungen und die Entwicklung des Alltags auch nur annähernd zu reagieren. Eine schnellere Reaktion würde die Fair-use-Regelung aber ermöglichen.

Markus
Markus

Sorry, aber mit der Argumentation, dass das geltende Recht für die bequeme Mehrheit alltagsfeindlich ist, könnte man das Recht als solches gleich abschaffen. Ich möchte Lebensmittel einfach mitnehmen und nicht bezahlen. In der Stadt finde ich die Geschwindigkeitsbegrenzung unsinnig, weil im Alltag eh immer schneller gefahren wird.

Das Recht, wie es besteht ist einfach genug, es will nur keiner verstehen, weil es eben nicht komfortabel ist. Und damit kommen wir zum Ende..es geht um ein wirtschaftliches überleben der Produzenten, das fair für beide ist und das würde das aktuelle Recht bereits hergeben. Nur versteht der Konsument unter fair naturbedingt etwas gänzlich anderes als der Produzent. Genau deswegen ist eine Fair-Use-Regel völlig unsicher für beide Seiten.

Florian Blaschke

Das Argument greift aber nur bedingt bis gar nicht. WÜRDE ein Großteil der Bürger seine Lebensmittel einfach mitnehmen, ohne zu bezahlen, stünden wir vor der Situation, die du beschreibst. Das ist aber nicht so. Anders als im Netz, wo Praktiken, die gegen geltendes Recht verstoßen, an der Tagesordnung sind. Und ich glaube auch nicht, dass beispielsweise ein 16-Jähriger das Recht nicht verstehen WILL. Er kann es nicht verstehen, weil es ihm niemand erklärt – und er kann es nicht verstehen, weil sein Alltag nichts damit zu tun hat. Für ihn ist das, was er tut, so normal wie Atmen oder eben die Tatsache, dass er Lebensmittel bezahlen muss. Wobei eine sprachliche Vereinfachung des Rechts, um das Verständnis dafür zu erleichtern, noch mal eine andere Baustelle wäre.

Markus
Markus

Sie ignorieren hier ein paar Kleinigkeiten.
(ich mag die Rechtssprechung im Übrigen NICHT)

Das Recht hat sehr wohl mit seinem Alltag zu tun..es interessiert eben nur nicht, weil es ihm zu kompliziert oder unbequem ist.

Es wird ignoriert, um dann die Forderung aufzustellen, dass sich die Umgebung an den eigenen Lebensstil anpassen soll. Hier greifen meine Beispiele sehr gut.

Wenn Unrecht im Ladengeschäft so leicht wäre, wie im Internet, dann würde sich das Gleiche ergeben und die Auswirkungen wären nicht anders. Und zu glauben, dass Inhalte ja nur geschriebener Text sind, wohin Käse etwas substanzielles ist, an dem man sehen kann, dass es wohl einen Wert hat, ist ignorant.

Nach Ihrer Linie brauchen wir kein Recht mehr, sondern leben in der Anarchie. Das wäre sogar viel flexibler, weil wenn sich die Lebensgewohnheiten ändern muss man nicht erst noch ein Recht daran anpassen.

Florian Blaschke

Genau das habe ich weiter oben mit verschiedenen Haltungen gemeint, bei denen eine Diskussion dann irgendwann müßig wird. Wenn man sich mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen unterhält, stellt man nämlich durchaus fest, dass das Problem eben nicht Ignoranz oder mangelndes Interesse ist. Und wenn und aber (Thema Käse und Text) stehen hier nun mal nicht auf dem Platz. Hier geht es um Realitäten, die man entweder erst einmal akzeptieren oder ablehnen kann. Diese beiden Einstellungen gehen vermutlich genauso wenig zusammen wie die von Veganern und Fleischessern. Sicher kann man beim Thema Fair use Anarchie rufen und Ängste schüren, aber ob das hilfreich ist, wage ich zu bezweifeln.

Markus
Markus

Nicht falsch verstehen..aber war da jetzt ein Argument versteckt, ausser das sie die Diskussion vom Thema wegleiten möchten, weil Sie einen Vergleich mit der realen Welt dann doch scheuen?

Ich möchte darauf hinweisen, dass das Rechte und das Internet NICHT auf junge Menschen beschränkt ist und ich bewusst Ihr Argument mit den Jugendlichen auf den Sammelbegriff "Menschen" erweitert habe.

Das das Vokabular Anarchie Ängste hervorrufen soll, wäre mir neu, wo es doch mit individueller Freiheit verbunden wird, was ja dem grundsätzlichen Wesen am nähesten kommt. Nein ich möchte hier keine Ängste hervorrufen und wüsste nicht, wie man vor diesem Thema Angst haben könnte.

Sie sind vom Fach..wenn Ignoranz der falsche Begriff ist, wie wäre dann der richtige für das Verhalten? Wenn ich bekannten Rechtsbruch begehen und mich nicht dazu informiere, dann ignoriere ich hier bewusst Dinge, um es nicht zu kompliziert für mich werden zu lassen. Dinge einfach zu verwenden ist eben einfacher, als vorher zu fragen und mit der Antwort leben zu müssen.

Florian Blaschke

„Nicht falsch verstehen..aber war da jetzt ein Argument versteckt, ausser das sie die Diskussion vom Thema wegleiten möchten, weil Sie einen Vergleich mit der realen Welt dann doch scheuen?“ Die Frage verstehe ich nicht.

Ich glaube, Ignoranz wäre es, wenn es wirklich ein wissentlicher Rechtsbruch wäre. Aber in vielen Fällen ist es, so wie ich das sehe, Unwissenheit. Sicher, die schützt vor Strafe nicht. Aber wenn sie dennoch so massenhaft vorkommt, wie es passiert, ist es dann richtig, das einfach zu ignorieren? Ich denke nicht.

Markus
Markus

Unwissenheit schütz nicht vor Strafe, weil es sonst zu einfach Wäre einer Strafe zu entkommen und man erwartet, wenn jemand etwas tut, dass er sich vorher über die Sachlage informiert.

Aber vielleicht ist es dann der richtige Hebel die Unwissenheit zu bekämpfen. Das wird zwar schwer, aber es wäre vielleicht der bessere Weg, denn egal wie das Recht angepasst wird, Unwissenheit ist dann immer noch da.

Bestes Beispiel ist Fotolia, wo doch jeder der dort Bilder kauft denkt, es wäre jetzt im Umgang wie geistiges Eigentum zu verwenden, obgleich Fotolia bestens über die Sachlage aufklärt.

Florian Blaschke

Wäre ich bei dir, wenn ich nicht glauben würde, dass es in vielen Punkten für Aufklärung schlicht schon zu spät ist. Da haben etliche Parteien (nicht die politischen) schlicht die Entwicklung verschlafen.

Antworten
Markus
Markus

Das klingt schon eher nach Kapitulation :-) Nein im Ernst. Genauso wie es sich entwickelt hat kann man mit Aufklärung immernoch viel erreichen. Wenn man es begleiten würde mit zu etablierenden Standards.

Was könnte ich mir da vorstellen?! Es ist heute relativ schwer sich mit jemanden über einen Remix zu verständigen, weil es keine "vertraglichen" Standards gibt. Würde man hingegen ähnlich dem CC-Prinzip einen Standard etablieren, der das Fragen und Antworten erleichtert, wäre das ein RIESEN Gewinn für beide Seiten. Und das würde dann vielleicht sogar fair für beide Seiten definiert werden können. Dann muss man sich nicht intensiv mit der Rechtsprach auseinandersetzen, sondern reduziert sich auf einfache Klauseln.

Florian Blaschke

Was genau meinst du mit Fragen und Antworten? Und wie könnte dieser Standard konkret aussehen?

Markus
Markus

Beispiel A: Ich möchte den obigen Artikel oder ein Video auf meiner Seite einbetten und einen ausführlichen Gegenkommentar schreiben. Dann würde ich Sie "Fragen" und Sie würden mir entsprechend "Antworten". Derzeit wäre allein schon die Frage zu kompliziert und entsprechend schwer würde Ihnen die Antwort fallen. Im Zweifelsfall sagen Sie allein schon nein, weil Sie keine Zeit haben sich mit den juristischen Folgen auseinanderzusetzen.

Beispiel B: Wenn ein Model auf der Suche nach einem TFP ist, dann ist allen durch diese drei Buchstaben klar, wie es laufen wird. Ohne viel weiteres gerede kann man dem zustimmen oder eben nicht.

Beispiel C: Wenn an einem Text "CC-BY" steht, ist einfach nachlesbar, was ich mit dem Text tun darf.

Ziel wäre es also, ein "CC-BY-SC" zu haben. SC ist erfunden und könnte für "Split commerce" stehen, also die Einnahmen werden hälftig abgeleitet. ABER sowas gibt es einfach nicht und selbst wenn ich den Inhalt fair nutzen wollte, es gäbe heute schlicht keine sinnvolle Basis dafür.

Gäbe es ein solches System das Recht wäre "egal", weil man sich auf sehr einfache Weise einigen könnte.

Exkurs: Bei Udemy kann man zum Beispiel an seinem Kurs einstellen, wer wie stark am Umsatz durch einen Kurs beteiligt wird.

Florian Blaschke

Das klingt unabhängig von der komplexen technischen Umsetzung spannend, trifft aber den Kern dessen nicht, was ich für das große Problem halte. Nehmen wir das Beispiel von Memes. Hier für die Weiterverbreitung oder Umnutzung eines bestehenden Inhalts den Urheber nach der Genehmigung zu fragen, wäre in der Realität schlicht nicht möglich.

Markus
Markus

Nur damit wir bei Meme nicht aneinander vorbeischreiben..das sind nicht steuerbare Phänomene meist mit dem Ziel verbreitet zu werden.

Es wäre eigentlich schon möglich, würde man den Menschen nur gutes unterstellen. In vielen Dateiformaten sind derartige Urheberinformationen ja enthalten und wenn man diese nicht mutwillig löscht, dann ist der Urheber langfristig bekannt.

Vielleicht sieht man an diesem Beispiel, dass ein geändertes Recht überhaupt gar nichts bewirken würde. Aufklärung und dies in der gesamten Kette an Beteiligten ist unerlässlich und überfällig.

Florian Blaschke

Zum Großteil würde ich dir Recht geben. Aber es gibt eben leider Beispiele, wo auch Memes nicht als solche gedacht waren. Stichwort Trollface. Auch bei nicht steuerbar bin ich bei dir. Was für mich bedeutet, dass man dem Rechnung tragen muss.

Markus
Markus

Aus meiner beruflichen Praxis habe ich zwei Dinge beizusteuern.

1) Menschliches handeln lässt sich NIE in Systeme übertragen.
2) Ein System ist nicht falsch, nur weil es Ausnahmen gibt, die man manuell nachsteuern muss.

Konkret: Egal welche Anpassung und egal an welcher Stelle, sie wird für Memes nicht passen können, weil ein fair hier - wie Du selbst festgestellt hast - nicht funktionieren kann.

Vielleicht ist die Diskussion um das Thema genau deswegen so schwer, weil es kaum greifbare Auswüchse hat, die man eben nicht mit einem Bierdeckel erschlagen kann. Und bei der Gelegenheit..ich halte vom heutigen Umgang im Umfeld der Urheber nicht so arg viel und sehe es nur zu oft aus der Sicht der Geschäftemacher. Mir wäre zwar hier eine radikale Änderung am Liebsten und vor allem, wenn diese der Transparenz dienen würde, damit man auf einen Blick sieht, was welche Konsequenzen hat, aber ich muss auch zugeben, dass es nicht so kommen wird. Nein das ist keine Kapitulation, man könnte es Einsicht nennen.

Florian Blaschke

In vielen Punkten einverstanden. Ich glaube nur nicht, dass es sich noch um Ausnahmen handelt. Ich glaube Dinge wie die Memekultur oder das Remixen (und bitte nicht wieder das Rap-Album ohne Pausen, das ist kein gutes Beispiel) sind keine Ausnahmen mehr, sondern Massenbewegungen.

Markus
Markus

Dann läge das Problem aber nicht im Recht, sondern in der Abbildung im Medium. Es muss die Umsetzung von Recht im Medium so leicht sein, dass man, wie in allen anderen Bereichen des täglichen Lebens, es "intuitiv" (ich mag das Wort zwar nicht, passt hier vielleicht trotzdem) umsetzen kann.

Wenn dem so wäre, dann hätte ich keine Hoffnung, dass sich hier bald etwas bessert. Das heutige Silodenken der großen Provider mit dem Anspruch an schnelles Wachstum, steht dem im Wege.

Kommen wir zu einer zentralen These..weil jemand sich im Medium bewegen möchte und damit dies geht geltendes Recht ignoriert, ist nicht das Recht der ausschlaggebende Eckpunkt als solches. Derjenige könnte kein für beide Seiten faires Recht umsetzen, solange das Medium dies nicht zulässt.

Thomas Elbel
Thomas Elbel

Gerne. Meld Dich, wenn Du mal in Berlin bist.

Antworten
Volker Rieck
Volker Rieck

Schade, es wurde doch gerade interessant.
Aber sei es drum.
Ich werte die Beendigung allerdings etwas anders.
So braucht man nicht mehr nach Argumenten suchen ;-)

Florian Blaschke

Naja, wie ich schon angemerkt habe, gibt es einen Punkt in einer Diskussion, wo es eben nicht mehr um Argumente geht, sondern um Haltungen. Und über die zu diskutieren, ist dann doch eher müßig.

Volker Rieck
Volker Rieck

Warum wir unbedingt eine Regel aus einem anderen Rechtssystem zwangsimportieren müssen, kann keiner der Fair Use Rufer wirklich überzeugend beantworten.
Das US Recht sieht den Vermarkter (Copyright, das Recht zu Kopieren) als den Mittelpunkt, in Europa ist es der Urheber. Allein da kollidiert es schon.
Fair Use ist Richterrecht und immer Einzelfallentscheidung. Es ist, wie der Godfather der Urheberrechtskritiker Lessig sagt, das Recht einen Anwalt zu beschäftigen und jeden Einzelfall gerichtlich klären zu lassen.
Beispiel Goldiebox/Beasty Boys.
Das Wort fair hört sich toll an, benutzt etwas fair und es wird schon in Ordnung sein. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Die Recht auf Remix Kampagne kommt auch deshalb nicht in Schwung, weil die 90/9/1 Regel greift. Nur 1 Prozent der Internetnutzer sind wirklich aktiv, die anderen 99 gelegentlich bis gar nicht. Sie konsumieren nur passiv.
Und aus dem Grund interessiert sie die Kampagne auch nicht.

Für mich wirft es mehr Fragen auf, als es beantwortet. Wenn nämlich wie gerade geschehen, das aktuelle Album eines Rappers bei Youtube als Megamix hochgeladen wird, nur weil die Pausen zwischen den Tracks herausgeschnitten wurden, dann möchte ich gern mal wissen, wer das zukünftig beurteilen soll. Ein Remix Gericht?
Es wäre aber zukünftig legalisiert, der/die Urheber schauen in die Röhre, werden mit einer Zwanglizenz abgefunden. Der Uploader reibt sich die Hände. Nie wieder arbeiten.

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Florian Blaschke

Ganz so einfach ist es ja nicht. Nicht überall, wo Remix drauf steht, ist auch Remix drin. Aber ja, so wäre das Prinzip. Über Streitfälle entscheidet die Justiz, so wie sie es in unserem Urheberrecht ja auch schon tut. Der Knackpunkt ist doch die Frage, was für ein Rechtssystem wir wollen: Eines, das alltagstauglich ist, weil es alltagstaugliche Praxis mit einschließt oder eins, das an der Realität vorbei Grenzen zieht.

Antworten
Thomas Elbel
Thomas Elbel

Trotzdem hat Volker Rieck recht. Das Konzept passt nicht ins autorenzentrierte europäische Droit d'auteur. Das sagte übrigens heute auch Richter am Bundesverfassungsgericht Paulus auf einer Konferenz zur Zukunft des UrhR und der sollte es wohl wissen. Und es verbessert auch nichts, sondern es macht aus einem Dutzend sicherlich nicht immer ganz einfach interpretierbarer Schrankenregelungen eine Wundertüte von richterlichen Einzelfallentscheidung mit nachfolgend jahrelanger Rechtsunsicherheit gegen die die "Metall auf Metall"-Prozesse wie ein juristischer Spaziergang wirken werden. Aber das Wort "fair" in Fair Use scheint auf viele Leute eine Art hypnotische Wirkung in dem Sinne zu haben, dass dann jeder denkt, wo "fair" drauf steht ist auch "fair" drin. Das ist natürlich Unsinn. Fair ist ein denkbar unbestimmter Rechtsbegriff und im Einzelfall wird der Urheber sagen x sei fair, der Nutzer dagegen y und der Plattformprovider findet es sei eigentlich z.

Florian Blaschke

Das mit dem Recht haben ist ja so eine Sache – und wenn alles, was Richter in Deutschland schon von sich gegeben haben, automatisch fair und gerecht wäre ...

Thomas Elbel
Thomas Elbel

... und das ist gleich das beste Argument GEGEN fair use.

Florian Blaschke

Oder gegen deine Argumentation? ^^

Thomas Elbel
Thomas Elbel

Das wohl eher nicht.
Wenn die Richter schon Probleme haben, die einigermaßen konkret gefassten Schrankenregelungen des Urheberrechts zur allgemeinen Zufriedenheit auszulegen, wie soll dass dann mit dem völlig diffusen Konzept des fair use klappen?!

Volker Rieck
Volker Rieck

Na prima, eine Remix Polizei und Remix Gerichte.
Und die legen dann fest, ob es ein Remix war oder nicht. Puhh.
Rechtssicherheit ist etwas anderes. Und bis zur Klärung kassiert der Uplaoder Dank Zwangslizenz ohne eigenes Zutun locker ab. Die Menschen sind erfinderischer als man denkt, wenn es um solche "Nutzungen" geht. Daher ist die Idee nicht wirklich durchdacht.

Das andere ist eine Meta Diskussion. Können wir gerne führen. Wo wollen wir anfangen? Straßenverkehrsordung?
Aufheben, hält sich eh keiner dran. Steuerrecht? Muss weg, finden alle nur nervig. Und Steuerhinterziehung verhindert es eh nicht. Das Steuerrecht muss sich an die Realität anpassen, niemand zahlt gern Steuern.

Zurück zum Punkt: Bitte ernsthaft mit den unterschiedlichen Rechtssystemen auseinandersetzen und dann noch mal in sich gehen. In der Regel kommt man selbst drauf, warum das hakt.

Was wir eher brauchen: Systeme mit niederschwelligen Hürden um für z. B. Remixe etwas rechtssicher zu lizenzieren. Dafür müssen wir aber nicht das Recht ändern.

Florian Blaschke

Korrekt. Es ist eine Meta-Diskussion, bei der spätestens jetzt klar wird, dass es hier nicht um Tatsachen geht, denn was funktionieren würde oder nicht, weiß keiner von uns, bevor es nicht Realität ist. Ganz offensichtlich prallen hier Grundhaltungen aufeinander, die nicht kompatibel sind. Was heißt, wir führen die Debatte entweder bei einem Bier weiter oder gar nicht. ^^

Markus
Markus

Ohje..darf ich an alle Arten solcher Systeme erinnern?! Besser nicht, denn ich verstehe nicht, warum wir das alte Prinzip, welches schon so oft fehlgeschlagen ist, ständig wiederholen müssen.

Es gibt nicht viel, was es braucht. Einen wirklich sehr einfachen Mechanisums, um Inhalte fair verkaufen zu können und zwar so flexibel wie das Internet selbst. Und das setzt das Verständnis voraus, diese dort eingezahlte Leistung aus von den Konsumenten ausbezahlt werden muss.

Etwa 95% der Teilnehmer im Netz sind Konsumenten und die schaffen es nicht, die 5% der Erzeuger zu bezahlen? Das liegt an beiden Seiten und egal welches Grundsatzprinzip angewendet werden soll..es kann nicht fair sein.

Bekommt der Autor eines wissenschaftlich gehaltvollen Artikels in diesem System auf Basis der Klicks also kein Geld mehr, weil ein hitziger Artikel mehr Klicks erzeugt? Würde jeder mal den Wert sehen, den er zu zahlen hat, dann würde sich vielleicht wieder einiges korrigieren.

Ich selbst würde ein ganz anderes Modell ausprobieren. Beim Kauf eines Artikels wird eine Obergrenze festgesetzt und je nachdem, wie der Artikel sich binnen eines Jahres vermarktet hat und/oder wie treu der Leser meiner Seite gegenüber ist, geht der Preis nach unten. Fair für beide Seiten eben.

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Florian Blaschke

Dein Modell musst du mir noch mal konkreter erklären. Der Preis geht nach unten, heißt ja, jemand zahlt. Aber: Wer bezahlt hier wen und auf welchem Weg?

Antworten
Markus
Markus

Ausgangslage: Die Herstellkosten für einen Artikel inkl. aller Nebenkosten und dem Gewinn betragen bspw. 1000€. Bei meiner "erwarteten" Reichweite möchte ich 5€/Besucher. Fair wie ich hier denke definiere ich es als Obergrenze. Wenn jetzt der Artikel durch die Decke geht, bleibe ich fair und nehme von jedem nur 0,50 €. Ebenso reduziere ich den Preis für treue Leser. WARUM? Eigentlich möchte ich meine Artikel nicht teuer anbieten, andererseits kann ich als winziger Publisher das Risiko nicht alleine tragen.

Habe ich behauptet, es wäre schon ein finaler Vorschlag? Nein, dass wäre zuviel verlangt. Das Modell ist mir vorhin eingefallen.

Der eigentliche Hemmschuh ist die technische Abwicklung, denn da scheitere ich selbst als Konsument. Für mich ist das Abo keine Alternative, denn ich surfe durch das Netz und möchte nicht an jeder Stelle ein Abo abschließen. Einen Artikel für 2€ finde ich bei meinem Konsum dann aber fast schon zu teuer, vor allem wenn man den wirklichen Inhalt berücksichtigt. Möchte ich aber 0,50€ ansetzen, verliere ich die fast völlig an den PaymentProvider.

Florian Blaschke

Was Du vorschlägst, klingt nach einem Erlösmodell für Publisher. Aber das Urheberrecht scheitert ja nicht daran, dass Verlage ihre Artikel an den Mann bringen wollen, sondern daran, dass Privatpersonen, Institutionen und Marken längst ein anderes Verständnis davon haben, wie sie mit allen möglichen digitalen Inhalten verfahren (wollen).

Markus
Markus

Jain..alles ist kostenlos und damit doch frei verwendbar? Wenn sie etwas kostenlos überlassen bekommen, dann gehen sie damit nicht so sorgsam um, als wenn es einen Wert für sie hat, den sie selbst fühlen können. Geld ausgeben tut ersteinmal weh.

Das Globale Verständnis von Urheberrecht wird sich nie zum Guten wandeln. Egal mit welchem Modell derzeit hantiert wird, geht es doch nicht darum das Kopieren zu unterbinden, sondern darum, wer welches Geld mit welchen Inhalten verdient. Und damit geht es zwar um Eigentum, aber eigentlich immer um Geld. Wenn das Urheberrecht der gängigen Praxis angenähert wird, dann kann man es doch gleich sein lassen und ganz abschaffen. Die derzeitige Lage ist defakto rechtsfreier Umgang?!

Als winziger Publisher kann ich meine Inhalt weder schützen noch sinnvoll monetarisieren (Werbung mag ich nicht).

Florian Blaschke

Ich fürchte, das ist mir zu theoretisch.

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