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Fankauf-Diffamierungen: So vermeidest Du Abmahnungen

Der ist nicht nur umstritten, sondern birgt viele Gefahren für diejenigen, die darüber berichten. Nachdem einer seiner Mandanten deswegen abgemahnt worden ist, berichtet Rechtsanwalt Thomas Schwenke, worauf man bei der Jagd nach Fankäufern aufpassen muss.

Fankauf-Diffamierungen: So vermeidest Du Abmahnungen
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Das Geschäft mit gekauften Facebook-Fans, Twitter-Followern oder Youtube-Abonnenten floriert und polarisiert zugleich. Kaum ein anderes Marketingmittel verspricht so schnelle Erfolge im Social Media Marketing und kaum ein anderes wird so kritisiert. Mittlerweile hat diese Kontroverse auch die Massenmedien erreicht, die über möglichen Fankauf bei Dschungelstars oder Politikern berichten.

Doch solche Behauptungen bergen wegen ihres imageschädigenden Charakters rechtliche Gefahren, wie ein Mandant des Autors nach einer Abmahnung erfahren musste. Dieser Beitrag zeigt daher, worauf man bei der Jagd nach Fankäufern und Berichten darüber achten muss. Zugleich zeigt er auch, wann Fankauf problematisch werden kann.

Wie funktioniert der Fankauf?

Den Fankauf gibt es in vielen Varianten. Fans können gegen Entgelt bei Ebay gekauft oder bei speziellen Portalen erworben werden. Auf der anderen Seite stehen entweder Fake- oder echte Nutzer, die für kleine Geldbeträge die Social-Media-Präsenzen der Käufer liken oder ihnen folgen. Auch bei der Qualität der gekauften Fans gibt es Unterschiede. So können 1.000 Fans aus Deutschland 100 Euro kosten, wohingegen die gleiche Anzahl asiatischer Fans für 10 Euro zu haben ist. Vor allem, wenn es darum geht nicht aufzufallen, kann sich die höhere Investition durchaus lohnen.

Ist der Fankauf rechtlich zulässig?

Die Frage, ob der Fankauf ein Wettbewerbsverstoß ist, wurde bisher weder gerichtlich entschieden, noch gibt es dazu eine eindeutige juristische Meinung (s. dazu Beitrag des Autors "Ist der Fankauf rechtlich doch zulässig?"). Zum einem wird gesagt, dass der Fankauf eine Irreführung nach § 5 UWG ist, da über die Herkunft der Fans nicht aufgeklärt wird. Auf der anderen Seite werden Fans auch durch Geldeinsatz bei Gewinnspielen erworben, ohne dass dies aus der Fanzahl ersichtlich ist. Auch Zeitungsverlage geben Abonnenten Gutscheine und Rabatte, die zum Teil über dem Wert des Abonnements liegen, um die Auflagenzahlen zu halten.

Aber nach der Rechtmäßigkeit zu fragen wäre ohnehin müßig, wenn man den Fankauf weder entdecken noch beweisen könnte.

Kann der Fankauf entdeckt werden?

Like Detectives - Infografik Vorschau
Die beste Informationsquelle zum Thema Fankauf sind die "Like Detectives", eine Projekt, das mit Umfragen, Infografiken sowie Beiträgen den Fankauf transparent und öffentlich macht, um Unternehmen, Journalisten, Agenturen und Nutzern eine zentrale Informationsstelle zu dem Thema zu bieten.

Ob gekaufte Fans entdeckt werden können, hängt von der Plattform, der Art gekaufter Fans und deren Verhalten ab. Es gibt zum Beispiel Tools, welche die Echtheit der Twitterfollower oder Nationalität der Facebook-Fans überprüfen. Wenn ein nur in Deutschland operierendes Unternehmen 70% Fans aus Vietnam hat, dann ist das ein deutliches Anzeichen für einen Fankauf. Aber auch Facebook-Fanseiten mit zig Tausend Nutzern, die auf die Seitenbeiträge weder mit Likes noch mit Kommentaren reagieren, haben vermutlich Fans gekauft.

Diese Indizien veranlassen viele Nutzer zu der Behauptung, die Fans oder Follower seien gekauft gewesen. Doch trotz der Indizien sollten man mit solchen Behauptungen äußerst vorsichtig sein. Denn Indizien sind keine Beweise, wie der folgende Fall zeigt.

Fankauf: Abmahnung wegen einer Behauptung

In dem Fall stellte ein von den USA aus betriebenes Blog die Behauptung auf, ein deutsches Unternehmen würde Fans kaufen. Dies wurde mit dem Indiz belegt, dass die meisten Fans aus Osteuropa kommen und auch andere Seiten mit ungewöhnlichem Fanzuwachs dieselben Fans hätten. Diese Behauptung wurde auch von hiesigen Blogs übernommen, die anschließend wegen Verbreitung rufschädigender Behauptungen abgemahnt wurden – darunter war auch der Mandant des Autors.

In dem konkreten Fall gab der Mandant vorsorglich eine Unterlassungserklärung ab, in der er sich verpflichtete diese Behauptung zu entfernen und nicht zu wiederholen. Er wählte diesen Weg, weil das kostspielige Risiko sich vor Gericht auf die Indizien des Fankaufs zu berufen, zu groß war.

Rechtslage bei Behauptungen

Wer eine Tatsache, wie z.B. „Die Fans sind gekauft“ behauptet oder verbreitet, der muss im Fall einer Klage diese Tatsache beweisen können. Ansonsten muss er diese Tatsache widerrufen, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgeben und die Kosten einer Abmahnung bzw. Klage tragen. Zudem sind je nach Fall auch strafrechtliche Konsequenzen wegen übler Nachrede möglich. Denn die Behauptung eines Fankaufs schadet dem Ruf eines Unternehmens oder einer Person.

Ein Beweis für den Fankauf wäre z.B. die Zeugenaussage eines Fanverkäufers, Mitarbeiters des kaufenden Unternehmens oder eine Rechnung über den Fankauf. Die Herkunft der Fans selbst ist jedoch nur ein Indiz, belegt also nicht den Fankauf selbst, sondern lediglich dessen Möglichkeit. Das klagende Unternehmen wird daraufhin behaupten, die Fans seien von einem Konkurrenten zwecks Rufschädigung gekauft worden, um das Indiz zu entkräften und die Klage zu gewinnen. Es ist zwar theoretisch möglich, mit Hilfe vieler Indizien einen Richter von dem Wahrheitsgehalt einer Aussage zu überzeugen. Jedoch wäre es ein Vabanque-Spiel sich vor Gericht darauf zu verlassen.

Um solche Abmahnungen oder Klagen zu vermeiden, sollte man daher unbedingt die nachfolgenden Empfehlungen beachten.

Praxisempfehlung für Behauptungen des Fankaufs

Wenn Sie nicht gerade handfeste Beweise für den Fankauf haben, sollten Sie diesen nicht behaupten. Sie können allenfalls die Indizien vorbringen, wenn Sie diese nachweisen können. So wäre die Aussage „Unternehmen X hat Fans gekauft, da 90% der Fans aus Asien kommen“ rechtlich sehr gefährlich. Dagegen wäre die Aussage „90% der Fans des Unternehmens X kommen aus Asien, wie diese Analyse  zeigt.“ rechtlich sicher, sofern die Analyse zutreffend ist.

Wenn Sie irgendwelche Rückschlüsse treffen, dann tun Sie es in Form von Meinungen. Meinen dürfen Sie mehr, da Sie mit einer Meinung nicht die Wahrheit für sich beanspruchen. Zum Beispiel: „Angesichts der Vielzahl der Fans aus Asien, könnte man meinen, sie seien gekauft“ oder „Ich meine, es wäre möglich, dass die Fans gekauft sind, da sie zu 90% aus Asien kommen.“

Praxisempfehlung für Übernahme fremder Behauptungen

Wenn Sie fremde Behauptungen verbreiten, die entsprechend dem oben gesagten unzulässig sind, haften Sie für diese Behauptungen. Es sei denn, Sie haben sich hinreichend von ihnen distanziert. Das bedeutet, Sie machen das potenzielle Unrecht der Behauptung wieder wett, z.B. „Blogger A behauptet, das Unternehmen X habe seine Fans gekauft. Er belegt dies damit, dass die Fans aus Asien kommen, was jedoch nicht zwingend bedeuten muss, dass die Fans gekauft sind.“ Wenn Sie sich unsicher sind ob Ihre Distanzierung ausreicht, verzichten Sie lieber auf die Verbreitung dieser Behauptung.

Wenn Sie Behauptungen aus „großen“ Medien übernehmen, könnten Sie sich auf das so genannte Laienprivileg berufen. Das Laienprivileg bedeutet, dass Medienaussagen übernommen werden dürfen, wenn man sich darauf verlassen kann, dass diese Medien ordentlich recherchieren und man selbst in der Sache Laie ist. Sie merken anhand dieser Definition, dass diese Ausnahme ein Drahtseilakt ist. Zum einem sollte es sich um „große“ Medien wie z.B. Spiegel Online und nicht um in Eigenregie betriebene Blogs handeln. Zum anderen sind Personen, die sich in der Materie auskennen, keine Laien. Das heißt, wenn ein Privatblogger schreibt: „Der Spiegel sagt, das Unternehmen X habe Fans gekauft“, wird er sich auf das Laienprivileg berufen können. Schreibt dies ein Social-Media-Fachmann, wird ihm dieses Privileg eher nicht zukommen.

Fazit

Dem Fankauf haftet der Ruf des Anrüchigen an. Daher wehren sich Unternehmen, wenn man ihnen vorwirft Fans gekauft zu haben. Dieser Vorwurf kann jedoch nur in den seltensten Fällen bewiesen werden. Daher sollten Sie nur sichere Fakten behaupten und die Schlussfolgerung auf den Fankauf allenfalls als eine persönliche Mutmaßung formulieren. Ansonsten können Sie abgemahnt und verklagt werden.

Unternehmen die Fans kaufen, sollten jedoch bedenken, dass auch eine erfolgreiche Klage den Rufschaden kaum wieder gut machen wird. Wer unbedingt Fans kaufen möchte, sollte große Sprünge in den Fanzahlen vermeiden und in „Qualitätsfans“ aus dem Inland investieren.

Über den Autor

t3n ra thomas schwenkeRechtsanwalt Thomas Schwenke  Dipl.FinWirt(FH), LL.M. (Auckland) setzt sich als Experte für Social Media Recht seit mehreren Jahren mit dem Fankkauf auseinander. Er ist Law-Blogger und auf Facebook , Twitter und G+ zu finden. Sollten Sie eine Abmahnung erhalten haben, können Sie Ihn unter rechtsanwalt-schwenke.de  erreichen. Oder sein Buch „Social Media Marketing und Recht “ bestellen und so viele Rechtsfehler vermeiden.

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6 Antworten
  1. von Volker Buntrock am 28.01.2013 (13:47Uhr)

    Und was wurde aus dem US-Blog, wo die Behauptung zuerst aufgestellt wurde? Bekam der Betreiber auch eine Abmahnung oder nicht? Wahrscheinlich nicht, denn sicher lacht man in den USA nur über den deutschen Abmahn-Quatsch.

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  2. von Thomas Schwenke am 28.01.2013 (15:29Uhr)

    @Joe: Stimmt, ein weiteres Argument für die Legalität. :)
    @Volker: Ob da eine Abmahnung kam, bin ich mir nicht sicher. Auf die Löschungsforderungen haben die zumindest nicht reagiert und der Beitrag ist immer noch online.

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  3. von Volker Buntrock am 28.01.2013 (15:38Uhr)

    Hallo Herr Schwenke,

    danke für die Antwort.

    Ich habe ehrlich gesagt noch nie etwas davon gehört, dass eine deutsche Abmahnung irgendwo im Ausland auf Interesse gestossen ist. Wäre nach Ihren Erfahrungen eine Kostenrechnung des Anwalts im Ausland überhaupt durchsetzbar? Gibt es überhaupt in einem anderen Land auf der Welt eine dem deutschen Abmahnwesen vergleichbare Rechtslage? Ich weiß nur, dass Schweizer deutsche Kostenrechnungen von Abmahnanwälten problemlos dem Papierkorb übergeben und niemals zahlen.

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  4. von Thomas Schwenke am 28.01.2013 (16:14Uhr)

    @Volker: Bei (behaupteten) Rechtsverstößen würde sich das nicht lohnen. Und nein, ein mit dem deutschen vergleichbares Abmahnungsverfahren ist mir nicht bekannt.

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  5. von Sven am 29.01.2013 (09:27Uhr)

    Auch mit unserem Tool http://www.socialbench.de lässt sich prima die Verteilung der Fans aufdecken, beim t3n Magazin http://www.socialbench.de/countrystats scheint alles sauber ;-). 83,44% der Fans kommen aus D.

    Allgemein denke ich sollte jetzt nicht die Fankauf-Hexenjagd ausgerufen werden. Schließlich ist schwer nachvollziehbar ob der Seitenbetreiber selbst oder ein Gönner am Werk war. Oder ob die Marke/Person einfach "big in Japan" ist...

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  6. von Pascal am 29.01.2013 (13:18Uhr)

    Wie ist das eigentlich mit Werbung auf Facebook für seiten? Das wird ja stets auf der Seite groß von Facebook beworben.
    Bei einer von mir mitgeflegten Seite haben wir (vor der noch stärkeren Einschränkung durch den überarbeiteten EdgeRank) mehrfach Werbung geschaltet und mehr oder weniger aktive Nutzer gewonnen. Der EdgeRank hat bei der Seite durch Bugs bei Facebook leider stark gelitten, da die Nutzer nicht die Beiträge kommentieren konnten und ich beispielsweise auch keine Posts im Namen der Seite mehr veröffentlichen konnte => für solche Tools vermutlich verdächtig

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