Filesharer sind die besseren Kunden für die Musikindustrie [Studie]

Filesharer sind die besseren Kunden für die Musikindustrie [Studie]
Eine neue, seriöse Studie belegt einmal mehr die Übertreibung der Musikindustrie wenn es um die Schädlichkeit von Filesharing Musikpiraterie geht. Die Studie ist vor allem deshalb interessant weil sie in Deutschland und den USA durchgeführt wurde. Demnach kaufen Filesharer bis zu drei Mal mehr Musik als Leute, die keine Musik öffentlich zur Verfügung stellen.

Angebliche Milliardenschäden durch Filesharer: Nachweis ist schwer

Wenn es um Filesharing und Musikpiraterie geht, wird von der Musikindustrie gerne das Argument vorgebracht, dass Menschen, die Musik unerlaubterweise kopieren, den Künstlern und Plattenfirmen Schäden in Milliardenhöhe zufügen. Über diese Aussage lässt sich sicherlich trefflich streiten. Eine neue Studie bereichert diesen Diskurs jedoch um einen sehr interessanten Aspekt.

Filesharer sind nämlich gleichzeitig die größten Kunden der Industrie, wenn es darum geht, legal Musik zu erwerben. Das zeigt eine Studie der American Assembly-Stiftung, welche im Umfeld der renommierten Columbia University angesiedelt ist, und damit ein sehr hohes Ansehen genießt. In einer ausführlichen Studie wurden einige tausend Probanden in Deutschland und den USA via Telefon zum Thema Musikpiraterie und Filesharing befragt. Das Ergebnis ist die ausführliche Studie „Copy Culture in the USA and Germany“, welche bald vollständig zur Verfügung stehen soll.

Music Files Reasonable DE
Das Unrechtsbewusstsein der Deutschen variiert, je nach Alter (Grafik: American Assembly).

Junge Menschen fühlen sich weniger schuldig

Die Urheber geben aber bereits jetzt einen Ausblick auf die Ergebnisse in Form von zwei interessanten Beiträgen, die durch passende Grafiken illustriert sind. Darin widmet man sich vor allem den Unterschieden in der Mentalität der Länder und Altersgruppen in Bezug auf das Unrechtsbewusstsein beim Kopieren von Musik. Wie zu erwarten, sehen jüngere Menschen das Kopieren und Verbreiten von Musik weniger schlimm, als ältere Generationen.

Music Collections DE
Zusammensetzung der Musiksammlungen in Deutschland nach Altersgruppen getrennt. Filesharer sind wenig überraschend jung (Grafik: American Assembly).

Überraschend sind die Ergebnisse bei der Zusammensetzung der digitalen Musiksammlungen der Befragten. In den USA gaben rund 50% der Befragten an, über digitale Musikdateien zu verfügen, in Deutschland waren es 42%. Je jünger die Probanden, desto größer die Musiksammlung. Filesharing als Ursprung für Musikdateien ist quasi nur in der Gruppe der 18 bis 29-jährigen präsent. Die restlichen Quellen „Gekauft“, „Privat kopiert“ und „Gerippt“ sind dabei in etwa gleich verteilt, unabhängig vom Alter der Teilnehmer.

filesharing
Die Zusammensetzung der Musiksammlungen von Filesharern und Nicht-Filehsharern in Deutschland und den USA (Grafik: American Assembly).

Filesharer besitzen mehr legale Musik als Nicht-Filesharer

Betrachtet man diese Aufschlüsselung der Musikquellen nun getrennt nach Peer-to-Peer-Usern und Leuten, die kein Filesharing betreiben, so fällt auf, dass Filesharer in den USA rund ein Drittel mehr legale Musik besitzen. In Deutschland gibt die Statistik gar eine Verdreifachung der legalen Inhalte vor. Allerdings war die Anzahl der betreffenden Probanden mit unter 100 in Deutschland leider nicht sehr aussagekräftig. Eine Interpretation dieser Ergebnisse ist schwierig. Man könnte sagen, dass Filesharer größere Musikliebhaber sind, weil sie größere Sammlungen besitzen und mehr Musik kaufen. Man könnte aber auch argumentieren, dass Filesharer sich vielleicht trotzdem Musik kaufen, obwohl oder gerade weil sie vorher bereits reinhören konnten. Man darf auf die vollständigen Ergebnisse der Studie gespannt sein!

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9 Antworten
  1. von Alexander Vogt via facebook 16.10.2012 (12:07Uhr) 1.

    Garnicht überrascht! Diese Vermutung, oft auch "scherzhaft" angestellt, steht schon lange im Raum, war aber bisher nie als stichhaltiges Argument verwendbar, da belastbare Zahlen&Fakten gefehlt haben. Vielleicht bringt diese Studie ja neuen Wind in die Debatte...

  2. von JK27 16.10.2012 (12:07Uhr) 2.

    Interessant wäre auch zu wissen, um wieviel höher die Gesamtausgaben für musikbezogene Produkte durch Filesharer sind: Konzerte, Merchandise etc. Das Argument, dass Filesharing ein effizientes Promotiontool ist könnte damit weiter untermauert werden.

  3. von Benny Lava 16.10.2012 (12:11Uhr) 3.

    Das Zauberwort ist "befragt". Damit ist diese "Studie" komplett hinfällig. Die Annahme, dass Diebe im Telefoninterview die Wahrheit sagen ist einfach lächerlich. Da wird gelogen, um sein eigenes Gewissen zu beruhigen.

  4. von Anja Prasse via facebook 16.10.2012 (12:30Uhr) 4.

    "seriöse" Studie mit nicht einmal 100 Befragten via Telefon? Unter seriös habe ich mir bislang etwas anderes vorgestellt..

  5. von Erik 16.10.2012 (14:46Uhr) 5.

    Ist (böses?) Fileharing immer das selbe wie P2P?

    Blöd wenn die geniale P2P-Vernetzungsarchitektur nur noch im Zusammenhang mit vielleicht verbotenen Musikdateien genannt würde. P2P kann viel viel mehr bieten.

  6. von pyokatze 16.10.2012 (17:14Uhr) 6.

    Überrascht mich auch wenig, da man ja eigentlich davon ausgehen kann, dass diese Menschen generell ein höheres Interesse an Musik haben, als der Durchschnittsradiohörer. Natürlich kaufen sich diese Personen dann auch öfter mal ne CD oder ne Platte. Und wenn sie das Album super finden, dann geben sie es eben (illegal) weiter.

  7. von eCommerce News: Musikindustrie übertrei… 16.10.2012 (22:28Uhr) 7.

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  9. von Unsere Freiheit ist ein Witz - Tactical… 18.10.2012 (18:53Uhr) 9.

    [...] Eine neue Studie bestätigt, dass Personen die illegal downloaden, mehr Musik kaufen als Personen, die nicht illegal herunterladen. Warum? Auch hier denke ich, diese illegalen Downloads wären nicht zustande gekommen, gäbe es andere Gesetze oder besseren Service. Die illegal heruntergeladenen Titel sind meiner Meinung nach zustande gekommen, weil gekaufte Musik einen einschränkenden DRM-Schutz hätte, weil der Download bequemer war (einfacher, schneller), oder einfach als Sample. Auf Amazon kann man Titel probehören – aber was will ich mit 30 Sekunden von einem Lied? Daran soll ich fest machen, ob ich Geld dafür ausgebe? Die Unternehmen sowie die Politik scheinen wohl nicht zu verstehen, wie das Internet und die Technik genutzt werden können. Dem User sollten keine Fesseln angelegt werden: Durch Musik auf YouTube wird man auf neue Künstler aufmerksam. Wenn ich ein Lied gerne höre, kaufe ich es auch. Das hat z.B. die oben erwähnte Studie gezeigt. Dass die GEMA Videos auf YouTube sperren lässt, ist nicht nur nicht Zeitgemäß – Es ist eine Einschränkung für Künstler und Konsumenten. Musikvideos auf YouTube sind kostenlose Werbung! [...]

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