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Analyse

Flixbus expandiert in die USA: Wird das Startup Erfolg haben?

Schafft es Flixbus in die USA? (Bild: Joerg Huettenhoelscher / Shutterstock)

Flixbus geht in die USA, das Startup betritt diesmal einen historisch gewachsenen und umkämpften Markt. Wird sich das Startup gegen Greyhound, Boltbus und Megabus behaupten?

In Deutschland hatte es Flixbus leicht. Als das Unternehmen an den Start ging, war der Markt noch größtenteils unbesetzt. Der bevorstehende Start in den USA dürfte schwieriger ausfallen. Der Fernbusmarkt ist dort seit Jahrzehnten etabliert, und auch junge, moderne Busstartups sind neben dem angegrauten Veteranen Greyhound schon am Start. Wenn Flixbus seinen größten Vorteil richtig auspielt, hat das Startup aber eine realistische Chance, sich am Markt eine gute Position zu erarbeiten.

Was Flixbus ausmacht

Flixbus ist zwar rechtlich gesehen ein Verkehrsunternehmen, besitzt aber nur pro forma einen einzigen Bus. „Unser Bus steht in Berlin in einer Laube, sollte der irgendwann nicht mehr durch den TÜV kommen, kaufen wir einen neuen“, beschreibt Flixbus-CiO Daniel Krauss auf der Dreamforce in San Francisco seinen „Fuhrpark“. Das Geschäftsmodell von Flixbus ist nämlich nicht der Betrieb einer Busflotte, sondern der Betrieb einer Plattform. Die Busflotte betreiben die Unternehmer, die im Auftrag von Flixbus fahren. Flottenmanagement, Marketing und Vertrieb: Flixbus liefert als Plattform vor allem den Kundenzugang an die Busunternehmer. Stark vereinfacht könnte man Flixbus als das Uber für Busse beschreiben. Stimmt nicht ganz, weil die Busfahrer nicht für Flixbus arbeiten, sondern beim Busunternehmer angestellt sind. Aber die Grundprinzipien des Geschäftsmodells ähneln sich. Und das ist Flixbus' Vorteil: Das Unternehmen setzt auf Technologie und ist kein traditioneller Busunternehmer.

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Der US-Markt

In den USA wird traditionell im Inland viel geflogen, hochfrequentierte Strecken sind in den vergangenen Jahren aber in den Preisen gestiegen. Kostet ein One-Way-Flug nach Seattle rund 100 US-Dollar, fallen für den Flug von San Francisco nach Los Angeles unter Umständen schon 250 Dollar an – obwohl die Strecke kürzer ist. Außerdem ist das Fliegen durch viele aufwendige Sicherheitskontrollen anstrengender geworden. Wird jetzt noch hinzugerechnet, dass sich ein Mobilitätstrend hin zum öffentlichen Nah- und Fernverkehr in den USA zeigt, liegt das Potential des Fernbusses auf der Hand.

Der Markt wird US-weit von Greyhound beherrscht, mit rund 3.800 Haltestellen hält das Verkehrsunternehmen an jeder Kuhweide. Greyhoundtochter Boltbus und Konkurrent Megabus setzen auf moderne Reisebusse, Greyhound hat teilweise jahrzehntealte, aber generalüberholte Busse im Einsatz: Neues Interieur, neue Sitze, neue Motoren und Wifi gehören zum Standard in den USA.

Wo Flixbus punkten muss

Anspruchsvolle und jüngere Kunden fahren eher mit Megabus und Boltbus, die Ost- und Westküste mit einem Verkehrsnetz bedienen. Auch Flixbus-Gründer Daniel Krauss will zum Start ausgewählte Strecken mit hoher Nachfrage angehen. Ein Alleinstellungsmerkmal muss sich Flixbus noch herausarbeiten, denn Busausstattung und Preise der Konkurrenten sind wettbewerbsfähig.

Wie kann also Flixbus punkten? Bei genauerem Hinsehen auf den gängigen Bewertungsportalen wie Yelp zeigt sich, dass trotz App, Wifi und langjähriger Erfahrung einige Punkte bei den Wettbewerbern nicht zeitgemäß gelöst werden. Passenderweise sind das genau die Themen, die Flixbus angehen könnte.

Perfekte Kundenkommunikation

Kunden beschweren sich durchgehend bei allen Anbietern, dass die Kommunikation mangelhaft ist. Bei Verspätungen wissen die Fahrgäste nicht, ob der Bus noch kommt oder wann er kommt. Bei Haltestellenverlegungen wird auch nicht ausreichend kommuniziert. Kurzum, dort kann die Automatisierung der Flixbus-Plattform Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Modernste Busse

Megabus und Boltbus sind auf der Höhe der Zeit, Greyhound hat zwar seinen gesamten Fuhrpark modernisiert, hat aber immer noch größtenteils alte Fahrzeuge im Einsatz. Flixbus könnte mit europäischen Abgasstandards junge und umweltbewusste Kunden ansprechen – und anspruchsvollen Kunden Luxusbusse bieten.

Stabiles Wifi

WLAN haben zwar auch alle im Angebot, aber auch hier sind die Kundenbewertungen sehr durchwachsen – die US-Netze sind im Ausbau sehr unterschiedlich. Flixbus könnte punkten, wenn Multikanalrouter wie bei der Bahn eingesetzt werden, die mit Zugängen zu allen Netzbetreibern ausgerüstet werden.

Attraktive, zentrumsnahe Bushaltestellen

Und schließlich der wichtigste und schwerste Punkt: Nahverkehr muss immer in der Nähe sein. Die Fernverkehrshaltestellen müssen in Innenstadtlage sein, damit die Haltestellen schnell und einfach zu erreichen sind. Greyhound-Haltestellen liegen des öfteren auch am Stadtrand. Flixbus sollte seine Standorte und Abholstationen deshalb gut durchdenken.

Fazit: Flixbus hat gute Chancen

Im Gegensatz zu den anderen Verkehrsunternehmen muss sich Flixbus nicht mit den Risiken und den Kosten einer eigenen Flotte herumschlagen. Das ermöglicht eine schnelle Expansion. Spielt das Unternehmen seine Stärken in der Plattform gut aus und liefert die oben aufgeführten Alleinstellungsmerkmale, dann kann das deutsche Verkehrsunternehmen positiv in die Zukunft blicken. Und Gründer Krauss dürfte die Probleme der Konkurrenten kennen – als ehemals langjähriger Detroit-Bewohner ist ihm der Busmarkt in den USA nicht neu.

Disclosure: Die Reise unseres Autors zur Dreamforce wurde von Salesforce finanziert. Einfluss auf die Berichterstattung hat das nicht.

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