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Flüchtlings-App aus Dresden hilft Asylbewerbern im Alltag

Flüchtlings-App aus Dresden: Wie zwei IT-Unternehmerinnen asylsuchenden Menschen in Sachsen helfen

Unter dem Credo „Wir wollen anpacken, statt pöbeln!“ hat eine IT-Agentur aus Dresden eine Flüchtlings-App entwickelt, die Asylbewerber im Alltag unterstützt. Das Projekt soll bundesweit an den Start gehen, doch es fehlt an Geld.

Wer über Dresden und die Flüchtlingsthematik spricht, hat kaum gute Worte übrig. Doch Dresden ist weit mehr als nur Pegida oder die unsäglichen Gewalt- und Hassexzessen in den Vorstädten Heidenau und Freital. Oft wird vergessen, dass viele Menschen unzählige Spenden für die Vertriebenen sammeln und bereitstellen. Und natürlich, dass auch die Flüchtlingsunterkünfte und Prozesse vor Ort von ehrenamtlichen Helfern organisiert werden. All das zeigt eine ganz andere Seite von Sachsen. Eine, die dieser Tage viel zu selten thematisiert wird.

Welcome to Dresden – Alle wichtigen Informationen für Asylsuchende in einer Smartphone-App

Welcome to Dresden: Flüchtlings-App soll Asylbewerbern und Migranten eine bessere Integration in Deutschland ermöglichen. (Screenshot: welcome-app-concept.de)
Welcome to Dresden: Flüchtlings-App soll Asylbewerbern und Migranten eine bessere Integration in Deutschland ermöglichen. (Screenshot: welcome-app-concept.de)

Ebenso wie die vielen Spender und freiwilligen Helfer in den Einrichtungen, versuchen aber auch couragierte Unternehmen ihren Teil beizutragen und Kompetenzen sinnvoll einzusetzen. Ein Beispiel findet sich in der „Welcome to Dresden“-App, die Asylsuchenden während ihrer ersten Zeit in der ostdeutschen Stadt unter die Arme greifen soll. Dahinter stecken die zwei Unternehmerinnen Peggy Reuter-Heinrich und Viola Klein, die nichts von Pöbeln halten, sondern „lieber anpacken wollen“, wie sie uns im Gespräch erzählen.

„Wir wollen lieber anpacken statt pöbeln!“

Sinn und Zweck von „Welcome to Dresden“ ist es, die vielen wichtigen Informationen zu bündeln, die Flüchtlinge jetzt so dringend brauchen. Konkret gibt es unter anderem eine Liste mit Adressen und Telefonnummern von Behörden, detaillierte Informationen zum Asylverfahren in Deutschland sowie wichtige Notfall- und Hilfekontakte. Die Informationen sind in englischer Sprache aufgeführt. Weitere Sprachen sind geplant.

Damit der Großteil der Geflüchteten von der Applikation profitieren kann, wurde sie bereits für Android und Windows Phone veröffentlicht. Die iOS-Version ist programmiert, liegt aber noch bei Apple zur Überprüfung und „wird hoffentlich noch in dieser Woche freigeschaltet“, verrät uns Peggy Reuter-Heinrich.

Bundesweiter Roll-out der Flüchtlings-App darf nicht am Geld scheitern

Die Initiatorinnen wollen ihr Projekt zudem gerne auch auf andere Städte und Regionen ausweiten, was derzeit jedoch am Geld scheitern könnte. Allein für die jetzige Version haben die Unternehmerinnen sechs Mitarbeiter abgestellt, die an „Welcome to Dresden“ arbeiten. Dass dieses Level natürlich nicht auf Dauer gehalten werden kann, dürfte einleuchten. Die Initiatorinnen hoffen insofern auf staatliche Unterstützung, die derzeit geprüft wird, und arbeiten zudem auf Hochtouren an einem Sponsoring-Konzept, so dass sich auch andere Vereine oder Unternehmen beteiligen können.

„Wir glauben hier einen sinnvollen Beitrag leisten zu können“, sagt Peggy Reuter-Heinrich. „Und hoffen, dass die Idee auf weitere Unterstützer trifft!“ Interessierte dürfen sich jedenfalls gerne melden.

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3 Antworten
  1. von Sebastian Herrmann am 31.08.2015 (16:59 Uhr)

    Schön, dass so eine App entsteht. Jedoch hat die Aktion für mich irgend wie einen leicht ausbeutenden Beigeschmack. Wieso werden die Apps nicht Open-Source entwickelt? Auf diese Weise könnte noch mehr Know-how (erst recht, wenn es dann um andere Städte geht) für diese gute Sache zusammengetragen und genutzt werden.
    Stattdessen möchten die Entwickler/innen so eine Art Zwangs-Staatsfinanzierung bewirken? Das mag zwar immer noch schneller (und realistischer) sein als z.B. eine öffentliche Ausschreibung für derartige Apps, jedoch würde ich es nicht mehr wirklich als gemeinnütziges Projekt einstufen…

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  2. von Technik-Fortschritt am 31.08.2015 (17:20 Uhr)

    Helper-Apps und Freies WiFi kommen endlich hierher. Dank Flüchtlingen. Da können auch die Technologie-Feinde und ihre monopolistischen und zum Nachteil der Kunden protektionierten Freunde nichts mehr machen.


    Für Tourismus-Apps, Hartz4-Helper-Apps, alle Behördengänge oder "Wie melde ich ein Doktor-Plagiat",... macht man sich nämlich oft keine Freunde. Die Linken sind leider anscheinend nicht grade technik-begeistert und hätten dank Android das Land schon seit UMTS-500Mbyte-Flatrates verbessern können. Oder halt Gründern alles erleichtern und die Lernkurven z.b. für "Gewerbeanmeldung, Betriebs-Fahrzeug-Anmeldung, Umsatz-Steuer,... auf meist nur 5 Minuten verkürzen und auch die Steuerberater würden sich über die besser informierten Kunden freuen. Abmahnungen und voraussichtliche Rechtskosten machen es wohl uninteressant obwohl man keinen Cent Subventionen oder Investitionen ausser eigener Ehre und ein wenig Arbeit bräuchte. 80% gibts ja schon als fertige und stabile Libraries.

    Das sowas per selfservice multi-stage-crowd-microwork-Wiki fast von selber wächst und in allen weltweiten Sprachen verfügbar ist ohne relevanten Geld-Einsatz, sollte klar sein.
    Die Presse könnte längst zum Großteil so funktionieren und seit 1999 unter rot-grün viel bessere und fundiertere Artikel liefern. Denn 95% der Arbeit macht dann das interessierte Volk kostenlos so wie damals die Pyramiden von Freiwilligen gebaut wurden während in manchen Ländern nicht mal Flughäfen fertig werden und Tourismus-Bauruinen die Küsten verschandeln.
    Die Übersetzungen beispielsweise vom Volk und Freiwilligen können auf höheren Stufen (z.b. ab 95% Vollständigkeit und mehreren Proposern also quasi freiwilligen kostenlosen Lektoren die es bei google+ oder Facebook per Signatur als korrekte Übersetzung klassifizieren) dann diplom-zertifizierte-gerichtsfeste Übersetzer als Eigenwerbung schnell drüberchecken und zertifizieren.

    Das will ich schon längst für volksbasierte Übersetzungen von allen Apps. Lokalisierung auf Maße und Währungen ist was anderes. Aber einfach nur die Texte automatisiert gegen Übersetzungen interessierter Nutzer austauschen ist für Apps trivial. Übersetzung ist nicht Aufgabe (und wie man sieht oft auch nicht primäre Fähigkeit) des Kostenlos-App-Programmierers sondern der Kunden genau so wie auch Verpackungen für Geschenke. App-Crowd-Translation ist in Ländern ohne teure Rechtsrisiken trivial.

    Vielleicht gibts ja technologiefreundliche Länder wo man sowas darf oder das - wie beispielsweise vermutlich Zollfreie Einkaufs-Länder wie wohl Dubai oder steuergünstige Länder wie Hongkong oder Singapur - massiv erwünscht ist weil man mit zig Sprachen und reichen Kunden zu tun hat die man vom Kauf überzeugen möchte und man immer besser die Sprache des Gegenüber spricht bzw. schreibt. Siehe "einfaches Deutsch" für barrierefreie Behörden-Seiten oder halt Kultur-Berichte im Feuilleton der z.B. FAZ oder Berichte in der ct' für IT-Techniker.

    Aber Zoll und Einfuhr-Umsatz-Steuer und Strafen und Verfahren nicht vergessen wenn man zollfrei mit der neuen Jeans, iPhone, iWatch, AirBook,... aus New York oder Rolex aus Dubai durch den Zoll laufen will und denkt das man davonkommt.

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  3. von Thomas Bachmann am 02.09.2015 (12:23 Uhr)

    ... und noch eine Flüchtlingsinitiative aus Dresden: http://ichhelfe.jetzt/ - Vermittler zwischen Hilfsorganisationen und Menschen

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