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Digitale Gesellschaft

Wie die Flüchtlingskrise das digitale Deutschland aktiviert

    Wie die Flüchtlingskrise das digitale Deutschland aktiviert

(Foto: Alexandre Rotenberg / Shutterstock)

Deutschlands Digital- und Kreativszene zeigt, wie zivile Flüchtlingshilfe auch aussehen kann. Im Internet sprießen derzeit sinnvolle Ideen, die Asylsuchenden unter die Arme greifen. Unser Autor Andreas Weck stellt in seiner Aufgeweckt-Kolumne einige vor.

In Deutschland ging in diesem Sommer ein Ruck durch die Gesellschaft. Es waren Ereignisse wie rechte Demonstrationen vor Flüchtlingsheimen. Die Brandanschläge auf Einrichtungen in Tröglitz oder Salzhemmendorf. Es waren Berichte von völlig überfüllten Asylunterkünften. Und Bilder von im Elend ausharrenden Menschen vor dem LaGeSo in Berlin. Kaum mehr zu ertragen waren die Bilder von ertrunkenen Menschen – wie die des Dreijährigen Aylan Kurdi.

All das erzeugte eine Wirkung auf die Menschen in Deutschland. Wegschauen kann und mag eigentlich niemand mehr so richtig. Die Hilfsbereitschaft vieler deutscher Bürger gegenüber den ankommenden Asylbewerbern war faszinierend – sie bildete das Gegenteil zur trägen Flüchtlingspolitik und leistete dort Abhilfe, wo viele Hilfestrukturen einfach nicht gut genug entwickelt waren.

Es scheint, als haben viele Deutsche die Schnauze voll gehabt. Und als ob sie keine Lust mehr darauf hatten, sich einzig und alleine auf eine Regierung zu verlassen, die ohne Gestaltungs-, sondern allenfalls noch mit einem Verwaltungsdrang auf die alltäglichen Geschehnisse reagiert. Impulse braucht das Land. Und die gab und gibt es. Viele davon sind auch und gerade im Netz entstanden. Projekte und Plattformen haben sich in den letzten Monaten gebildet, die zeigen, wie hilfreiche Maßnahmen auch aussehen können – fernab von Asylrechtsverschärfungen, geschlossenen Grenzen und verkürzten Abschiebungsverfahren.

„Flüchtlinge Willkommen“, „Blogger für Flüchtlinge“ und vieles mehr: 7 Projekte unter Hunderten

Fluechtlinge-Willkommen.de ist eine WG-Börse für Flüchtlinge. Deutsche können hier ein Zimmer an einen Asylsuchenden vergeben. (Screenshot: t3n)
Fluechtlinge-Willkommen.de ist eine WG-Börse für Flüchtlinge. Deutsche können hier ein Zimmer an einen Asylsuchenden vergeben. (Screenshot: t3n)

Am meisten beeindruckt hat mich die Wohnungsvermittlungsplattform „Flüchtlinge Willkommen“, die ich Anfang des Jahres mit Spenden unterstützt habe. Als die damalige Studentin Mareike Geiling für einen Auslandsaufenthalt nach Kairo ging, entschied sie sich ihr WG-Zimmer einem Asylbewerber zu überlassen. Der aus Mali geflüchtete Goldschmied Bakary zog ein, nachdem er monatelang auf der Berliner Straße gelebt hat. Die gemeinsame Freundin und Sozialarbeiterin Golde Ebding vermittelte die beiden. Spenden aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der WG machten es möglich, dass die Miete für den neuen Mitbewohner zunächst für die ersten sechs Monate finanziert wurde. Heute lebt Bakary in besser situierten Verhältnissen. Die Hilfe kam genau richtig.

Aus diesem Engagement heraus entstand die heutige Wohnbörse, die bis dato auf 103 Vermittlungen blicken kann und inzwischen von einem Verein getragen wird. Raus aus den Massenunterkünften und mitten rein in den deutschen Alltag – auch so kann Integration aussehen!

„Heute lebt Bakary in besser situierten Verhältnissen. Die Hilfe kam genau richtig!“

Ebenfalls beindruckend war die „Blogger-für-Flüchtlinge“-Aktion. Dahinter steht eine Gruppe von deutschen Bloggern, die im Netz eine breit angelegte Spendenaktion für Flüchtlingsinitiativen gestartet hat. Egal ob Eltern-, Food-, Beauty-, Lifestyle-, Fashion-, DIY-, Polit-, Medien- oder Technik-Blogger – unzählige Autoren haben ihre treuen Leser aktiviert und sie zum Spenden aufgerufen. Bis dato wurden durch die Aktion 128.000 Euro eingesammelt. Das Geld ging an Projekte in ganz Deutschland, die Hilfe vor Ort leisten. Beispielsweise gingen 3.000 Euro zum Verein „Moabit hilft“, der die Flüchtlingshilfe vor dem LaGeSo in Berlin organisiert. Weitere 4.100 Euro gingen an das „Miteinander reden können – Deutschkurse für Flüchtlinge“-Projekt.

Dann sind da noch Aktionen wie der Refugee-Hackathon, der vom 24. bis 25. Oktober stattfindet, und auf dem digitale Lösungen für alltägliche Probleme in der Flüchtlingshilfe erarbeitet werden sollen. Die Jobbörse Workeer möchte Flüchtlinge mit Unternehmen vernetzen, damit die Menschen eine Chance haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das „Refugees-on-Rails“-Projekt möchte talentierten Flüchtlingen das Coden beibringen – auch um deren Chancen auf einen Job in einem Startup zu erhöhen. Zwei Unternehmerinnen aus Dresden haben eine kostenlose Flüchtlings-App veröffentlicht, die wichtige Informationen zum Asylverfahren in Deutschland bündelt. Auf Besorgtebuerger.info haben Kollegen und ich einige Vorurteile gegenüber Flüchtlingen auf den Prüfstand gestellt.

Anpacken statt Pöbeln: Nur so wird man die Herausforderungen meistern!

Lösen diese Initiativen das Leid hunderttausender Menschen? Führen sie dazu, dass Familien nicht mehr aus ihren Heimatländern fliehen müssen? Sind sie ein Garant dafür, dass die Flüchtlingskrise gut für alle Beteiligten ausgeht? Nein, natürlich nicht. Aber sie zeigen, dass Anpacken statt Pöbeln ein wesentlich sinnvollerer Beitrag ist, um die kommenden Herausforderungen zu meistern. Viele Aktionen davon haben einzelnen Menschen wie dem Goldschmied Bakary sogar eine bessere Zukunft gegeben. Dem Netz und seinen Bewohnern sei Dank!

Ihr kennt noch mehr Projekte? Schreibt sie uns in die Kommentare!

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Aufgeweckt“ findet ihr hier. Hier könnt ihr dem Autor zudem auf Facebookund Twitter folgen.

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9 Reaktionen
nelegl
nelegl

Kostenlose telefonische Rechtsberatung für Flüchtlinge: http://www.deutsche-anwaltshotline.de/fluechtlingsberatung !

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AnneWa
AnneWa

Super Artikel! Ein weiteres spannendes Projekt ist #Germanforrefugees. Hier stellen Internet Startups kostenlose Online-Sprachkurse und Bildwörterbücher zum schnellen Spracherwerb für Flüchtlinge bereit. Weitere Infos gibt's hier: http://www.germanforrefugees.com/de/

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Florian Zeutner
Florian Zeutner

Bei uns in der Stadt gerade gestartet. Sieht vielversprechend aus: http://www.helpto.de Flüchtlings-Hilfe-Portal, das Hilfsangebote und Gesuche koordiniert.

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Kritiker666
Kritiker666

Eine App fehlt noch: Die für die Abschiebuing der ganzen Leute, die nicht asylberechtigt sind. Je nach Statistik spricht man da von 30-60% der Leute.

Als guter Journalist macht man sich übrigens nicht mit dem Thema gemein, über das man schriebt. Professionelle Distanz und Kritikfähigkeit fehlen dann gerne mal - wie auch in diesem Artikel, Herr Weck...

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Hilfs-Projekte
Hilfs-Projekte

Bürger-helfen-Bürgern-Projekte werden ja schon mal abgemahnt.
An Flüchtlings-Hilfe-Projekte trauen die sich weniger dran. Richtig so.

Viele Probleme sind ja ähnlich und betreffen auch große Teile der Inländer: Auch Legastheniker müssen A-Z lernen so wie vielleicht Leute die mit arabischen oder asiatischen Schriftzeichen und rechts-nach-links-Schriften aufgewachsen sind. Auch Hartz4-Empfänger und Mindestlohn-Startup-Mitarbeiter suchen bezahlbare Wohnungen. usw. Davon ist also vieles Mehrfach-Verwendbar...

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Adrian Cares
Adrian Cares

https://volunteer-planner.org
Einfache Umsetzung für Leute mit Zeit, die vor Ort (Berlin) helfen möchte. In jeweilige Schicht eintragen und helfen.

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Marc
Marc

Auch sehr empfehlenswert: http://www.refugeeguide.de
Nette Anleitung für Flüchtlinge über die "Besonderheiten" der Deutschen.

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Dominic
Dominic

Es gibt mittlerweile noch http://www.helphere.de
Die Seite soll dazu dienen, dass Menschen Events/Sprachkurse oder andere Arten von Events und Hilfen für Flüchtlinge einstellen können und diese sich dann dort anmelden oder den Leuten schreiben können.

Das Ganze entstand aus dieser Initiative heraus: http://www.recht-auf-menschenrecht.de/

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Dr. Christian Knebel

Super Artikel, der die Highlightprojekte hervorhebt! Wer tiefer einsteigen möchte, kann sich auch informell in einem Slackchat (de-refugees) informieren und Anschluss an die verschiedenen digitalen Initiativen in Deutschland bekommen: https://de-refugees-slackin.herokuapp.com/

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