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Software & Infrastruktur

Fog-Computing: Vergesst die Cloud, der Nebel ist da

    Fog-Computing: Vergesst die Cloud, der Nebel ist da
Fog-Computing – Bild zugeschnitten. #FLICKR#

Viele Geräte sind fast permanent mit der Cloud verbunden und immer mehr wird in die Cloud verlagert. Doch bei allem im Zusammenhang mit der Cloud gibt es ein Problem – die Bandbreite. Hier kommt das Fog-Computing ins Spiel.

Ich glaube an die transformative Kraft des Cloud-Computings. Smartphones, die ununterbrochen Daten senden und empfangen, sind ohne die Cloud sinnlos. Jedes Unternehmen, das nicht danach strebt, seine Daten und Software in die Serverfarmen anderer Anbieter zu bringen, muss damit rechnen, früher oder später von einem Wettbewerber überrannt zu werden, der genau das tut.

Verfechter der Cloud behaupten regelmäßig, dass eines Tages 100 Prozent der EDV in der Cloud stattfinden werde. Es gibt viele Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf dieser Aussage aufbauen. Doch die Realität sieht anders aus. Daten in die Cloud und wieder aus ihr heraus zu bekommen ist schwieriger, als die meisten Entwickler oder zumindest ihre Manager bereit sind zuzugeben. Das Problem ist die Bandbreite. Für ein Unternehmen kann es kostensparend und eine Erleichterung sein, die Daten nicht selbst speichern zu müssen. Alles was es braucht, um Daten hin und her zu transferieren, ist eine schnelle Verbindung.

„Die Bandbreite ist ein Hemmnis.“

Doch in einer Welt der Massenkonnektivität, in der die Menschen ihre Informationen über verschiedene mobile Geräte erhalten, ist die Bandbreite ein Hemmnis. Jedes Unternehmen, das Daten an Smartphones, Tablets und Co. sendet, muss mit den Beschränkungen von mobilen Netzwerken leben. Ganz egal, ob die Firma ein Flugreservierungssystem für ihre Kunden anbietet oder Geschäftsdaten für mobile Verkaufsteams bereitstellt. Laut dem Weltwirtschaftsforum liegen die USA bei der Datengeschwindigkeit nur auf Platz 35 von 148 Ländern weltweit, Deutschland auf Platz 28. Das ist einer der Gründe, warum mobile Apps zur vorherrschenden Mittel aufgestiegen sind, mit dem wir heute unsere Dinge im Internet erledigen – zumindest auf Smartphones. Einige der Daten- und Rechenleistungen werden von den Geräten übernommen.

Die Frage, wie wir etwas erledigen, wenn alles von der Cloud abhängt, rückt immer stärker in den Vordergrund, da immer mehr Objekte „smart“ werden, ihre Umgebung wahrnehmen, sich mit dem Internet verbinden können oder sogar fernsteuerbar sind. Alles – von Flugzeugturbinen zu Kühlschränken – wird über drahtlose Netzwerke miteinander verbunden und wird so Teil des „Internets der Dinge“.

Fog-Computing: Die Daten auf den Geräten selbst verarbeiten oder auf den Zwischenpunkten

Moderne 3G- und 4G-Mobilfunknetzwerke sind einfach nicht schnell genug, um Daten zwischen Cloud und Gerät in der Geschwindigkeit hin und herzuschicken, in der sie generiert werden. Nun, da immer mehr Objekte zuhause und im Büro eingebunden werden, wird es nur noch schlimmer. Glücklicherweise gibt es eine Lösung für das Problem: Wir sollten uns nicht länger auf die Cloud konzentrieren, sondern herausfinden, wie wir die Menge an Daten, die durch das Internet der Dinge anfallen, auf den Geräten selbst verarbeiten. Oder auf den Geräten, die zwischen den Dingen und dem Internet stehen.

Marketing-Verantwortliche bei Cisco Systems haben sich bereits einen Namen dafür einfallen lassen. Sie nennen es „fog computing“ – Rechenleistung im Nebel. Mit gefällt dieser Ausdruck. Klar – das kann man lächerlich finden. Aber wie schon beim Cloud-Computing, das übrigens ebenfalls eine Marketing-Bezeichnung für ein Phänomen ist, das bereits in der Entstehung war, ist Fog-Computing eine gute visuelle Metapher für diese Entwicklung.

Während die Cloud „dort oben“ irgendwo im Himmel ist, weit entfernt und ganz bewusst abstrakt, befindet sich der „Fog“ weiter am Boden. Dort, wo die Arbeit erledigt wird. Der Nebel besteht nicht aus leistungsfähigen Servern, sondern aus schwächeren und weit verstreuten Computern, die es bis in die Geräte, Fabriken, Autos, Straßenlampen und alle anderen Produkte unserer materiellen Kultur schaffen.

Cisco verkauft Router. Abgesehen von Speichern dürfte das vermutlich das uncoolste Geschäft im Tech-Sektor sein. Um seine Produkte attraktiver zu machen und sie auf neue Märkte zu bringen, bevor chinesische Rivalen in Ciscos Revier wildern, will das Unternehmen seine Router zu Schaltzentralen aufrüsten, die Daten zusammentragen und Entscheidungen darüber fällen, was damit passiert. Die Vision von Cisco ist, dass seine smarten Router nie Kontakt mit der Cloud aufnehmen, wenn sie es nicht müssen. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn der Betreiber über einen Notfall an einem Triebwagen der Bahn informiert werden muss, auf dem der Router als zentrales Nervensystem operiert.

IBM-Manager Paul Brody. (Foto: Twitter)
IBM-Manager Paul Brody. (Foto: Twitter)

Auch IBM versucht mit einer ähnlichen Initiative, das traditionelle cloud-basierte Internet „umzukrempeln“ und an „den Rand“ zu verschieben, wie es IBM-Manager Paul Brody nennt. (Wenn über „edge computing“ gesprochen wird, ist damit wortwörtlich der Rand eines Netzwerkes gemeint, die Peripherie, wo das Internet endet und die reale Welt beginnt. Datenzentren sind die „Zentren“ des Netzwerkes; Laptops, Smartphones und Überwachungskameras stehen „am Rand“.)

So wie die Cloud aus allen Servern besteht, die miteinander verbunden sind, wird im Forschungsprojekt von IBM davon ausgegangen, dass der Fog alle Computer vereint, die es um uns herum gibt. Wenn zum Beispiel ein smartes Gerät Software-Updates direkt an ein anderes Gadget weitergeben könnte, ohne den Umweg über die Cloud gehen zu müssen, könnte der Nebel ein direkter Rivale für manche Funktionen der Cloud sein.

Das Fazit ist: Wir haben einfach zu viele Daten. Und dabei fangen wir gerade erst an. Flugzeuge sind ein hervorragendes Beispiel dafür. In einer neuen Boeing 747 sind beinahe alle Teile der Maschine mit dem Internet verbunden. Ständig werden Daten aufgezeichnet und in manchen Fällen kommt es zum kontinuierlichen Austausch. General Electric sagt, dass nur eines der Triebwerke pro Flug Daten im Umfang von einem halben Terabyte erzeugt.

Billige Sensoren generieren eine Menge „big data“. Und das ist erstaunlich nützlich. Sogenannte voraussagende Analysen lassen Unternehmen wie GE wissen, welche Motoren gewartet werden müssen – und das schon vor der Landung. Warum sonst sollten Firmen wie Google GOOGL und Facebook über alternative Zugangsformen zum Internet per Ballons oder Drohnen nachdenken? Derzeitige Anbieter bekommen es einfach nicht auf die Reihe. Bis die USA das schnelle drahtlose und verkabelte Internet bekommen, das sie verdienen, müssen Geräte, die so nah wie möglich an den Nutzern dran sind, in die Bresche springen, um das Internet der Dinge so reaktionsfähig wie möglich zu machen, damit es nutzbar ist.

Die Zukunft zahlreicher Rechenleistungen von Unternehmen liegt auch weiterhin in der Cloud. Doch wie sieht es mit dem wirklich transformativen Computing der Zukunft aus? Das wird genau hier passieren. In den Objekten um uns herum. Im Nebel.

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Von Christopher Mims

Ursprünglich publiziert bei wsj.de.

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3 Reaktionen
Frank
Frank

Niemand mit gesundem Menschenverstand lagert Unternehmensdaten in einer Cloud aus... nicht einmal in einer eigenen Cloud.

Eine Cloud ist nur als Transportweg zu betrachten. Ein Mittelsmann zwischen den Daten.

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Pierre
Pierre

Ich kann der vorhergehenden Antwort von Herrn Rokar so nicht völlig zustimmen. Die Cloud ist ein Oberbegriff und beschreibt dabei nicht nur die Cloudservices großer Serviceprovider, sondern auch die Cloud die man sich selbst schafft, sei es nun auf kleiner Basis via ownCloud oder deutlich skalierbarer und komplexer via OpenStack.

Die Cloud ist und bleibt sehr wahrscheinlich die Zukunft aufgrund des großen Bedarfs an Synergie zwischen den vielen vorhandenen, und allem voran mobilen, Geräten. Daher kann ich der dort aufgestellten These durchaus mit Vorbehalt zustimmen.

Mehr Gedanken müsste man sich jedoch um eine Validierung der über das Fog-Computing erhaltenen Daten machen.
Der Erhalt von Daten aus mir naheliegenden Quellen ist eine gute Idee, birgt jedoch die Gefahr des manipulativen und schadhaften Eingreifens. Es bedürfte hier also soetwas wie einen Prüfsummenabgleich mit einem oder mehrerer zentralen Server. Müsste nur auch hier überdacht werden, wie dabei die Manipulation dahingehend möglichst sicher ausgeschlossen werden kann.

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Mathias Rokar
Mathias Rokar

"Jedes Unternehmen, das nicht danach strebt, seine Daten und Software in die Serverfarmen anderer Anbieter zu bringen, muss damit rechnen, früher oder später von einem Wettbewerber überrannt zu werden, der genau das tut." - Ich habe genau hier aufgehört zu lesen. So einen Schwachsinn hab ich seit einer Ewigkeit nicht mehr gelesen. Es ist schade, dass so ein Unsinn weiterpubliziert wird. Gerade im Zeitalter der Datenspionage usw. überlegen es sich viele Unternehmen 10mal, ob sie Daten in die Cloud speichern. Ich persönlich als Leiter eines mittelständischen Unternehmens mit ca. 300 Mitarbeitern habe in Server investiert, die hier bei mir unter meiner Kontrolle stehen und ich selbst die Datenhoheit habe. Zu behaupten, dass jedes Unternehmen, welches nicht auf Cloud-Lösungen setze, nicht konkurrenzfähig sei (und genau das wird hier durch diese Aussage impliziert) ist absolut lächerliche Meinungsmache.

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