t3n News Marketing

Die Lösung für das Content-Dilemma? Ein universeller Follow-Button muss her [Kolumne]

Die Lösung für das Content-Dilemma? Ein universeller Follow-Button muss her [Kolumne]

Viele Verlage, und Blogger eint die Sorge, dass große Netzwerke mit ihrer Sogwirkung kleineren Angeboten das Wasser abgraben. Martin Weigert schlägt eine simple Lösung für dieses Dilemma vor: einen universellen Follow-Button mit offener , der von allen Websites und Blogs implementiert werden kann. Wie das funktionierne kann, erklärt er in seiner Kolumne „Weigerts World“.

Die Lösung für das Content-Dilemma? Ein universeller Follow-Button muss her [Kolumne]

(Bild: Shutterstock/Rawpixel)

Wer heutzutage eine selbstgehostete Website einrichtet, zum Beispiel ein , hat ein kleines Problem: Er muss künftigen Besuchern möglichst bequeme Möglichkeiten anbieten, zu treuen Lesern werden zu können. In einer Ära, in der User durch führende soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter, aber auch durch Content-Plattformen wie Medium, Tumblr oder YouTube, auf die Nutzung einfach zu bedienender Abonnieren-Features konditioniert sind und eine entsprechende Erwartungshaltung mitbringen, ist das aber gar nicht so einfach.

Wer selbst hostet und eines der gängigen Content-Management-Systeme verwendet – primär reden wir hier natürlich von Wordpress –, muss sich meist verschiedener Krücken bedienen, die alle jeweils erhebliche Nachteile besitzen.

RSS, Facebook, WhatsApp & Newsletter – alles nur Krücken

Unter anderem der SRF bietet ein WhatsApp-Abo für Nachrichten. (Bild: SRF)
Auf dem Weg zum universellen Follow-Button? Auch der SRF bietet ein WhatsApp-Abo für Nachrichten. (Bild: SRF)

Es gibt natürlich das RSS-Format. Das allerdings befindet sich seit Jahren in der Defensive. Es stellt zwar weiterhin das Rückgrat vieler Streams dar und wird von überzeugten Fans auch noch zum strukturierten und effizienten Konsum von Nachrichten- und Informationsquellen eingesetzt. Es kann in Sachen Usability aber einfach nicht mit der Simplizität eines Follow-Buttons mithalten. Die fragenden oder gar desinteressierten Blicke, die man erntet, sobald man Durchschnittsnutzern empfiehlt, irgendeine Site per RSS zu abonnieren, zerstören jede Hoffnung auf eine Besserung der Situation.

„Im Jahr 2015 sollten bessere Wege existieren, Lesern eine bequemen Option zum Abonnieren zu bieten.“

Als Alternative kann man den designierten Stammlesern anbieten, die Inhalte einer Site per Twitter oder Facebook zu abonnieren. Klar, auch das ist Standard. Doch mit der Verbreitung von Inhalten über Facebook-Pages Reichweite zu generieren, setzt viele Fans voraus und bedeutet auch, sich im algorithmisch sortierten Newsfeed gegen unzählige andere, teils extrem mächtige Sites durchsetzen zu müssen. Für Neulinge im Geschäft ist das kaum realistisch. Twitter wiederum hat den Nachteil, dass es sehr wenig Traffic bringt. Zudem sorgt der Echtzeit-Charakter dafür, dass Artikelempfehlungen von der Anhängerschaft leicht übersehen werden.

Ein Follow-Button muss einfach und Open Source sein

Seit einiger Zeit wird auch das Bereitstellen einer Abonnieren-Funktion via WhatsApp salonfähig. Doch die App eignet sich aus Nutzersicht in der aktuellen Fassung kaum als adäquater Reader. Zudem ist die Einspeisung von Inhalten aufwendig, da sie rein manuell erfolgen muss. Und um eine Quelle abonnieren zu können, müssen Anwender händisch eine Handynummer in ihr Adressbuch eintragen. Insofern handelt es sich bestenfalls um ein i-Tüpfelchen, nicht mehr.

Bleiben noch E-Mail-Newsletter. Diese sind en vogue wie lange nicht. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass User sich gleich beim ersten Besuch für den Newsletter anmelden, minimal. Und machen sie es doch, dann garantiert dies nicht automatisch eine Beachtung in den wahrscheinlich überquellenden Postfächern der Empfänger. Und überhaupt: Im Jahr 2015 sollten bessere Wege existieren, Lesern eine bequemen Option zum Abonnieren und damit zum Sicherstellen eines Nicht-Vergessens zu bieten.

Newsletter sind en vogue wie lange nicht. (Screenshot: MailChimp)
Newsletter sind en vogue wie lange nicht. (Screenshot: MailChimp)

Doch leider ist dem nicht so. Und deshalb darf man sich nicht wundern, dass gerade hitzige Debatten darüber stattfinden, ob Online-Publizisten ihre Websites ganz abschaffen und nur bei den einschlägigen Social-Web-Plattformen mit ihrer eingebauten Follow- und Viralitäts-Komponente veröffentlichen sollen. Man darf sich auch nicht wundern, dass Blogs wieder mal der Tod vorausgesagt wird. So wackelig diese Behauptung auch sein mag: Sie verstärkt das Image- und Usability-Problem all der Content-Angebote, die außerhalb der technischen Infrastruktur der gigantischen Plattformen betrieben werden.

Die Zukunft von News-Websites und Blogs wird in Frage gestellt

„Wikipedia selbst ist der Beweis, dass gemeinnützige Online-Projekte immense Ausmaße annehmen können.“

Doch die Lösung dieses Missstands liegt eigentlich auf der Hand: ein portabler, universeller Follow-Button muss her, der sich mit maximal drei Klicks von jedem Betreiber einer Website aktivieren lässt und der im Look & Feel den aus dem Web bekannten Follow-Systemen ähnelt. Doch im Gegensatz zu diesen wäre das beschriebene Tool Teil einer dezentralen Open-Source-Lösung, die von einer nicht gewinnorientierten Organisation nach dem Vorbild von Mozilla oder der Wikimedia-Foundation betrieben wird. Per offener API würden sich kommerzielle wie nicht-kommerzielle Anbieter an das System anschließen und Lese-Oberflächen bereitstellen können, über die Nutzer die Inhalte aller ihrer abonnierten Angebote zentral konsumieren. Das System stünde alle offen – von der großen Verlagspublikation bis zum nur selten aktualisierten Hobby-Blog.

Sicher, es gab immer mal wieder irgendwann und irgendwo Versuche, ein solches Follow-Button-Konzept zu etablieren. Doch durchgesetzt hat es sich augenscheinlich nicht. Und deshalb herrscht heute kollektive Sorge darüber, was passiert, wenn Facebook oder andere Dienste ihren Einfluss auf die Verbreitung von Nachrichten und anderen Inhalten weiter verstärken. Das Risiko ist hoch, dass sich Publisher dieser Entwicklung leichtfertig ausliefern – und damit genau den Fehler wiederholen, welcher der Musikindustrie einst mit iTunes unterlaufen ist.

Ein universeller Follow-Button: Das gemeinsame Feindbild ist vorhanden

Um das zu verhindern, braucht es nur eine kleine, möglichst einflussreiche, gut vernetzte und international geprägte Gruppe an Personen, die mit dem Segen und womöglich auch mit finanzieller Unterstützung der Öffentlichkeit (Stichwort Crowdfunding) das angesprochene System entwickelt. Ok, das klingt jetzt doch etwas zu einfach. Aber Wikipedia selbst ist der Beweis, dass gemeinnützige Online-Projekte immense Ausmaße annehmen können. Voraussetzung sind vor allem übereinstimmende Interessen und das Vorhandensein eines gemeinsamen „Feindbilds“, das über andere eventuell vorhandene Differenzen der Akteure hinweg hilft. Diese Aspekte sind definitiv erfüllt: Nahezu alle Betreiber von redaktionellen Onlineangeboten eint der Wunsch nach verringerter Abhängigkeit von Facebook und anderen Plattformen, die kein natives Interesse an guter journalistischer und medienschaffender Arbeit haben – sondern eben nur an „Eyeballs“.

Es müssen sich also eigentlich nur Schlüsselpersonen finden und formieren und die Sache anschieben. Dass das bislang nicht passiert ist, verwundert angesichts der langjährigen Klagen vieler Medienschaffender über die suboptimalen Zustände im Onlinejournalismus schon. Aber das passiert wohl, wenn alle Energie in das Vorantreiben des Leistungsschutzrechts fließt, nicht in innovative Lösungen, die der gesamten Branche zugute kämen.

Weitere Artikel aus „Weigerts World“ findest du hier.

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
3 Antworten
  1. von Tom am 25.02.2015 (10:19 Uhr)

    Also dem Artikel fehlen ganz schön viele Wenns und Abers.
    Diese universellen Followbuttons gibt es zwar nicht, aber man sieht gefühlt weitaus weniger dieser Allroundfollowbuttons, die dann aufklappen und XX Dienste aufführen über die man teilen/followen kann.
    Davon abgesehen wird Facebook & Co den eigenen Code sicher nicht in eine neutrale Open Source Lösung auslagern wollen - schließlich fehlt dann das Tracking!
    Und auch nicht jede Seite muss überall vertreten sein. Geht es auf der Seite um z.B. Google Themen, dann ist der Fokus sicherlich auch Google+ zu legen und Facebook wie auch Twitter vernachlässigbar. Geht es primär um Facebookthemen, dann natürlich das Gegenteil. Geht es um Sicherheit und Datenschutz, dann wäre aus Authentizitätsgründen der Verzicht auf diverse Social Networks angeraten. Werden Artikel oft überarbeitet ist RSS kontraproduktiv, da die Leser dann fast "immer" die erste/falsche Version lesen.
    Will ich überhaupt eine Seite universell abonnieren? Will ich jede Seite in meinem Facebook oder Twitter Stream? Sind alle anderen Nutzer so wie ich? Nein, nein und nein. Als Seitenbetreiber habe ich zumindest mit Wordpress und Jetpack keine Probleme die Artikel auf Google+, Twitter und Facebook bereitzustellen wie auch Like Buttons für alle gängigen sozialen Netzwerke einzufügen. Und ein Widget mit den Followern, den Tweets oder dem Facebookstream kann je nach Seite auch eine Werbung sein, denn je nach Seite bietet es sich an auf der einen Plattform mehr zu machen als auf der anderen (siehe oben).
    Und als bestes Beispiel in Deutschland dürfte auch Fefes Blog dienen, denn da wird auf alles o.g. komplett verzichtet - aus guten Gründen - und trotzdem ist der "Erfolg" da.
    Vielleicht ist das ja genau die Zukunft, dieses ganze Gelike und Gefollowe einfach in die Mülltonne zu werfen. Das bringt nämlich den großen Unternehmen weitaus mehr als dem Nutzer. Und jeder mit Ahnung weiß, dass das irgendwann in naher oder ferner Zukunft zum Boomerang werden kann, wenn im Vorstellungsgespräch die Likes von vor 10 Jahren ausgepackt werden und man die Konkurrenz geliked hat. Oder aber die Versicherung nur den teuren Tarif anbietet weil man Burger King und McDonalds mag. Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs, den man aus den Daten erzeugen kann.
    Diesen Kommentar beende ich mit einem Zitat von Deickind: Like mich am Arsch.

    Antworten Teilen
  2. von Héctor am 26.02.2015 (15:45 Uhr)

    Ich finde die im Grundprinzip gut, einen allgemeinen Followbutton mit einer dazu gehörigen Plattform im Background zu erstellen und für alle öffentlich zu machen. Auf Grund von diesem Prinzip wäre der Konkurrenz Aspekt mit Social Media Plattformen dennoch anwesend. Aber es würde sicherlich viele, vor allem Blogs, helfen die Reichweite außerhalb der Social Media Plattformen, zu erweitern und auch zu festigen, ohne einen Traffic Verlust.

    Antworten Teilen
  3. von delde am 08.03.2015 (21:32 Uhr)

    Vielen Dank für die informative Aufstellung.

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Weigerts-World-Kolumne
Wir können alles außer Startups? Der digitale Masterplan für Baden-Württemberg [Kolumne]
Wir können alles außer Startups? Der digitale Masterplan für Baden-Württemberg [Kolumne]

Die neue Startup-Politik in Baden-Württemberg sei ein „dramatischer strategischer Fehler“, kritisierte Florian Nöll kürzlich. In seiner t3n-Kolumne „Undiplomatisch“ legt der Vorsitzende … » weiterlesen

API für Werbekunden: Snapchat vereinfacht Werbung
API für Werbekunden: Snapchat vereinfacht Werbung

Snapchat öffnet sich der Werbeindustrie. Über eine Programmierschnittstelle ist es den Werbekunden ab sofort erlaubt, Anzeigen und Videos in die App einzuspeisen. Den Nutzern werden diese Anzeigen … » weiterlesen

Praktisch oder gruselig? Scale ist eine API für menschliche Arbeit
Praktisch oder gruselig? Scale ist eine API für menschliche Arbeit

Scale stellt eine API für einfache menschliche Tätigkeiten zur Verfügung. Unternehmen sollen so kleinere Aufgaben per Code direkt an externe Arbeiter übergeben können. » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?