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Digitales Leben

Essen, twittern, Gutes tun: Der „Food Summit“ – Die kleine Bühne für große Ideen [#websummit]

    Essen, twittern, Gutes tun: Der „Food Summit“ – Die kleine Bühne für große Ideen [#websummit]

Eva Longoria beim „Web Summit“ in Dublin. (Foto: t3n)

Der Web Summit in Dublin ist mit 20.000 Besuchern die größte Tech-Konferenz Europas und eine der wichtigsten der Welt. Doch sie ist mehr als das, wie der „Food Summit“ beweist – ein Bereich, in dem es vor allem darum geht, die Welt ein Stück besser zu machen.  

Der „Food“ Summit: Stilecht in einer nachgebauten Schlachterei

Der Veranstaltungsort des „Food Summit“: eine nachgebaute Schlachterei. (Foto: t3n)
Der Veranstaltungsort des „Food Summit“: eine nachgebaute Schlachterei. (Foto: t3n)

15 Minuten sind verdammt knapp für Iseult Ward. Die 24 Jahre alte Gründerin steht im Dubliner Herbert-Park in einer nachgebauten Schlachterei und versucht, die knappe Zeit so gut es geht zu nutzen. 15 Minuten, um rund 100, vielleicht 150 Zuschauern ihre App zu erklären: Food Cloud – „The App that Feeds“. Doch es gelingt ihr.

Mit der dichten Taktung hatten vor Ward schon andere zu kämpfen. 25 Minuten, um über die Zukunft des 3D-Drucks zu diskutieren und die Frage zu klären, ob er auch in der Küche funktioniert? Eine Herausforderung. 20 Minuten, um über Milch zu referieren – und dem Publikum zu erklären, was sie mit Brustkrebs oder Ebola und dem globalen Kampf um Aufmerksamkeit zu tun hat? Ambitioniert.

Die Diskussionen und Vorträge sind Teil des „Food Summit“, der ebenso zum Web Summit gehört wie der „Digital Marketing Summit“, der „Builders Summit“ oder der „Enterprise Summit“. An drei Tagen sprechen hier Gründer, Experten und Journalisten über das Thema Essen in seiner ganzen Bandbreite, wenn auch manchmal nur 15 Minuten lang. Da wird über „The Future Farm: Tech in Agriculture“ diskutiert und über Big Data bei der Nahrungsmittelentsorgung. Da geht es um die Zukunft des Takeaway und Nahrung als Kunstform. Doch da geht es auch um naheliegendere Themen wie die Macht der Restaurantkritiker oder den Hunger in bestimmten Regionen der Erde, um Insekten als Lebensmittel der Zukunft oder innovative Getränke.

Warum der Web Summit mehr ist als eine Tech-Konferenz

Lynette Kucsmas stellt ihren 3D-Lebensmittel-Drucker vor. (Foto: t3n)
Lynette Kucsmas stellt ihren 3D-Lebensmittel-Drucker vor. (Foto: t3n)

Und es gibt die unterhaltsamen Momente, die das Thema Essen mitbringt, etwa, wenn Lynette Kucsmas 1.000 Euro teurer 3D-Lebensmittel-Drucker auf der Bühne seltsame Geräusche und noch seltsameres Essen von sich gibt, während im Hintergrund ein Video läuft, in dem sich zwei skeptische ältere Damen ihren 3D-gedruckten Cookies verweigern. Oder wenn Rowley Leigh, preisgekrönter Koch und Jounalist für die Financial Times, gesteht, er habe keinen blassen Schimmer, warum er überhaupt hier sei. Der Summit sei doch eine Tech-Konferenz.

„40 Prozent aller iPads werden in der Küche genutzt.“

Doch auf der kleinen Bühne im rustikalen Ambiente der Fleischerei „JJ&Son“ wird wie vielleicht an keinem anderen Ort klar, warum es eben zu kurz greift, den Summit bloß als Tech-Konferenz zu bezeichnen – als noch eine von den dutzenden Tech-Konferenzen weltweit. Hier wird das Konzept deutlich, hier versteht man, warum der Web Summit in Dublin eine solche Erfolgsgeschichte ist.

Der „Food Summit“ vereint mit seinem Programm wie selbstverständlich Tech-Themen, gesellschaftliche Debatte und Atmosphäre. Er bringt Gründer und Kritiker und Besucher zusammen und spiegelt so perfekt das Selbstverständnis des Web Summit wider. Sicher, auf der großen Bühne und bei den Pitches, bei all den Startups, die in teilweise winzigen Kojen ihre Apps und Projekte anpreisen, geht es um Geld, um Technologie und eben den Geist, der die Startup-Communities von Berlin, Stockholm oder eben auch Dublin durchweht. Doch Summit-Gründer Paddy Cosgrave und seine Mitstreiter wissen natürlich nur zu gut, wie stark Technologie inzwischen in unserem Leben verankert ist. Smarte Sensoren bei der Ernte, Rezept-Apps und Kochvideos oder der oft beschworene vernetzte Kühlschrank sind nur drei Beispiele aus dem Nahrungsmittelbereich. „40 Prozent aller iPads werden in der Küche genutzt“, ergänzt Ben Harris von „Drop“, einem Startup der Internet-of-Things-Sparte.

Doch die Macher des Summit wissen auch, dass all das nichts ist ohne die notwendige Debatte. Dass jede Idee, jede App und jedes Startup einen Kontext hat, eine Gesellschaft, in der all das wächst oder auch nicht, dass dahinter Menschen stecken und dass es Menschen sind, die all das nutzen und denen es nutzt – oder eben auch nicht.

Zwischen Coca-Cola und Aufklärung: Der „Food Summit“

Natürlich wird beim „Food Summit“ auch gegessen. (Foto: t3n)
Natürlich wird beim „Food Summit“ auch gegessen. (Foto: t3n)

Dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Programm, etwa wenn auf der großen Bühne des Summit Josh Tetrick von „Hampton Creek“ und Jessi Hempel von Wired über die Idee des US-Startups diskutieren, das Ei als Nahrungsmittel zu ersetzen. Oder auch in den anderen Bereichen, in denen es beispielsweise um die Musikindustrie und faire Erlösmodelle oder die soziale Macht der Crowd geht. Es passt nicht immer zum Konzept, dass auch oft kritisierte multinationale Konzerne wie Coca-Cola oder Automobilbauer wie Audi hier ihre Bühne bekommen, doch sie sind es zum Teil eben auch, die ein solches Event mitfinanzieren. Eine gesunde Portion Realismus braucht es schon, um so etwas wie den Summit zu veranstalten – und um ihn zu besuchen.

„Wir wollen in einer Welt leben, in der kein Essen weggeworfen werden muss.“

Um das etwas abzumildern, kommen nebenan, in großen, weißen Zelten, an den drei Tagen auch die hungrigen Besucher des Web Summit nicht zu kurz. Wo es um Essen geht, sollte auch gegessen werden und so reiht sich hier Stand an Stand und Buffet an Buffet. Irisches Eis und Hühnchen aus Freilandhaltung, Kichererbsen-Quinoa-Salat und irischer Käse, frisches Obst und Meringue – gemeinsam mit der privaten Initiative „Good Food Ireland“ fährt der Web Summit auf, was die grüne Insel zu bieten hat.

Doch immer wieder geht es bei dieser Konferenz vor allem darum, wie Technologie die Welt ein Stück besser machen kann. Darum, dass Fortschritt ein Korrektiv braucht und neue Ideen der Überprüfung durch kritische Fragen standhalten müssen. Und es geht, so Moderator Brendan Howard, um die Zusammenhänge zwischen Technologie und Essen. „Es geht darum, wie Technolgie die Umstände verändert, unter denen wir Nahrungsmittel anbauen, herstellen, verkaufen und natürlich auch essen.“

Der Summit lockt auch Promis nach Dublin

Eva Longoria. (Foto: t3n)
Eva Longoria. (Foto: t3n)

Und selbst in diesem Bereich lockt der Summit Promis nach Dublin, wie Eva Longoria, die 20 Minuten bekommt, um mit Jemima Khan von „Vanity Fair“ über ihr Filmprojekt „Food Chains“, die teilweise menschenverachtenden Produktions- und Arbeitsbedingungen in der amerikanischen Nahrungsmittelindustrie und ihr dazugehöriges Charity-Projekt zu sprechen. Gutes essen und Gutes tun liegen manchmal weit auseinander – und manchmal ziemlich dicht beisammen.

Deswegen steht auch Iseult Ward hier auf dieser kleinen Bühne, vor der die Zuschauer dicht an dicht twittern und lachen, diskutieren und staunen, und versucht, ihre 15 Minuten so gut es geht zu nutzen. Von den enormen Mengen an Lebensmitteln, die wir Tag für Tag wegwerfen, spricht sie, von Alan, einem irischen Supermarktbesitzer, den es bares Geld kostet, abgelaufene Lebensmittel zu entsorgen, und von Liz, die diese Lebensmittel dringend nötig hätte. Und von ihrer App spricht sie, einer Cloud-Lösung für die Umverteilung nicht benötigten Essens. Wer Essen über hat, stellt es ein, wer Essen benötigt, kann es anfragen.

Iseult Ward und ihr Projekt „Food Cloud“. (Foto: t3n)
Iseult Ward und ihr Projekt „Food Cloud“. (Foto: t3n)

Man merkt Ward an, dass sie Feuer und Flamme ist für ihr Projekt, fast gerührt wirkt sie, wenn sie ihre Geschichte erzählt. „Mich und meine Mitgründerin Aoibheann O'Brien verbindet die Liebe zum Essen und der Hass auf Verschwendung“, sagt sie. „Wir wollen in einer Welt leben, in der kein Essen weggeworfen werden muss.“ Und so hat sie sich auf die Suche nach Förderern und Partnern gemacht und „Food Cloud“ in nur zwei Jahren zur Marktreife gebracht. Inzwischen arbeitet ihr Startup auch mit Ketten wie Tesco, Aldi oder Starbucks zusammen, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Zumindest die in Irland. Doch eine solche Idee, das zeigen viele der Projekte, die beim „Food Summit“ vorgestellt werden, kann schneller Schule machen als man denkt.

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