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Foursquare nur noch halb so viel wert wie 2013 – was ist los beim einstigen Hype-Startup?

Foursquare nur noch halb so viel wert wie 2013 – was ist los beim einstigen Hype-Startup?

Um die einstige Hype-App Foursquare ist es schon länger etwas still geworden. Jetzt geht das Startup einen ungewöhnlichen Weg: Im Zuge der nächsten Finanzierungsrunde soll die Unternehmensbewertung mehr als halbiert werden. Steckt die einstige Startup-Hoffnung in der Krise?

Foursquare nur noch halb so viel wert wie 2013 – was ist los beim einstigen Hype-Startup?

Foursquare-Gründer Dennis Crowley. (Foto: TechCrunch / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Foursquare: Vom Startup-Liebling zum Übernahmekandidaten

Früher auf jedem Handy, heute immer weniger gesehen: Die App Foursquare. (Foto: George Dolgikh / Shutterstock.com)
Früher auf jedem Handy, heute immer weniger gesehen: Die App Foursquare. (Foto: George Dolgikh / Shutterstock.com)

Viele von uns können sich wohl noch an den Hype um erinnern, der weite Teile der Digitalbranche vor ein paar Jahren plötzlich ergriff: Wo immer man ein Gebäude oder einen Ort betrat, zückte man zuerst das Handy, um – sofern möglich – auch virtuell in der Räumlichkeit einzuchecken. Außenstehende wunderten sich zunächst: „Wozu das alles? Warum ist es erstrebenswert, der ‚Bürgermeister‘ von Supermarkt X oder Agentur Y zu sein?“, wurden aber in der Regel auch schnell vom Foursquare-Fieber erfasst.

Aus dem einstigen Hype-Startup ist aber nie das dominante Digitalunternehmen geworden, das es jahrelang zu werden versprach. Kein Mitglied im Club der „Big Player“ um Google, Facebook und Apple. Jetzt ist bekannt geworden, dass Foursquare neues Kapital aufnehmen wird: zu einer voraussichtlichen Unternehmensbewertung von 250 Millionen US-Dollar – weniger als der Hälfte seiner früheren Bewertung. Was steckt dahinter?

Social, local, mobile: Foursquare hatte hervorragende Startchancen

Das alte Foursquare-Logo.
Das alte Foursquare-Logo.

Als Foursquare 2009 auf den Markt kam, hatten die Macher rund um Gründer Dennis Crowley einiges richtig gemacht. Die App setzte auf Location-basierte Aktivitäten und damit auf den noch relativ neuen Reiz, den das permanent verfügbare, internetfähige Smartphone ausübte. Sie erlaubte die mobile Vernetzung mit Freunden und bot mit den Vergleichs- und Wettbewerbsmöglichkeiten untereinander einen der ersten wirklich gelungenen Use-Cases für das Gamification-Prinzip. Kein Wunder, dass Foursquare sich in digitalen Kreisen viral verbreitete: Wer mitreden wollte, musste selbst mitmachen.

„Wie will Foursquare seine Nutzerbasis monetarisieren?“

Auch heute noch ist die Anzahl seiner Nutzer für Foursquare nicht das Hauptproblem. Die Kurven zu Nutzerwachstum und weltweiten Checkins steigen laut Unternehmensangaben noch immer, im Januar 2015 hatte das Netzwerk laut Statista rund um den Globus etwa 55 Millionen Nutzer. Eine andere Frage steht allerdings seit mittlerweile mehreren Jahren unbeantwortet im Raum: Wie will Foursquare diese Nutzerbasis monetarisieren?

Auch Twitter kämpft seit geraumer Zeit mit diesem Problem. Bei Foursquare kommt allerdings erschwerend hinzu, dass die Marktdurchdringung im Vergleich zu Twitters mehr als 250 Millionen Nutzern noch einmal deutlich geringer ist. In den meisten Büros hat sich der Bürgermeister-Wettstreit wohl auf wenige hartnäckige Frequent-User eingegrenzt. Vom Mainstream ist die App nach wie vor meilenweit entfernt. Foursquare ist noch viel deutlicher in seiner Nische verhaftet als das von manchen bösen Zungen schon als Special-Interest-Netzwerk bezeichnete Twitter.

Von Foursquare zu Swarm: Ein Strategieschwenk verunsichert die Nutzer

Bunt und verspielt: Swarm soll den Nutzern vor allem Spaß bereiten.
Bunt und verspielt: Swarm soll den Nutzern vor allem Spaß bereiten.

Ohnehin sollte die Rede an dieser Stelle nicht mehr von Foursquare sein, sondern von Swarm – der App, in die Foursquare seine Checkin- und Netzwerk-Funktionen 2014 ausgegliedert hat. Mit Swarm können User den Aufenthaltsort ihrer Freunde in Echtzeit einsehen und sich gegebenenfalls schnell über die App mit ihnen verabreden. Auch die Abzeichen und Mayor-Titel haben, nach einigen Startschwierigkeiten, bei Swarm ihr Zuhause gefunden, zudem können Nutzer jetzt auch „Coins“ durch Check-ins und Aktivitäten erspielen. Die eigentliche Foursquare-App ist mittlerweile ein reiner Empfehlungsdienst für lokale Geschäfte und Aktivitäten geworden und damit in direkte Konkurrenz zu Portalen wie Yelp getreten – ein Markt, auf dem Foursquare es langfristig schwer haben dürfte.

Das neue Foursquare-Logo. (Quelle: blog.foursquare.com)
Das neue Foursquare-Logo. (Quelle: blog.foursquare.com)

Der mittlerweile anderthalb Jahre zurückliegende Strategieschwenk von Foursquare verärgerte viele Nutzer – nicht nur, weil sie auf einmal zwei für die gewohnten Funktionen herunterladen mussten, sondern auch, weil Foursquare im selben Zug den Check-in-Button durch ein automatisches Tracking, euphemistisch als „Ambient Location Sharing“ bezeichnet, ersetzte und damit bei vielen Anwendern Datenschutzbedenken auf den Plan rief. Eine Analyse des US-Magazins Inc.com im Sommer 2015 zeigte, dass sich die Aufspaltung höchstwahrscheinlich negativ auf die Downloadzahlen beider Apps ausgewirkt hat.

120 Millionen Dollar Kapital in 5 Jahren

Das Problem der Monetarisierung bestand unterdessen weiter. Insgesamt mehr als 120 Millionen US-Dollar hat Foursquare über die Jahre an Kapital aufgenommen, darunter von renommierten Investoren wie Union Square Ventures oder Andreessen Horowitz. In den letzten Monaten haben verschiedene Aktivitäten des darauf hingedeutet, dass es stärker als bisher von den gesammelten Ortsdaten profitieren will – so hat Foursquare etwa eine Kooperation mit Microsoft abgeschlossen, dessen Suchmaschine Bing auf die Daten des Startups zurückgreift. Und auch Twitter lässt seine Standortdaten von Foursquare optimieren.

„2016 werden sich einige Startups auf schlechtere Deals einlassen müssen, um an Cash zu gelangen.“

Trotzdem benötigt das in New York ansässige Unternehmen jetzt wieder Kapital. Wie TechCrunch berichtet, steht eine entsprechende Finanzierungsrunde, die zwischen 20 und 40 Millionen US-Dollar einbringen soll, kurz vor dem Abschluss. Das Besondere an ihr ist ohne Zweifel die deutlich niedriger als zuvor angesetzte Unternehmensbewertung: Bei einer solchen „Down Round“ verlieren die bisherigen Anteile der Gründer und frühen Investoren an Wert. Umso erstaunlicher ist der radikale Schnitt, auf den Foursquare sich einlässt: Immerhin lag die Bewertung des Unternehmens mit 650 Millionen US-Dollar in der Vergangenheit mehr als doppelt so hoch.

Während für einige Beobachter damit die Symptome einer handfesten Krise gegeben sind, winken andere ab: Durch strengere VCs und schwierige Marktumfelder dürften sich in den nächsten Monaten noch weitere Startups auf „schlechte“ Deal-Bedingungen einlassen müssen, um an Cash zu gelangen. Und doch stimmt die stark reduzierte Bewertung, die der neuen Runde zugrunde gelegt ist, nachdenklich. Recherchen von Inc.com zufolge gehen weniger als acht Prozent aller Startups noch einmal derart weit unter einmal erreichte Bewertungsmarken.

Foursquare: Stehen die Zeichen auf Übernahme?

Foursquare-Gründer Dennis Crowley. (Foto: TechCrunch / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Damit wird ein weiteres Szenario wahrscheinlich: Dass Foursquare sich als attraktiver Übernahmekandidat in Stellung bringt. Denn die ortsbasierten Daten, an denen Microsoft und Twitter interessiert sind, sind schon für sich genommen ein schlagkräftiges Verkaufsargument. Das Magazin Venture Beat hält Microsoft und Apple für die beiden wahrscheinlichsten Käufer, auch wenn diese Einschätzung momentan nicht viel mehr als Spekulation ist. Einem Bericht von Recode zufolge hat Foursquare schon Gespräche mit potenziellen Interessenten geführt. Möglicherweise steht also ein Exit an, noch bevor die aktuelle Finanzierungsrunde unter Dach und Fach gebracht wird.

Verkauft Dennis Crowley sein Startup zum jetzigen Zeitpunkt, käme dies wohl einem Eingeständnis gleich, dass Foursquare die hohen in das Startup gesetzten Erwartungen nicht hat erfüllen können. Aber gerade für ein derart gehyptes Startup war das auch von Anfang an kaum zu schaffen.

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Eine Antwort
  1. von Eigentlich Bedarf vorhanden am 29.12.2015 (18:44 Uhr)

    Man sollte sich an den neuen Markt erinnern und mal schauen ob ähnliches passiert ist. Nach Zins-Erhöhungen der FED würden sich die Bewertungen/Vielfache (von Umsatz, Gewinn,...) zusammencrunchen hiess es im Börsen-TV. Das passt also gut und FourSquare ist vermutlich nur der erste von vielen wo die Letzte Runde (inzwischen) zu hoch angesetzt war... Nach einer dicken Bewertungs-Runde sollte man wohl eher ganz schnell an den Markt gehen wenn die Zinsen steigen dürften...


    Aki-Aka gibts wohl auch nicht mehr.
    Oder wohl von gestern:
    http://www.golem.de/news/nach-uebernahme-von-e-plus-telef-nica-stellt-gettings-ein-1512-118217.html

    Prinzipiell haben die Leute aber Handies bei sich und in Ländern ohne Abmahnungen oder hohe Rechtskosten oder auch Softwarepatente könnte man mal eben stressfrei eine App schreiben wo man andere gluten-freie Leute, Schalke-04-Fans, E-Auto-Besitzer o.ä. pseudonymisiert in der Umgebung angezeigt bekommt und natürlich kontaktieren kann.
    Oder natürlich für Messen anonymisiert Bewerber und Skills und Arbeitgeber matchen und connecten oder Einkaufslisten, Feature-Wünsche für auf der Modellbaumesse oder Hochzeits-Messe oder Reise-Messe connecten. Viele Businesses laufen auf Messen ab aber wenn man vorher am Handy alle Stände angezeigt bekommt und passende heraus-ragen bzw. unpassende (Hochzeit unter 5000 Euro, IT-jobs ohne MCSE-Win10-Zertifikat, Bewerber mit M$-SQL-Kenntnissen,...) gefiltert bzw. exponierter sichbar sind (Stellenangebote wo man 0,1,2,3,4,5,... der unbedingt ganz nötigen Skills matched entsprechend höher in einer Quasi-3D-Manhattan-Ansicht der Austeller-Stände) werden, wäre das natürlich besser... Auch würden die Firmen besser sehen wonach Kunden fragen ("Hochzeit auf einem Schloss" "Solarthermie statt Solar-Strom inclusive Umsatz-Steuer-Erklärung usw."...) oder welche Skills bei den Bewerbern überhaupt vorhanden sind oder wie viele Stände es auf der Essen Motor-Show gibt wo es noch Opel Manta-Teile gibt.
    Schon bei trivialen Fragen wo man man noch ein bezahlbares USB-Netzteil bekommt scheitert google wohl ausserhalb der Google-Hotspots und ausserhalb New York.


    Es mag zwar unüblich sein das Investmentrunden kleiner werden, verloren haben die ersten Investoren aber meist vermutlich nix.
    Die ersten haben z.B. 100.000 für 20% gegeben und das letzte Investment waren 10 Mio für 1% und daraus ergibt sich die hier oft genutzte 100%-Bewertung anhand des allerletzten Investments aber alle anderen haben ja vorher viel weniger reingesteckt und oft keinen Nachschlag nachgelegt. Sind also oft wohl nur Buchverluste und keiner wird gezwungen Cash zu burnen. An asiatischen Firmen sieht man wie Leistung, Fleiß, Profit und Sparsamkeit also die Basis eines steuerfinanzierten gesunden Staates aussehen.
    Zum Ende des neuen Marktes ging das vielleicht auch so.
    Wie inzwischen seit kurzem üblich kann man IPOs in New York in 1 Woche durchziehen... In China würden 600 Firmen auf den IPO warten...

    Auch sollte man mal untersuchen ob befreundete Firmen der Emissionsbanken hohe Last Investments machen und dadurch die Emissionspreise und somit die Gebühren gut steigen. Aus Facebooks Banking-freiem IPO ist ja leider damals nichts geworden...
    Ende des dritt-letzten Absatz:
    http://t3n.de/news/deutsche-startup-boerse-hoechste-500567/
    Bei 20% Gebühren kann man ja durch-rechnen wie viel man zu welchem Preis als letzte Bewertungs-Runde für 1% oder so investieren kann um doch noch ganz gut Gewinn zu machen.
    Angesichts von 1 Woche für den IPO kriegen künftige Kleinaktionäre die Risiken nicht schnell genug mit und können dann in der Rezession verarmt auf dem Trailerpark wohnen.


    Aktuell fliessen gigantomanische Geldmengen. Sobald der erste Ultra-Reiche damit aufhört passiert wie damals schon dasselbe wie bei der Tulpenkrise: Der Crash und Rezession. Armut und Leid.
    Klimawandel, Flüchtlinge, Pensionen, Alters-Kosten, Gesundheitswesen usw. kommen dann noch dazu...
    Früher mal gabs Schnee. Jetzt ist es zu warm und dieselbe Menge fällt als Regen statt wie früher mal als harmloser stiller Schnee... Hochwasser-Milliardenkosten in England... und hier ständig steigende Riesen-Schäden durch Stürme jedes Jahr... Versicherungen freuen sich vermutlich und können die Preise steigern...

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