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Foxconn ersetzt Arbeiter durch eine Million Roboter

Anlässlich einer Betriebs-Tanzveranstaltung gab Terry Gou, Chef von Hon Hai/, gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua bekannt, dass der Robotereinsatz in den Foxconn-Werken massiv gesteigert werden wird. Von jetzt 10.000 Robotern soll die Zahl im nächsten Jahr auf 300.000 wachsen. In drei Jahren will Foxconn eine Million Arbeitsroboter im Einsatz haben.

Foxconn ersetzt Arbeiter durch eine Million Roboter

Foxconn: Für nahezu jeden Arbeiter einen Roboter

Foxconn beschäftigt derzeit 1,2 Millionen Menschen. Geht man davon aus, dass sich das Geschäftsvolumen des Unternehmens nicht mehr stark ausweiten wird, so könnte Foxconn in drei Jahren für nahezu jeden Mitarbeiter einen einsetzen.

Solche Roboter werden sie bei Foxconn wohl nicht einsetzen... (Foto: lukasWP / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Nimmt man noch die Effizienzsteigerung einerseits und die Möglichkeit des 24-Stunden-Einsatzes der Maschinen hinzu, so erreicht Gou mit dieser Maßnahme eine potenziell höhere Produktivität als er jetzt aufzubieten hat. Wird Foxconn in drei Jahren Menschen nur noch in dem Maße beschäftigen, wie es für die Wartung der Arbeitsroboter erforderlich ist?

Die Überlegung, das zu versuchen, ist naheliegend. Immerhin steht Foxconn seit letzten Jahr vor allem wegen der nicht abreißen wollenden Selbstmordserie unter seinen Arbeitern in der Öffentlichkeit. Vor wenigen Monaten wurde bekannt, dass Foxconn seine Arbeiter nun eine Erklärung unterschreiben lässt, worin sie versichern, sich nicht umzubringen. Täten sie es doch, würden die Hinterbliebenen auf der Basis der Erklärung nur das absolute Versorgungsminimum erhalten.

Inzwischen führte Foxconn mehrere Lohnerhöhungen durch. Bis zu 240 Euro montalich soll das Einkommen eines Arbeiters mittlerweile betragen. Betrachtet man die Verkaufspreise, insbesondere der Apple-Produkte, kommt man nicht umhin, es lächerlich zu finden, dass Gou den Robotereinsatz mit den gestiegenen Lohnkosten zu begründen sucht. (Und ja, es ist mir klar, dass der Verkaufspreis des Produkts nichts mit dem Preis zu tun hat, den Apple pro Stück an Foxconn zahlt.)

Die soziale Verantwortung des Kapitals ist eben bloß noch ein Schlagwort des letzten Jahrtausends…

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3 Antworten
  1. von Bots Information Service am 01.08.2011 (13:30 Uhr)

    Siemens hat seit "Jahrzehnten" schon Packroboter für Pakete. Angeblich. im TV war mal sowas zu sehen für Post-Paket-Container. Die sind so schnell das sie hinter Gittern arbeiten. ob der 24h-Einsatz viel bringt, weiss ich aber nicht.

    Im Radio hiess es mal Campagnolo (Rennrad-Fahrrad-Schaltungen, teuer) hätte mit Robotern auch Probleme gehabt. Ebenso deutsche Mittelständler in den 70ern oder 80ern.
    Das Problem bisher und in Deutschland ist: Man hat 1-4 Produktionsstraßen und jeweils 1-5 gigantisch teure Bots die 90% vom Auto zusammenbauen. Die muss man für jedes Modell neu programmieren. Danach kann man die Modelle natürlich "schnell" wechseln wenn die mal programmiert sind.
    Weil die Programmierer also wochenlang die Produktionsstraße stilllegen, geht sowas für Handy-Fließbänder eher nicht, wenn man jeden Monat 1-2 neue Modelle programmieren müsste.

    Fabrics sind eigentlich "Gewebe" oder technisch "Mashes" und nicht notwendig 1-4 oft unflexible Produktionsstraßen. Wenn man also einen Bot pro "Arbeitsplatz" hat, und die Fähigkeiten z.b. durch billige HD-Kameras viel besser sind als früher, kann man an einem Arbeitsplatz das neue Iphone6 vom Programmierer "zusammenfrickeln" und die Toleranzen durchmessen lassen, während alle anderen Arbeitsplätze weiter produzieren.

    "Wir haben eine Woche gebraucht um die Maschinen zu kalibrieren damit die drei Lagen genau passend aufeinanderliegen und nichts rausläuft". TV-Bericht über Apfelstrudel-Fabrik wo man "nur" Teigboden, Apfel(Kirsch/Quark)-Masse und Deck-Teig (mit Schlitzen drin) aufeinanderlegen muss. Hinter der Maschine die die vom Gesetz vorgeschriebenen 12 Kirschen auf die Schwarzwälder Kirschtorte packt, stehen eine Hand Voll Frauen die die Kirschen runternehmen oder welche drauftun, wenn die Maschine es falsch gemacht hat. (Auch TV)

    Wenn also die Computer-Power und Produktions-Präzision asiatischer Maschinenbauer inzwischen gut genug ist, könnten Bots viel flexibler und wirklich ein Mash aufbauen. Wenn Steve mehr Ipads braucht, und HP anruft und weniger Tablets haben will, sagt Foxconn "ja klar", weil die Bots so flexibel sind wenn man quasi keine Umrüstzeiten mehr hat. Manche Bots können dann vielleicht sogar hintereinander ein Ipad, ein HP und ein Iphone zusammenbauen, je nachdem wie die Teile angeliefert werden. Mehrere Schalen mit jeweils 50 Teilen für 50 Iphones usw. sind dann retro, wenn man will. Man kann das KanBan mit kleineren Mengen fahren (bau mal 10 rote Iphones, 5 minuten später: hier die teile für 10 violette Ipads, 10 Minuten später die Teile für 5 HP-Tabletts), was wieder kleinere Transportwege und leichtere Mengen und schwächere Roboter oder Transport-Fliessbänder erlaubt.

    Roboter in Deutschland: Ultrateure Eisenbahn mit 500 Passagieren von A nach B auf festgelegter Route.
    Roboter in Foxcon: 500 Leute in ihren billigen flexiblen kleinen PKW die jeder von Ai nach Bj fahren wie sie wollen und ihre Waren austauschen.

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  2. von otomo am 01.08.2011 (14:09 Uhr)

    Ich sehe hier die ersten Weichen gestellt für skynet. 500.000 Roboter in einer Fabrik, die irgendwann Bewußtsein erlangen und gegen ihre Ausbeutung rebellieren. Gnade uns Gott.

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  3. von Bots information Service am 01.08.2011 (23:01 Uhr)

    Laut anderen Berichten sollen die Roboter bei FoxConn "nur" für "primitiv" klingende Tätigkeiten wie Lackieren u.ä. benutzt werden.

    Beispiele aus TV-Berichten: Ein Gabelstapler ist zu teuer für eine Fabrik. Eine Menschenkette in China war bisher billiger.
    "Chinas Kapital sind seine Menschen."
    "Die Landwirtschaft ist viel Handarbeit und hoch in-effizient."
    RAG macht mit den deutschen Bergwerk-Maschinen gute Geschäfte in China und erhöht die Sicherheit (Gruben-Unglücke) und Effizienz. Illegale selbst gebuddelte Kohle-"Minen" gibts in China aber auch in Polen.
    Dort ist noch viel früh-industriell oder prä-industriell. Wenn man es korrekt macht, überspringt man die Fehler von z.b. Japan+Deutschland oder USA.

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