Frank Karlitschek vom „Open PC“-Projekt: „Ich bin sicher, dass die Zukunft dem freien Desktop gehört“

Frank Karlitschek

Trotz aller Fortschritte hat das freie Betriebssystem Linux auf dem Desktopmarkt bislang nur einen verschwindend kleinen Marktanteil. Das „Open PC“-Projekt möchte das ändern. Herauskommen soll der ideale Linux-PC, den man sofort und problemlos nutzen kann. Schon im Herbst möchte man ihn über einen eigenen Online-Store anbieten. Aktuell läuft eine Abstimmung zu den gewünschten Features. Wir haben Frank Karlitschek von Open-PC einige Fragen zu den Hintergründen des Projekts gestellt. Sein eindeutiges Fazit: „Richtig konfiguriert ist Linux auf dem Desktop bereit für den Mainstream“

Welche Idee steckt hinter dem „Open PC“?

Der Auslöser ist die große Unzufriedenheit mit den bisherigen Linux-Vorinstallationen. Wenn wir als Open-Source-Community eine größere Verbreitung auf dem Desktop möchten, dann müssen die PCs besser vorkonfiguriert sein: Die Hardware muss auch ohne proprietäre Treiber funktionieren, Software muss einfach nachinstalliert werden können, Online-Services müssen einfach nutzbar sein und die Benutzer benötigen guten Support. Viele unabhängige Kritiker und Rezensenten haben die veraltete, fehlerhafte und proprietäre Software und Treibersituation bei den momentanen Linux-PCs von Asus oder Dell kritisiert. Wir als Community versuchen das besser zu machen.

Sind schon (ungefähre) Eckdaten bekannt?

Momentan läuft eine Online-Abstimmung auf open-pc.com, wo die Community entscheiden kann, welche Art von Hardware und Software benutzt werden soll. Fest steht eigentlich nur, dass wir ein breites Publikum ansprechen wollen. Richtig konfiguriert ist auf dem Desktop bereit für den Mainstream.

Inwiefern soll sich der Open PC von bereits bekannten Rechnern unterscheiden?

open pc logo schwarz
Logo des Open-PC-Projekts

Die Hardware wird sicherlich nicht außergewöhnlich sein. Aber wir möchten ein ansprechendes Paket aus Hardware, Software und Online-Services schnüren. Alles funktioniert out of the box. Wir versuchen, das Design von Gehäuse und Desktop aufeinander abzustimmen. Außerdem unterstützt man Open-Source-Projekte durch den Kauf des Rechners.

Wie ist diese Idee eigentlich entstanden?

Die Idee ist auf einem KDE-Entwickler-Meeting im Januar in Portugal entstanden. Wir haben uns über die schlechte Qualität der momentanen Linux PCs und Netbooks geärgert. Der Ruf von Desktop-Linux ist oft schechter als er sein müsste. Dann haben wir darüber nachgedacht, wie man das ändern könnte und festgestellt, dass die Community das durchaus schaffen kann. (Hier gibt es die entsprechende Präsentation als PDF zum Download.)

Was sind jetzt die nächsten Schritte?

In drei Wochen startet die zweite Runde des Votings. Parallel arbeiten wir an der Software. Im Herbst möchten wir den Online-Store mit mindesten einem Hardware-Partner starten. Momentan liegen wir genau im Zeitplan.

Und allgemein gefragt: Bislang bleibt Linux auf dem Desktop in einer Nische. Wird sich das aus Deiner Sicht in den nächsten Jahren ändern?

kde plasma
Die neue „Plasma“-Oberfläche bei KDE 4.3

Definitiv. Wenn man sich das kommende KDE 4.3 anschaut, dann sieht man innovative Features kombiniert mit schönem Design. Außerdem läuft das Ganze schnell und stabil und bietet die bekannten Vorteile von Free Software wie vollständige transparente Kontrolle über die eigenen Daten und günstiger Preis.

Ich bin sicher, dass es mittelfristig Microsoft schwer haben wird. Man kann das bereits im Netbook-Bereich beobachten, wo Windows nur konkurrieren konnte, indem sie Ihr altes Windows XP wiederbelebt und für einen Dumpingpreis verkauft haben. Ich bin sicher, dass die Zukunft dem freien Desktop gehört.

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2 Answers

  1. von Steffen 16.07.2009 (11:20Uhr) 1.

    Die angesprochene Abstimmung ist ein Witz. Man muss sich sehr gut mit den zur Abstimmung stehenden Applikationen auskennen, um überhaupt antworten zu können. Keine Frage zum Stromverbrauch, zur Verwendung (Multimedia, Spiele, Büro, ...). Stattdessen werden die Charts in Sachen Musik-Player, Gnome vs KDE etc. abgefragt.

  2. von Andreas 21.07.2009 (12:07Uhr) 2.

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mit meiner Meinung anecke aber, wir sind doch wenn wir uns mal selbst ehrlich gegenüber sind, quer durch die Bank Windows gewöhnt und verwöhnt.

    Ein Beispiel der Installation auf einem Standard PC im Normalfall:
    Installation von Win XP oder Vista. Ich wähle wohin installiert werden soll (Partitionieren lasse ich bewusst aus) und im Zweifelsfall werde ich noch gefragt wie der PC ins Netz kommt.
    Danach installiere ich die Treiber. Sofern es ein Komplett PC war den ich mal neu machen will liegt eine Driver & Utilities CD bei mit der das fast automatisch geht. Danach obliegt es mir noch mich für Software zu entscheiden. OpenOffice Thunderbird und CO sind bei mir erste Wahl. Dann gehts weiter beispielsweise über Adobe PS2, 3, 4 und Dreamweaver. Diese Programm sind selbstredend etwas spezifisch und werden vom normalen User nicht verwendet.
    Jetzt kommt aber das ausschlaggebende. Auch als Erfahrener User oder Profi würde ich gerne in den Sektor Linux bzw OpenDesktop vorstoßen um nicht länger Windows Sklave zu sein. Das geht aber nicht weil die Speziellen Programme nicht laufen wie sie sollen.

    Nun das Beispiel Linux z.B. Fedora
    der normale Anwender wird sich die Live-CD vom Server laden in der neuesten Version und sich eine Live-CD brennen. Danach legt er sie in seinen PC oder Laptop und startet diesen. Ich gehe davon aus das ein BS vorinstalliert ist in Windowsform. Die Live-CD startet im BS erst da kann ich installieren (Selbstversuch mit einem 2 Jahre alten Laptop Win XP Home). Die Installation verlief schleppend bis gar nicht, erst nach mehreren Versuchen hat es geklappt. Warum hab ich noch nicht raus bekommen. Die Installation dann hingegen ist sehr einfach. Ein normal User findet einen Desktop vor mit dem er problemlos seine Officetätigkeiten sowie Internetgewohnheiten ausleben kann.

    Jetzt kommt jedoch ein Problem auf ihn zu. Er kann nicht wie unter Windows üblich die Treiber-CD seines Druckers einlegen den er schon 5 Jahre nutzt und mal eben installieren und dann auch nutzen. Es mag sein das er das über komplizierte Wege hin bekommt aber sicher nicht ohne Probleme.

    Würde er nun noch gerne sein Bankprogramm nutzen hat er das nächste Problem.

    Gehen wir nun noch davon aus das er in der Lage ist die Softwarerubrik seines Linux zu öffnen um mal zu schaun was er so an schönen Tools vorfindet Beispielsweise einen Editor um Webseiten zu erstellen. Die nächste Hürde. Da wir uns ja im Sektor Open-Source befinden gedenkt er natürlich nichts zu zahlen, muss er ja auch nicht, weil er findet ja eine riesen Auswahl aber ver****** welches ist denn nun das Richtige? Welches Programm ist denn das was ich brauche? Und vor allen Dingen welche Version brauche ich?

    Open-PC mag zwar neue Wege beschreiten wollen, weil es einen community-PC für die community bauen will, wird damit aber wieder nur einen kleinen Teil erreichen weil es speziell an die Hardware gebunden sein wird. Also so ne Art Atari in Groß. Da lief auch alles nur mit spezieller Hardware. Ich vermisse z.B. die Frage nach dem Drucker oder dem Netzwerk (LAN/WLAN). Auch die RAM Größe fehlt.

    Um einen größeren Marktanteil auf dem Computer-Sektor zu bekommen gehört mehr dazu als einen einzelnen kleinen PC zu gestallten der einen freien Desktop hat (was auch immer das bedeuten soll).

    So lange Hardwarehersteller nicht in der Lage sind einen allgemeingültigen Treibersatz für Linuxderivate herzustellen und Softwareriesen wie Adobe sich nicht genötigt sehen diesen Bereich abzudecken wird ein Offenes Betriebssystem keinen größeren Marktanteil erlangen.

    Aber das ist nur meine Meinung und spiegelt in keinster Weise die Meinung der User die mehr Zeit und Wissen haben sich in der Linuxwelt einzuarbeiten und zurecht zu finden.

    Mir sagte mal jemand bei Linux geht alles man muss nur wissen wie. Bei Windows ist dem nicht so. CD rein Software startet (in den meisten Fällen) und führt ein Setup aus. Danach kann ich wiederum in den meisten Fällen die Software nutzen, auch den Drucker ;-)

    So long Andreas

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