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Interview

Frank Thelen: „Vielleicht bin ich bei einer Suppe freundlicher“

Investor Frank Thelen. (Foto: frank.io)

Frank Thelen zählt zu den bekanntesten Köpfen der Berliner Startup-Szene. Im Interview erzählt er, was für Sätze von Startups ihn nerven und warum es Digital-Unternehmen bei DHDL schwer haben.

Als Gründer von Scanbot und einer der ersten Investor von 6Wunderkinder hat sich Frank Thelen früh einen Namen in der Startup-Szene gemacht. Durch die Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ ist er mittlerweile auch einem größeren Publikum bekannt. In der TV-Show ist er so etwas wie ein Digitalpapst – und ein scharfer Kritiker. Wenn er von einer Idee nichts hält, sagt er auch schon mal Sätze wie „Das ist Bullshit“ oder „Das ist ein Fail“.  

Gemeinsam mit StartupTV haben wir den Geldgeber auf der „Bits and Pretzels“ in München interviewt und mit ihm über Spickzettel, Traumpitches und die schlimmsten Gründer-Sätze gesprochen.

Frank Thelen: „Investments, gute und schlechte Pitches & Die Höhle der Löwen“

t3n.de: Frank, was sind die drei Dinge, die du von Gründern nicht mehr hören kannst?

Frank Thelen: Was ich bei Gründern wirklich nicht ertragen, sind Sätze wie „Ich habe ein Prozent Markanteil und deswegen ist es eine Milliarden-Geschäftsidee“. Dann könnte ja jeder ein Telko-Unternehmen (Telekommunikation, Anm. d. Red.) gründen, hätte ein Prozent und ein Riesengeschäft. Aber diese Rechnung funktioniert einfach nicht. Es ärgert mich, dass sie immer wieder verwendet wird. Das nächste sind Buzzwords wie Big Data oder Blockchain. Vor allem, wenn der Gründer am Ende gar nicht weiß, wovon er eigentlich spricht. Und das Dritte: Wenn Gründer ihre Idee nicht richtig rüberbringen können. Man nimmt sich drei Minuten Zeit und dann reden sie so konfus, dass ich es nicht verstehe. Der Pitch muss vorbereitet sein, wenn ich gründen und einen Investor finden will.

t3n.de: In der „Höhle der Löwen“ ist ja auch längst nicht jeder Pitch perfekt. Manchmal wissen Gründer die Zahlen nicht, haben noch Probleme auf dem Markt oder ähnliches. Dürfen Gründer solche Probleme offen ansprechen? 

Frank Thelen: Wir haben alle Probleme. Manchmal fehlt vielleicht der CTO, manchmal ist das Patent vielleicht nicht so stark wie gedacht. Ich freue mich, wenn Leute das ansprechen. Das ist viel besser, als es zu verheimlichen und zu sagen: „Hey, ich bin der geilste Typ.“ Mich würde es viel mehr beeindrucken, wenn jemand sagt: „Das sind meine Stärken. Das sind meine Schwächen. So möchte ich sie beheben. Und da kannst du mir helfen, Frank.“ Das ist eigentlich mein Traumpitch.

„Ich versuche, eine Due Diligence auf Espresso-Basis zu machen.“

t3n.de: Apropos Pitch: Viele Deals platzen nach der Sendung. Du hast mal gesagt, dass man die Zahlen ja erst hinterher prüfen könne. Was ist dann vor der Kamera und beim Pitch überhaupt wichtig?

Frank Thelen: Ich versuche, eine Due Diligence auf Espresso-Basis zu machen. (lacht) In der „Höhle der Löwen“ habe ich einen Spickzettel. Darauf stehen Themen wie Schulden, Forderungen, Patente, Markt oder auch Klagen. Aber das funktioniert natürlich nicht immer. Manchmal stellen die Gründer etwas ins falsche Licht. Oder ich vergesse mal, eine der Fragen zu stellen. Und deswegen scheitern Deals. Ich habe dann beispielsweise das Verständnis, dass das Unternehmen schuldenfrei ist. Und die Gründer haben das Verständnis, dass eine Million Euro an Schulden ja eigentlich nichts ist.

t3n.de: Auch das Team spielt in der Regel ja eine große Rolle. Wie wichtig ist es für dich?

Frank Thelen: Das Team ist für mich die Basis. Ich habe erst kürzlich eine wirklich geniale Idee gesehen. Aber das Team war sehr schwach. Deswegen habe ich mich gegen das Investment entschieden. Die Frage ist immer: Passt das? Sind da die richtigen Leute an Bord, um das Produkt nach vorne zu bringen? Ich nenne das „unfairen Vorteil“. Wenn der Vertrieb bei dem Startup wichtig ist, ist da beispielsweise einer, der 20 Jahre Vertriebserfahrung hat? Oder ist der Gründer ein Technikgenie und das Unternehmen lebt davon, besonders hohe Datenqualität zu generieren? Das Team muss also zum Produkt passen.

 

t3n.de: Du beschäftigst dich seit Jahren mit der Digitalisierung. Trotzdem kommen digitale Startups in der „Höhle der Löwen“ – auch bei dir – sehr oft sehr schlecht weg. Warum?

Frank Thelen: Ich sage immer ehrlich meine Meinung. Und vielleicht habe ich im Digitalbereich eine härtere Meinung, weil ich das seit 20 Jahren mache. Vielleicht bin ich dann bei einer Suppe freundlicher. Aber bisher habe ich immer recht behalten. Als Sixtyoneminutes, dieser Gobutler-Klon, gepitcht hat, habe ich gesagt: „Das ist ein Fail.“ Und Gobutler hat wirklich nicht funktioniert. Ich verstehe, wie die Systeme hinter solchen Modellen funktionieren. Wenn man eine SMS irgendwo hinschickt, frage ich mich: Welcher Algorithmus greift das hinten auf, erkennt den Text, macht den richtigen Call? Sowas kann ich im Kopf zusammenbauen. Und in dem Fall habe ich erkannt, dass das nicht funktionieren kann. Wir werden sehen, ob ich auch mal einen Star falsch einschätze und mich dann ärgere.

t3n.de: Was würdest du gründen, wenn du noch mal gründen würdest?

Frank Thelen: Ich habe mir eine Zehn-Jahres-Pause gegeben. Ich habe ja vor einigen Monaten meinen CEO-Posten bei Scanbot aufgegeben. Seit Anfang des Jahres konzentriere ich mich zu 100 Prozent auf Investments. Und dabei werde ich es in den kommenden zehn Jahren belassen.

t3n.de: Frank, danke für das Gespräch.

 

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3 Reaktionen
Ilo
Ilo

Mit Telko-Unternehmen ist hier ein Telekommunikationsunternehmen gemeint und kein Telekonferenz-Unternehmen... Zu lang in Meetings gesessen und Zeit vertrödelt? Oo

Lisa Hegemann

Nein, wir saßen grad in einer Telefonkonferenz... ;) Kleiner Scherz, du hast natürlich recht. Haben wir entsprechend geändert.

Viele Grüße
Lisa

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