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„Der Dschihad skaliert nicht“: Anatomie eines bizarren Open-Source-Streits

(Foto: Shutterstock)

Das „Software-Freedom-Law-Center“ geht gegen die einst mit ihrer Hilfe gegründete „Software-Freedom-Conservancy“ vor. Wir erklären euch, was hinter dem bizarren Open-Source-Streit steckt.

SFLC gegen SFC: Bitte wie? Bitte wer?

Auf den ersten Blick wirkt das Ganze wie ein gewöhnlicher Streit über Markenrechte: Eine Organisation namens Software-Freedom-Law-Center (SFLC) fordert, dass die Software-Freedom-Conservancy (SFC) ihre Markenrechte verliert, weil eine zu große Ähnlichkeit zwischen den Beiden bestehen würde. So weit, so langweilig. Tatsächlich gibt es aber nicht nur beim Namen Ähnlichkeiten. Auch die Geschichte beider Organisationen ist eng miteinander verzahnt und sie verfolgen im Grunde dieselben Ziele – nur bei der Wahl der Methode herrscht Uneinigkeit.

Zum Hintergrund: Das SFLC wurde 2005 gegründet und bietet nichtkommerziellen Open-Source-Projekten juristische Hilfe an. Ein Jahr später gründete das SFLC mit der SFC eine Schwesterorganisation, die Entwicklern freier Software kostenlos bei der Verwaltung ihrer Open-Source-Projekte unterstützen sollte. 2011 hat sich die SFC allerdings von der SFLC losgesagt, und verzichtet seitdem auch auf deren Rechtsbeistand.

Wen der Streit zwischen SFLC und SFC schon jetzt an eine Szene aus dem Monty-Python-Film „das Leben des Brian“ erinnert, der liegt damit vermutlich nicht gänzlich falsch. Denn im Grunde verfolgen SFLC und SFC dasselbe Ziel, nämlich die Unterstützung freier Software-Projekte. Wie Bruce Perens, einer der Begründer der Freien-Software-Bewegung, gegenüber dem britischen the Register erklärt, bildet der Streit letztlich aber einen Glaubenskrieg innerhalb der Szene ab. Die Kernfrage lautet: Wie weit sollte die Community gehen, um freie Software zu beschützen?

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Unternehmen mögen Open-Source-Software – aber keine Klagen wegen Lizenzverletzungen

Traditionell waren SFLC und SFC insofern geeint, als dass sie gegen Verletzungen freier Softwarelizenzen notfalls auch gerichtlich vorgegangen sind. Bis 2011 haben sie das auch gemeinsam getan. Das brachte ihnen unter anderem Kritik von Linux-Erfinder Linus Torvalds ein, der die Vorgehensweise beider Organisationen schon mal als „Gift“ bezeichnet hat. 2015 hörte die Linux-Foundation dann auch damit auf, die SFC finanziell zu unterstützen.

Außerdem änderte die Open-Source-Organisation 2016 ihre Satzung, wodurch Einzelmitglieder nicht länger an der Direktorenwahl teilnehmen durften. Das geschah kurz nachdem Karen Sandler von der SFC angekündigt hatte, für einen Posten im Aufsichtsrat der Linux-Foundation zu kandidieren. Der Schritt dürfte im Interesse einiger Unternehmen gewesen sein, die als zahlende Mitglieder der Foundation zuvor wegen GPL-Verletzungen von SFLC und SFC verklagt worden waren.

SFLC-Chef: „Sie sind auf einem Dschihad für freie Software“

Mittlerweile ist auch das SFLC der Meinung, dass Streitigkeiten um die Nichteinhaltung von freien Softwarelizenzen weniger aggressiv geführt werden sollen. SFLC-Präsident Eben Moglen ging in einem Blog-Beitrag 2016 dann sogar so weit, die Befürworter einer härteren Gangart der Teilnahme an einem „Dschihad für freie Software“ zu bezichtigen. Und der, so Moglen, skaliere nun mal nicht.

Für diese Haltung wurde Moglen unter anderem von Free-Software-Vordenker Bruce Perens kritisiert. „Entwickler von freier Software geben eine ganze Menge Rechte auf. Jetzt erzählst du uns, dass das nicht reicht? Nachdem wir der Welt unsere Software unter den liberalsten Bedingungen gegeben haben, sollen wir nicht mal diese Lizenz durchsetzen?“, fragt Perens in einem an Moglen gerichteten LWN-Beitrag.

SFLC versus SFC: Bruderstreit dürfte weitergehen

Ob die Marke der SFC tatsächlich zugunsten des SFLC gelöscht wird, muss jetzt wohl das US-Patentamt beziehungsweise ein Gericht entscheiden. Warum es überhaupt so weit kam, bleibt trotz der ideologischen Differenzen zwischen den beiden Organisationen unklar. Das SFLC behauptet, die SFC hätte drei Jahre lang nicht auf Gesprächsangebote reagiert, weswegen es letztlich die Löschung der Marke beantragt habe.

Die SFC wiederum erklärt in einem Blog-Beitrag, erst durch den Antrag überhaupt davon erfahren zu haben. Unabhängig davon, wer jetzt recht hat, werden hier augenscheinlich Ressourcen verbrannt, die eigentlich der Unterstützung freier Softwareprojekte dienen sollten. Ob das im Interesse der beiden Streithähne sein kann, darf angezweifelt werden.

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