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Freicoin: Occupy-Bewegung lanciert selbstregulierende Währung

Freicoin ist Prototyp und gleichzeitig Proof-of-Concept für eine neue virtuelle Währung. Basierend auf der Bitcoin-Technologie soll auch Freicoin dezentral und elektronisch organisiert werden. Kernidee der Währung ist Selbstregulation durch Steuern auf Liegegeld. Ganz im Sinne des Occupy-Gedankens ist Freicoin demnach darauf ausgelegt, „die Klagen der 99 Prozent zu adressieren, während die Exzesse der übrigen 1 Prozent korrigiert werden.“

Freicoin: Occupy-Bewegung lanciert selbstregulierende Währung

Freicoin: Umlaufgesichtertes Währungskonzept will Investitionen erzwingen und das Horten von Geldbeständen verhindern

Die Denker hinter der Freicoin-Idee sind Mark Friedenbach, Anwendungsentwickler bei der NASA, Designer Aaron Blumenshine und NASA-Projektmanager Matt Everingham. Bei intensiver Recherche des Bitcoin-Modells sind die drei Anhänger der Occupy-Bewegung auf das Modell der „demurrage currency“ gestoßen, einer Art der Währung also, die dem Anhäufen von Geldmengen mit Steuern auf Liegegeld entgegenwirken und gleichzeitig Investition fördern soll.

Während Währungen wie der Dollar oder der Euro ständiger Inflation und der Kontrolle zentralisierter Banken ausgesetzt seien, die dem Establishment zuarbeiten würden, reguliere sich Freicoin selbst, indem die besagte Liegesteuer das Geld auf die gesamte Gesellschaft umverteile. Freicoin folgt damit dem Konzept des „umlaufgesicherten Geldes“, welches im Gegensatz zu den meisten existierenden Währungen die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit vor der Erhaltung des Geldes priorisiert. Die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit soll sich praktisch in rasche und ständige Investition ummünzen. Kommend von einer Mentalität des Wartens auf besseres Investitionsklima und des Abpassens günstiger Zinsraten soll eine Atmosphäre geschaffen werden, in längerfristige Unternehmungen zu investieren - ein Vorhaben, das Wirtschaftswachstum anregen und Arbeitsplätze schaffen soll.

Freicoin will das aktuell vorherrschende in sich divergierende Muster aufbrechen, in dem die Reichen Geld speichern und die Arbeiterschicht das Geld benutzt, um Waren und Dienstleistungen kaufen, um das Leben aufrecht zu erhalten. Geld könne nicht gleichzeitig als Speicher und zum Austausch genutzt werden. Der Konflikt über den Zweck des Geldes habe zum Finanzkollaps im Jahr 2008 und in die anschließende Rezession geführt.

Die Steuer auf liegendes Geld setzen die Begründer der Freicoin-Idee auf einen Jahreszinssatz von 4,4 Prozent fest. Der dadurch entstehende Verlust für diejenigen 99 Prozent der Bevölkerung, die sozusagen von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck leben, sei minimal und soll durch angeglichene Preisbildung und Löhne kompensiert werden. Die restlichen 1 Prozent der Bevölkerung müssten ihr Geld entweder in Realvermögen wie Gold, Immobilien, Kunst oder auch Bitcoins konvertieren. Darüber hinaus könnte eine Kultur des Quasi-Null-Zinssatzes entstehen, der wiederum Unternehmen fördern und die Wirtschaft anfachen würde.

Aufbauend auf die Bitcoin-Idee soll das um eine Steuer auf liegendes Geld erweiterte Freicoin Null-Zinssätze und Investition fördern um so die Wirtschaft anzukurbeln. Freicoins sollen zur Währung für den Cash-Flow werden, Bitcoins sollen parallel geführt werden und als Wertanlage dienen, so wie beispielsweise Gold heutzutage(Foto: epSos.de / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Freicoin und Bitcoin parallel

Freicoin basiert auf Technologien und Ideen, die auch zugrunde liegen, wie die Realisierung über ein Peer-to-Peer Netzwerk und einen Open Source Entwicklungsprozess. Genauer gesagt folgt Freicoin einer neuen Herangehensweise an die generalisierte Form des Bitcoin-Protokolls. Freicoin ist erweitert durch hier aufgezeigte Idee des umlaufgesichterten Währungskonzepts sowie durch die Möglichkeit, zwei Währungen parallel zueinander existieren zu lassen, nämlich Bitcoin und Freicoin. Somit ist Freicoin keine Alternative zu Bitcoin, beide Währungen sollen einem unterschiedlichen Zweck dienen: Bitcoins sollen als Wertdepot dienen, so wie heute die Edelmetalle. Freicoin hingegen soll die Währung sein, die ausschließlich für den Austausch, den Cash-Flow gedacht ist.

Warum Freicoin einen Hype auslösen könnte

War Bitcoin eher ein Geek-Phänomen, was es nicht in den Massenmarkt geschafft hat, so könnte Freicoin mit der weltweit extrem weit verbreiteten und breit aufgestellten Occuppy-Bewegung im Rücken eventuell das Eis für eine Staats- und Bankenunabhänige beziehungsweise neutrale digitale Währung brechen. Die Occuppy-Bewegung ist im Unterschied zu Bitcoin bekannt für medial gut organisierte Aktionen, zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten und trägt ihr Anliegen im Gegensatz zu Bitcoin selbstbewusst, unnachgiebig und unübersehbar an die Öffentlichkeit. Vielleicht könnte das Projekt damit das Zeug haben, Großes zu bewegen.

Weiterführende Links:

Bildnachweis für die Newsübersicht: Foto: Pascal Maramis / flickr.com, Lizenz: CC-BY

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11 Antworten
  1. von Peter am 26.06.2012 (15:52 Uhr)

    Liegesteuer? Wieso sollte ich mit Freicoins handeln, die werden ja schon in der Geldbörse weniger! Dann tausche ich lieber Bitcoins. Abgesehen von der zu bezweifelnden Akzeptanz in der Bevölkerung frage ich mich, wie man es technisch umsetzen sollte. Bevor ich Steuern zahle, verstecke ich meine Freicoins, kaufe mir Bitcoins oder gleich Immobilien. Letzteres wäre doch auch ein guter Werterhalt für Superreiche. Wollten die nicht damit Reichtum bekämpfen??

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  2. von Freidenker666 am 26.06.2012 (17:38 Uhr)

    Derjenige der sich das ausgedacht hat, hat Bitcoin offensichtlich nicht ganz verstanden. Bitcoin ist völlig (Pseudo-)anonym, Benutzer werden nur anhand des Hashwertes ihrer Bitcoingeldbörsendatei (Ich nenne es der Einfachheit halber mal so) identifiziert.

    Wenn ich mehrere Geldbörsendateien habe, egal ob auf einem Rechner oder mehreren dann sieht mich das System als verschiedene Nutzer. Wenn ich also mein Geld auf viele kleine Geldbörsen verteile sehe ich dann aus der Sicht des Freicoin-Systems aus wie viele arme Leute, die dann gerne die 4.4% Reichensteuer als Zuschuss einkassieren können, aber keine Reichensteuern zahlen müssen.

    Es hat schon sehr viele auf Bitcoin basierende Forks gegeben (Litecoin,Mooncoin,IxCoin..), die alle irgendwas ver(schlimm)bessert haben und dann gleich wieder ausgestorben sind. Der original Bitcoin hat als einzigster eine (stark wachsende) Community. Eine Fragmentierung der Bitcoin Community durch verschiedene Forks (Also Modifikationen zum Original) könnte das ganze Bitcoin-Ökosystem letztendlich verstören.

    Wenn es irgendwelche Dinge an Bitcoin gibt, die von der Mehrheit der Benutzer als verbesserungswürdig eingestuft wirden dann werden sie im dem Projekt auch als Feature mit aufgenommen.

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  3. von Georg Müller am 27.06.2012 (10:04 Uhr)

    Ähm, wird hier Bitcoin etwa abgeschrieben vom Autor? Das ist meiner Meinung nach nicht korrekt. Im Gegenteil es gibt immer mehr Akzeptanz und es wird weiter verbreitet.

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  4. von exe am 27.06.2012 (10:14 Uhr)

    Selten solch einen Schwachsinn gelesen.

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  5. von Christopher am 27.06.2012 (13:24 Uhr)

    Lustig - das ganze ist dann quasi eine Bank, die mir jedes Jahr fast 5% meiner Ersparnisse einfach klaut?

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  6. von Tilo am 27.06.2012 (16:43 Uhr)

    Das Konzept ist klasse. Wenn alles ein wenig besser "verteilt" wird finde ich es definitiv Positiv.

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  7. von Spekulatius am 27.06.2012 (17:21 Uhr)

    Hier wird nichts "besser verteilt", das Geld sammelt sich, wie auch in unserer "offline" Wirtschfaft bei einigen Wenigen (Banken, Fonds, Großanleger,..) Die sogenannte Liegesteuer ist dabei nur der Gegenentwurf zur keynesischen Inflation durch Gelddruck. Ohne den code von Freicoin gesehen zu haben, kann ich also davon ausgehen, dass es wie bei Bitcoin eine endliche, finale Menge an Freicoins geben wird.

    Ein möglicher Weg, wie die Liegesteuer umgesetzt werden kann, ist z.B., wenn im Protokoll von Freicoin festgelegt ist, dass nach einem Jahr 4,4% aller Freicoins gelöscht werden. Somit wird keine amtliche Erfassung nötig und die Liege"steuer" ist eigentlich eher ein LiegeZINS.

    Auf jeden Fall interessant, werde mich näher damit befassen und wer die kurzen Karrieren von alternativen "Zinken" (lol) zum Bitcoinprotokoll verfolgt hat, weiß, dass sich die von Bitcoins bekannte anfängliche HyperDEflation bei jedem vielversprechenden Anlauf wiederholt hat. Freicoin scheint von allen bisherigen vielleicht der aussichtsreichste zu sein.

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  8. von Werner Katzbeck am 28.06.2012 (14:30 Uhr)

    Weniger als 5% der Erdbevölkerung besitzt fast 90% des Vermögens Bewiesener Masen!!!
    Und bitte wo bleibt den hier wieder die soziale Gerechtigkeit, na auf der Strecke, wie immer.
    Überlegt mal, das, in den 60 er 70 er Jahren nur der Vater G E L D verdienen mußte, es reichte für Haus bauen, sparen und Reisen der ganzen Familie. Heute müßen schon beide Vater und Mutter arbeiten um gerade mal über die Runden zu kommen, von Hausbauen Reisen und sparen, das geht nur wen man sich mit Kredite verschuldet und genau das liegt das Kern Problen, des heutigen Geldes, es ist zum Zeitpunkt des Entstehens in der Bank bei Kreditnahme immer Schuld.
    Geld ist Schuld uns wird das bis ins letzte Hirnrindenzweigel rein gedonnert, was wen der Staat die Banken schließt, über die Sozialversicherungsnummer jeden Menschen ob alt oder jung ein bedinnungsloses Einkommen gibt, ohne die Schuld es zurück zu Zahlen müßen.
    Ja, aber dann haben wir viele Bänkster ohne Job---- neeee die können sich in jeder Trafik einen Posten als Schalterbeamter hinstellen und ihr Geld in den Händen halten weiter geniesen, aber Zinsen und Zinseszinsen sind per tu VERBOTEN, weil S C H U L D macht und unfrei.
    Also Das Bankenkartel, das zur Zeit die Regierungen in der Kantarre hat sofort zusammen brechen lassen und Reset drücken, sonnst wird das eine NWO Party vom feinsten mit Diktatorisch nicht gewählten und unkündbaren Regeln für denen und in der SCH.... sitzen für uns.
    Ein Zitat vom Feinsten
    "Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist."
    Gebrüder Rothschild

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  9. von Ludwig von Mises am 30.06.2012 (17:36 Uhr)

    Da bleibe ich lieber bei Bitcoins ohne "Umlaufsicherung". Schlimm, dass die ganzen Gesell-Anhänger so wenig Ahnung vom Geldwesen haben, denn sonst würden sie feststellen, dass selbstverständlich auch die staatlichen Fiatwährungen wie der Euro "umlaufgesichert" sind. Das nennt sich "Inflation" (also die ungedeckte Ausweitung der Geldmenge) und ist 'ne schlechte Sache, eben weil es für Sparer den Verlust von Kaufkraft bedeutet. Wenn "Umlaufsicherung", also Inflation, die Lösung wäre, dann hätten die 1920er Jahre ja eine der schönsten Zeiten in Schland sein müssen, wegen der Hyperinflation. Tatsächlich waren es grässliche Zeiten bitterster Armut. Und auch heute dürfte es dann ja keine Probleme geben, schließlich wird die Geldmenge des Euro gerade im Zuge der Staatsschuldenkrise in der EU dramatisch ausgeweitet, mal abgesehen von der ganz "normalen" Inflation. Und Besteuerung findet auch heute statt.

    Nein, Freunde, das Problem mit dem gegenwärtigen Geldwesen liegt ganz wo anders. Es liegt daran, dass wir ein total verstaatlichtes Geldwesen haben, das zu politischen Zwecken manipuliert werden kann und wird. Und es liegt daran, dass das Geldwesen auf Kredit basiert, also nicht auf erbrachten Werten, sondern auf zu erbringenden Werten. In diesem staatlichen Fiatgeldwesen geht die Geldschöpfung so: Die staatliche Zentralbank ermöglicht den formal privaten Geschäftsbanken etwas total antimarktwirtschaftliches, nämlich Kredite zu vergeben, über die sie nicht als Geld verfügen. Vergibt die Bank x an den Kunden y einen Kredit, dann geht das Geld nicht von ihrem Geld-Bestand ab, sondern wird heute einfach als Zahl auf dem Konto des Kreditnehmers geschaffen, während in den Büchern eine Forderung der Bank an den Kreditnehmer in selber Höhe eingetragen wird. Hätten wir eine freie Marktwirtschaft, würde das als Betrug bloßgestellt werden. So aber ist es das Herzstück des staatlichen Geldsystems, das uns allen durch den Staat aufgewzungen wird.

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  10. von BitcoinMensch am 02.07.2012 (11:09 Uhr)

    Ich glaube nicht, dass Freicoin den Massenmarkt vor Bitcoin erreichen wird denn Freicoin baut technisch sehr stark auf Bitcoin auf und hinter Bitcoin stecken viel mehr Entwickler und Menschen

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  11. von Marianne Holtmann am 02.07.2012 (22:03 Uhr)

    Fürchte die, die dem Wachstum das Wort reden.

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