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Digital Sympathy oder warum Verlassenwerden auch im Netz weh tut [Kolumne]

Digital Sympathy oder warum Verlassenwerden auch im Netz weh tut [Kolumne]

Gibt es so etwas wie Freundschaft im Internet? Und warum unterscheiden bei diesem Thema so viele immer noch zwischen dem Netz und der „echten Welt“? Die von Florian Blaschke.

Digital Sympathy oder warum Verlassenwerden auch im Netz weh tut [Kolumne]
Auch das digitale Aus tut weh. (Bild: © DDRockstar – Fotolia.com)
Ein Klick und die Freundschaft ist beendet. (Screenshot: Facebook/Montage)
Ein Klick und die Freundschaft im Internet ist beendet. (Screenshot: Facebook/Montage)

Vor kurzem bin ich verlassen worden. Nein, ich muss anders anfangen, denn eigentlich weiß ich gar nicht, wann genau es gewesen ist. Auf jeden Fall aber in diesem Jahr – und das gleich zwei Mal. Gleich zwei Menschen, sagen wir, ihre Namen sind Anna und Paul, haben mich in diesem Jahr auf Twitter entfolgt. Klar, das passiert täglich, und in den meisten Fällen ist es mir noch nicht mal eine Randnotiz wert. Doch diese beiden Menschen mochte ich, ich kannte Anna persönlich, was für Twitter-Follower ja nicht selbstverständlich ist, und mit Paul hatte ich sogar eine zeitlang zusammengearbeitet.

Was besonders weh tat: Anna hat auch gleich noch unsere Facebook-Freundschaft beendet. Schlussstrich, ganz sauber, das digitale Beziehungsaus. Und da ich sowohl Anna als auch Paul mochte und mag, war es nicht weniger schade, als bei einer Freundschaft, die in die Brüche geht – vor allem, da das Aus keinem von beiden auch nur eine Nachricht wert war. Ein Klick kann ganz schön weh tun.

Freundschaft im Internet: von Cliquen, Pärchen und Dreiecksbeziehungen

Als ich in den vergangenen Tagen darüber nachgedacht habe, warum digitale Bekanntschaften und Soziale Netzwerke vielen Menschen immer noch so seltsam erscheinen und warum viele nach wie vor zwischen dem Internet und der „echten Welt“ unterscheiden, habe ich mich an eine Geschichte erinnert, die mir vor einigen Jahren passiert ist. Ich hatte gerade den Job gewechselt und war vom Journalismus in die Unternehmens-PR gegangen, als ich eine Nachricht auf Xing bekam – von einer anderen Journalistin, nennen wir sie Barbara, die ich auch persönlich kannte. Nicht gut, aber immerhin. Barbara könne jetzt leider nicht mehr mit mir auf Xing verbunden sein, ich sei ja jetzt kein Journalist mehr und sie müsse da schon strikt trennen, auch wegen der Kollegen in ihrem Journalistenbüro, die sähen das nicht so gerne – PRler als Xing-Kontakte und so.

Und mir kam noch eine andere Geschichte in den Sinn, die etwa ein Jahr später passiert sein muss. Da bekam ich auf Facebook eine Kontaktanfrage – von einer Frau, die in dieser Geschichte Juliane heißen wird und die ich bis dahin nie persönlich kennengelernt hatte. Aber wir hatten unsere Tweets schon mal gefavt und – über eine gemeinsame Bekannte – unsere Posts kommentiert. Wir mochten uns irgendwie, und so war die Facebook-Freundschaft der nächste logische Schritt. Unter der Statusmeldung, dass wir jetzt „befreundet“ sind, kommentierte unsere gemeinsame Bekannte damals erstaunt, woher wir uns denn nun wieder kennen würden. Juliane hätte viel dazu schreiben können – von all den Beziehungen etwa, die es im Netz so gibt, von den Cliquen und Pärchen, den Dreiecksbeziehungen, dem Kennenlernen und den Trennungen – auf Twitter, Facebook und in vielen anderen Netzwerken. Und: Sie hätte von Menschen erzählen können, bei denen schon ihre digitalen Spuren genügen, um sie zu mögen – was sie bloggen, was sie posten, wie ihr Avatar aussieht oder was für Worte sie gerne benutzen.

Juliane aber schrieb nur, wir würden uns ja gar nicht kennen. Das sei halt „Digital Sympathy“. Schöner kann man es nicht ausdrücken.

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4 Antworten
  1. von Flo am 25.11.2013 (08:40 Uhr)

    Ist gar nicht so abwegig. Aus einer Brieffreundschaft (Facebook-Nachrichten) heraus, habe ich mich in jemanden verliebt. Ziemlich albern und absurd, und doch die Wahrheit. Das ging über viele Monate und irgendwann mussten die Gefühle auf den Tisch. Heute herrscht Funkstille, leider.

    Das Internet und seine "Beziehungen", sei es auf freundschaftlicher Basis und eben "mehr", bietet mehr Parallelen zum "echten" Leben, als man vermuten könnte. Ein Tipp: Wenn ihr jemanden aus dem Internet nett findet, trefft euch gleich oder ihr rennt ins emotionale Verderben ;)

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  2. von Johannes am 25.11.2013 (10:00 Uhr)

    Interessant ist auch, was für Leute plötzlich nicht mehr mit einem vernetzt sind, wenn man den Job wechselt und zum Beispiel nicht mehr Redaktionsleiter Online bei t3n ist. Waren in meinem Fall aber keine persönlichen Enttäuschungen darunter, muss man professionell sehen. Netzfreundschaften haben nach meiner Erfahrung doch noch wesentlich häufiger Business-Netzwerk-Charakter als Bekanntschaften im realen Leben, schon weil man meist beruflich ähnliches macht und es häufig Synergie-Effekte gibt. Meine Tennis-Kumpels etwa sind Ingenieure, Polizisten, ... da spielt der aktuelle Job kaum eine Rolle.

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  3. von Granaton am 25.11.2013 (19:51 Uhr)

    Bei einer Konferenz lernte ich einen Programmierer flüchtig kennen, wir verknüpften uns auf Facebook. Er postete lustige, schrullige, nerdige und schräge Inhalte, fast ein Jahr verfolgte ich seinen Znyismus und mochte ihn. In einem für mich überraschenden Moment likte er zusätzlich meine Facebook-Fanseite, darüber habe ich mich gefreut. Er muss sie jedoch wieder entliked haben, denn kurze Zeit später likte er sie noch einmal, was ich über eine Notification von Facebook bemerkte. Ich dachte, er will dadurch auf sich aufmerksam machen, eine etwas skurrile Weise, um zu flirten, aber so verstand ich es. Daraufhin schickte ich ihm eines Abends eine nette Nachricht per Facebook-PN. Minuten später erhielt ich eine dritte Notification von Facebook, dahingehend, dass er erneut meine Seite geliked hatte. Das fand ich nun doch sehr schräg. Fragte mich, ob er irgendwie Stress haben könnte und schickte noch drei nette Sätze hinterher. Am nächsten Morgen postete er auf seiner Facebook-Chronik, er habe mich blockiert, weil ich ihm die ganze Nacht Spam geschickt habe und einen Psychiater brauche. Das war hart. Völlig bedeutungslos für mein "echtes" Leben, aber emotional hat es mich getroffen. Es gibt so viele Menschen, die online ihre Störungen austoben, man sollte auch auf Facebook darauf achten, für wen man digitale Sympathien hegt ...

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  4. von BastianBalthasarBux am 26.11.2013 (09:47 Uhr)

    Na, jetzt weiss ich wenigstens, wieso ich nicht bei twitter, facebook und co bin. ich hab angst davor verlassen zu werden!
    *rofl*

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