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Frontend-Tools-Umfrage: Welche Lösungen nutzen Entwickler wirklich?

Frontend-Tools-Umfrage: Welche Lösungen nutzen Entwickler wirklich?

Der 31-jährige Ashley Nolan aus dem Vereinigten Königreich hat eine kleine Umfrage zur Nutzung von Frontend-Tools ins Netz gestellt – und war überrascht von den Ergebnissen. Wir schauen mal rein.

Frontend-Tools-Umfrage: Welche Lösungen nutzen Entwickler wirklich?

(Foto: Pixabay)

Das jQuery-Framework erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. (Quelle: Pixabay)
Das jQuery-Framework erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. (Quelle: Pixabay)

Damit hatte Ashley Nolan aus Bristol nicht gerechnet. Er wollte einen Überblick darüber kriegen, welche Werkzeuge Entwickler im Jahr 2015 wirklich nutzen und welche nur häufig gehört, aber praktisch irrelevant sind. Wenn wir ehrlich sind, haben wir uns das selbst auch schon oft gefragt. Bisweilen kann man ja den Eindruck gewinnen, dass sich der Markt der Frontend-Tools innerhalb weniger Tage jeweils verdoppelt. Dabei bleibt vielfach fraglich, womit man sich beschäftigen und was man geflissentlich ignorieren sollte. Alles kann man unmöglich zur Kenntnis nehmen, geschweige denn evaluieren.

Ashley erstellte also eine (inzwischen geschlossene) Umfrage via SurveyMonkey und rechnete zwar mit Rücklauf, aber nicht damit, dass er schlussendlich über 2.000 Entwickler motivieren können würde, sich zu beteiligen. Zwei Wochen nach dem Beginn der Umfrage hatten sich schon über 1.000 Entwickler beteiligt und Ashley stellte erste Erkenntnisse zusammen.

In seinem Beitrag „The State of Front-End Tooling – 2015“ bietet er überaus interessante Einblicke in die Werkzeugkästen der teilnehmenden Entwickler. Wenn man auch einschränkend berücksichtigen sollte, dass selbst 1.000 Teilnehmer noch keine statistisch gesicherte Auswertung zulassen, so ist Nolans Umfrage doch die erste mit einer nennenswerten Zahl an Antworten. Und einen Eindruck, eine Richtung, kann man den Ergebnissen sicher entnehmen. Nolan arbeitet derzeit an der Endfassung, in der er alle mehr als 2.000 Antworten berücksichtigt. Wir schauen auf den Zwischenstand.

Um den Zeitaufwand nicht ausufern zu lassen, beschränkte sich Nolan auf acht Fragen und eine Reihe von Tools, die dem Hörensagen nach eine breite Basis in der Entwicklerschaft finden müssten.

Frontend-Tools: von Präprozessoren und Post-Processing

Gerade in der Frage der Präprozessoren würde auch ich mir einiges an Bewegung vorstellen. Hätte man mich gefragt, hätte ich geschätzt, dass die meisten Entwickler keines der verfügbaren Tools einsetzen und sich ansonsten Sass und Less zu gleichen Teilen der Nutzung erfreuen dürfen. Damit hätte ich ziemlich falsch gelegen.

Tatsächlich liegt Sass mit 66 Prozent der Antworten deutlich vorne, während Less weit abgeschlagen mit 13,4 Prozent der Nennungen auskommen muss. Etwa genau so viele verwenden keinen Präprozessor. Zu dieser kleinen Gruppe gehöre auch ich. Vielleicht sollte ich doch mal...

Postprozessoren wie PostCSS und Rework werden nur von unter 20 Prozent der Teilnehmer eingesetzt. Von Rework hatten sogar ganze 75 Prozent noch nie gehört, während dieser Wert mit Blick auf PostCSS nur bei runden 27 Prozent lag.

Build-Tools und JavaScript-Frameworks

Grunt.js Banner

In Sachen Build-Tools werden Grunt und Gulp als gleichberechtigte Alternativen gehandelt. Die Umfrage zeigte allerdings deutliche Präferenzen für Gulp, das mit rund 47 Prozent aller Antworten Grunt mit nur rund 26 Prozent weit hinter sich lässt. Broccoli und NPM spielen sogar gar keine nennenswerte Rolle.

Bei den JavaScript-Frameworks wird man nur überrascht sein, wenn man eine Innovationsgeschwindigkeit der Entwicklergemeinde voraussetzt, die der bei Android-Smartphones entspricht. Die gehypten Frameworks Polymer, React und AngularJS sind zwar nicht bedeutungslos, fallen aber hinter dem unumstrittenen Platzhirschen jQuery mehr als deutlich zurück. Über 91 Prozent bescheinigen dem Framework, dass sie damit sehr gut vertraut sind.

In einer separaten Frage wollte Nolan dann genauer wissen, welches Framework denn nun in der Mehrzahl der eigenen Projekte tatsächlich eingesetzt wird. Auch hier liegt jQuery mit rund 57 Prozent deutlich vorn, gefolgt von AngularJS mit rund 15 Prozent. Auf dem dritten Platz landete reines JavaScript, also die Programmierung ganz ohne Framework.

Nolan prognostiziert eine weitere Verschiebung hin zu reinem JavaScript mit der Adaption von EcmaScript6. Das allerdings ist wieder nur eine Vermutung, der man im nächsten Jahr einmal auf den Zahn fühlen könnte.

Bündeln, Testen und Managen

Wenn man die Brot-und-Butter-Themen hinter sich lässt, wird es dünn in des Entwicklers Werkzeugkasten. Scriptloader und sonstige Funktionsbündler wie RequireJS und andere werden von mehr als der Hälfte der Befragten nicht eingesetzt. Auch im übrigen ist keine klare Tendenz zu erkennen. Browserify, RequireJS und Webpack dümpeln teils deutlich unter 20 Prozent Nutzung vor sich hin.

Noch schlechter sieht es aus, wenn nach Umgebungen zum Testen von JavaScript gefragt wird. Runde 59 Prozent geben an, keinerlei Test-Werkzeug zu verwenden. Mit jeweils runden 15 Prozent teilen sich Mocha und Jasmine den zweiten Platz.

Bei den Paket-Managern gewinnen Bower und NPM, die ältesten Tools für diesen Zweck, während jüngere Vertreter wie Yeoman und Ender so gut wie keine Rolle spielen.

Wie sieht euer Nutzungsszenario aus? Könnt ihr euch in den Zahlen wiederfinden? Lasst uns mal einen Blick in eure Werkzeugkästen werfen.

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5 Antworten
  1. von Pixelbash am 15.09.2015 (12:23 Uhr)

    Ich habe ebenfalls das Gefühl, dass Sass deutlich beliebter ist als Less. Was mich aber wirklich erstaunt hat, sind die jQuery Gegener in den Kommentaren auf der Quell-Seite. Was sagt denn die t3n-Leserschaft zu jQuery?
    Ich für meinen Teil, mag gar nicht mehr auf jQuery verzichten.

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    • von Hoschnok am 15.09.2015 (14:43 Uhr)

      jQuery hat durchaus seine Darseinsberechtigung und ist für viele Dinge gut. Der Einstieg ist auch sehr einfach. Das Problem ist eigentlich, dass die meisten es ab diesem Punkt für alles benutzen, auch wenn es deutlich bessere Lösungen gäbe.

      So ist die meist gevotete jQuery Frage bei SO:
      http://stackoverflow.com/questions/503093/how-can-i-make-a-redirect-page-using-jquery

      Die Lösung ist ein Einzeiler in Vanilla JS. Trotzdem fragt man noch nach einer Lösung mit jQuery.

      Du kannst bspw. eine SPA durchaus nur mit jQuery's AJAX Funktionen und der DOM-Manipulation schreiben. Nur wirst du dein Model viel zu sehr an das DOM binden und übermäßig viel code für DOM-Manipulation schreiben. Das ganze lässt sich dann auch nicht wirklich testen. Die selbe APP in Angular würde sehr wahrscheinlich mit einem Bruchteil des Codes auskommen und hätte eine viel saubere Trennung nach MVC. Das Umdenken in ein komplexeres Framework mit anderen Ansätzen fällt den meisten zudem sehr schwer. Erkennen lässt sich das auch an dem großen Interesse an dem Thema "“Thinking in AngularJS” if I have a jQuery background?"

      http://stackoverflow.com/questions/14994391/thinking-in-angularjs-if-i-have-a-jquery-background/15012542#15012542

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    • von Daniel Weiß am 15.09.2015 (23:42 Uhr)

      Wenn man sich SASS und LESS im Detail ansieht, hat SASS bei der Handhabung und Funktionalität die Nase vorne.
      Letztendlich kann man mit beiden gute Ergebnisse erzielen, ich bin mal auf PostCSS gespannt. Damit beschäftige demnächst intensiver... ;-)

      Zu jQuery: Das ist eine einfache Frage für eine komplexe Antwort. jQuery ist geil. Ja. Wenn ich einfache Webseiten/Landingpages erstelle. Wenn ich jetzt aber beispielsweise ein Browsergame entwickeln möchte, bei dem (gefühlt) 1mio. Dinge im Hintergrund passieren, ist es auf der Sicht der Performance, es mit VanillaJS umzusetzen. Meiner Meinung nach. ;)

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  2. von Hoschnok am 15.09.2015 (13:34 Uhr)

    @Pixelbash jQuery hat durchaus seine Darseinsberechtigung und ist für viele Dinge gut. Der Einstieg ist auch sehr einfach. Das Problem ist eigentlich, dass die meisten es ab diesem Punkt für alles benutzen, auch wenn es deutlich bessere Lösungen gäbe.

    So ist die meist gevotete jQuery Frage bei SO:
    http://stackoverflow.com/questions/503093/how-can-i-make-a-redirect-page-using-jquery

    Die Lösung ist ein Einzeiler in Vanilla JS. Trotzdem fragt man noch nach einer Lösung mit jQuery.

    Du kannst bspw. eine SPA durchaus nur mit jQuery's AJAX Funktionen und der DOM-Manipulation schreiben. Nur wirst du dein Model viel zu sehr an das DOM binden und übermäßig viel code für DOM-Manipulation schreiben. Das ganze lässt sich dann auch nicht wirklich testen. Die selbe APP in Angular würde sehr wahrscheinlich mit einem Bruchteil des Codes auskommen und hätte eine viel saubere Trennung nach MVC. Das Umdenken in ein komplexeres Framework mit anderen Ansätzen fällt den meisten zudem sehr schwer. Erkennen lässt sich das auch an dem großen Interesse an dem Thema "“Thinking in AngularJS” if I have a jQuery background?"

    http://stackoverflow.com/questions/14994391/thinking-in-angularjs-if-i-have-a-jquery-background/15012542#15012542

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  3. von Frank am 16.09.2015 (08:34 Uhr)

    Deckt sich einigermaßen gut mit meinen Vorlieben. Aktuell beschäftige ich mich viel mit AngularJS, jQuery ist allerdings trotzdem oft noch in den Projekten vertreten - der Anteil wird aber immer geringer.
    RequireJS hab ich inzwischen sehr zu schätzen gelernt, grade im Bezug auf Angular, um den Code modularer und übersichtlicher zu gestalten. Am Ende wird dann alles mit Gulp in eine minifizierte JS Datei gepackt (und AlmondJS als kleinere requireJS Alternative dazugeladen).

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