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FuckUp-Nights: Scheitern und wieder aufstehen

    FuckUp-Nights: Scheitern und wieder aufstehen

(Foto: © Flickr/Faridh Mendoza)

Die Idee war gut, aber am Ende ist der Gründer doch gescheitert. Das kann viele Gründe haben. Nur sollte man danach nicht schweigen. Auf FuckUp-Nights wird offen über Misserfolge und das Scheitern gesprochen. Mittlerweile gibt es sie in vielen deutschen Städten.

Auch in Deutschland wird immer öfter bei FuckUp-Nights über das Scheitern gesprochen. (Foto: Flickr/Faridh Mendoza)
Auch in Deutschland wird immer öfter bei FuckUp-Nights über das Scheitern gesprochen. (Foto: © Flickr/Faridh Mendoza)

Berufliches Scheitern hat eine andere Dimension

Die FuckUp-Night in Düsseldorf organisiert Benjamin Teeuwsen. Mmittlerweile haben drei dieser Events statt gefunden, weitere sind in Planung. Schon im vergangenen Jahr hat er die Coworking-Night verantwortet. Seit über zehn Jahren arbeitet er im Bereich Marketing mit einer eigenen Firma. Im Interview erklärt er, warum Scheitern oft helfen kann.

t3n.de: Warum braucht es die sogenannten „FuckUp-Nights“?

Benjamin Teeuwsen: FuckUpNights sind einfach ein gutes Angebot. Warum braucht man Meet-Ups, Konferenzen, Afterwork-Parties, Stammtische und all die anderen Events, wo sich Leute in einem geschäftlichen Kontext relaxt über den Weg laufen, kennenlernen und austauschen? Weil wir alle die Chance haben, davon zu profitieren. Nette Leute kennenzulernen, einen guten Abend zu verbringen, etwas mitzunehmen. In diesem Fall: aus den Fehlern anderer zu lernen. Nennen wir es Erkenntnisgewinn.

Benjamin Teeuwsen ist der Organisator der Düsseldorfer FuckUp-Night.
Benjamin Teeuwsen, Organisator der Düsseldorfer FuckUp-Night.

 t3n.de: Es fällt uns schwer, über das Scheitern zu sprechen, warum eigentlich?

Teeuwsen: Es fällt uns ja nicht grundsätzlich schwer, über Missgeschicke und die vielen kleinen Malheure des Alltags zu sprechen. Sprechen wir zum Beispiel über missglückte Reisen, Termine, Dates, Einkäufe oder Feierlichkeiten, gehört es zum guten Smalltalk, diese witzigen Pleiten des Alltags groß zu erzählen. Berufliches Scheitern hat aber eine andere Dimension. Wir glauben an Expertenmeinungen und Menschen mit Erfolgsgeschichten. Leute, die aus diesem Muster fallen, haben es zunächst schwer. Das macht es vermeintlich schwierig, übers Scheitern zu sprechen. Meine Erfahrung über die FuckUp-Nights ist aber, dass jemand, der ein Projekt vorstellt, seine Lernerfahrung teilt und den Zuhörern gute Tipps mit auf den Weg gibt, echte Größe

„Die FuckUp-Nights konzentrieren sich auf den beruflichen Kontext.“

t3n.de: An welchen Stellen im Leben bist du schon gescheitert?

Teeuwsen: Natürlich scheitert jeder Mensch täglich. Nicht umsonst sagt man, Fehler sind menschlich. Aber FuckUp-Nights konzentrieren sich hier auf den beruflichen Kontext. Und Dinge, die man als Projekt bezeichnen kann. Ich bin schon oft mit Ideen vor die Wand gelaufen. Ich habe schon aufgegeben, wo ich vielleicht hätte am Ball bleiben sollen. Und ich habe mir schon Dinge zugetraut, die möglicherweise eine kleine Nummer zu groß für mich gewesen sind. Einer meiner Dozenten aus dem Studium hat mal gesagt: Bei ihm kann jeder Fehler machen. Es sei denn, jemand begeht den gleichen Fehler ein zweites Mal. Selbst daran arbeite ich heute noch.

„Mein Tipp? Beim nächsten Mal ‚klüger‘ zu scheitern“

t3n.de: Wie bist du aus dem Loch des Scheitern wieder rausgekommen?

Teeuwsen: Es geht halt immer weiter. Gut, wenn man Menschen in seinem Umfeld zu schätzen weiß, die einem genau diese Bereitschaft und den Mut verleihen, den Scheiß einfach hinter sich zu lassen. Man kann nur versuchen, es in Zukunft besser zu machen, oder?

t3n.de: Welche Tipps gibst du Gründern, die scheitern?

Teeuwsen: Beim nächsten Mal „klüger“ zu scheitern. Vielleicht schneller zu scheitern. Früher zu erkennen, dass der Lauf der Dinge eine Korrektur erfordert.

t3n.de: Welcher Typ von Mensch scheitert vor allem?

Teeuwsen: Hier sollten wir unbedingt differenzieren. Scheitern ist nicht gleich scheitern. Es gibt eine Verantwortlichkeit. Es ist ein Unterschied, ob ich mein eigenes Startup vor die Wand fahre oder das Wohl anderer Menschen und der Umwelt verspiele. Die Typen, von denen ich spreche, die besitzen den Mut und die Risikobereitschaft, Dinge in Angriff zu nehmen – auch wenn man damit scheitern kann. Und die Verantwortung, dafür gerade zu stehen.

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1 Reaktionen
Christof

Mein Gefühl ist, dass da in den letzten Monaten richtig was in Gang gekommen ist. Zuerst einzelne Blogbeiträge mit längeren und sehr offenen Schilderungen über das Scheitern des eigenen Start-Ups. Daraufhin begeisterte Kommentare, da man sowas in Deutschland bisher nicht zu lesen bekam. Jetzt die Ich-Habs-Nicht-Geschafft-Veranstaltungen. Demnächst auf VOX: "Biggest Looser 2.0"? Könnte passieren - aber macht nichts, muss man ja nicht gucken. Ich finde, wir haben hier als Gesellschaft "Nachholbedarf" und es ist für die Betroffenen und die Zuhörer meist ein Gewinn, wenn offen über eine scheinbare Niederlage gesprochen wird. Spannend auch, dass bestimmte Aspekte der Netz-Kultur immer schneller weite Kreise ziehen, demnächst sicher auch bis hinein in die "Mitte der Gesellschaft".

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