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Kommentar

G20 ist auf Facebook jeden Tag

    G20 ist auf Facebook jeden Tag
G20 ist auf Facebook jeden Tag. (Foto: dpa)

Eskalation! Eskalation! E-s-k-a-l-a-t-i-o-n! Eskalation? Kommentator Andreas Weck meint: STOP – und fordert etwas von euch ein!

Freitagnachmittag, in Hamburg zerlegt der G20-Mob die Stadt. Auf Facebook beginnt der Wutbürger die Kommentarspalten abzufackeln. Auf den Straßen fliegen Pflastersteine. Und auf Facebook die Worthülsen. Da werden schon wieder Schießbefehle und Selbstjustiz gefordert und – je nachdem, für wen das Herz schlägt – Gruppen beklatscht oder geschasst. Es ist die große Zeit für Internetexperten und Gedankenpolizisten. Hochkonjunktur der Besserwisser. Wonnezeit der harten Hunde. Normalerweise werden am Freitag die Eier geschaukelt. Heute schaukeln sich nur die Meinungen hoch. Die ungefragten Meinungen. Selbstredend!

Es ist ein wiederkehrendes Phänomen: Sobald eine ideologisch verquere Untat passiert, dreht der Wutbürger durch. Und wenn ich „durchdrehen“ schreibe, dann meine ich die Art von Durchdrehen, die alles zerlegt. Wie ein Heuschrecken-Schwarm, der Ernten vernichtet. Wie ein Erdrutsch, der Städte unter sich begräbt. Wie ein Atomschlag, der alles Leben verpuffen lässt. So rast der Mob durch die Kommentarspalten. Nach der Wut, die Ernüchterung: Bekannte finden sich doof. Beziehungen trennen sich. Verwandte kündigen die Verhältnisse auf. Es ist wie mancherorts an Heiligabend, an diesem und vielen anderen Freitagen, wenn irgendwo was passiert.

Der Schwippschwager hat immer Recht!

Am schlimmsten sind die Menschen, die überall Verschwörungen wittern. Und diejenigen, die einen Freund haben, der einen Freund hat, der wiederum einen Freund hat, der erzählte, dass das „alles nicht stimmt“. „Mein Schwippschwager war dabei! Der weiß Dinge, die sonst niemand weiß. Wir können ihm vertrauen. Wir müssen ihm vertrauen.“ Ungeprüfte Informationen, bloße Gerüchte, fiese Fakenews – der Wutbürger treibt sie vor sich her. Passt ja ins Weltbild. Und er ranzt alle an, die ihre Mistgabel zu Hause gelassen haben. Wer zur Beruhigung aufruft, macht sich verdächtig, Meinungen unterdrücken zu wollen. Es. Ist. Nur. Noch. Nervig.

Warum haben sich online nur so wenige Menschen im Griff? Diese Frage umtreibt mich seit längerem. Vor allem da wir zuletzt doch zur Genüge gesehen haben, dass sich pauschale Vorverurteilungen und Wutausbrüche oft gar nicht gelohnt haben. Wir alle haben schon erlebt, wie uns die Schamesröte ins Gesicht stand, weil wir Quatsch geredet und Murks geteilt haben. Und dennoch führen diese Peinlichkeiten bei viel zu vielen Menschen immer noch nicht dazu, dass sie ihre Reflexe überdenken. Jeder kann sich mal im Ton vergreifen oder fällt auf Blödsinn rein. Aber diesen Fehler zweimal, dreimal, viermal machen?

Im Rahmen des G20-Gipfels ist die Empörung auf Facebook wieder einmal hart eskaliert. Wer will mir denn ernsthaft erzählen, dass er noch während die ersten Brandsätze flogen, schon von seinem Laptop aus einordnen konnte, wer wie wo zuerst provoziert hat? Ob Polizist oder Autonomer? Ich fass mir an den Kopf bei jedem Facebook-Dödel, der dieses auf Twitter geborene Gerücht eines Bundeswehreinsatzes laut krähend weitergetragen hat. Ganz schön peinlich, oder? Und richtig schlimm ist, dass selbst Leute mitmachen, die sich eigentlich auskennen sollten mit dem Internet. Hey „Influencer“, ich meine dich!

Facebook aus!

Es folgt eine Anleitung für Laien, wie sie soziale Medien in Krisenzeiten benutzen sollten. Schritt eins: Macht euer Facebook aus. Schritt zwei: Macht euer Facebook aus. Schritt drei: Macht jetzt gefälligst euer Facebook aus! Geübte dürfen ihr Facebook gerne anlassen, aber sollten, bevor sie in die Tasten hauen, kurz mal das Bad putzen oder eine Tüte Colorado kaufen gehen. Juckt es dann immer noch in den Fingern? Ok, but play it nice! Wer das nicht kann: Facebook. Aus. Jetzt! In 99 Prozent der Fälle tut ihr euch und anderen einen Gefallen damit, zuerst einmal abzuwarten, was in den nächsten Tagen aufgearbeitet wird.

Erst dann, und wirklich erst dann, ergibt eine Meinung einen Sinn und kann sich differenziert an einer Sache abarbeiten. Alles andere ist nur dummes Gequatsche oder noch schlimmer: reine Like-Geilheit!

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8 Reaktionen
Ich
Ich

Prima Kommentar! Nicht unterkriegen lassen und bitte nix ändert. Wer meint das dieser Beitrag etwas mit Politik oder Erdogan zu tun hat hat Social Media einfach nicht verstanden.....

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Andreas Weck

Nie, würde ich mich unterkriegen lassen. Danke auch für deinen Kommentar. Gruß, Andreas

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Günter
Günter

Ich find den Artikel gar nicht so schlecht. Wie bedauerte schon Karl Valentin: Es wurde schon alles gesagt, aber nicht von jedem. Es nervt tatsächlich, wenn jeder, der keine Ahnung hat dennoch immer und überall seinen Kommentar abgeben muss. Insofern ja, Facebook auch mal aus und Hirn an.

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Andreas Weck

Insofern das Hirn nicht schon beim Popeln entfernt wurde!

Danke auch für deinen Kommentar, Gruß Andreas

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Michi
Michi

Bisher hab ich t3n gerne gelesen. Wegen diesem Oberlehrerkommentar werde ich nun t3n ausmachen und mein Abo kündigen.
Überlasst die Politik bitte anderen und kümmert Euch um Technologiethemen!

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Andreas Weck

Liebe Michi, mit Politik hat das eigentlich so gar nichts zu tun. Das ist ein kommunikationstechnisches Thema und in Teilen auch ein medienkritischer Kommentar. Es gibt da dieses Sprichwort "Think twice before posting such a shot on facebook!" – und da steckt viel Wahrheit drin. Vor allem in aufgeladenen Situationen, sollten Wütende mit Vorverurteilungen und Ausbrüchen erstmal hinter dem Berg halten. Da musst du mir natürlich nicht zustimmen.

Gruß, Andreas

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Alexander
Alexander

Was für ein dämlicher Kommentar! Frage lieber nach den Ursachen und kommentiere nicht das Ergebnis. Das hat ja Erdogan-Qualität. Ich mache lieber ab sofort t3n.de aus. Danke für die Entscheidungshilfe.

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Andreas Weck

Ist der Erdogan-Vergleich eigentlich der neue Hitler-Vergleich? Godwin munkelt noch.

Danke jedenfalls für deinen Kommentar. Gruß, Andreas

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