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Engagement? Fehlanzeige! 70 Prozent der Deutschen machen nur Dienst nach Vorschrift

Engagement? Fehlanzeige! 70 Prozent der Deutschen machen nur Dienst nach Vorschrift

Laut einer aktuellen Gallup-Studie verrichten 70 Prozent der deutschen Arbeitnehmer lediglich Dienst nach Vorschrift. Immerhin geht aber die Zahl derer zurück, die bereits innerlich gekündigt haben.

Gallup-Studie: 70 Prozent der deutschen Arbeitnehmer sind kaum motiviert

Unter der Bezeichnung Engagement-Index untersucht das amerikanische Meinungsforschungsinstitut Gallup seit 2001 jährlich die emotionale Mitarbeiterbindung in Deutschland. Jetzt liegen die Ergebnisse der für 2014 vor. Die Anzahl der Mitarbeiter, die kaum emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben und lediglich Dienst nach Vorschrift machen, liegt laut Gallup bei 70 Prozent. Das entspricht einer Steigerung von drei Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 und ist gleichzeitig der höchste Wert seit 2003.

Immerhin liegt die Zahl derer, die gar keine Motivation und bereits innerlich gekündigt haben bei nur noch 15 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit der ersten Gallup-Untersuchung zu dem Thema im Jahr 2001. Allerdings sank auch die Anzahl der Mitarbeiter, die hochmotiviert ihrer Arbeit nachkommen und eine starke emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber aufweisen um einen Prozentpunkt auf nur noch 15 Prozent.

Gallup-Studie: 70 Prozent der Deutschen verrichten lediglich Dienst nach Vorschrift. (Grafik: Gallup)
Gallup-Studie: 70 Prozent der Deutschen verrichten lediglich Dienst nach Vorschrift. (Grafik: Gallup)

Unmotivierte Arbeitskräfte: Führungskräfte werden nur aufgrund fachlicher Kompetenz befördert

Den Grund für die hohe Anzahl gering motivierter Mitarbeiter sieht Gallup vor allem in der Art, wie Unternehmen häufig ihr Führungspersonal auswählen. 47 Prozent der deutschen Führungskräfte sollen ihren Job dadurch bekommen haben, dass sie zuvor erfolgreich in einer Position waren, die keinerlei Führungskenntnisse verlangt hatte. Allerdings, so Marco Nink vom Gallup-Institut, hätten verschiedene Studien gezeigt, dass nur ein kleiner Prozentsatz von Menschen überhaupt für eine Führungsposition geeignet sei.

Ein Viertel aller Befragten hat schon mal aufgrund eines Vorgesetzten den Arbeitsplatz gewechselt. 19 Prozent aller Mitarbeiter ohne emotionale Bindung an ihr Unternehmen sollen aktiv nach einer neuen Beschäftigung suchen und weitere 23 Prozent schauen sich immerhin nach Alternativen um. Außerdem sollen sie im Durchschnitt fünf Tage häufiger bei der Arbeit fehlen als ihre emotional stark gebundenen Arbeitskollegen. Für ein Unternehmen mit 2.000 Beschäftigen sollen diese Fehlzeiten zu Kosten in Höhe von etwa 1,3 Millionen Euro führen.

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9 Antworten
  1. von Benny Lava am 10.03.2015 (17:36 Uhr)

    Wenn man sieht, was für A......m sich immer so bewirbt und wie er sich im Vorstellungsgespräch gibt (wenn er überhaupt auftaucht), dann kann man sagen, dass auch viele Deutsche ohne Job nur wenig engagiert sind.

    Aber auch kein Wunder, wenn man es sich auch von HIV gut gehen lassen kann und nicht arbeiten muß. Sozialismus ist ein Krebsgeschwür, diese Gesellschaft ist einfach nur krank.

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  2. von Patrick Eis am 10.03.2015 (18:19 Uhr)

    @Benny
    Herzlichen Glückwunsch zum Titel des Niveau-Drücker des Monats. Auch für dich gibt es passende Plattformen - irgendwo auf dem Weg zwischen FDP-Community und Bild.de solltest du deinen Platz finden.

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  3. von Stephan Jaeckel am 10.03.2015 (23:11 Uhr)

    Ich lese immer von Motivation und Motivationsproblemen. Offenbar haben entweder nur wenige während des Studiums Organisationslehre und Führung gehört oder ihr Prof. hat vergessen ihnen etwas über Hygienefaktoren beizubringen (ich kann mir das unreife Grinsen einiger beim Lesen dieses Wortes gut vorstellen). Aber genau DIE sind das Problem in Unternehmen - von etablierten Organisationen bis hin zu Start-Ups.

    Denn egal wieviel Motivation ein Mensch mitbringt: Sind die Hygienefaktoren beschädigt, werden grob mißachtet oder ihre Bedeutung nicht erkannt, dann kann keine noch so hohe Motivation Früchte tragen. Sie wird in innerer Kündigung verkümern und untergehen.

    Zu den Hygienefaktoren gehören u.a. Lohn/Gehalt insbesondere aber weichen Faktoren, die hohe soziale Kompetenz von Gründern und Führungskräften verlangen, wie Personalpolitik, Führungsstil, Arbeitsbedingungen und zwischenmenschliche Beziehungen mit Kolleginnen/Kollegen und Vorgesetzten.

    Leider aber ist es so, dass wenn man die Probleme auf Strukturen und Führungskräfte zurückführen würde, dann wären sofort Personalabteilungen, Nachwuchsprogramme, Rekrutierungsprofile und alle Arbeit im Bereich "Human Ressources" (schrecklicher Begriff) in Frage gestellt. Wo es aber an der natürlichen Selbstkritik fehlt, diese schon von sich aus in Frage zu stellen, dort wird es nahezu unmöglich die Problemanalyse von der "Motivation der Masse" hinweg zur eigentlichen Ursache zu führen.

    Doch was intern seit Jahrzehnten verschlafen wurde, dass holt nun der Markt nach. Mit Bewertungsplattformen für Unternehmen im Internet, mit Berichten und Kommentaren zu Praktika, Bewerbungsgesprächen bis hin zu Veröffentlichungen von erfolgreichen Bewerbungen werden Ansprüche und Wirklichkeit in Unternehmen transparent.

    Und in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels (laut einem Bericht von heute verliert Deutschland derzeit jährlich 250.000 qualifizierte, erfahrene Beschäftigte an das Ausland) wird diese Transparenz des alltäglichen Unternehmenslebens dazu führen, dass am Ende viele von diesen weniger Bewerbungen von qualifizierten Kandidaten erhalten werden, oder auch gar keine mehr. Spätestens dann, wenn es eigentlich zu spät ist, dann wird sich wohl etwas ändern.

    Ob substantiell oder nur kosmetisch, dass entscheiden dann jene, unter denen die Führungskultur und die Kultur im Unternehmen in den vorangegangenen Jahren oder Jahrzehnten gelitten haben. Gut möglich, dass uns auch noch in zwanzig Jahren von mangelnder Motivation und Mitarbeitern als Problem berichtet wird.

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  4. von Freddy am 11.03.2015 (09:00 Uhr)

    Wieso gibt es keine Studien/Berichte zum Thema: "Arbeitgeber zahlen Gehälter nur nach Vorschrift" ?

    Habe ich etwas verpasst, oder gibt es Arbeitgeber die gelegentlich mehr Gehalt zahlen, als sie eigentlich müssten?

    Es ist einen Unterschied, ob jemand gute Arbeit verrichtet oder nur auf dem Arbeitsplatz sitzt und nichts macht. Zweiteres ist eher das Problem, in meinen Augen. Das hat nichts mit Dienst nach Vorschrift zu tun. Wir alle arbeiten nur, weil wir es müssen um zu überleben und das Geld brauchen. Nicht weil wir Firma X geil finden und gerne unsere Zeit dafür opfern.

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    • von Benny Lava am 12.03.2015 (17:51 Uhr)

      Ja, solche Arbeitgeber gibt es. Du wirst das nie erleben, weil du ein grundsätzliche Problem mit der Motivation hast.
      " Wir alle arbeiten nur, weil wir es müssen um zu überleben und das Geld brauchen." - Genau das ist dein Problem.

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  5. von Leistung muss sich wieder lohnen am 11.03.2015 (11:37 Uhr)

    Das sogenannte Peter-Prinzip besagt wohl, das man so lange befördert wird, bis man an einen Posten kommt für den man dann doch nicht taugt.
    Degradierung gibts ja leider nicht. Ich würde ja jede Woche jemand anderen zum Filialleiter definieren und seinen Vorgänger zum beratenden Stellvertreter. Denn Stundenplanung wer wann arbeitet kann man am Tablett und dafür muss man nicht in der Filiale rumlaufen. Rückgaben regelt das Video-Terminal. Bestellungen machen die Mitarbeiter kollaborativ am Tablett damit man nicht wieder keine Bratwürste und kein Bier hat aber ein Regal voll Grillkohle.

    Die Lehmschicht will sich nicht wegoptimieren. Google findet sofort wer offiziell von der Wissenschaft so bezeichnet wird.

    In Japan ist die Unzufriedenheit auch hoch.
    Im Prinzip hören wir hier doch nur Dinge die wir schon seit Jahren hören. Vielleicht auch weil die Studien (z.b. IT-Gehälter, Arbeitslosigkeit, Armut, Zufriedenheit, Startup-Contest-Winner der Cebit, Startup-Contest-Winner der IFA, Startup-Contest-Winner der Bitkom, Startup-Contest-Winner vom M$-Wettbewerb, Gartner-Prognosen für den PC-Markt, Vorhersagen fürs nächste Jahr, ...) immer im gleichen Monat herauskommen und die Schreiber sich nicht ans letzte Jahr erinnern. Sind vielleicht frisch diplomierte Schreiber deren Lebenserfahrung noch gering ist. Sogar Kleinkinder erinnern sich nach 2 Jahren an Weihnachten und Geburtstag und Urlaub.

    @Stephan Jaeckel: Die 250.000 erinnern an Bangladesch die Bauarbeiter nach Asien und in die Arabischen Länder exportieren und Philippinen die z.b. Hausmädchen an Hong-Kong und Singapur exportieren. Wie man an den Auswanderer-Dokus sieht, zahlen die jahrelang nichts in die Rentenkassen usw. ein und scheitern oft genug oder haben sich das ganz anders vorgestellt und kehren dann doch wieder hierher zurück. Ronny Biggs ging ja auch nach England zurück als er Gesundheits-Versorgung brauchte. Die aktuelle ct hat einen kurzen Bericht zur Ersetzbarkeit von Jobs und das sieht nicht gut aus. Bald braucht man wohl ein Grundgehalt. Vor Jahren habe ich schon darauf hingewiesen das es zu viele gibt für zu wenig Jobs. Bald hat jeder ein Diplom und macht Sachbearbeiter-Jobs die früher von Realschülern gemacht wurden. Gleichzeitig findet man schlecht brauchbare Handwerker. Die Armut breitet sich stetig aus. In ein paar Jahren berichtet der Spiegel und ÖR-Sender dann mal darüber.
    Das möglicherweise viele Informatiker mit 30 Zwangsfreiberufler sind, die keine nennenswerten Rücklagen bilden können (Exfrau, Rechtsanwälte, Steuer-Nachzahlungen...) interessiert hier auch bisher kaum jemanden.

    Und die Bewertungsplattformen haben das Problem von Abmahnungen und Verbietungen. Bei Ebay wird der Durchschnitt über 10 oder mehr Bewertungen gebildet. Das ist schlau. Als ITler darf man oft genug ja nicht mal erzählen was man gemacht hat. Ich habe schon vor Jahren gefordert das die Lohn-Statistik und Fluktuations-Quote und bei Ausbildungen die Übernahmequote unter der Arbeitgeber-Nummer die in jede Stellen-Ausschreibung gehört im Internet zu finden sein muss. Die Krankenkassen (15%), Rentenkassen (19%), Arbeitslosen-Kassen (1,9% ?) und Finanzamt kennen diese Zahlen und die Lohnverteilung oder zumindest die Durchschnitte. Im Supermarkt ist das Obst ja auch nicht in undurchsichtigen Plastik-Tüten.
    In den nordischen Ländern hat man wohl schon lange das Problem der geringen Bürger-Zahl und muss sich daher besser um die Mitarbeiter kümmern.

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  6. von Leopold Tintera am 16.03.2015 (09:31 Uhr)

    Es gibt in den meisten Entlohnungsschemata's wenig oder gar keine leistungsorientierten Gehaltsbestandteile. Anders ausgedrückt: wer mehr tut als unbedingt nötig, reduziert freiwillig seinen "Lohn pro Aufwandseinheit", nennen wir es einmal so.

    Wenn man unfähige, faule oder inkompetente Mitarbeiter meldet ist man ein sozial untragbares Element usw. Leistung lohnt sich nicht, und die Arbeitnehmer passen sich dem System an - das will man ihnen vorwerfen?

    Eine Stufe weitergedacht zieht sich das dann in Richtung Sozialleistungen, die zumindest im Niedriglohnbereich oft das Aufnehmen einer Tätigkeit erheblich unattraktiv erscheinen lassen.

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  7. von gangolf.neubach am 27.03.2015 (10:05 Uhr)

    Die Gallup Studie zeigt Jahr für Jahr auch immer wieder eins: die fehlende Anerkennung. Es sind alles immer nur MIT-Arbeiter. Aber wir sind Menschen, die als ganze Menschen gesehen wollen werden, nicht als Nummer von HR, die Leistungen (am besten nur nach bestimmten Erwartungen und Vorgaben) produzieren müssen.
    Der Mensch ist von Haus aus kreativ und eine Schöpfernatur. Wenn wir Menschen im Unternehmen auf dieser Ebene angesprochen werden, dann werden wir auch das erschaffen, was das Unternehmen erfolgreich macht und Gewinn bringt.
    Ein Weg ist die Wertschätzung, die authentisch und nicht manipulativ uns gegenüber ausgesprochen wird, und die wir genauso anderen (besonders auch unserem Chef) aussprechen.
    Leider wird über Wertschätzung nur mehr gesprochen, als dass sie gelebt wird. Denn die wenigsten sind sich bewusst, was Wertschätzung genau ist, und dass es nichts mit Kuschelkultur oder lieb haben zu tun hat, und dass es einen deutlichen Unterschied zum Lob gibt.
    (Wertschätzung spricht die Seins-Ebene an, "Sie sind..." - Lob beschreibt die Handlungs-Ebene, "Sie haben gemacht..." - mehr dazu in meinem Gratis-Webinar.)
    Wenn in einer Unternehmenskultur dieser Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung erkannt und praktiziert wird, dann ist Raum für inspirierende Anerkennung und motivierende Kritik- und sogar auch respektvolle Trennung, wenn es nicht mehr passt!
    Aber vor allen Dingen hält und zieht so eine wertschätzende Unternehmenskultur die Menschen, die erkannt haben, dass nicht nur viel Geld oder Karriere das Lebensziel ist, sondern die Erfüllung im jetzigen Moment zu finden.

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