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Die ganze Geschichte des komplett gefälschten Apple Store

Gestern berichteten wir über den von der Bloggerin BirdAbroad im südchinesischen Kunming entdeckten komplett gefälschten Store. Medien weltweit griffen die Story der amerikanischen Wissenschaftlerin auf und auch die großen Nachrichtenblätter nahmen sich des Themas an. Schon kurz nach den ersten Berichten wurde von vermeintlich gut informierten Personen in Frage gestellt, dass es sich beim komplett gefälschten Apple Store tatsächlich um eine komplette Fälschung handelt. Die Frage ist nun abschließend geklärt…

Die ganze Geschichte des komplett gefälschten Apple Store

Der komplett gefälschte Apple Store ist tatsächlich komplett gefälscht!

Es könne sein, dass es sich bei dem von BirdAbroad als Fälschung identifizierten Apple Store in Kunming tatsächlich gar nicht um eine Fälschung, sondern mehr um eine Art Überinterpretation eines autorisierten Resellers handele. Allein in Kunming gibt es 13 solcher von Apple autorisierter Läden. Autorisierte Reseller erhalten Verkaufsunterstützung und dürfen ihre Läden mit einem beleuchteten Apple-Logo aufwerten. Im Gegenzug müssen sie ein Autorisierungs-Verfahren durchlaufen. Die Erlaubnis zu einem kompletten Nachbau eines Apple Stores ist von der Autorisierung jedoch nicht erfasst. Vielmehr gelten eine Vielzahl von Designrichtlinien, die exakt vorschreiben, in welcher Art und Weise die Warenzeichen Apples genutzt werden dürfen. Dabei ist bei entsprechenden finanziellen Möglichkeiten durchaus eine Ladenausstattung denkbar, die an einen Apple Store entfernt erinnert, aber eben nur entfernt… Autorisierte Reseller dürfen ihre Läden dann unter Umständen als „Apple Shop“ bezeichnen.

Die Geschichte nahm ihren Lauf. Interessierte Blogger nutzten nun Google Maps und überprüften die Adressen der bekannten Reseller gegen die auf den Fotos der Bloggerin BirdAbroad erkennbare Lokation. Das Ergebnis: Die von BirdAbroad fotografierte Örtlichkeit passt zu keiner der 13 Adressen autorisierter Reseller. Wer sich wundert, dass sich in einer Stadt eine derart große Zahl an Resellern findet: Kunming hat doppelt so viele Einwohner wie Berlin, allerdings auf einem Drittel der Fläche und wächst rasant. Mittlerweile dürften dort rund 8 Millionen Menschen auf 300 Quadratkilometern leben.

Heute dann nahm sich das Wall Street Journal der Fragestellung an und nutzte ihre Möglichkeiten der direkten Recherche. Hat ja nicht jeder einen Chinesen bei der Hand, um mal kurz in Kunming anzurufen… Das Wallstreet Journal hatte zunächst Mühe, einen Store-Repräsentanten ans Telefon zu bekommen. Nach einer Zeit der Hartnäckigkeit erreichten die Journalisten einen Mitarbeiter und waren in der Lage, einige Fragen los zu werden. So räumte der Verkäufer recht unumwunden ein, dass man nicht mit Apple verbunden sei, darin jedoch kein Problem sehe. In der Provinz Yunnan gehöre man zu den leistungsfähigsten Anbietern von Apple-Produkten und die Kundenzufriedenheit sei stets hoch. Dieser Umstand sei ihm wichtiger, als die Frage nach dem Arbeitgeber oder der Formalie einer Autorisierung.

Die Produktquellen nicht autorisierter Händler liegen vielfach im Ausland, was deren Einkäufe zu Schmuggelware macht

Eine chinesische Zeitung hatte zwischenzeitlich berichtet, dass im komplett gefälschten Apple Store offenbar mit Preisen gearbeitet wird, die unterhalb der offiziellen Apple-Preise liegen. Es sollen vor Ort Untersuchungen eingeleitet worden sein. Das Wallstreet Journal schreibt, dass nicht autorisierte Verkaufsstellen vielfach ihre Waren im Ausland kaufen und dann über die Grenze schmuggeln. Häufig handele es sich auch schlicht um Fälschungen, die über derlei Läden vertrieben würden. Letzteres scheint im komplett gefälschten Apple Store wohl nicht der Fall zu sein. Wie sie es allerdings schaffen können, Apples Hardware billiger zu verkaufen, als die über ordentliche Kanäle einkaufenden Apple-Reseller, werden sie noch zu beantworten haben.

Es ist zu erwarten, dass sich Apple dieses Stores kurzfristig annehmen wird. Zwei weitere Fakes hatte BirdAbroad in unmittelbarer Nähe noch gefunden. Diese sind aber wohl weniger perfekte Fälschungen, immerhin auch nicht von Apple autorisiert. Über einem prangt ein Schriftzug, der ihn als „Apple Stoer“ ausweist, was angesichts der Markenrechtsverletzung für den Betreiber vielleicht sogar ein Vorteil sein könnte. Spaß beiseite…

Apple gilt nicht als leichtfertig oder nachgerade entspannt im Umgang mit Verletzungen ihrer Markenzeichen. Man erinnere sich an das Auftauchen des Prototypen eines iPhone 4 im letzten Jahr, der zu einem Polizeieinsatz gegen den Erwerber des Gerätes, einen Redakteur des TechBlogs Gizmodo führte.

Falls ihr sie gestern verpasst habt, hier ist nochmal die gesamte Bildergalerie von BirdAbroad:

t3n Berichte zu den komplett gefälschten Apple Stores

Weiterführende Links zu aktuellen Apple-News auf t3n.de:

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3 Antworten
  1. von Felix Nagel am 21.07.2011 (20:38 Uhr)

    "Wie sie es allerdings schaffen können, Apples Hardware billiger zu verkaufen, als die über ordentliche Kanäle einkaufenden Apple-Reseller, werden sie noch zu beantworten haben."
    Mich würde ja mal interessieren wie die Jungs vernünftigen Support bieten können wenn sie keinen Zugriff auf das System von Apple und damit den Nutzerkonten haben. Ich dachte immer das gerade darin der große Vorteil des Supports in Apple Stores liegt.

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  2. von Dieter Petereit am 21.07.2011 (20:43 Uhr)

    Das ist auch eine interessante Frage. Aussagen benachbarter autorisierter Reseller zufolge, können sie genau das nicht. Vielmehr würden dort Leute beschäftigt, die kaum fehlerfrei einen Rechner anschalten könnten. Aber, welcher Reseller würde an den Fakern schon ein gutes Haar lassen??

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  3. von Björn am 21.07.2011 (21:20 Uhr)

    Die Hardware bei apple wird Teilweise von Billigherstellern produziert. Z.B. in den Macbooks stekt keine besonders teure Technik, die Mainboards werden zum teil von Firmen produziert die bei den Herstellern für PC-Komponenten als Billiganbieter verschriehen sind. Dafür sind die Komponenten perfekt auf einander abgestimmt und arbeiten deshalb auch wesendlich zuverlässiger als ein zusammengewürfelter PC. Aber die Hardware günstiger zu bekommen, dürfte nicht wirdklich ein Problem sein.

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