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Kolumne

Gboard und Spaces: Google trägt Nutzern das Web hinterher

    Gboard und Spaces: Google trägt Nutzern das Web hinterher
(Foto: GongTo / Shutterstock.com)

Die Verlagerung von Desktop zu Mobile bereitet Google Kopfzerbrechen. Der Konzern sorgt sich darum, dass die Google-Suche ihren bisherigen Status als unersetzlicher Wegweiser durchs digitale Dickicht verliert. Martin Weigert analysiert in seiner Kolumne Weigerts World, wie Googles jüngste Neuheiten Gboard und Spaces in diesem Zusammenhang zu bewerten sind.

Google hat eine neue mobile App für Gruppenkommunikation namens Spaces veröffentlicht. Das Herzstück der mobilen Variante der Anwendung macht aber nicht etwa Messaging aus, sondern die Google-Suche. Das zentrale Element aller Gruppen (die in der App „Spaces“ genannt werden) ist ein Sharing-Button, der als Standard-Darstellung zu einer Google-Eingabemaske führt. In diese können Nutzer beliebige Begriffe eintragen, um dazu passende Inhalte über die Google-Suche zu finden und zu teilen. Oder sie tippen direkt eine URL in das Feld, die unmittelbar im In-App-Browser aufgerufen wird. Über ein Menü am unteren Rand der App lassen sich zudem YouTube-Videos und lokal gespeicherte Fotos teilen sowie Chats initiieren.

Spaces
Die Android-App von Googles neuem Dienst „Spaces“. (Screenshot: Spaces)

Mobile Nutzungsmuster bedrohen Googles Kerngeschäft

Googles Ansatz ist in Anbetracht der aktuellen Marktsituation interessant. Der Konzern steht angesichts der Nutzerbewegung vom Desktop zu Mobile verstärkt unter Druck. Auf mobilen Geräten verbringen Anwender weitaus mehr Zeit in nativen Apps als im Browser, und generell wandelt sich das Nutzerverhalten. Anstatt eine Google-Suche durchzuführen, können User Freunde (oder Bots) per Chat-App befragen, direkt eine ihrer bevorzugten nativen Applikationen für Shopping, Kommunikation, Information, Medienkonsum, Hotelbuchungen etc. aufrufen oder per Sprachbefehl suchen. Zumindest auf dem iPhone kommt dafür Microsofts Suchmaschine Bing zum Einsatz.

Momentan brummt Googles Geschäft mit Onlinewerbung zwar noch. Doch Quartalsberichte bilden nur die Vergangenheit ab. Diese ist im aktuellen Fall kein guter Ratgeber für die Zukunft. Aufgrund der sich wandelnden Rahmenbedingungen sind die Aussichten für Googles Such- und Werbegeschäft weniger rosig als je zuvor. Szenarien in denen Anwender ein verringertes Bedürfnis nach Google-Suchen verspüren und seltener das offene Web verwenden, haben für das Unternehmen einen existenzbedrohenden Charakter. Denn ein deutliches Schrumpfen der Werbeeinnahmen wäre die Folge.

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Gboard und Spaces zeigen, was Google plant

Die Spaces-App ist innerhalb weniger Tage der zweite Hinweis dazu, wie Google auf die Bedrohung zu reagieren gedenkt: Wenn Smartphone-Nutzer immer seltener ihren Browser öffnen und nicht mehr so oft und so selbstverständlich wie auf dem Desktop den Drang verspüren, die Google-Suche zu konsultieren, dann muss die Google-Suche und das Web eben in native Apps gebracht werden. Genau dieses Ziel steht hinter der jüngst im US-App-Store veröffentlichten iPhone-Keyboard-App Gboard. Gboard platziert die Google-Suche direkt innerhalb des Software-Keyboards und ermöglicht es iPhone-Nutzern somit, aus beliebigen Apps heraus ohne Mehraufwand auf die Google-Suche zuzugreifen. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer lieber schnell googeln, anstatt eine benötigte Information anderweitig zu beziehen. Die Idee ist smart, auch wenn sie eine aktive Entscheidung der User voraussetzt, sich die Keyboard-App wirklich zu installieren.

So funktioniert Googles iOS-Tastatur Gboard. (Bild: Google)
So funktioniert Googles iOS-Tastatur Gboard. (Bild: Google)

Spaces basiert auf der selben Philosophie. Der Slogan des Dienstes lautet „Small group sharing for everything in life“. Wer die Anwendung regelmäßig einsetzt, wird ganz automatisch regelmäßig mit der Google-Suche interagieren. Die Anwendung platziert die Suche im Aufmerksamkeitsfeld der User, ohne dass diese im Alltag explizit eine aktive Entscheidung treffen oder ein Bedürfnis entwickeln müssen, die Suche aufzurufen. Das Suchfeld dient in der App schlicht als ein zentrales Navigationselement zum Auffinden von zu teilenden Inhalten.

Viel steht auf dem Spiel

„Google kann seine einstige Rolle als Wegweiser durch das digitale Dickicht verlieren.“

Spaces unterscheidet sich damit von den zahlreichen früheren Google-Experimenten im Social-Bereich. Denn Wave, Buzz und Google+ hatten nicht das unmittelbare Ziel, Anwender zu regelmäßigen Nutzern der Google-Suche zu machen. Stattdessen ging es darum, die Zeit zu erhöhen, die User im erweiterten Google-Universum verbringen, und Daten zu sammeln. Um die Nutzung der Google-Suchfunktion musste sich der Konzern damals keine Sorgen machen. Heute ist das anders: Google blickt der realistischen Gefahr ins Auge, dass die Suchmaschine für eine wachsende Zahl an Anwendern ihre einstige Rolle als Wegweiser durch das digitale Dickicht verliert. Und bislang ist es weder Google noch der Muttergesellschaft Alphabet gelungen, neue hochlukrative Erlösströme zu erschließen, die ein Wegbrechen von Werbeeinnahmen bei der Suchwortvermarktung ausgleichen könnten. Deshalb versucht der Netzriese, sicherzustellen, dass die Masse weiterhin regelmäßig ihre Dosis Google-Suche bekommt. Egal wo.

Google sieht sich heute mit zwei parallelen Herausforderungen konfrontiert: Einerseits sucht es nach einer neuen Cash-Cow; ein Prozess, der schon seit vielen Jahren läuft. Parallel aber geht es für das Unternehmen jetzt auch darum, die bisherige Cash-Cow um jeden Preis aufrechtzuerhalten. Was bislang kein Problem war, entwickelt sich nun zu einem. Gboard und Spaces werden vermutlich nicht die letzten Versuche bleiben, die Google-Suche dorthin zu bringen, wo User sonst gar nicht mehr mit ihr in Kontakt kommen. Warten wir ab, ob Googles am Mittwoch beginnende Entwicklerkonferenz I/O weitere Erkenntnisse liefert.

Weitere Kolumnen-Artikel aus „Weigerts World“ findet ihr hier. Hier könnt ihr dem Autor auf Twitter folgen.

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3 Reaktionen
graywolf
graywolf

Ich kann mir nicht vorstellen für eine einmalige oder seltene Nutzung eine App zu installieren, dann ist das Smartphone schnell voll. Wenn die Website gut responsiv ist, brauche ich da keine App. Für viele ist es einfach nur "cool" eine eigene App zu haben, die wenigsten brauchen das auch. Eine App lohnt nich nur, wenn sie echten Mehrwert bietet, für reine Informationen überflüssig.

Antworten
caro
caro

Denke auch das die Leute lieber eine App nutzen als eine Webseite anzusurfen. Sehe ich im engeren Umkreis, die haben lieber eine App, selbst wenn es 1:1 die Webseite wiedergibt. Kann ich selbst nicht nachvollziehen, aber egal.

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Juli

Schade, aber ich fürchte Google hat mit seinen Befürchtungen nicht ganz unrecht.
LG, Julia

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