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Millionen Webcams infiltriert: Britischer Geheimdienst überwacht systematisch Yahoo-Nutzer

Millionen Webcams infiltriert: Britischer Geheimdienst überwacht systematisch Yahoo-Nutzer

Es ist eine „völlig neue Stufe“ der Verletzung der Privatsphäre, sagt . Der britische Geheimdienst GCHQ hat einem Bericht des Guardians zufolge offenbar jahrelang systematisch die Webcams von Millionen Yahoo-Nutzern infiltriert und das Material angeblich zur Terrorabwehr verwendet. Überrascht sind die Spione vor allem über eines: Die körperliche Freizügigkeit vieler Nutzer.

Millionen Webcams infiltriert: Britischer Geheimdienst überwacht systematisch Yahoo-Nutzer

Millionen Webcams von Yahoo-Nutzern wurden infiltriert. (Foto: © Flickr – dgbury)

GCHQ: Britischer Geheimdienst erfasst Bildmaterial von Millionen Yahoo-Nutzern

Der britische Geheimdienst GCHQ, der auch von der US-amerikanischen Sicherheitsbehörde NSA unterstützt wird, hat sich offenbar jahrelang Zugriff auf die Webcams von Millionen Yahoo-Nutzern verschafft und das Material ohne konkreten Verdacht verwertet. Das geht aus einem Bericht der britischen Tageszeitung Guardian hervor, der sich auf neue Informationen aus dem Fundus des Whistleblowers Edward Snowden stützt. Demnach habe der britische Geheimdienst in der Zeit zwischen 2008 und 2012 Standbilder aus den Webcam-Chats des Internetkonzerns erfasst und zum Zweck der Terrorabwehr gespeichert.

Yahoo reagiert auf Nachfrage des Guardian entrüstet: Man weise jegliches Wissen über die auf den Codenamen „Optic Nerve“ getaufte Operation zurück. Das Vorgehen der Geheimdienste bringe die Verletzung der Privatsphäre von Nutzern „auf eine völlig neue Stufe“, teilte der Konzern mit.

GCHQ erstaunt über „intime Körperteile“

Der britische Geheimdienst GCHQ: Jahrelang wurden laut Dokumenten von Edward Snowden die Webcams von Millionen Yahoo-Nutzern infiltriert und Daten erfasst. (Foto:  (Bild: Wikimedia Commons / Ministry of Defence Lizenz: Open Government License 1.0)
Der britische Geheimdienst GCHQ: Jahrelang wurden laut Dokumenten von Edward Snowden die Webcams von Millionen Yahoo-Nutzern infiltriert und Daten erfasst. (Foto: (Bild: Wikimedia Commons / Ministry of Defence Lizenz: Open Government License 1.0)

Beim britischen Geheimdienst GCHQ hat man für diesen Vorwurf indes wenig Verständnis. Gegenüber dem Guardian wiesen die Verantwortlichen darauf hin, dass alle Handlungen im Zusammenhang mit der Webcam-Überwachung notwendig, verhältnismäßig und im Einklang mit den Gesetzen des Landes stehen würden.

„Allein 2008 hat das GCHQ circa 1,8 Millionen Webcam-Daten erfasst.“

Verwundert zeigte sich der Geheimdienst während seiner Beobachtungen offenbar darüber, dass einige Yahoo-Nutzer ihre Webcams für sexuelle Zwecke einsetzen. Der Guardian zitiert aus einem entsprechenden Dokument, in dem sich ein Mitarbeiter erstaunt über die körperliche Freizügigkeit von Nutzern zeigt: „Unglücklicherweise (...) scheint es, dass eine erstaunliche Anzahl von Menschen Webcam-Gespräche nutzt, um ihrem Gegenüber intime Körperteile zu zeigen“, heißt es darin. Als Begründung führt der britische Geheimdienst die Yahoo-Software an, die es ähnlich wie bei Skype erlaube, das Videosignal nur in eine Richtung des Chats beziehungsweise Streams zu verwenden. Ideal für Nutzer, die pornographische Inhalte vermeintlich anonym konsumieren wollen.

Webcam-Material wurde zur Gesichtserkennung verwendet

Ob der britische Geheimdienst nach wie vor Webcam-Nutzer ausspioniert, ist unklar. Dem Bericht des Guardians zufolge soll das GCHQ allein im Jahr 2008 mehr als 1,8 Millionen Bilddaten von Yahoo-Nutzern erfasst haben. Diese seien dann zur Gesichtserkennung eingesetzt worden, auch um potentielle Terrorverdächtige zu identifizieren.

via www.spiegel.de

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6 Antworten
  1. von Fiete am 28.02.2014 (08:37 Uhr)

    Was für ein elendes Gesindel.

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  2. von Jonas am 28.02.2014 (09:13 Uhr)

    Das kann den Damen und Herren vom GCHQ jawohl sowas von am Hintern vorbeigehen, wann und wem ich mein Gemächt vor die Linse halte...

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  3. von Oskar am 28.02.2014 (09:37 Uhr)

    Ja, die Terroristen nutzen Yahoo. Ich kann sogar Überwachung verstehen, aber das ist doch lächerlich!

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  4. von Peter am 28.02.2014 (10:45 Uhr)

    Ha, sollte man die jetzt nicht belangen wegen möglichem Besitz von kinderpornographischen Material??

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  5. von Jonas am 28.02.2014 (12:17 Uhr)

    @Peter: Dazu müsste man denen erstmal Beweisen, dass die in Besitz solchen Materials sind, leider....

    Selbst wenn dies der Fall ist, wird in der heutigen "Demokratie" der Kampf gegen den Terror über Kinderpornografie gestellt, wie so gut wie jede noch so kleine kriminelle Handlung.

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  6. von Musenrössle am 28.02.2014 (17:26 Uhr)

    @Peter: Nein, natürlich nicht.

    Aber die minderjährigen User die ihre diversen Geschlechtsteile in die Webcam gehalten haben bzw. dabei zugesehen haben, bekommen dann demnächst eine Anzeige wegen Kinderpornographie, inclusive Hausdurchsuchung und öffentlicher medialer Hinrichtung... Edathy mal eine Milliarde ;-).

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