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Meet the Geekettes: Das sind die Frauen, die die Tech-Welt erobern

Meet the Geekettes: Das sind die Frauen, die die Tech-Welt erobern

Die Tech-Branche wird von Männern dominiert, die Startup-Szene wird von Männern dominiert: Immer wieder geistert dieses Lamento durch Medien, Netz und Konferenzgespräche – und das nicht zu Unrecht. Nur, was tun wir am besten dagegen? Eine mögliche Antwort liefern die Geekettes, die sich zur Aufgabe gemacht haben, mehr Frauen in die Tech-Branche – und dort in die Führungspositionen – zu bringen. Wir haben sie in Berlin besucht.

Meet the Geekettes: Das sind die Frauen, die die Tech-Welt erobern

Jess Erickson (l.) und Denise Philipp. Foto: Geekettes

Mehr Frauen in die Tech-Branche: Auf drei Wegen zum Erfolg

Jess Erickson (l.) und Denise  Philipps. Foto: Geekettes
Jess Erickson (l.) und Denise Philipp. Foto: Geekettes

Das Modell der Geekettes ruht auf drei Säulen: Da ist zunächst das Mentorship-Programm, bei dem erfahrene Frauen aus der Technologie-Branche die Neulinge unter ihre Fittiche nehmen. Das Programm hat bereits zwei Mal stattgefunden, beim zweiten Mal war Google als Kooperationspartner an Bord. Daneben organisieren die Geekettes Workshops, in denen Experten ihr Wissen rund um Business, Design, Coding und Entrepreneurship weitergeben. Die dritte Säule besteht aus Events – hauptsächlich selbst organisierte Events, aber auch die Vermittlung von Sprecherinnen auf anderen Konferenzen fällt in diesen Bereich. In der Geekette-Community werden zudem Presseanfragen, Speaking-Opportunities oder Jobangebote geteilt.

„Im Mai 2013 wurde aus Ehrenamt Vollzeit.“

Die Geekettes gibt es mittlerweile seit zwei Jahren. Im Mai letzten Jahres, als die Telekom beschloss, die Organisation zu fördern, wurde aus dem ehrenamtlichen Engagement für die beiden Gründerinnen Jess Erickson und Denise Philipp ein Vollzeit-Job. Zusammen mit CFO Katharina Simbeck steuern sie nun von der Berliner Winterfeldtstraße aus ihre Geschäfte: In dem alten Backsteingebäude der Telekom residieren die Geekettes ein Jahr lang mietfrei in direkter Nachbarschaft zum hub:raum-Inkubator. So profitieren sie auch vom Austausch, den Netzwerken und Events vor Ort.

„Ein ganz normales Startup“: Die Geekettes wollen unternehmerischen Erfolg vorleben

Die Geekettes residieren im Telekom-Gebäude an der Berliner Winterfeldtstraße. Foto: t3n
Die Berlin Geekettes residieren im Telekom-Gebäude an der Berliner Winterfeldtstraße. Foto: t3n

Trotz des Community-Ansatzes und des gemeinnützigen Ziels sehen die Geekettes sich nicht als Nonprofit-Organisation, sondern als ganz normales Startup: „Wir sind ein Unternehmen, das einen sozialen Zweck verfolgt – ein Social Business also“, sagt Erickson, die Initiatorin der Geekettes. Und Philipp ergänzt: „Ein zentrales Anliegen der Geekettes ist es, Frauen zu selbstbewussten Geschäftsfrauen zu machen. Das wollen wir natürlich auch vorleben.“

Wie genau sie in Zukunft ihr Geld verdienen wollen, haben Philipp und Erickson noch nicht entschieden. Fest steht für die beiden jedoch, dass die Geekettes enorme Werte schaffen: „Wir helfen Unternehmen, vom kleinen bis zum etablierten Unternehmen, die Herausforderungen des Gender-Gaps zu lösen und weibliche Talente in ihre Reihen zu holen. Das ist für unsere Partner enorm wertvoll.“ Insofern könnte ein Hebel in bezahlter Beratungstätigkeit oder Event-Sponsoring liegen. Wichtig ist ihnen, dass die Community und ihre Benefits für die Mitglieder auch weiterhin kostenlos bleiben.

Geekettes Go Global: Erst Berlin, dann Hamburg, jetzt die Welt

Und die Mitglieder werden immer zahlreicher: Zu den „Berlin Geekettes“ gesellte sich im September 2013 ein Hamburger Ableger. In diesem Jahr ging die Expansion dann auch über die Landesgrenzen hinaus: Seit März 2014 sind die Geekettes eine globale Organisation mit Gruppen in Lissabon und Porto, Maastricht, London, New York und den „Twin Cities“ – also Minnesota und St. Paul. Repräsentiert werden die Geekettes von Botschafterinnen vor Ort, Partnerunternehmen wie Shutterstock oder Facebook helfen beim Aufbau lokaler Infrastrukturen.

„Die Geekettes sind kein Franchise.“

Die sorgfältig ausgewählten Geekettes-Botschafterinnen haben ein Einführungstraining und ein von Erickson selbst verfasstes „Digital Playbook“ mit Handlungsempfehlungen und Best Practices erhalten, das den Einstieg erleichtern soll. Allzu genaue Vorschriften soll es aber nicht geben: „Wir sind kein Franchise.“ Jede Geekette-Community soll von den Ideen und Vorstellungen ihrer Mitglieder geformt werden.

Das letzte Mentoring-Programm der Geekettes wurde von Google unterstützt. Foto: Berlin Geekettes, via Facebook
Das letzte Mentoring-Programm der Geekettes wurde von Google unterstützt. Foto: Berlin Geekettes, via Facebook

Women in Tech: Kein reines Frauen-Ding

Die Mission der Geekettes dürfte den meisten Frauen unmittelbar einleuchten: Die Produkte und Services des Technologiesektors prägen immer größere Teile unseres Lebens, doch nur wenn auch genügend Frauen unter den Gründern, Entwicklern und Investoren der einflussreichen Branche sind, kann deren Zukunft im Sinne beider Geschlechter gestaltet werden.

„Pro-Equality         statt     Feminismus.“

Von Männern hingegen ernten die Geekettes auch schon einmal Kritik. Aber warum? Weil Netzwerke und Strukturen, über die man sich gegenseitig vorangebracht hat, bisher eine Männerdomäne waren? Weil das Selbstbewusstsein der Geekettes auch als Herausforderung verstanden werden kann? Oder weil es schlicht und ergreifend immer noch viele Vorurteile gegenüber Karrierefrauen gibt, sie sich nur unendlich langsam aufweichen lassen? Erickson und Philipp wollen das nicht entscheiden. Sie betonen aber, dass die Geekettes auch von Männern mehrheitlich Zuspruch erfahren. Ihnen geht es darum, ein produktives Klima der Wertschätzung für beide Geschlechter zu schaffen, statt einseitig Frauen zu fördern. Diesem Pro-Equality-Ansatz, sagen die beiden, fühlen sich auch viele Männer verpflichtet.

Programmieren im Akkord: Der Berlin Geekettes Hackathon @ Coca Cola Germany. Foto: Aurelie Bazard, via Facebook
Programmieren im Akkord: Der Berlin Geekettes Hackathon @ Coca Cola Germany. Foto: Aurelie Bazard, via Facebook

Ganz abgesehen davon, dass mit der Schaffung von Diversität auch knallharte Business-Interessen bedient werden. Denn wer Produkte für weibliche Nutzer entwickelt, profitiert davon, diese auch in Konzeption und Design schon durch die weibliche Brille zu betrachten und nicht erst an der Ladenkasse. Ganz abgesehen davon, dass Diversität immer auch Innovation fördert und gemischte Teams andere, oftmals erfolgreichere Arbeitsweisen und -methoden an den Tag legen. Das alles schlägt sich eben auch in der Bilanz nieder. Und so kommen immer wieder Unternehmer zu Philipp und Erickson, die Hilfe bei der Überwindung des Gender Gaps anfragen.

Gender Gap in der Tech-Branche: Der Weg ist noch weit

Philipp und Erickson wissen nicht, was genau die Zukunft den Geekettes bringen wird. An eine weitere Expansion wollen die beiden erst denken, wenn die bisherigen Ableger sich erfolgreich etabliert haben. Langfristig will die gebürtige Amerikanerin Erickson die Geschicke der USA-Geekettes lenken, Philipp will sich um die Gruppen in Europa kümmern. In jedem Fall wird den Geekettes die Arbeit so schnell nicht ausgehen: In puncto Gender Equality hat die Tech-Branche noch einen weiten Weg vor sich.

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