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Startups

Das Geheimnis des Silicon Valley: Startups dürfen scheitern

    Das Geheimnis des Silicon Valley: Startups dürfen scheitern
Erfolgloser deutscher Gründer (Symbolfoto)

Was das Silicon Valley als Gründungsstandort so erfolgreich macht, ist in erster Linie die „Permission to fail“, glaubt Blackbox-Gründer Fadi Bishara. Eine Thematik, mit der europäische und vor allem deutsche Gründer große Schwierigkeiten haben. Denn der innerste Drang deutscher Gründer ist: das perfekte Produkt zu liefern und dabei alles so abzusichern, dass nichts schief geht.

Im Silicon Valley ist Scheitern akzeptiert

Gescheiterter deutscher Gründer (Symbolfoto)

Fadi Bishara wohnt seit vielen Jahren im Silicon Valley und bietet als Startup-Accelerator vielen europäischen Gründern die Chance, für spezielle Programme hierher zu kommen. Das große „Geheimnis“ dieses Ortes im Vergleich zu anderen sei, dass Scheitern rundum akzeptiert werde. Zumindest dann, wenn Gründer ehrlich gescheitert sind und weder Lug noch Betrug mit im Spiel war. Weil man hier wisse, dass Menschen nicht alles selbst unter Kontrolle haben. Im Gegenteil, Scheitern schaffe sogar Vertrauen, weil es bedeute, dass jemand bereit ist Risiken zu tragen.

Wenn Fadi ausgewählte, meist europäische Gründer ins Valley holt, um hier zu gründen – wobei meist ein Standbein des Unternehmens im Heimatland bleibt -, dann sei genau dies einer der Vorteile: Es falle Menschen in der Ferne leichter zu scheitern, als zu Hause. Vor allem Deutschen. Ihr größtes Problem sei die große Angst, Scheitern zu erleben. Damit verbunden ist der Drang, ihre Sache unbedingt perfekt machen zu müssen, gut zu planen, unzählige kleine Schritte zu gehen. Und somit oftmals nicht richtig loslegen, denn die Abneigung gegenüber Risiko und Unsicherheit hindere sie. „Ein neues, innovatives Paymentsystem wird vermutlich eher nicht aus Deutschland kommen. Aber sollte es eines geben, wird es von den Samwers sicherlich schnell kopiert“, lacht der syrischstämmige Angel Investor. Die Wahrheit schmerzt manchmal, denn das fleißige Kopieren der Samwer-Brüder zeigt genau dies auf: Das Fokussieren auf Dinge, die Sicherheit bieten, weil sie ja schon irgendwo geklappt haben.

Silicon Valley: "anlegen, schießen, zielen"

Während sich die europäischen Gründer mit Startup-Themen befassen, lassen es sich die Hunde bei Blackbox gut gehen

Die kulturell bedingte Zögerlichkeit der Deutschen illustriert Fadi in einem Bild: Das Vorgehen beim Schießen sei hierzulande „anlegen – zielen – schießen“. Die amerikanische: „anlegen – schießen – zielen“. Nun hat Zielen doch eine gewisse Berechtigung, aber das Bild verdeutlicht doch etwas: Deutsche Gründer wollen, dass der perfekte Schuss gelingt, deshalb zielen sie lange und intensiv. „Doch währenddessen könnte sich der Vogel bewegen und plötzlich ist er weg. Vieles ist eben außerhalb unserer Kontrolle.“ Bei der Herangehensweise, wie sie im Silicon Valley vorherrscht, sei es anders. Hier heiße es: Machen und Feed-back bekommen. Und was ist, wenn man den Vogel mangels Zielen nicht getroffen hat? „Dann befindet sich weiter hinten vielleicht ein noch fetterer Truthahn!“ So plakativ das Bild auch ist, es meine letztlich nicht den völligen Verzicht auf Fokussierung. Gründen habe nichts mit einer Maschinengewehrsalve zu tun. Aber eben auch nicht mit endlosem Zielen.

Allerdings, so Bishara, veränderten sich kulturelle Bedingungen auch durch die Globalisierung. Das Internet und die Möglichkeit, sich mit Menschen weltweit auszutauschen, zeige viele kulturelle Veränderungen. Was allerdings nach wie vor fehle seien rechtliche Rahmenbedingungen für Unternehmertum, die für die ganze EU und darüber hinaus für USA und China gelten. Erst dann könne auch auf politischer Ebene Änderungen einziehen, bisher koche da jedes Land sein eigenes Süppchen. Berlin habe, was Unternehmertum und auch Scheitern angehe, aktuell das größte Potential in Europa. Die Stadt sei günstig und habe eine tolle Startup-Community, große Vorteile gegenüber Städten wie London oder Barcelona.

Die passende Stadt haben wir also schon einmal. Jetzt muss nur noch die „Permission to fail“ in unsere Kultur einziehen. Aber Veränderungen geschehen bereits an verschiedenen Ecken und Enden, so leistet zum Beispiel die Veranstaltung Failcon einen großen Beitrag und auch mutige Gründer, die mit ihrem Scheitern selbstbewusst in der Öffentlichkeit umgehen.

In einer vierwöchigen Reihe stelle ich einige Themen vor, die ich bei meinem Aufenthalt im Silicon Valley mit Fadi Bishara von Blackbox besprochen habe. In der nächsten Woche geht es um die Frage der „Work-Life-Balace" gehen.

Weiterführende Links Failcon: 9 Dinge, die Gründer aus ihrem Scheitern gelernt haben - t3n.de Das zeichnet erfolgreiche Gründer aus - t3n.de

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