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So geht ansteckendes Marketing: Die Preisträger beim Virenschleuderpreis 2014

So geht ansteckendes Marketing: Die Preisträger beim Virenschleuderpreis 2014

Auf der Frankfurter Buchmesse ist der Virenschleuderpreis für innovatives in der Publishing-Branche vergeben worden. Die Preisträger in diesem Jahr überzeugten die Jury dabei vor allem durch zwei Dinge: Mut und Innovation.

So geht ansteckendes Marketing: Die Preisträger beim Virenschleuderpreis 2014

Leander Wattig bei der Verleihung des Virenschleuderpreises. (Foto: Virenschleuderpreis)

Virenschleuderpreis 2014: Shortlist-Entscheidung durch Facebook-Likes

In nur drei Jahren hat es der Virenschleuderpreis geschafft, sich von einer Idee zu einer renommierten Auszeichnung zu mausern. Ausgeschrieben wird der Virenschleuderpreis dabei in drei Kategorien: ansteckendste Maßnahme/Strategie, ansteckendste Idee und ansteckendste Persönlichkeit.

„Den Begriff ‚Virenschleuder‘ habe ich mal in einem Meeting auf die Frage hin formuliert, wie ich meine berufliche Mission selbst beschreiben würde.“

Dass der Name „Virenschleuderpreis“ dabei zunächst irritiert und vielleicht eher an einen ironisch konnotierten Sicherheits-Award denken lässt, nehmen die Veranstalter bewusst in Kauf. Geprägt hat den Namen Melanie Buschkühl, wie auf dem Blog des Preises nachzulesen ist: „Den Begriff ‚Virenschleuder‘ habe ich mal in einem Meeting auf die Frage hin formuliert, wie ich meine berufliche Mission selbst beschreiben würde. Terzio-Verleger Ralph Möllers – seinerseits Virenschleuder der Extraklasse! – hat ihn sofort aufgegriffen und weitergetragen. Dass die Formulierung jetzt für euren Preis Pate steht, ist also schon eine virale Erfolgsgeschichte an sich, finde ich.“

Die Jury war dabei in diesem Jahr wie üblich prominent besetzt: PR-Fachfrau Kerstin Hofmann, Lisa Rank – Autorin und Redakteurin der deutschen Wired, Claudia Michalski – Geschäftsführerin der Verlagsgruppe Handelsblatt, Autorin und Bloggerin Annette Schwindt, Karla Paul – Leiterin für Digitales Publizieren beim Hoffmann-und-Campe-Verlag, Frank Zimmer – Redaktionsleiter Online bei „W&V“, PR-Consultant Klaus Eck und Markus Gogolin – Leiter Marketing & Kommunikation DACH der Frankfurter Buchmesse, bestimmten in diesem Jahr die Preisträger. Sie mussten aus einer Zehner-Shortlist auswählen, die aus den unzähligen Einreichungen zuvor bestimmt worden war – und zwar anhand der Beliebtheit: „Die Beliebtheitsmessung erfolgt gemäß der Anzahl der Facebook-Likes für den jeweiligen Nominierungsbeitrag (ohne Shares und Comments).“

Virenschleuderpreis 2014: Die Sieger

Kategorie Maßnahme/Strategie: Buchhandlung Lessing und Kompanie, Chemnitz

Eine Einsendung zur Aktion der Buchhandlung Lessing und Kompanie. (Foto: virenschleuderpreis.de)
Eine Einsendung zur Aktion der Buchhandlung Lessing und Kompanie. (Foto: virenschleuderpreis.de)

Aus der Shortlist der besten Marketing-Maßnahmen 2014 hat die Jury die Buchhandlung Lessing und Kompanie in Chemnitz und ihre Fotoaktion „Kunden und ihre Lieblingsbücher“ gewählt. Inhaber Klaus Kowalke beschreibt das Projekt wie folgt:

„Wir haben einen Photo-Shooting-Termin im Oktober 2013 (12.10.2013) festgelegt. Zwei Monate zuvor haben wir über Facebook, E-Mail-Verteiler und Mund-zu-Mund-Propaganda im Buchladen, unsere Kunden zur Teilnahme bewogen. Jeder Teilnehmer bekam eine feste Uhrzeit für den 12.10. und hatte die Qual der Wahl eines Lieblingsbuches. Auf den Photos kann man, so die subjektive Einschätzung, sehr schön sehen, wie das Buch zum Leser passt (oder umgekehrt). Wir wollten 100 Teilnehmer gewinnen, 127 haben schlußendlich teilgenommen. Ziel war und ist es, Menschen mit Büchern in den Fokus des allgemeinen Interesses zu bringen. Das Buch gehört zum Leser. Ohne Leser kein Buch. Zunächst wurde von Dezember bis Ostern 2014 täglich ein Bild auf unserer Facebookseite (Facebook-Album von Klaus Kowalke) präsentiert. Die schön gestaltete Präsentation gibt es dauerhaft in unserem Tumblr-Blog.“

„Hier hat jemand sich getraut, Geld in die Hand zu nehmen, weil er der eigenen Idee vertraut.“

Für das Shooting hat die Buchhandlung die überschaubare Summe von 3.500 Euro investiert. Der Mehrwert: 20 Prozent Mehrumsatz, und darüber hinaus sollen die Photos in den nächsten Jahren auch medial genutzt werden, beispielsweise für Kalender, Poster, Ausstellungen und Social Media. Die Jury haben an dem Projekt vor allem Mut und Umsicht begeistert, wie Jury-Mitglied Kerstin Hoffmann betont: „Hier hat jemand sich getraut, Geld in die Hand zu nehmen, weil er der eigenen Idee vertraut. Es wird erst mal investiert, ehe etwas von den anderen kommen soll. ‚Nur‘ 3.500 Euro sind für eine Buchhandlung durchaus ein Betrag, der sich erst mal refinanzieren muss. Die sehr ästhetische Umsetzung gefällt mir gut. Am meisten gefreut habe ich mich aber über die Aussage, dass die Aktion vom Initiator ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen wird, also zu einem größeren Ganzen beiträgt, statt nur den Erfolg eines Einzelnen im Blick zu haben.“ Und Jurorin Karla Paul meint: „Die Buchhandlung hat online genau das umgesetzt, was auch offline schon seit Jahren ihre Stärke ist: die Liebe zum Lesen sichtbar zu machen und andere damit anzustecken und zum Kauf zu animieren.“

Kategorie Idee: Pinakotheken im Kunstareal München

Die Aktion der Pinakotheken. (Bild: virenschleuderpreis.de)
Die Aktion der Pinakotheken. (Bild: virenschleuderpreis.de)

Die Pinakotheken im Kunstareal München werden für ihr Projekt #myRembrandt in diesem Jahr mit dem Virenschleuderpreis für die beste Idee ausgezeichnet. Und so sah diese Idee aus:

„Die Teilschließung der Alten Pinakothek durch die Sanierung des Gebäudes zwang Rembrandts ‚Jugendliches Selbstbildnis‘ aus dem Jahr 1629 über den Sommer 2014 zum Auszug. Wir nutzten die Gelegenheit und schickten das Bild als Reproduktion auf Reisen. Dabei waren wir vor allem auf die Mitarbeit unserer Fans und Follower angewiesen und riefen auf: ‚ZEIG REMBRANDT DEINE WELT! Nehmt ihn mit auf Eure Reise!‘ Egal ob mehrwöchiger Sommerurlaub, kurzer Städtetrip oder Trekkingtour durch Nepal: Rembrandts Wissensdurst machte alle Ziele möglich. Nach einer Bewerbungsphase warteten insgesamt 7 Reproduktionen des Bildes darauf, in unterschiedliche Ecken auf der Landkarte zu kommen. Die gesamte Aktion wurde den Sommer über unsere sozialen Kanäle per Hashtag #myRembrandt begleitet. Beginnend mit Rembrandts Geburtstag am 15. Juli startete die Aktion und wird zu seinem Todestag am 4. Oktober enden. Um #myRembrandt auch im Stadtbild von München präsent zu machen, wurde vor allem zu Beginn der Aktion auch mit Plakaten um Teilnehmer/innen geworben.“

„Nicht jede virale Idee muss auf den virtuellen Raum beschränkt bleiben.“

Das Ergebnis? Weit mehr als 500 Bilder im begleitenden Storify, über 2.000 Tweets mit dem Hashtag haben circa 2,5 Millionen Menschen über Twitter erreicht. Und: Die Reisestationen können auf einer speziellen Karte jederzeit aktuell verfolgt werden. Nicht nur Jury-Mitglied Klaus Eck hat die Aktion begeistert: „#myRembrandt ist echtes Content-Marketing. Das Museum hat über die Selfie-Kultur und Reisen auf großartige Weise Kunst in den öffentlichen Raum gebracht und damit weltweit erlebbar gemacht.“ Und Frank Zimmer fügt hinzu: „Nicht jede virale Idee muss auf den virtuellen Raum beschränkt bleiben. Bei #myRembrandt fasziniert die Verbindung von Geschichte, Gegenständlichkeit und grenzenloser digitaler Vernetzung. Ein ganz starkes Signal der Pinakotheken und hoffentlich ein Denkanstoß für viele andere Museen.“

Kategorie Persönlichkeit: Zoë Beck

Autorin Zoë Beck. (Foto: © Random House / Victoria Tomaschko)
Autorin Zoë Beck. (Foto: © Random House / Victoria Tomaschko)

Als „Vermittlerin zwischen der klassischen und der digitalen Buchwelt“ wird Autorin Zoë Beck von den Machern des Virenschleuderpreises bezeichnet. Nicht zu unrecht, wie der Text zu ihrer Nominierung von Gina Schad beweist:

„Im Jahr 2014 hat Zoë Beck u.a. den Radio-Bremen-Krimipreis erhalten. Bei diesem Krimipreis handelt es sich um einen der wichtigsten deutschen Krimipreise. Doch auch im Netz kommt man an Zoë Beck nicht vorbei: So arbeitet sie nicht nur als freie Autorin und Übersetzerin. Vor kurzer Zeit hat sie sogar ihren eigenen eBook-Verlag gegründet. Dort publiziert sie zusammen mit Jan Karsten nur literarische Texte, die ihr gefallen. Darüber hinaus bringt sie sich in die unterschiedlichsten Diskussionen des sich wandelnden Buchmarkts aktiv und konstruktiv ein und bereichert diese durch wichtige Gesichtspunkte und durch ihre reflektierte Art. Wenn man ein Beispiel für erfolgreiches Autorenmarketing in Deutschland sucht, fällt einem sofort Zoë Beck ein. Sie schreibt nicht nur Bücher, ist sehr gut vernetzt und schleudert ihre guten Gedanken in die Netzwelt – sie engagiert sich auch darüber hinaus sehr für die Online-Buchbranche: sei es auf Podien, in ihren Online-Artikeln oder in ihrem eigenen eBook-Verlag. Deshalb nominiere ich Zoë Beck, eben weil sie nicht nur eine erfolgreiche Autorin und ein kritischer Geist ist, sondern auch sehr netzaffin und weil sie fast schon so etwas wie eine Vermittlungsposition zwischen der klassischen und der digitalen Buchwelt innehat. Außerdem ist sie auch richtig nett.“

„Wir brauchen mehr Menschen, die ‚digital‘, ‚Buch‘ und ‚Zukunft‘ in einem Satz denken können ohne sich zu verschlucken!“

Die Jury hat sich dem angeschlossen und die 1975 geborene Beck, die als Autorin und Übersetzerin arbeitet und zusammen mit Jan Karsten den eBook-Verlag CulturBooks – Elektrische Bücher leitet, als Persönlichkeit des Jahres ausgezeichnet. Für Markus Gogolin war die Wahl eine logische Konsequenz, „weil sie als Autorin anstatt offene Briefe zu unterschreiben im Netz wirklich diskutiert – oft auch gegen den technophoben Mainstream des Literaturbetriebs“. Und Karla Paul betont: „Zoë ist kreativ in allen Medien und steckt Leser, Verlage und Journalisten damit an – eine digitale Vorreiterin mit großem Schreibtalent!“ Kollegin und Journalistin Lisa Rank geht sogar noch einen Schritt weiter: „An ihr kommt man zum Glück im Social Web nicht mehr vorbei. Wir brauchen mehr Menschen, die ‚digital‘, ‚Buch‘ und ‚Zukunft‘ in einem Satz denken können ohne sich zu verschlucken!“

Virenschleuderpreis 2014

Der Gründer des Virenschleuder-Preises, Leander Wattig. (Foto: © Bücherbüffet)
Der Gründer des Virenschleuder-Preises, Leander Wattig. (Foto: © Bücherbüffet)

Leander Wattig jedenfalls, der den Preis 2011 ins Leben gerufen hat, zeigte sich mehr als zufrieden: „Der Virenschleuder-Preis war auch im vierten Jahr ein großer Erfolg mit 77 Nominierungen auf der Longlist, die im Netz nachzulesen sind und ein sehr gutes Bild davon vermitteln, wo das Marketing in der Publishing-Branche und Kreativwirtschaft aktuell steht.“

Und so wird der Virenschleuderpreis auch 2015 wieder zum festen Programm der Frankfurter Buchmesse gehören und beweisen: Gute Marketing steckt an. Und: Wattig verspricht noch mehr: 2015 nämlich will er international werden: „Dann werde ich gemeinsam mit meinem Kooperationspartner Frankfurter Buchmesse den Preis auf den internationalen Markt ausweiten.“

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