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Geht moderner Zahlungsverkehr auch ohne Banken?

    Geht moderner Zahlungsverkehr auch ohne Banken?
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Eine Vielzahl von Alltagsaufgaben, von der Bargeldversorgung bis zum Kredit, wandert von den Banken zu neuen Diensten direkt auf die Smartphones der Nutzer. Verpassen die Banken hier eine große Chance? Wir haben uns einen aktuelle Vortrag zum Thema Zahlungsverkehr für euch angesehen.

Der Zahlungsmarkt befindet sich seit einiger Zeit im Umbruch, aber es ist eher eine leise und schleichende Änderung, die sich im Stillen langsam aufbaut, keine laute und rasende Revolution. Immer mehr Aufgaben einer „klassischen“ Bank werden von einer Menge neuer Dienste erfüllt, die sich auf einen kleinen Bereich konzentrieren und diesen dann komplett umgestalten möchten. Die Nutzungsanforderungen der Kunden an den heutigen Zahlungsverkehr verlagern sich immer mehr in den mobilen Bereich.

Zumeist handelt es sich deshalb bei den neuen Diensten um Apps für Smartphones, die eine einzelne Aufgabe erledigen: Zum Beispiel lässt sich bei MyTaxi die Bezahlung eines Taxifahrers direkt in der App erledigen: tschüss, Bargeld. Die Tatsache, dass es sich um kleine Anbieter und um ein scheinbar verhältnismäßig geringes Marktvolumen handelt, lässt die Banken anscheinend in einen Dornröschenschlaf verfallen. Diesen Eindruck hinterließ zumindest der Vortrag des Payment-Experten André M. Bajorat, den er Ende Juni auf dem Bankingclub-Kongress „Next Generation Payment“ gehalten hat. Der Bankingclub ist ein Club für Mitarbeiter von Banken, Versicherungen und Finanzdienstleistern. Wir haben für euch nachfolgend einige interessante Highlights aus dem Vortrag zusammengefasst.

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Der Zahlungsverkehr befindet sich im Wandel. ( (Foto: epSos.de / flickr.com, Lizenz: CC-BY) )

Die Alltagsaufgaben der Banken und die dazugehörigen „Konkurrenz-Dienste“

Die klassischen Aufgaben einer Bank aus der Sicht des Konsumenten sind seit eh und je unverändert: Bargeldversorgung, Geld-Transfer, Persönliches Finanzmanagement, Cash-Management und die Gewährung von Krediten. In diesen Bereichen stehen den Banken jeweils schon Konkurrenten gegenüber, die André M. Bajorat wie folgt auflistete:

Bargeldversorgung

Klassisch ist die Bank am Schalter für die Geldausgabe zuständig, mittlerweile übernimmt das an den meisten Stellen der Geldautomat. Aber wie lange noch?

„Anbieter wie myTaxi, Orderbird, Payleven, Papayer, Pocketsunited, Cringle oder Paymy Bargeldbedarf zu reduzieren und machen den ATM und auch die mobile nicht wirklich nutzbare Online-Überweisung bedeutungsloser.“

Andre M. Bajorat, im Gespräch mit t3n | 27. Juni 2013

Mit der App myTaxi kann man nicht nur Taxis bestellen sondern auch gleich bezahlen, Orderbird ist ein Gastronomie-Bestellsystem mit integrierter Zahlungsmöglichkeit, Payleven bringt die Kartenzahlung in kleine Läden, Kiosks und Cafes mittels eines Smartphone-Dongles und Papayer digitalisiert das Taschengeld für Kinder und Jugendliche. Mit Pocketsunited lassen sich gemeinsame Kosten einfach zwischen Freunden aufteilen. Und die Supermärkte Netto und Edeka lassen Kunden mittels einer App auf dem Handy ihren Einkauf bezahlen.

Netto und Edeka bieten eine App mit Zahlungsfunktion (Screen: Valuephone)
Netto und Edeka bieten eine App mit Zahlungsfunktion (Screen: Valuephone)

Geld-Transfer

Die einzige Möglichkeit, über eine Bank Geld zu versenden, ist eine Überweisung. Die aber ist bisher in Deutschland nicht in ein überzeugendes mobiles Konzept eingearbeitet worden, bemängelte Bajorat. Wohingegen Player, die nichts mit dem Bankensektor zu tun haben, bereits entsprechende Konzepte verwirklicht haben oder dabei sind, das zu tun. Mit Square Cash kann in den USA jedermann auf eine x-beliebige Bankkarte (Debitkarte) Geld überweisen, Apple plant eigene Zahlungssysteme und das Google Wallet ermöglicht ebenfalls schon Geld-Transfers. In Deutschland arbeiten Startups wie Paymy oder Cashcloud mit ähnlichen Systemen.

Mit „Cash“ will das Unternehmen Square ein neues, simples Bezahlverfahren etablieren. (Screenshot: square.com/cash)
Mit „Cash“ will das Unternehmen Square ein neues, simples Bezahlverfahren etablieren. (Screenshot: square.com/cash)

Persönliches Finanzmanagement

Dieses Feld wird bereits heute eher nicht von Banken bearbeitet, Verwaltung von Einnahmen und Ausgaben sowie Planung und Sicherung der Liquidität liegen eher bei Softwareanbietern wie Wiso oder Starmoney.

„Und auch im Bereich des Persönlichen Finanzmanagements, was eigentlich eine klassische Aufgabe der Bank sein sollte, tun sich neben den etablierten Playern wie StarMoney und Wiso neue innovative Player hervor. Ansätze wie figo.me oder das US-Beispiel Simple denken Finanzen komplett anders – und zwar aus der User-Perspektive.“

Andre M. Bajorat, im Gespräch mit t3n | 27. Juni 2013

Simple, OutBank 2 und figo (Co-Founder André M. Bajorat) sind Smartphone-Apps, die alle Zahlungsströme gebündelt aus der Sicht des Nutzers darstellen.

Die Mobile-Banking-Applikation figo weiß durch ein schickes Design zu gefallen.
Die Mobile-Banking-Applikation figo weiß durch ein schickes Design zu gefallen. (Screenshot: figo)

Cash-Management

Nicht nur die persönliche sondern auch die geschäftliche Finanzplanung und Geldverarbeitung wird von neuen Dienstenabgebildet: Traxpay ermöglicht unter anderem die komplette Bearbeitung, Verrechnung und Versendung von elektronischen Überweisungen in Echtzeit – Geldeingang erfolgt sofort. Fastbill Automatic automatisiert Zahlungseingänge und Abonnements, Tradeshift ist als soziales Netzwerk für Unternehmen mit dem Austausch von elektonischen Rechnungen und Abrechnungen beschäftigt.

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Fastbill vereinfacht den Zahlungsverkehr. (Bild: Fastbill)

Gewährung von Krediten

Um Kredite zu erhalten, muss man schon seit einiger Zeit nicht mehr zu einer Bank. Konsumenten erhalten ihre Kredite mittlerweile auch von Privat-Personen durch Dienste wie Lendstar, smava oder auxmoney. Auch zur Existenzgründung stehen angehenden Unternehmern Finanzinstrumente außerhalb der Banken zur Verfügung: Bergfürst handelt mit Eigenkapitalbeteiligungen, Seedmatch ist als Crowdfunding-Plattform für deutsche Startups da und Kreddible ermöglicht Online-Händlern Warenkredite.

Über Kredibble sollen Online-Händler eine Einkaufslinie von bis zu € 10.000 für Warenfinanzierungen erhalten können.  (Screenshot: Kredibble)
Über Kredibble sollen Online-Händler eine Einkaufslinie von bis zu € 10.000 für Warenfinanzierungen erhalten können. (Screenshot: Kredibble)

Fazit: Zahlungsverkehr geht auch ohne Bank

Schritt für Schritt übernehmen kleine Dienste viele angestammte Aufgaben der Banken, viele dieser Dienste sind zwar noch nicht im Massenmarkt angekommen, einige aber durchaus. Die Erkenntnis, dass sich der Markt im Wandel befindet und die Banken sich bewegen müssen, erscheint jedoch gesichert. Auch die Zuhörer scheinen an dieser Erkenntnis beteiligt gewesen zu sein:

„Die dunkel gekleidete Zielgruppe im Raum musste an der einen oder anderen Stelle sichtbar schlucken, aber zum Glück konnte ich Tränen in den Augen der Zuhörer vermeiden. Die kurze Antwort auf die gestellte Frage ob ich nun ohne klassische Bank durchs Leben komme ist: Ja, fast. Ein Girokonto brauche ich noch zur Abwicklung.“

Andre M. Bajorat, im Gespräch mit t3n | 27. Juni 2013

Und so sieht André M. Bajorats Alltag ohne Banken aus:

  • Einkaufen nur noch bei Netto und Edeka
  • Taxi nur noch mit Paypal und mytaxi
  • Geldaustausch unter Freunden via paymy oder lendstar
  • Kleidung etc bei Zalando und Amazon
  • Konsumenten-Kredit bei auxmoney und smava
  • Existenzgründung über Seedmatch / Bergfürst oder VC Gelder
  • Taschengeld über papayer
  • Persönliches Finanzmanagement über figo

Andre M. Bajorat, Vortragsfolie aus „Chancen, die Banken verpassen..“ | 26. Juni 2013

Zahlungsverkehr: Wieso die Banken sich von neuen Diensten überrollen lassen

Wenn die Zuhörer-Menge durchweg aus Mitarbeiter aus dem Finanzsektor besteht, lässt sich die Frage direkt an die passende Adresse weitergeben. Eine befriedigende Antwort ist die Branche aber sowohl draussen in der Realität, als auch im Zuhörer-Saal schuldig geblieben:

„Eine befriedigende Antwort auf die Frage warum die Banken nicht selber Antworten auf die geänderten Anforderungen der Nutzer finden, konnte mir aber auch das Auditorium nicht geben. Argumente wie 'Sicherheit' oder 'Regulierung' scheinen mir eher vorgeschoben als der wahre Grund. Mir scheint eher, dass man die veränderten Verhaltensmuster noch nicht wahrhaben will und die aktuellen Ereignisse für eine Art 'Grippe' hält.“

Andre M. Bajorat, im Gespräch mit t3n | 27. Juni 2013

Bajorat empfahl den Banken, Innovationen durch Startup-Programme oder offene Plattformen zu fördern und so frischen Wind in die Ideen-Landschaft des Unternehmens zu bringen. Verlage und Telekommunikationsunternehmen hätten es mit Plug&Play, Hubraum oder dem DeveloperGarden in der Vergangenheit bereits vor gemacht.

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2 Reaktionen
QR-Codes für alle
QR-Codes für alle

Ich will QR-Codes auf Überweisungs-Trägern. Stadtverwaltungen (Knöllchen) und Handwerker könnte man so viel besser bezahlen auch wenn das anscheinend ausser mir keiner macht.

t3n könnte ja mal erzählen wie viele Rechnungen sie versenden weil die Abonnenten keine Lastschrift eingerichtet haben. Sind da QR-Codes drauf ? Na also.

Die Idee ist uralt. Bis heute haben die Banken es ignoriert, Rechnungs-Bezahlung einfach zu machen. Eine URI mit den ÜberweisungsTräger-Daten wäre auch für Schulungs-Anbieter usw. sinnvoll. Da klickt man drauf und das EIGENE Online-Banking (Web-Seite, Wiso, StarMoney, Quicken, ...) geht auf und man füllt noch PIN/TAN aus und die Überweisung geht ab. Ohne Provisions-Kosten !!! Einen Tag nach der Papier-Rechnung (welche man als Privatperson ja oft genug auch über 2 Folge(?)Jahre aufbewahren muss) kriegt man die Email und klickt nur noch drauf und füllt die Daten aus.
Dafür müsste man am Onlinebanking wenig machen.

Die Banken tun (wie Schüler und viele Mit-Studenten) oft nur das nötigste und der Kunde hat kaum Vorteile.
Aber !!! die Sparkassen haben NFC auf die EC-Karten "draufgeklebt". D.h. dort bewegen sie sich "seltsamerweise". Dieses Geschäft scheinen sie nicht verlieren zu wollen.

Und Geldkarte z.b. finde ich gar nicht schlecht. Aber klar. Jetzt mit Barcodes und Handies geht das auch anders. Auch der Handel tut sich nicht hervor. Kann ich Kundenkarten am Handy verwalten ? Nein. Na also.
So Kassensysteme usw. sind krass teuer. Trotzdem wäre schön wenn man bald endlich fotografiert wird wenn man ein Paket abholt oder annimmt. Paket-Diebe und Bestell-Diebe (siehe TV-Dokus jedes Jahr) gibts dann nicht mehr.
Jeder Mitarbeiter-Handy (Android für 60 Euro) ist leistungsfähiger als viele Kassen-Systeme. Da könnte man eine Kassen-App draufmachen. Leider muss man vielleicht tausendseitige Regularien für Kassen-Systeme und Umsatz-Steuer-Relevante Software erfüllen so das kleine Programmierer sowas vielleicht nur in USA an den Mann/Frau kriegen könnten.

Gabs da nicht mal Ärger wegen Banken-Lizenzen und Vorkasse ? Damit ist der Markt für coole Software vielleicht trockengelegt. Fair-Use gibts hier glaube ich nicht.
Kontoauszüge als CSV gibts auch nicht.

Wo Geldautomaten zu teuer sind (4 Euro pro Abhebung) erfüllen Supermärkte die Lücke und ab 20 Euro Einkauf per EC-Karte kann man bis 200 Euro abheben.

Das ich meine Ausgaben automatisch ans Finanzamt übertrage per Klick im Online-Banking sollte auch selbstverständlich sein. Das man MediaMarkt/Saturn-Kassenbons oder auch Aldi-Kassenbons scannen und ans Finanzamt oder Arbeits-Amt (Bewerbungs-Dinge) elektronisch schicken lassen kann, sollte doch auch klar sein.
Das man sich an Kosten-Statistiken beteiligt, sollte auch klar sein. Oft weiss man ja gar nicht, ob die Preise in Ordnung sind oder man abgezockt wird. Transparenz ist der wahre kapitalistische Markt. Keine Nebelbänke, keine Rauchschwaden, keine Dunkel-Räume, keine Seiten-Straßen... .

Dann bleiben auch mehr Finanzprüfer für Bargeld-Geschäfte übrig.

Das man Lastschriften (auch Einmal-Lastschriften für Einzel-Rechnungen) online verwaltet und auch online bestätigen muss, kenne ich auch von keiner Bank. Man kann ja oft genug froh sein wenn das Online-Banking geht und der Geldautomat nicht ausser Betrieb ist. Abos sollte man dort natürlich auch zentral kündigen können und die Banken outen die Anzahl der monatlichen Kündigungen von Dienstleistern oder Zeitschriften oder abgelehnten Abofallen-Lastschrift-Antrags-Versuche.

Das man Geld auf Konten reserviert ("sperrt") wäre auch mal eine Idee für anständige Bezahler wie mich. Dann sieht der Versender bzw. Handwerker das die Kohle da ist. Oder der Vermieter. Für Chinesische Firmen usw. hätte ich gerne, das die Löhne des nächsten Monats (oder der nächsten Woche wenn es wöchentliche Entlohnung gibt) auf einem Konto gesperrt liegen müssen damit die Arbeiter relativ garantiert ihr Geld kriegen. Gleiches wäre für deutsche Firmen auch ganz nett. Wie der Zeitungs-Leser weiss, haben bei Insolvenzen oft genug die Mitarbeiter 3 Monatslöhne nicht bekommen und für die kleinen Gläubiger bleibt dann vermutlich nicht grade viel übrig (3%-4% glaube ich). Vielleicht stellen dann die Krankenkassen Insolvenzantrag für die Firma. In den drei Monaten hätten die Mitarbeiter längst woanders anfangen können.

Es ist uncool, 30-stellige BIC-IBAN-Nummern abtippen zu müssen. Wieso ist Peter Thiel nicht auf die Idee gekommen, Lohnschecks mit dem Handy zu fotografieren um sie einzulösen oder eine virtuelle-Scheck-ausstellungs/erzeugungs-App zu programmieren ? Weil seine Mitarbeiter solche Tätigkeiten erfüllen ? Viele Wirtschaften sind Scheck-Basiert. Aber Überweisungen wie bei Paypal sind dort inzwischen auch bekannt.

Wenn ich Finanzamt eines modernen Landes wäre, würde ich das durchziehen (IT-Studenten gibts genug) und die Umsatzsteuer gleich abziehen. In ich glaube Süd-Korea müssen alle Bürger ich glaube eine bestimmte Windows-Software vom Staat benutzen. Wofür weiss ich nicht, aber es wird wohl was wichtiges sein wie Sozialversicherungs-Nummer, Krankenkasse, Rentenkasse, Finanzamt,... . Sowas wäre also nichts neues.

Diese Ideen sind überwiegend trivial und brauchen weder Steuergelder noch Zilliarden-Investitionen. t3n könnte beginnen und QR-Codes auf die Rechnungen schreiben wenn es noch nicht der Fall ist.

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michael
michael

und sollte jemand gerne bargeld verwenden, kann er das auf eurobilltracker . com verfolgen.

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