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„Geklaute Videos helfen Facebook, sich als Videoplattform zu etablieren“ – YouTuber Manniac im t3n-Interview

    „Geklaute Videos helfen Facebook, sich als Videoplattform zu etablieren“ – YouTuber Manniac im t3n-Interview

Schönt Facebook seine Video-Statistiken? Und tut das Unternehmen wirklich zu wenig gegen Urheberrechtsverletzungen? Wir haben mit dem deutschen YouTuber Manniac über diese Vorwürfe gesprochen.

Mit über 260.000 YouTube-Abonnenten gehört Manniac zu den populärsten deutschen YouTube-Stars. Seine Videos kommen schon mal auf mehrere hunderttausend Abrufe und zeigen liebevoll gezeichnete Cartoon-Animationen. Wir haben uns mit dem Wahlberliner, der seinen echten Namen lieber für sich behält, über die kürzlich laut gewordenen Vorwürfe aus der YouTube-Community gegen Facebook unterhalten: Das soziale Netzwerk soll Copyright-Verletzungen nicht genügend entgegensetzen und mit Freebooting sogar wissentlich seine Video-Statistiken aufpolieren. Außerdem verrät er uns, welche Vor- und Nachteile Videoproduzenten beim Veröffentlichen auf Facebook haben.

YouTuber Manniac hat mit uns über Facebook-Video geplaudert: „Facebook interessiert sich wenig für Urheberrechtsverletzungen!“ (Grafik: YouTube)
YouTuber Manniac hat mit uns über Facebook-Video geplaudert: „Facebook interessiert sich wenig für Urheberrechtsverletzungen!“ (Grafik: YouTube)

t3n.de: Du verzichtest komplett darauf, deine Videos bei Facebook hochzuladen. Nur Teaser, die weiter zu YouTube verlinken, sind zu finden. Warum?

Manniac: Ja, Teaser-Videos sind die nutzbringendste Möglichkeit auf Facebook, die eigenen YouTube-Videos zu bewerben – wenn auch leider die zeitaufwändigste. Videos komplett auf Facebook hochzuladen hat den Nachteil, dass auf dem YouTube-Video die Views fehlen. Externe Views, beispielsweise von Facebook, sind aber sehr wichtig auf YouTube, denn auf der Plattform gibt es kaum noch Viralität. Das heißt: Externe Views bestimmen übermäßig stark, ob ein Video rumgeht oder nicht.

t3n.de: Was müsste Facebook tun, damit du deine Videos komplett hochlädst?

Manniac: In Bezug auf die Videos wäre es natürlich hilfreich, wenn ich mehr Einnahmen mit meinen Stücken auf Facebook erzielen könnte als derzeit auf YouTube. Ich glaube aber, dass die Facebook-Einnahmen bestenfalls mit YouTube vergleichbar sein werden. Vielleicht sogar geringer. Und mir ist es natürlich auch wichtig, dass Videos auch in zwei oder drei Jahren noch gefunden und geguckt werden. Die meisten Videos, die ich mache, sind relativ zeitlos, also sollen sie natürlich auch möglichst lange angeguckt werden. Bei Facebook versenden sie sich allerdings ziemlich schnell.

Zum anderen finde ich aber auch die Strategie von Facebook fragwürdig, das gesamte Internet zu Facebook machen zu wollen. Wir sollten froh sein, dass es gute Alternativen für die Dienste gibt, die Facebook nachschiebt. Diese Dienste sollten wir nutzen, da wir ansonsten in fünf bis zehn Jahren wahrscheinlich viel weniger Auswahlmöglichkeiten im Netz haben werden.

t3n.de: Die YouTuber von „In a Nutshell“ haben Facebook kürzlich vorgeworfen, dass das Unternehmen nicht genügend gegen Copyright-Verletzungen tue. Das Netzwerk soll das sogenannte Freebooting sogar billigend in Kauf nehmen, um die Video-Statistiken zu schönen. Was sagst du zu diesen Vorwürfen?

Manniac: Ich glaube, dass „In a Nutshell“ da Recht hat, und die Situation entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Von Usern hochgeladene und nicht lizensierte Musikvideos und TV-Clips haben YouTube vor zehn Jahren ebenfalls geholfen, populär zu werden. Heute helfen geklaute YouTube-Videos eben Facebook dabei, sich als Videoplattform zu etablieren. Facebook hatte jedoch zehn Jahre Zeit, aus den Rechtsverletzungen auf YouTube zu lernen und weiß deshalb meiner Meinung nach sehr genau, wie man sie verhindern könnte.

t3n.de: Hat YouTube bessere Copyright-Mechanismen als Facebook?

Manniac: Als Content-Creator kann ich beim Hochladen angeben, dass automatisch nach Kopien gesucht werden soll. Ich kann dann bestimmen, ob Kopien gesperrt oder monetarisiert werden sollen. Diese Möglichkeit gibt es bei Facebook meines Wissens nicht. Es ist außerdem einfacher, die eigenen Videos auf YouTube zu durchsuchen als auf Facebook – zum Beispiel nach Stichworten. Auf Facebook ist man darauf angewiesen, dass Zuschauer dich auf Urheberrechtsverletzungen aufmerksam machen.

„Ein Facebook-Video erreicht nach wenigen Tagen die maximale Aufrufzahl.“

Der Prozess ist für den Rechteinhaber insofern viel komplizierter und durch die zeitliche Verzögerung zwischen dem Auffinden der Urheberrechtsverletzungen und der Sperrung ist er auch häufig auch nutzlos: Videos haben auf YouTube eine lange Lebensdauer von mehreren Jahren.

Auf Facebook erreicht ein Video dagegen schon nach wenigen Tagen die maximale Aufrufzahl und verschwindet dann in der Versenkung. Videos werden dort häufig erst gesperrt, wenn der Schaden längst angerichtet ist.

t3n.de: Bist du als YouTube-Künstler schon von Facebook-Freebooting betroffen gewesen?

Manniac: Ja, mein Video „Überwachungsstaat – Was ist das?“ wurde gleich mehrmals von anderen ohne meine Erlaubnis hochgeladen. Eine Seitenbetreiberin war sogar der Meinung, sie hätte meine Erlaubnis gehabt. Sie hatte mich auf Twitter gefragt, ob sie mein Video auf ihrer Facebook-Seite posten dürfe. Ich antwortet natürlich, dass das gar kein Problem sei, denn unter „Posten“ verstehe ich eben, dass jemand einen Link teilt und nicht etwa, dass er mein Video von YouTube runter- und auf Facebook hochlädt.

t3n.de: Was hast du dagegen unternommen?

Manniac: Als ich mein Video anschließend auf der Fun-Seite entdeckt habe, dachte ich schon gar nicht mehr an die Anfrage auf Twitter und ließ es über mein Netzwerk melden und von der Facebook-Seite entfernen. Ebenso übrigens auch bei den anderen Fun-Seiten. Ich erinnere mich noch gut, dass es bei der besagten Seitenbetreiberin einige Stunden dauerte, bis das Video wirklich weg war. Da hatte es aber schon mehr als 10.000 Shares erreicht. Wie viele Video-Views das waren, weiß ich leider nicht.

Nach der Sperrung meldete sie sich dann bei mir. Sie war sich keiner Schuld bewusst und ziemlich sauer auf mich, denn sie glaubte sich im Recht. Die von Facebook verhängte Strafe für sie war ein Takedown, durch den sie drei Tage lang nichts Neues auf ihrer Seite posten konnte.

t3n.de: Hast du das als gerecht empfunden?

Manniac: Naja, ich konnte mich etwas später dann doch noch mit der Seitenbetreiberin einigen und versprach ihr, den Takedown zurückzunehmen, damit sie wieder posten kann. Auf das Zurücknehmen hat Facebook allerdings gar nicht mehr reagiert und die Sperre blieb bis zum Ablauf der drei Tage bestehen. Mir hat das insofern auch gezeigt, dass Facebook sich nicht nur generell wenig für Urheberrechtsverletzungen interessiert, sondern sogar noch viel weniger dafür, dass Nutzer versuchen, dieses Problem bei Bedarf dann doch noch untereinander zu lösen.

t3n.de: „In a Nutshell" behauptet auch, dass Facebook beim Zählen der Video-Views trickst. Hast du da auch Erfahrungen gemacht?

Manniac: Ja, das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen. Ich habe YouTube-Videos, bei denen nach drei Minuten noch 60 bis 70 Prozent der anfänglichen Zuschauer zusehen. Beim gleichen Video schauen auf Facebook schon nach 30 Sekunden nur noch weniger als zehn Prozent zu. Das liegt daran, dass Facebook die Views auch dann zählt, wenn ein Video nur langsam genug durch den Feed gescrollt wird – wenn also eigentlich kein echtes Interesse am Inhalt besteht.

YouTube zählt zwar auch Views schon nach wenigen Sekunden, aber die Zuschauer lassen sich dort wirklich auf den Inhalt ein. Außerdem stellt die Plattform gerade sein Model von „View-basiert“ auf „Watchtime“ um. Es zählt also nicht mehr, wie oft, sondern wie viele Minuten ein Video geguckt wird. Die angeblichen acht Milliarden Views auf Facebook? Ich wette, wenn man das in Watchtime umrechnet, kommt etwas ziemlich Erbärmliches raus.

t3n.de: Glaubst du, dass Facebook bei all der Kritik aus der Community wirklich zum ernsthaften Konkurrenten für YouTube werden kann?

Manniac: Facebook ist doch jetzt schon ein starker Konkurrent für YouTube. Es gibt ehemalige deutsche YouTuber mit Millionenpublikum – wie Alberto und Simon Desue, die auf Facebook viel populärer sind. Alberto hat seine YouTube-Karriere inzwischen sogar ganz beendet. Facebook hat eben auch den Vorteil, dass man da nicht nur auf Video festgelegt ist und andere Medien veröffentlichen kann wie Fotos, Texte und Links. YouTube hat das mit Google+ zwar auch versucht, ist aber gescheitert.

Ich kann mir aber auch vorstellen, dass sich auf Facebook nur eine bestimmte, sehr schnelllebige Art von Video-Content etablieren wird. Content, der typischerweise länger geguckt wird, wird auf anderen Plattformen bleiben. Letztlich wird es aber wohl darauf ankommen, auf welcher Plattform sich die Creator wohl fühlen – und welche es ihnen ermöglicht, von ihrer Arbeit zu leben.

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2 Reaktionen
Johnny
Johnny

Gleich im ersten Satz schon gelogen.

Das wird nicht bei Facebook hochgeladen, weil Facebook Videos nicht monetarisiert. Ergo die Leute bei Youtube Geld verdienen, bei Facebook aber nicht. Punkt.

Alles andere ist doch Gesülze, denn mit seinen 260.00 Abonnenten wird er sich einiges dazuverdienen. Er ist einfach sauer, weil Leute bei Facebook seine Clips verbreiten, er dafür aber nicht bezahlt wird.

Antworten
NataliaFedossenko
NataliaFedossenko

"Als ich mein Video anschließend auf der Fun-Seite entdeckt habe, dachte ich schon gar nicht mehr an die Anfrage auf Twitter und ließ es über mein Netzwerk melden und von der Facebook-Seite entfernen."

An dieser Stelle ist zu sehen, dass Facebook die Plattform YouTube nie ablösen wird und kann. Es fehlen dafür ja komplett die Strukturen. Gerade im Bereich Urheberrecht, Support, Meldefunktion etc. kann Facebook bei weitem nicht mithalten und das muss Facebook auch nicht. Schließlich ist Facebook ein soziales Netzwerk und das sollte es auch bleiben, denn diesen Job machen die wenigstens gut.

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