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German Accelerator: Wie deutsche Startups im Silicon Valley andocken

Erste Anlaufstelle für deutsche Gründer, die den Kontakt in die US-Szene suchen, ist der German Accelerator. Im erklärt Gründer Oliver Hanisch, was das Programm Gründern bietet und warum sich die Bewerbung auf jeden Fall lohnt – auch wenn es am Ende doch nicht nach Kalifornien geht.

German Accelerator: Wie deutsche Startups im Silicon Valley andocken

Oliver Hanisch lebt seit vielen Jahren im Silicon Valley. Als sich die Anfragen deutscher Gründer und Investoren häuften, ob er Kontakte in die Silicon-Valley-Szene herstellen könne, wurde er aktiv und gründete zusammen mit Dirk Kannengiesser und Dietman Harhoff den German Silicon Valley Accelerator. Das Programm unterstützt deutsche dabei, einen Fuß in die US-amerikanische Szene zu bekommen, Erfahrungen zu sammeln und Investoren zu finden.

Drei deutsche Gründer im Silicon Valley: Karsten Wysk (MobileBits), Bernhard Janke (German Accelerator) und Moritz Klussmann (Customer Alliance) im Cubical des German Accelerator.

Seit einem Jahr holt das Trio, dessen Privatinitiative vom BMWI unterstützt wird, nun schon deutsche Gründer ins Valley. Im vergangenen Jahr förderte das Team zehn deutsche Startups, in diesem Jahr sollen es bereits 13 bis 16 sein. Seinen Sitz hat der German Silicon Valley Accelerator im Plag and Play Tech Center [siehe Fotogalerie] in Mountain View, wo Startups aus aller Welt den Kontakt in die US-amerikanische Szene suchen. Im Interview erklärt Hanisch, was das Programm deutschen Gründern bietet, welche Startups in Frage kommen und welche Eigenschaft er deutschen Gründern versucht auszutreiben.

Was genau ermöglicht ihr deutschen Startups mit eurem Programm?

Mit unserem Drei-Monats-Programm wollen wir Startups dabei helfen, die großartigen US-Chancen wahrzunehmen. Es geht dabei um einen ganzen Blumenstrauß an Aspekten wie zum Beispiel Wachstum, Markteintritt, Kundengewinnung, Strategie und Fundraising. Bei Letzterem ist unser Ziel, nicht einfach nur Fundraising zu initiieren, sondern auch erfolgreich abzuschließen. Um diese Ziele zu erreichen, haben wir vor Ort ein Mentoren-Netzwerk. Es bildet den Kern unseres Programms und besteht aus zehn bis zwölf Mentoren sowie zahlreichen Experten.

Drei Monate sind sehr kurz – kann man in dieser Zeit überhaupt etwas erreichen?

Ja, weil wir entsprechend vorarbeiten. Wenn wir ein Startup ausgewählt haben, erstellen wir einen objektiven Plan, was in den drei Monaten erreicht werden kann und bereiten es entsprechend vor. Außerdem haben wir die Möglichkeit, das Programm um weitere drei Monate zu verlängern, wenn ein Startup während der Zeit hier bestimmte Meilensteine erreicht und gute Aussichten auf viele Nutzer oder eine Finanzierung hat.

Der German Silicon Valley Accelerator will Startups dabei helfen, die vielfältigen Möglichkeiten wahrzunehmen, die das Silicon Valley bietet.

Wie gestaltet sich der Bewerbungsprozess?

Die Startups reichen eine Online-Bewerbung ein. Wer in die engere Auswahl kommt, wird zu einem Treffen eingeladen. Zwei mal pro Jahr gibt es eine Veranstaltung, bei der sich 15 ausgewählte Startups präsentieren. Wir erstellen ein Ranking, wie gut die Startups unserer Meinung nach zu uns, dem Programm und ins Valley passen würden, und wählen unsere Favoriten aus.

Legt ihr bei der Auswahl der Startups dieselben Kriterien wie Investoren an?

Da wir im Prinzip auch Investoren sind, weil wir unsere Zeit investieren und für die Startups sämtliche Kosten übernehmen, legen wir tatsächlich ähnliche Kriterien wie Investoren an. Allerdings sind unsere Kriterien etwas weiter gefasst und manchmal setzen wir uns auch darüber hinweg. Auf jeden Fall sollte bereits ein Team vorhanden sein, auch ein Produkt und eine gewisse Traction. Manchmal nehmen wir aber auch dann ein Startup mit auf, wenn diese Kriterien nicht alle erfüllt sind – zum Beispiel weil wir das Gefühl haben, dass der deutsche Markt noch nicht weit genug für eine bestimmte Idee ist, diese aber im Silicon Valley abgehen würde.

Erhalten Startups, die ihr nicht aufgenommen habt, Rückmeldung zu den Gründen?

Das gelingt uns leider nicht bei allen. Aber den Gründern, die hartnäckig sind und nachfragen, teilen wir die Gründe für unsere Entscheidung mit. Oftmals zeigen wir auch auf, an welchen Stellen ein Startup noch nicht so weit ist und ermutigen dazu, sich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu bewerben. Überhaupt können wir häufig auch den Startups weiterhelfen, die wir nicht in unser Programm aufgenommen haben – es lohnt sich also auf jeden Fall, sich zu bewerben. Oft entstehen persönliche Kontakte, die weiterbringen.

Ist das Silicon Valley als Firmenstandort attraktiver als Deutschland?

Nein, das kann man so nicht sagen. Viele Gründer treffen aus rationalen Gründen die Entscheidung, den Hauptsitz in Deutschland zu belassen. Gründe sind zum Beispiel die Verfügbarkeit von Ingenieuren, die Höhe der Gehälter und Technologie. Was man hier im Valley allerdings besser lernt, ist das Vermarkten und Verkaufen des eigenen Produktes. Auch die Themen Wachstum und Anschlussfinanzierung sind in Deutschland schwierig zu realisieren. Während es dort zwar nicht an Seed-Kapital mangelt, ist der zweite Schritt meist erheblich schwerer. Da ist im Silicon Valley einfach mehr Geld vorhanden als in Deutschland.

Wie einfach ist es, im Silicon Valley an eine Anschlussfinanzierung zu kommen?

Längst nicht so einfach, wie sich viele deutsche Gründer vorstellen. Dass das Geld hier grundsätzlich vorhanden ist, heißt nicht, dass man leicht herankommt. Schließlich gibt es Konkurrenz aus der ganzen Welt, man tritt gegen die Besten der Besten in den Wettbewerb. Auch sind wir keine „Introduction Machine“ und präsentieren den Startups die Investoren auf dem Silbertablett – dabei würden wir auch vor den Investoren unsere Glaubwürdigkeit verlieren.

Was ist für deutsche Gründer im Silicon Valley die größte Herausforderung?

Deutsche Gründer kommen oft mit einer sehr kleinen Vision und denken: „Wir sind doch schon erfolgreich!“ Sie sehen meist nicht, dass das nur für Deutschland gilt. Wir arbeiten mit den Startups an ihrer Vision und versuchen sie dahin zu bringen, dass sie groß denken und am Ende eine Finanzierung bekommen, weil sie ein tolles Produkt haben und dieses auch entsprechend vermarkten können.

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Eine Antwort
  1. von Heinz am 20.11.2012 (17:34Uhr)

    Da wir im Prinzip auch Investoren sind, weil wir unsere Zeit investieren und für die Startups sämtliche Kosten übernehmen, legen wir tatsächlich ähnliche Kriterien wie Investoren an.

    Das ist schlicht falsch dargestellt, denn spricht man mal mit Unternehmen, welche am Programm teilgenommen haben, werden nur ein Bruchteil der Kosten uebernommen. Da werde falsche Versprechungen gemacht welche dem Programm und dem BMWI nicht gerecht werden. Das Programm scheint generell etwas 'dünn' zu sein was die angesprochenen Vorteile betrifft.

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