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Von WAP bis LTE: Die Geschichte des mobilen Internets

Von WAP bis LTE: Die Geschichte des mobilen Internets

Hinter uns liegt ein steiniger Weg: der Aufstieg des mobilen Internets. Gastautorin Jennifer Diehl-López führt in ihrem Artikel durch dessen Geschichte, die ersten Techniken und Geräte.

Von WAP bis LTE: Die Geschichte des mobilen Internets

Kaum mehr wegzudenken: Smartphones und mobiles Internet.

Wer hätte es gedacht: Mobiles Internet gibt es in Deutschland tatsächlich erst seit der CeBIT 1999, als das Wireless Application Protocol (WAP) erstmals vorgestellt wurde. Allerdings war die Technologie mit einer Übertragungsrate von 9,6 Kilobits pro Sekunde bei einem Preis von knapp 40 Pfennig pro Minute noch zu langsam und zu teuer, als dass sie sich am Massenmarkt hätte durchsetzen können.

Und dann kam: GPRS

Die Situation verbesserte sich aber schon ein Jahr später mit der Einführung des neuen Standards GPRS (General Pocket Radio Service). Dieser erlaubte eine Übertragung mit immerhin bis zu 55 Kilobit pro Sekunde. Da die Datenübermittlung dabei in Päckchen erfolgte, konnte erstmals auch nach Datenvolumen statt, wie bei WAP üblich, nach Verbindungszeit abgerechnet werden.

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Hohe Kosten für den Netzabbau bremsten die Verbreitung des mobilen Internets.

Aber selbst wenn die Geschwindigkeiten im Vergleich zu heute immer noch sehr bescheiden waren, prognostizierten fast alle Analysten einen baldigen Siegeszug des mobilen Internets. Das erklärt auch, warum die ersten Lizenzen für den Übertragungsstandard der dritten Generation UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) im Sommer 2000 vom Bund für 98,8 Milliarden Deutsche Mark versteigert werden konnten. Die Investitionen für den Netzausbau mussten allerdings ebenfalls von den Mobilfunkanbietern gestemmt werden, woraufhin die Kosten über extrem hohe Verbindungsgebühren auf den Kunden umgelegt wurden. Ein wichtiger Grund, warum sich UMTS in Deutschland nur schleppend etablieren konnte. Erste Probeläufe für Firmenkunden gab es 2003. Für Privatkunden war UMTS sogar erst 2004 verfügbar.

Auch der Übertragungsstandard EDGE (Enhanced Data Rates for GSM Evolution) als Weiterentwicklung von GSM ging in Deutschland relativ spät an den Start. Erst seit Frühjahr 2008 ist die verstärkende Technik als Vorstufe zu UMTS flächendeckend verfügbar. Im Gegensatz dazu konnte beispielsweise Swisscom Mobile schon 2005 flächendeckend EDGE anbieten.

Erneut brachte die CeBIT weitere Neuerungen

Auf der CeBIT 2006 wurde der UMTS-Standard schließlich offiziell um HSDPA und HSUPA erweitert. Damit konnten die Übertragungsraten deutlich gesteigert werden und lagen in etwa auf dem Niveau eines DSL-Anschlusses.

Die nächste Steigerung ließ dann etwas auf sich warten. Aufbauend auf UMTS wurde der LTE-Standard (Long Term Evolution) entwickelt, um dem Bedarf nach höheren Bandbreiten gerecht zu werden. Auch wenn es konkurrierende Technologien wie WiMAX gibt, konnte sich LTE dank der geringeren Umrüstkosten für die Mobilfunkbetreiber durchsetzen. Die ersten kommerziellen LTE-Netze wurden in Stockholm und Oslo in Betrieb genommen und boten eine Downstream-Übertragungsgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde. In Deutschland wurden die Frequenzlizenzen Ende Mai 2010 an die drei größten Anbieter, Telekom, Vodafone und Telefónica Germany (o2), versteigert. Erste Angebote gibt es seit Mitte 2010 in ausgewählten Städten. Mittlerweile ist mehr als die Hälfte des Bundesgebietes mit LTE abgedeckt.

Das Diagramm veranschaulicht den sprunghaften Anstieg der Übertragungsgeschwindigkeiten mit jeder neuen Technikgeneration. Aufgrund der besseren Lesbarkeit sind die Werte in einer logarithmischen Skala eingetragen, bei der die y-Achse um den Faktor 10 anwächst. In einer linearen Darstellung wären die Balken für GPRS, EDGE und UMTS gar nicht sichtbar.
Das Diagramm veranschaulicht den sprunghaften Anstieg der Übertragungsgeschwindigkeiten mit jeder neuen Technikgeneration. Aufgrund der besseren Lesbarkeit sind die Werte in einer logarithmischen Skala eingetragen, bei der die y-Achse um den Faktor 10 anwächst. In einer linearen Darstellung wären die Balken für GPRS, EDGE und UMTS gar nicht sichtbar.

Wie haben sich die Geräte entwickelt?

Als weltweit erstes Smartphone gilt das 1994 vorgestellte IBM Simon als eine Mischung aus Handy und PDA mit Touchscreen-Funktion. Simon fungierte als Handy, Fax, Pager und konnte sogar E-Mails verschicken. Allerdings erlaubte das Display nur Schwarzweiß-Darstellungen. Zudem richtete sich das Gerät mit einem Neupreis von 899 US-Dollar in erster Linie an gut betuchte Business-Kunden. Rund 50.000 IBM Simon wurden letztendlich verkauft.

Marktführer in Sachen Mobilfunk war zu dieser Zeit die finnische Firma Nokia. Sie schuf mit der Communicator-Serie eine Reihe von Handys mit vollwertiger Tastatur und Multitasking-Fähigkeit. Teilweise waren sie sogar WLAN-fähig. Doch auch hier waren der Preis zu hoch und die Verbindungsraten zu gering, als dass ein Verkaufshit hätte daraus entstehen können.

Das gelang erst 2002 BlackBerry, damals noch RIM, mit dem ersten Smartphone. Dieses richtete sich ebenfalls ganz klar an Geschäftsleute, jedoch auch solche in der breiten Masse. Innovativ war unter anderem das eigene Protokoll, das den Datenverkehr speziell komprimierte und somit auch über GPRS schnell übertragungsfähig machte. Die BlackBerrys zeichnen sich außerdem bis zum heutigen Tag durch ihre Sicherheit aus und werden deshalb noch immer von vielen Firmen als Betriebshandys eingesetzt.

Im Februar des folgenden Jahres kam weitere Konkurrenz in Form des „Tungsten W” von PalmOne hinzu. Das PDA mit Telefonfunktion nutzte GPRS und beeindruckte durch seine lange Akkulaufzeit. 16 Megabyte Speicher und ein 33-Megahertz-Prozessor waren für damalige Verhältnisse ebenfalls respektabel, konnten die Dominanz des BlackBerry allerdings nicht brechen.

Erst Microsoft, dann Apple

Auch Microsoft stieg folgend in den Smartphone-Markt ein. Das Windows Mobile getaufte Betriebssystem, das ursprünglich in Pocket-PCs zum Einsatz kam, wurde um Telefonfunktionen erweitert und auf Geräten wie dem HTC XDA installiert. Das Betriebssystem war überaus beliebt, was vor allem an der Ähnlichkeit zu den Desktop-Versionen lag. Bis 2007 konnte Microsoft seinen Marktanteil in den USA auf 42 Prozent ausbauen.

2007 folgte schließlich mit dem Apple iPhone ein wichtiger Wendepunkt in der Smartphone-Geschichte. Denn statt mit Stift oder Keyboard konnte das iPhone durch sein Multitouch-Display erstmals nur über Gesten gesteuert werden. Der damalige Apple-Chef Steve Jobs versprach zur Veröffentlichung: „Heute wird Apple das Telefon neu erfinden!”. Er sollte Recht behalten.

Das iPhone machte aus einem Gebrauchsgegenstand ein Statussymbol und Kultobjekt, das trotz seines hohen Preises vor allem unter Privatanwendern viele Abnehmer fand. In Deutschland war die erste iPhone-Version beispielsweise nur als Sim-Lock-Variante mit einem T-Mobile-Zweijahresvertrag für 399 Euro erhältlich.

Ein knappes Jahr später ging mit dem HTC Dream aus Taiwan das erste Smartphone mit Android-Betriebssystem an den Start. Android wurde ursprünglich von der gleichnamigen kalifornischen Firma entwickelt, die schließlich 2005 von Google aufgekauft wurde. Mit der finanziellen Unterstützung des Megakonzerns und einer Vielzahl von Geräten, die vor allem günstiger waren als das iPhone, konnte Android Marktführer unter den mobilen Betriebssystemen aufsteigen.

Die aktuelle Marktsituation: Wie viele Smartphone-Nutzer gibt es in Deutschland?

In Deutschland begann der echte Smartphone-Boom etwas nach der iPhone-Einführung, das aufgrund seines Neupreises selbst heute noch nicht für jeden erschwinglich ist. Doch spätestens mit der Veröffentlichung von günstigen Android-Geräten verbreiteten sich die Smartphones auch in Deutschland. In der folgenden Grafik ist die Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland von 2009 bis 2013 eingetragen.

Die Grafik zeigt die Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland von 2009 bis 2013. (Quelle: Statista)
Die Grafik zeigt die Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland von 2009 bis 2013. (Quelle: Statista)

Im Oktober 2013 besaß also schon fast die Hälfte der Bundesbürger ein Smartphone. Durch die Flut neuer Anwender sind natürlich auch die Nutzer des mobilen Internets rasant angestiegen.

Das durchschnittliche Datenvolumen der Handynutzer explodiert

Auch das Datenvolumen ist dementsprechend explodiert. War das mobile Internet 2005 noch völlig unbedeutend, wurden 2012 bereits 140 Millionen Gigabyte über Handys und Tablets übertragen.

Ähnlich wie die Anzahl der Smartphone-Nutzer ist auch der mobile Datenverbrauch angestiegen. (Quelle: Bundesnetzagentur/Statista
Ähnlich wie die Anzahl der Smartphone-Nutzer ist auch der mobile Datenverbrauch angestiegen. (Quelle: Bundesnetzagentur/Statista

Der wachsende Datenverkehr ist für die Leistungsfähigkeit der Netze eine Herausforderung und würde diese vollkommen überlasten, wenn die Mobilfunkbetreiber nicht die Übertragungsgeschwindigkeiten nach einem gewissen Volumenverbrauch drosselten, so wie es derzeit noch üblich ist und immer wieder in der Diskussion steht. Gleichzeitig machen diese Datenmengen bereits einen beachtlichen Teil des gesamten Webseiten-Traffics aus, wie in der nächsten Grafik deutlich wird.

Die mobilen Daten machen bereits einen beachtlichen Teil des gesamten Webseiten-Traffics aus.
Die mobilen Daten machen bereits einen beachtlichen Teil des gesamten Webseiten-Traffics aus.

Auf die Mobilfunkbetreiber kommen also auch in den nächsten Jahren jede Menge Investitionen zu, um die Netze stabil zu halten.

Die Preisentwicklung des mobilen Internets

Ein normaler Smartphone-Vertrag setzt sich heute in der Regel aus drei Größen zusammen: Grundgebühr, Datenvolumen und Preis pro zusätzlichem Megabyte. Man muss also jeden Monat eine gewisse Gebühr zahlen und kann dann bis zu einem bestimmten Datenvolumen mit voller Geschwindigkeit im mobilen Internet surfen. Wenn dieses Volumen erreicht ist, bieten die Anbieter mehr Volumen gegen Aufpreis oder drosseln die Bandbreite.

Natürlich haben sich die Tarife durch die steigenden Bandbreiten stark verändert. Kurz nach Veröffentlichung des iPhones kostete beispielsweise bei einzelnen Online-Anbietern 1 Megabyte Datenvolumen per UMTS noch 24 Cent und war damit schon um die Hälfte günstiger als im Jahr zuvor. Andererseits verlangten manche Anbieter auch exorbitante Preise von bis zu 20 Euro pro Megabyte bei Tarifen ohne festes Datenvolumen.

Kurz darauf verbreiteten sich Tages-Flatrates, die den sporadischen Nutzern entgegen kommen sollten und zwischen 2,50 Euro und 5 Euro für einen Tag mobiles Internet kosteten. Heutzutage gibt es von den Mobilfunkbetreibern häufig gleich mehrere Gigabyte inklusive. Die Kosten werden dabei in der Regel pauschal am Monatsende abgebucht und richten sich nach dem Datenvolumen. Im internationalen Vergleich sind die Verbindungskosten in Deutschland recht günstig und werden nur in Singapur und Hong Kong unterboten, wie die folgende Aufstellung zeigt.

Die Grafik zeigt die internationalen Kosten pro Gigabyte Datenverbrauch. Deutschland liegt im günstigeren Bereich. (Quelle: Statista)
Die Grafik zeigt die internationalen Kosten pro Gigabyte Datenverbrauch. Deutschland liegt im günstigeren Bereich. (Quelle: Statista)

Die Gebühren gelten allerdings nur im Inland. Im Ausland fallen Roaming-Gebühren an, die sehr hoch sein können. Selbst in Europa war mobiles Internet im Nachbarland lange Zeit sehr kostenintensiv. 2012 hat die EU dann erstmals eine Obergrenze für mobiles Internet im Ausland festgelegt, die damals bei 70 Cent/ pro Megabyte lag. Seitdem ist die Grenze noch weiter gesunken und liegt derzeit bei 20 Cent pro Megabyte.

Wohin führt uns diese Entwicklung? Wir freuen uns auf euer Feedback in den Kommentaren.

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Eine Antwort
  1. von rolandlatzel am 16.04.2014 (17:49 Uhr)

    Kann mich noch gut an mein erstes Handy erinnern, dass ich wirklich regelmäßig für mobiles Web genutzt habe - ein Nokia 6234. Zwar noch im klassischen Barrenformat, dafür aber schon UMTS-fähig und mit einigen Apps (meistens Java-basiert). Dienste wie Spiegel Online, Wetter.de oder Kino.de und auch Yahoo! habe ich damals schon regelmäßig genutzt. Da wurde man noch wie in Alien angestarrt wenn man SPON auf dem Handy gelesen hat :-)

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