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Globaler E-Commerce: Experten von Forrester, Zalando und Facebook verraten ihre Trends

Globaler E-Commerce: Experten von Forrester, Zalando und Facebook verraten ihre Trends

Immer mehr E-Commerce-Unternehmen internationalisieren ihr Geschäft. Doch welche globalen E-Commerce-Trends gibt es, wo öffnen sich neue Märkte? Wir haben sechs ausgewiesene Experten dazu befragt.

Globaler E-Commerce: Experten von Forrester, Zalando und Facebook verraten ihre Trends

(Grafik: Shutterstock/Oleksii Natykach)

Mobile wird zum primären Kontaktpunkt

Mobiles Shoppen gehört zu den globalen E-Commerce-Trends. (Foto: Shutterstock/MJTH)
Mobiles Shoppen gehört zu den globalen E-Commerce-Trends. (Foto: Shutterstock/MJTH)

Internationalisierung ist eines der Top-Themen der Internet-Branche – steht doch bei vielen deutschen E-Commerce-Unternehmen die Expansion ihrer Geschäfte ins Ausland gerade ganz oben auf der To-do-Liste. Doch bevor an dieser Stelle fundierte Entscheidungen getroffen und Investitionen getätigt werden können, ist es ratsam, den Zielmarkt genau unter die Lupe zu nehmen. Jedes Land hat unterschiedliche Anforderungen, Gepflogenheiten und Trends und wenn du es genau nimmst, unterscheiden sich diese Punkte sogar innerhalb eines Landes.

„Mobile ist keine Technologie sondern ein Konsumenten-Verhalten.“

Wir haben unsere Beziehungen spielen lassen und renommierte Branchenvertreter aus fünf Ländern zu den Trends in ihrem Heimatland befragt. Branchen-Insider von Shopkick und Forrester Research USA, Schweden, Deutschland, web2asia China oder Millésima Frankreich plaudern exklusiv für euch aus dem Nähkästchen.

Unisono einer Meinung sind sich die Experten in der Frage, dass sich die digitale und stationäre Handelslandschaft derzeit im Umbruch befindet. Schuld daran sind Smartphone und Co. und das damit völlig veränderte Kaufverhalten. Kristina Walcker-Mayer von Zalando bringt den globalen Top-Trend der Branche auf den Punkt: „Mobile ist keine Technologie sondern einKonsumenten-Verhalten“, fasst sie die neuen Anforderungen an den der Zukunft zusammen. Angesichts der Tatsache, dass viele Smartphone-Nutzer sich kaum eine Stunde von ihrem Gerät trennen können, ist sie weiter überzeugt, dass Mobile zunehmend zum primären Kontaktpunkt zwischen Einzelhandel und Endkunden werden wird.

E-Commerce-Trends: Die Marktkonsolidierung wird sich weiter fortsetzen

(Screenshot: Amazon)
Wie Amazon werden sich zukünftig noch mehr Online-Player in die Offline-Welt wagen. (Screenshot: Amazon)

Doch es gibt auch die etwas leiseren Trends, die von unseren E-Commerce Experten gesehen werden. Denn auch aus Marketer-Sicht findet gerade ein Wandel statt. So glaubt Stefan Edl von Facebook, dass die Kundenansprache der Zukunft neben mobil auch individuell sein muss. „Der Wirkungsgrad von Werbung kann heute an einzelnen Kontaktpunkten individuell bewertet werden. Nur auf den letzten Klick zu schauen, ist spätestes 2015 nicht mehr zeitgemäß“, ergänzt er.

Asien, die Region, die gerne als globales Role-Model für den E-Commerce der Zukunft hergenommen wird, erlebt gerade die Verschmelzung von Online- und Offline-Handel am Point of Sale. Lac Tran von web2asia begründet das Konsumentenverhalten dort mit dem Wunsch nach mehr Produktsicherheit. Und Peter Thulson von shopkick glaubt an eine wechselseitige Beeinflussung der Online- und Offline-Welt und ist überzeugt, dass sich zukünftig noch mehr Online-Player in die Offline-Welt wagen werden, weil der Nutzen und der Wert des stationären Handels nicht von der Hand zu weisen sei. Ähnlich gelagert ist die Trendprognose von Gerard Spatafora von Millésima SA aus Frankreich. Er setzt auf das Thema Click & Collect und sieht außerdem für seinen Heimatmarkt großes Potenzial für Online-Abonnement-Geschäfte.

Einen eher übergeordneten Trend sieht Sïmon Saneback, E-Commerce- und Cross-Border-Spezialist aus Schweden in weiter anstehenden Firmenzusammenschlüssen und -übernahmen: „Ich glaube, dass sich die schon in 2014 beobachtete Marktkonsolidierung weiter fortsetzen wird.“ Es sei zu erwarten, dass etablierte Großunternehmen weiter gezielt nach mittelständischen Online-Pure-Playern suchen, um sich einen funktionierenden Online-Kanal und das damit verbundene Know-how ins Haus zu holen.

Globale Hot-Spots für den E-Commerce

new york
Die derzeit größten E-Commerce Märkte sind die USA und China. (Foto: © Bastos – Fotolia.com)

„Die Millennials sind jetzt in einem Alter, wo der Bedarf an Wein und Genuss einen höheren Stellenwert bekommt.“

Global gesehen sagen Analysten dem E-Commerce rosige Zeiten voraus und erwarten für den B2C-Sektor ein Umsatzvolumen von 2.489 Milliarden US Dollar bis 2018. Das wäre im Vergleich zu den Schätzungen für 2014 fast eine Verdoppelung der Umsätze. Das meiste Wachstumspotenzial wird dabei Asien und den Ländern im Pazifik-Raum wie Indonesien zugeschrieben. Das sehen auch die Internet-World-Experten so. Jährlich zu beobachtende Zuwachsraten von um die 30 Prozent bestätigen diese Vermutung.

„Die derzeit größten E-Commerce Märkte sind die USA und China“, erklärt Sucharita Mulpuru vom US-Marktforschungsunternehmen Forrester Research. Stefan Edl von Facebook ergänzt: „Überall, wo die Nutzung des mobilen Internets rasant zunimmt, ist auch ein wahnsinniges Wachstumspotenzial für den Online-Handel. Besonders gute Chancen räumt Gerard Spatafora zudem dem Online-Weinmarkt in den USA ein: „Die Bevölkerungsgruppe der Millennials ist jetzt in einem Alter, wo der Bedarf an Wein und Genuss einen höheren Stellenwert bekommt und dieser online am einfachsten gedeckt werden kann.“ Sïmon Saneback erweitert die Weltkarte der interessanten E-Commerce-Länder um die Benelux-Staaten und außerhalb Europas um Indien, Brasilien und die Türkei.

E-Commerce-Trends: Internationalisieriung – kein Fahrplan ins Ungewisse

„Es gibt in Europa viele einzigartige Produkte, die nur dort erhältlich sind und die Amerikaner mit Vergnügen kaufen würden.“

Migrationen, Firmenzusammenschlüsse und strategische Partnerschaften zwischen Unternehmen unterschiedlicher Nationalität bereichern den Markt, führen zu steigenden Innovationen und nicht zuletzt zu mehr Wachstum, Umsatz und einer gefestigten Marktposition. Expansion ins Ausland ist daher für viele Unternehmen ein erstrebenswerter Weg, um das im Inland langsam abflachende Wachstum weiter anzukurbeln. „Nehmen wir nur den US-Markt“, erklärt Sucharita Mulpuru von Forrester. „Es gibt in Europa viele einzigartige Produkte, die nur dort erhältlich sind und die Amerikaner mit Vergnügen kaufen würden. Mit einfachen Mitteln wie einer professionell übersetzten Website, transparenten Versandinformationen inklusive Kosten, einem für USA adaptierten Check-out-Formular, englischem Kundenservice und etwas Werbebudget für die US-Suchmaschinen kann der Schritt über den großen Teich gelingen.“ Doch es gibt auch Gefahren. Unsere E-Commerce-Experten geben wertvolle Tipps, wie der Internationalisierungsplan nicht in der Sackgasse landet:

  1. Identifiziere deine Zielgruppe und freunde dich mit ihr an. Nur so lernst du, wie und wo sie lebt, welche Bedürfnisse sie hat und wie dein Produkt ihr helfen kann.
  2. Betrachte dir deine Konkurrenz genau und studiere wie das Business im Ausland funktioniert.
  3. Beachte, dass es innerhalb eines Landes unter Umständen kulturelle Unterschiede geben kann, die das Konsumentenverhalten und die Reaktion auf dein Produkt verändern.
  4. Suche Mitarbeiter mit doppelter Staatsbürgerschaft, die beide Welten kennen und nutze ihr Wissen.
  5. Biete deinen ausländischen Kunden ein Produkt mit einem klaren USP.
  6. Teste und bewerte deine Maßnahmen so detailliert wie möglich.
  7. Meine es ernst! Wachstum ohne Risiko gibt es nicht.

Übrigens: Für die E-Commerce-Trends des Jahres 2015 haben wir auch schon Experten von Klarna, Shopanbieter.de, pixi oder Shoplupe befragt.

Ihr wollt mehr erfahren? Die E-Commerce-Experten Peter Thulson (shopkick), Sucharita Mulpuru (Forrester Research), Lac Tran (web2asia), Stefan Edl (Facebook), Sïmon Saneback, Kristina Walcker-Mayer (Zalando) und Gerard Spatafora (Millésima) sind Referenten des Internet World Kongresses am 24./25. März 2015 in München, wo sie über E-Commerce-Trends, neue Märkte und mehr sprechen.

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2 Antworten
  1. von Was ist neutral am 07.02.2015 (15:25 Uhr)

    Neutrale Experten oder von Firmen bezahlte Mitarbeiter welche Ihre Strategie als ganz toll und vermutlich börsenkurs-steigernd darstellen ?
    Das Problem wurde auch schon angesprochen als hier ein paar Insidern und Investoren ihre Vorhersagen für 2015 berichtet wurden.

    Die Experten der klassischen Autofirmen sagen den E-Car-Boom ja auch erst für vielleicht in 20 Jahren voraus und wollen vielleicht sogar Subventionen. Die Elektro-Fahrräder hingegen haben wohl gar keine Subventionen bekommen und in 1-2 Jahren auf 10-20 % der Menge und vermutlich 20%-40% des Umsatzes entwickelt.

    Wenn man schon Vorhersagen macht, sollte man sie nach einem Jahr überprüfen und loben oder ächten. Sowas fehlt leider fast immer. Obwohl die Autoren oft gar nicht gewechselt haben und sich eigentlich erinnern sollten.

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  2. von gpunkt am 09.02.2015 (08:51 Uhr)

    @Was ist neutral
    Völlig richtig! Anfang des Jahres werden wir mit den super duper Trends des Jahres überschwemmt und am Ende des Jahres hört man nichts mehr.
    Da basteln sich irgendwelche Mcks etwas zusammen und ob diese ach so tollen Prognosen tatsächlich aufgehen ist in der schnelllebigen Onlinewelt völlig uninteressant. Sollte dann doch mal nachgehakt werden und die Prognose auch noch falsch sein, dann werden diese eh gerade gezogen (falsches Marketing, schlechtes Produkt etc.pp)

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