von , 01.09.2008

Google Chrome: 13 interessante Fakten zum neuen Open-Source-Browser

Mit Google Chrome steigt der Suchmaschinenriese jetzt in den Markt der Browser ein. Laut dem offiziellen Google-Blog soll Chrome heute in mehr als 100 Ländern in einer ersten Betaversion veröffentlicht werden. Natürlich will man vieles besser machen, setzt zugleich aber auch auf Bewährtes. Eine wichtige Rolle bei diesem Projekt spielt Open Source. Wir haben 13 interessante Fakten zu Google Chrome versammelt.
google chromeMit einem 38-seitigen Präsentations-Comic von Zeichner Scott McCloud stellt Google sein neues Projekt vor: Google , einen neuen Wettbewerber im Markt der Webbrowser. Auf Google Blogoscoped gibt es das Comic komplett zu sehen. Bisherige seien auf die aktuelle Nutzung des Internets nicht eingestellt, heißt es da einleitend. Deshalb fange man bei Google ganz von Neuem an. Der Browser soll stabil, schnell und sicher sein.

1. Google Chrome ist Open Source

Der Browser soll "vollständig Open Source" sein. "Wir wollen, dass andere unsere Ideen übernehmen, so wie wir gute Ideen anderer übernommen haben", wird Product Manager Brian Rakowski zitiert.

2. Google Chrome setzt auf die Webkit-Engine

Wie u.a. auch Apples Safari, setzt der Chrome-Browser auf Webkit als Rendering-Engine für Websites. Webkit sei schnell und einfach. Zudem hatte das Android-Team bereits Erfahrungen damit gesammelt: Auch in Googles kommender Smartphone-Plattform kommt Webkit zum Einsatz.

3. Jeder Tab als eigener Prozess

Jeder Tab des Browsers ist ein kleines Programm für sich - so muss man es sich wohl vorstellen. Das hat zwei wichtige Effekte: Es wird erstens nur soviel Arbeitsspeicher verbraucht, wie wirklich benötigt wird. Wird ein Tab geschlossen, gibt er den genutzten Speicher wieder frei. Zweitens stürzt durch ein Problem in einem Tab nicht sofort der gesamte Browser ab.

4. Selbstständige Tabs

Das Design des Browsers dreht sich um die Kartenreiter (Tabs), die am oberen Rand des Browserfensters zu sehen sind und sich beliebig verschieben lassen. Alle ihre Eigenschaften wandern beim Verschieben übrigens mit.

5. Prozess-Manager für Tabs

Das geht soweit, dass es für den Browser einen eigenen Prozess-Manager gibt. Hier kann der Nutzer detailliert sehen, welcher Tab gerade wie viel Speicher belegt und wie viel Prozessorlast erzeugt - und entsprechend reagieren. Hängende Plugins lassen sich darüber einzeln deaktivieren.

6. Getestet in Googles Rechenzentren

Beim Testen des neuen Browsers spielt Google einige seiner Trumpfkarten aus. Zum einen haben sie weite Teile des Internets auf ihren Rechnern gespeichert. Zum anderen wissen sie aus ihren Daten, welche Seiten besonders häufig genutzt werden. So konnten sie die Tests größtenteils automatisiert intern vornehmen und sich dabei zugleich auf einige Millionen Websites konzentrieren, die besonders wichtig sind. Da allerdings nicht alle Abläufe automatisiert getestet werden können, wurde auch manuell geprüft. Das betraf nach Googles eigener Darstellung beispielsweise Login-Vorgänge. Zudem sollte der Browser auch gezielt "missbraucht" werden, um ihn nicht nur auf solche Nutzungsszenarien hin zu testen, die man sowieso vorgesehen hatte.

7. JavaScript läuft in einer Virtual Machine aus Dänemark (und soll extrem schnell sein)

Das "V8-Team" aus Dänemark steuert Technologie zu JavaScript bei. Die Skripte sollen nun beispielsweise nicht mehr jedes Mal aufs neue interpretiert werden. Stattdessen werden sie einmal kompiliert und laufen fortan entsprechend schnell. Gedacht ist dabei vor allem an aufwändige Web-Applikationen wie beispielsweise Google Mail. Auch das Speicher-Management habe man wesentlich verbessert - es soll nun erheblich schneller sein. Siehe dazu beispielsweise ab Seite 15 des Präsentations-Comics. Ganz im Sinne des Open-Source-Gedankens können andere Browser V8 ebenfalls übernehmen.

8. Die allwissende "Omnibox"

Die Adressleiste bei Google Chrome nennen die Entwickler Omnibox, weil sie mehr weiß, als ihre Konkurrentinnen in anderen Browsern. Sie findet nicht nur schon besuchte Adressen, sondern auch andere Informationen und Angebote oder möglicherweise interessante Seiten, die Google ermittelt. Sie soll so gut funktionieren, dass das Abspeichern eines Lesezeichens überflüssig wird. Suchboxen von anderen Seiten wie Amazon merkt sich der Browser lokal und sie stehen dann ebenfalls in der Omnibox zur Verfügung. Alles das soll trotzdem übersichtlich bleiben.

9. Persönliche Startseite

Öffnet man einen neuen Tab, bekommt man eine individuelle Startseite zu sehen, die manche an den Opera Browser erinnern wird. Sie besteht aus den neun am meisten besuchten Websites und den Seiten, auf denen man meistens etwas sucht.

10. "Incognito"-Modus für (fast) spurenloses Surfen

Ähnlich dem "Privaten Surfen" im Safari (oder der "InPrivate"-Funktion beim kommenden Internet Explorer 8) gibt es bei Google Chrome einen Modus, in dem keine Daten der Internetsitzung auf dem Rechner verbleiben. "Incognito" nennt es sich hier. Die Spuren, die man direkt im Internet hinterlässt, bleiben dadurch natürlich trotzdem erhalten. Es kann aber niemand zufällig am Rechner sitzend auf das stoßen, was man sich während eines "Incognito"-Ausflugs angesehen hat.

11. Der Browser im Sandkasten

Um Angriffe über den Browser auf den Computer zu erschweren, laufen alle Prozesse der Tabs in einer Sandbox mit beschränkten Rechten. Dateien können nicht ohne Weiteres von der Festplatte gelesen oder auf sie geschrieben werden. Der Nutzer muss Aktionen selbst auslösen oder erlauben. Das können künftig allerdings Plugins unterwandern, sofern die Autoren nicht entsprechend darauf reagieren.

12. Frei verfügbare API gegen Phishing und Malware

Um den Browser-Nutzer vor Phishing und ähnlichen Betrugsversuchen zu schützen, soll Chrome stets auf eine Liste zurückgreifen, in der entsprechende Websites verzeichnet sind und  entsprechend warnen. Gleiches gilt für Seiten, die Schadprogramme ("Malware") verbreiten. Zu diesen Listen soll es eine frei zugängliche Schnittstelle geben, so dass auch andere darauf zurückgreifen können.

13. Unter der Haube: Gears

Natürlich nutzt Google die Gelegenheit, sein Open-Source-Projekt Gears zu propagieren. Es ermöglicht unter anderem, ohne Netzverbindung mit einer Internet-Applikation zu arbeiten. Die benötigten Daten werden in einem lokalen Cache vorgehalten. Das kann zudem die Prozesse deutlich beschleunigen, wenn sie auf dem Rechner des Nutzers ablaufen, ohne über das Internet mit dem Server kommunizieren zu müssen.

Fazit

Was der Browser wirklich kann, muss er in der Praxis erst beweisen. Was wir bisher wissen, haben wir aus einem Werbeprospekt und sollte entsprechend skeptisch betrachtet werden. Dennoch: Google Chrome ist eine gewichtige Ankündigung - vor allem für Microsoft. Denn Google schlägt sich eindeutig ins Open-Source-Lager, umarmt Projekte wie Mozilla und Webkit und zielt gegen den Internet Explorer. Viele Windows-User benutzen lieber Google als Microsofts Suchmaschine - werden nun noch mehr den Browser wechseln?

Dass Google Open Source unterstützt, wird in dem Werbe-Comic mehrfach und sehr ausführlich betont. Allerdings ist klar, dass es zwei handfeste Gründe für diese Entscheidung gibt: Erstens wäre der Browser als vollkommene Eigenentwicklung in dieser Form wohl gar nicht denkbar. Auch ein Gigant wie Google hat begrenzte Ressourcen und kann froh sein, auf fertige und funktionierende Bauteile wie Webkit zurückgreifen zu können. Zweitens wäre ein proprietärer Google-Browser sicher sofort auf Ablehnung gestoßen. Schließlich könnte Google damit sehr leicht die eigenen Dienste fördern und andere behindern.

Aber auch so bleibt ein Beigeschmack: Wird Googles Griff um das Netz nun noch fester? Ist Chrome der nächste Schritt hin zum Google-Web, der Verwandlung des freien Internets in das Geschäftsfeld einer einzigen Firma? Oder ist Googles Engagement eine Chance für die Open-Source-Gemeinde, nun mit noch stärkeren Kräften gegen Microsoft vorzugehen und die Idee der freien Software voranzutreiben?

Weitere Infos:

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20 Antworten

  1. von David A. 02.09.2008 (09:21Uhr) 1.

    Spooky, spooky, spookey... Bekomme ein komisches Gefühl, wenn ich mir ausmale was noch alles kommt.

  2. von andylenz77 02.09.2008 (09:52Uhr) 2.

    die Europakarte ist aus dem Comic ist auch lustig http://twitpic.com/9ynz wo Dänemark plötzlich liegt und was mit Österreich und der Schweiz passiert ist ;) Ich kann mich David nur anschließen, spooky spooky Googles neue Weltanschauung. via http://twitter.com/jati

  3. von mauimax 02.09.2008 (11:11Uhr) 3.

    Linux und Mac Nutzer werden nachher wohl auf dem schlauch stehen. Google Chrome wird nur Windows in einer Beta Version veröffentlicht. Schmeißt also Eure alten Kisten oder Virtuellen Maschinen an ;)

  4. von andylenz77 02.09.2008 (21:09Uhr) 4.

    und los: http://www.google.com/chrome

  5. von camerondelplata 02.09.2008 (22:01Uhr) 5.

    so ich habe mir den neuen browser von google direkt runtergeladen so das ist jetzt wie weihnachten jetzt beschäftige ich mich erst mal die nächsten tage mit dem neuling mal sehen was da noch kommt oh ich bin so aufgeregt

  6. von Matthias Mauch 02.09.2008 (22:35Uhr) 6.

    Ein kurzes Fazit zu Google Chrome:

    Schnell, unglaublich schnell und gute Unterstützung von Webstandards. Leider sind aber auch einige Kleinigkeiten vorhanden, die Firefox und Safari ab 3.x, für manche Nutzer etwas schlecht gelöst haben. Es wird als default eine fixe Schriftgrößen von 16px verwendet, egal ob eine Webseite mit "em" oder "%" Werten arbeitet. Man erkennt hier deutlich die Gecko- und Webkit Render Engine.

    Schade ist die fehlende Menüleiste. Will man eine Webseite drucken, so geht das nur über das ein Symbol. welches dann ein weiteres Menu aufklappt und dort "Drucken" anbietet.

    Wer Google Chrome mal auf Konformität zu einer Auswahl von Webstandards testen möchte, kann dies auf der Webseite http://www.aadmm.de durchführen.

    Insgesamt ist Google Chrome sehr beindruckend und besticht durch Schnelligkeit und ist für eine Beta-Release schon recht stabil.

  7. von mick_schulze 03.09.2008 (08:35Uhr) 7.

    erstaunlich, dass der Download der Betaversion gleich weltweit auf jeder Google Startseite angeboten wird. Zeugt ja von Überzeugtheit und sollte dann auch stabil laufen oder?

  8. von Patrick Sievens 03.09.2008 (08:38Uhr) 8.

    Wer sich mal den Code ansehen will, der wird hier fündig: http://dev.chromium.org/Home und hat schon jemand das TYPO3 4.2er Backend mit Chrome getestet?

  9. von Robert 03.09.2008 (09:30Uhr) 9.

    Kein Java-Plugin, kein Flash-Plugin, jQuery geht nicht zuverlässig, Lightbox 2 geht nicht, jede Adresseingabe wird mit dem Datenbestand der Googleserver abgeglichen...

    Danke, Google, nicht für mich.

  10. von nelson 03.09.2008 (10:18Uhr) 10.

    @Robert: Sicher kann man bei Chrome Standardbedenken zur "Datenkrake" Google haben.

    Deine Kritik zu den fehlenden Funktionen kann ich nicht nachvollziehen. Bei meinen Tests konnte ich bisher keine Fehler feststellen.

  11. von michael 03.09.2008 (11:04Uhr) 11.

    Ist zwar schön, dass Google Open Source ist im Gegensatz zu Microsoft, aber Google ist inzwischen ne Werbefirma, die es u.a. mit Hilfe von Open Source geschafft hat, dass Web-User sich ihre Emails scannen lassen, Web-Programmierer ihre Statistik von Google auswerten lassen und das was man sucht, von dieser Werbefirma ausgewählt wird. Aber das reicht scheinbar noch nicht, nun werden auch noch Adressen gesammelt. Und das alles nur weil google Open Source ist?!? Da scheint mir das Open-Source-Argument doch ein bisschen lächerlich.
    Die Voratsdatenspeicherung von Herrn Schäuble wurde in Blogs satirisch mit "Stasi 2.0" bezeichnet, während wir jetzt Google beim globalen Datensammeln zujubeln?

  12. von noname 03.09.2008 (12:42Uhr) 12.

    Ohgott ein Browser der auf Javascript basiert, bzw. nur mit Javascript betrieben werden kann. Es gibt also keine Abschaltfunktion dafür.

    Das wird ja mal ne richtige Schadcodeschleuder werden, noch mehr Viren, noch mehr Bootnetze im Internet, womöglich noch von Google selbst kontrolliert.

    Internetbrowser und Javascript ohne Abschaltfunktion und Keiner merkt was.

    Die erste Einstellung die man bei seinem Browser vornehmen sollte, das habe ich gelernt, wenn man halbwegs sicher surfen will, ist Javascript zu deaktivieren.

    Google, das hat auch heute noch Gültigkeit, aber anscheinend, den Lobeshymnen der User nach zu urteilen, weis das wohl keiner und es werden viele Surfer auf diese schon frechdreiste Verarsche von Google reinfallen.

  13. von camerondelplata 03.09.2008 (20:50Uhr) 13.

    Siehst du da kommt das erste problem .You tube funktioniert bei mir nicht immer kommt nur die Meldung We´re sorry this video is no longer available was ist das ? Vieleicht kann ja jemand helfen und erklären wie man das Problem löst

  14. von Jan Tißler 03.09.2008 (20:56Uhr) 14.

    Das heißt nur, dass das Video nicht (mehr) zur Verfügung steht. Die Meldung solltest Du dann mit jedem anderen Browser ebenfalls sehen.

  15. von Rolf 05.09.2008 (12:15Uhr) 15.

    Interessante Personalisierungsmöglichkeiten .B. auf der Startseite, der Browser wird sich wahrscheinlich mittelfristig durchsetzen. Bisher haben sich google-Applikationen i.d.R. als überdruchschnittlich anwenderfreundlich erweisen.

  16. von Rolf 05.09.2008 (12:16Uhr) 16.

    Interessante Personalisierungsmöglichkeiten z.B. auf der Startseite, der Browser wird sich wahrscheinlich mittelfristig durchsetzen. Bisher haben sich google-Applikationen i.d.R. als überdurchschnittlich anwenderfreundlich erweisen.

  17. von michael 05.09.2008 (13:23Uhr) 17.

    Zitat Rolf: "der Browser wird sich wahrscheinlich mittelfristig durchsetzen" -> Das sind nun aber wirklich unhaltbare Spekulationen. Ob sich etwas durchsetzen wird oder nicht, wird die Zeit zeigen. Datenmissbrauch spricht jedenfalls dagegen. Google will zumindest die AGBs bezüglich der Nutzungsrechte inzwischen ändern, nachdem die Bloggerszene sich diesbezüglich ziemlich negativ ausgelassen hat. Aber ich glaub noch nicht, dass Google diesen Markt mal eben erobert. Zweites Argument dagegen sind die Add-Ons bei Firefox.

  18. von Brainsalade 05.09.2008 (18:11Uhr) 18.

    Die Lüge aus dem Comic - und alle schreien "Hurra"!

    Von wegen Open-Source:

    "... Alle drei Bedingungen treffen auf Chrome nicht zu, der Browser ist kein Open Source Projekt, er baut lediglich auf Open Source Projekten auf. Was Google an Open Source-Arbeitet leistet, wird etwa im Projekt "Chromium" zusammengefasst. Aber Chromium ist nicht Chrome, sondern nur die Grundlage der Browser-Software.Der Quell-Code von Chromiumkann vielleicht geladen werden, der Quell-Code von Chrome nicht. ..."

    Zitat aus intern.de: http://www.intern.de/news/neue--meldungen/--200809044363.html

  19. von andylenz77 06.09.2008 (10:48Uhr) 19.

    Chrome nutzen laut Google Analytics auf http://t3n.yeebase.com inzwischen 8% der Besucher und Chrome steht damit schon auf Platz 3 der benutzen Browser.

  20. von Spacefish 01.05.2011 (15:32Uhr) 20.

    Falls ihr Infos zu Chrome 13 sucht schaut bei mir vorbei: http://www.spacefish.biz/blog/2011/04/google-chrome-13/ :)

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