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Google Chrome: Was vom Hype übrig blieb

Vor einer Woche veröffentlichte den eigenen Chrome und bekam dafür sehr viel Aufmerksamkeit. Nach der ersten Begeisterung kam auch viel Kritik auf. Eine kleine Bilanz der Reaktionen.

Google Chrome basiert auf der Rendering-Engine WebKit, die beispielsweise schon in Apples Safari zum Einsatz kommt. Der neuen Browser kann einige Weiterentwicklungen und neue Features aufweisen, die wir hier in unserem ersten Bericht zusammengefasst haben. Andere Features wie beispielsweise Extensions fehlen bislang aber komplett. Und über einige Themen wurde geradezu erbittert diskutiert.

Ist Chrome überhaupt Open Source?

Zunächst schien es so, als habe Google den Quelltext seines Browsers über das "Chromium-Projekt" tatsächlich wie versprochen offengelegt. Einige widersprüchliche Passagen in der Lizenzvereinbarung für den Nutzer, in den "Terms of Service" und den "Terms and Conditions" von Chromium ließen daran Zweifel aufkommen. So wurde schnell festgestellt, dass zwar Chromium unter der BSD-Lizenz steht, aber gleichzeitig die Standard-Passage für Googles Closed-Source-Projekte übernommen wurde. Das hätte bedeutet, dass Google Chrome noch etwas hinzufügen könnte, was in Chromium nicht enthalten ist.

Das allerdings wurde auf Nachfrage von einem Entwickler als Missverständnis bezeichnet. Es gebe keine Unterscheidung. Die unterschiedlichen Namen "Chrome" und "Chromium" beispielsweise dienten lediglich der Differenzierung zwischen der fertigen Software und dem Open-Source-Projekt.

Letzte Sicherheit wird es in dieser Frage wohl erst geben, wenn Entwickler sich den unter Chromium veröffentlichten Quellcode entsprechend genau angesehen haben.

Ist Chrome Googles ultimative Datensammelwaffe?

Die Befürchtung, dass Google seinen Browser zur Datensammlung einsetzt, hat sich ebenfalls schnell verbreitet. Die Diskussion drehte sich bald um die eindeutige Browser-ID, die Chrome vergibt. Sie könnte genutzt werden, um sämtliche Aktionen des Users eindeutig identifizierbar weiterzuleiten. Bei dieser Diskussion wurde aber nur in geringem Umfang registriert, dass auch beliebte Projekte wie Mozillas Firefox dem Browser eine eindeutige ID zuweisen (siehe hier unter "Automated Update Service"). In beiden Fällen zeigt sich, dass die Daten für Updates, Hilfestellungen und vor allem Crash-Reports genutzt werden. Matt Cutts von Google führte ein Interview mit den Entwicklern und gab Einblicke in den Chromium-Quelltext. Selbst Crash-Reports und anonymisierte Statistiken sind demnach standardmäßig abgeschaltet. Zudem stellte Google in seinem offiziellen Blog klar, dass zwar bei der Eingabe in die Adressleiste Daten an Google übermittelt werden, diese Daten aber nicht alle gespeichert werden. Zwei Prozent wähle man zufällig aus und auch diese gespeicherten Daten sollen nun "schnellstmöglichst" anonymisiert werden.

Wem gehören die übermittelten Daten?

In der ersten Version der Nutzungsbedingungen tauchten Formulierungen auf, die Google die Nutzungsrechte an gespeicherten und übermittelten Daten zusichern. Etwas, das bei einem Browser doch durchaus kalte Schauer auslöst. Damit könnten Google beispielsweise alle übermittelten Artikel eines Bloggers frei für die eigene Verwertung zur Verfügung stehen.

Google hat die betroffenen Passagen offenbar versehentlich aus einem anderen Text übernommen. Auf die Kritik hat Google reagiert und inzwischen sind diese Hinweise aus den Bedingungen verschwunden.

Ist Chrome der IE-Killer oder eine Gefahr für Mozillas Firefox?

Eine vieldiskutierte Frage war auch, wem Google Chrome Marktanteile wegnehmen würde. Die einen sahen den neuen Browser als den "IE-Killer" und die anderen befürchteten die Verdrängung von Firefox aus dem Google-Softwarepaket, sobald Chrome weit genug entwickelt ist. Wobei die Nutzer, die jetzt schon mit Chrome unterwegs sind, hauptsächlich diejenigen sein dürften, die bisher Explorer-Alternativen wie Firefox genutzt haben. Dabei muss bedacht werden, dass Chrome noch in einem sehr frühen Beta-Stadium ist und das Entwickler-Team nicht nur an neuen Features feilt, sondern auch an der Erweiterbarkeit des Browsers. Außerdem lässt Google in den nächsten Jahren trotzdem viele Gelder in die Mozilla Foundation fließen.

Fazit

Die Diskussionen um Chrome haben zwar einiges aufgewirbelt und tagelang für teils erbitterte Debatten gesorgt, stellten aber schlussendlich vieles klar, was Google bei der Veröffentlichung möglicherweise übersehen hat.

Inwieweit Chrome eine Wirkung auf den Browsermarkt hat, lässt sich derzeit noch überhaupt nicht abschätzen. Dass aber schon ein bis zwei Prozent der Nutzer weltweit mit dem Browser surfen, ist ein interessantes Phänomen, das aber vornehmlich der guten Marketingstrategie zu verdanken ist.

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5 Antworten
  1. von Marius Roggenbach am 10.09.2008 (18:06 Uhr)

    Ich bin überwältigt von Chrome und genieße das surfen wie nie zuvor. Die ganzen Firefox-Abstürze bin ich leid und im Chrome Taskmager einzelne Porzesse zu konrollieren und einzeln zu beenden macht extrem viel Sinn.

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  2. von Webstandard-Team am 11.09.2008 (14:14 Uhr)

    Bei uns beträgt der Anteil der "Chrome-Besucher", seit Bestehen des Browsers, immerhin 5% und steht damit bereits vor Opera und das nach so kurzer Zeit!

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  3. von andylenz77 am 11.09.2008 (15:00 Uhr)

    bei uns sind es schon über 8,74% http://skitch.com/andylenz/idei/browser-google-analytics

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  4. von Oliver Leitner am 11.09.2008 (16:34 Uhr)

    Um die Beschreibung zu vervollständigen.

    Chrome Basiert nicht nur auf Webkit, sondern auch Teilweise auf Gecko (Mozilla).

    Ausgehend von dieser Basis vermisse ich noch den FF3 Extension Support, es geht nicht darum, den Browser mit Funktionalität zu überladen, es wäre einfach schön, wenn man die Geschwindigkeit von Chrome mit wichtigen Features von FF3 paaren könnte.

    Was ich noch von den Grundfunktionen vermisse ist die "rss" Anzeige in der Locationbar, wenn man eine mit einem RSS Feed verankterte Seite "besucht".

    Zudem ist mir aufgefallen, das Javascript zwar grundsätzlich sauber funktioniert, aber nicht alle Funktionen, die Javascript bietet (thema AJAX).

    Auch ist der Browser zwar recht schnell, aber gerade bei diversen Google Features wie iGoogle dauert es schon ganz schön lange, bis die Seite customized geladen ist.

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  5. von Florian am 12.09.2008 (14:14 Uhr)

    Surfen mit Chrome macht Spass, ohne Frage, die Geschwindigkeit ist merklich höher als beim IE oder Firefox. Aber ganz ehrlich: Das ist es meiner Meinung nach dann auch. Als Fan von maximaler Funktionalität ist mir das Ganze einfach zu schlicht und mager. Nett, aber bleibt abzuwarten was Google letztendlich daraus macht. Potential ist vorhanden.

    Etwas Sorge macht mir das Thema Datensammlung, denn selbst wenn die Entwickler 100x beteuern es gäbe keine berechtigten Bedenken und Matt Cutts die "Do No Evil" Philosophie runterbetet, ein fader Beigeschmack bleibt bei den angeblich nur falsch übernommenen Nutzungsbedingungen...

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