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Gegen Fake-News und Gewalt: So trainiert Google den Suchalgorithmus

(Foto: Shutterstock)

Ein Team von Google-Mitarbeitern bringt der Suchmaschine bei, wie sie Fake-News und menschenverachtende Inhalte erkennen kann. Wir erklären, wie das funktioniert.

Google: So soll die Suchmaschine Fake-News und menschenverachtende Inhalte erkennen

Wer glaubt, die Google-Suche funktioniere völlig automatisch, der irrt: Mehr als 10.000 so genannte „Quality Raters“ aus aller Welt bewerten ständig die Suchergebnisse. Die Bewertungen gehen zwar nicht direkt ins Ranking ein, dienen aber dazu, die Qualitätserkennung der Suchmaschine zu verbessern. Ein derzeit 160-seitiges Regelwerk erklärt den „Quality Raters“, worauf sie bei ihrer Arbeit achten sollen. Neben der Platzierung von Werbung und dem Design der Seiten spielt hier auch eine große Rolle, wie vertrauenswürdig eine Website ist.

„Wir verzichten explizit auf den Begriff ‚Fake-News‘, da er uns zu vage ist“, so Paul Haahr, der zuständige Senior-Engineer bei Google, gegenüber Search Engine Land. „Nachweislich falsche Informationen jedoch wollen wir ins Visier nehmen“, erklärt Haahr die Aufgabe seines Teams. Die neueste Ausgabe des Regelwerks wurde am 14. März 2017 veröffentlicht und beinhaltet erstmals auch die Vorgabe, menschenverachtende und zur Gewalt aufrufende Inhalte gezielt zu markieren.

Google nennt diese Inhalte in den Richtlinien verharmlosend „ärgerlich/anstößig“, meint damit aber unter anderem rassistische oder sexistische Inhalte. Als Beispiel wird im Dokument ein Artikel der Neo-Nazi-Website Stormfront genannt, in dem der Holocaust geleugnet wird. Gleichzeitig erklärt Google den „Quality Raters“ an der Stelle, dass Artikel zu diesem Thema, die sich auf Basis historischer Fakten damit beschäftigen, nicht als „ärgerlich/anstößig“ markiert werden sollen.

Google: Wer sich über den Holocaust informieren will, der soll nicht auf einer Neo-Nazi-Website landen. (Screenshot: Google Search Quality Rating Program)

In dem Regelwerk wird auch die Frage erörtert, welche Ergebnisse Google anzeigen sollte, wenn bereits die Suchanfrage rassistisch oder sonst wie menschenverachtend formuliert wurde. Erfreulicherweise geht der Suchgigant auch in dem Fall davon aus, dass der Suchende inhaltlich korrekte Informationen erhalten möchte. Statt diese Menschen in ihrer Filterblase zu belassen, soll das ideale Ergebnis für ihre Suche daher zum einen inhaltlich richtig sein und zum anderen auch erklären, warum es sich dabei um ein potenziell sensibles Thema handelt.

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Das „Fake-News“-Problem: Google-Mitarbeiter bewerten die Glaubwürdigkeit von Quellen

Spätestens seit dem letzten US-Wahlkampf ist die Verbreitung von „Fake-News“, also erfundenen oder grob falsch dargestellten Nachrichten, ein heftig diskutiertes Thema. Auch wenn Google, wie eingangs erwähnt, den Terminus vermeidet, sind die „Quality Raters“ ein wichtiges Mittel des Konzerns, um der Verbreitung dieser Inhalte entgegenzuwirken.

Dazu sind die „Quality Raters“ angehalten, die Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit von redaktionellen Inhalten in ihre Bewertung miteinzubeziehen. Eine Publikation, die mehrere Pulitzer-Preise gewonnen hat, ist demnach glaubwürdiger als eine völlig unbekannte Website. Aber auch die einzelnen Inhalte werden bewertet. Kann eine Überschrift beispielsweise nicht halten, was sie verspricht, resultiert das in einer niedrigen Bewertung.

Google: Die „Quality Raters“ bewerten auch, wie glaubwürdig eine Quelle ist. (Screenshot: Google Search Quality Rating Program)

Was passiert, wenn „Quality Raters“ eine Webseite bewertet haben?

Wie bereits erwähnt haben die Bewertungen der „Quality Raters“ keinen direkten Einfluss auf das Ranking von Webseiten. Vielmehr sollen die so gesammelten Daten dabei helfen, dass der Suchalgorithmus selbstständig erkennt, welche Seiten menschenverachtende Thesen verbreiten und wann eine journalistische Quelle glaubwürdig ist und wann nicht.

Auch verschwinden problematische Inhalte nicht aus dem Google-Index. Wer beispielsweise gezielt nach einer bestimmten Neo-Nazi-Website sucht, der soll die auch angezeigt bekommen. Wer sich jedoch grundsätzlich über ein Thema informieren will, dem sollten glaubwürdigere Quellen angezeigt werden.

Nach Angaben des SEO-Blogs Search Engine Land hat Google das neue Regelwerk bereits seit Dezember 2016 an ausgewählte „Quality Raters“ ausgegeben. Das soll immerhin dazu geführt haben, dass die Frage danach, ob der Holocaust wirklich stattgefunden hat, statt Verschwörungstheorien jetzt historisch korrekte Fakten liefert. Auch an anderer Stelle erscheinen inhaltlich korrekte Artikel in den Suchergebnissen jetzt vor Texten von Hass-Seiten.

Das Google weiter an den Vorgaben für ihr Bewertungsteam arbeitet, ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Allerdings hat der Konzern noch viel zu tun, denn die „Quality Raters“ gibt es schon seit Jahren, und trotzdem tauchen immer wieder Fehlinformationen in den Suchergebnissen auf. Realistischerweise dürfte sich das auch nie ganz ausschließen lassen. Nutzer sollten daher auch in Zukunft selbstständig hinterfragen, wie vertrauenswürdig eine Quelle ist.

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