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Wieso Google mit Glass alles richtig gemacht hat [Kommentar]

Wieso Google mit Glass alles richtig gemacht hat [Kommentar]

Glass ist nicht gescheitert, das Ende des Explorer-Programms ist keine Niederlage. Jochen G. Fuchs zeigt in seinem Kommentar auf, wieso Google bei Glass bisher alles richtig gemacht hat.

Wieso Google mit Glass alles richtig gemacht hat [Kommentar]

Google hat den Durchblick. (Screenshot: Google)

Das Ende von Google Glass war vorprogrammiert

Die Datenbrille von Google sorgt immer für Kontroversen, so auch zum Ende der Beta-Phase. Die Welt schreibt: „Google Glass: Datenbrille ist gescheitert“. Futurezone bezeichnet das Ende der Beta-Phase von Google Glass als ein „Aus“ und einen schweren Rückschlag. Sinn aber ergibt beides nicht, und deshalb ist auch völlig überflüssig, von einem Scheitern zu sprechen.

Neue technische Details zu Google Glass kann man einem aktuellen Patentantrag entnehmen.
Abbildung von Google Glass aus einem Patentantrag. (Screenshot: Google)

Google Glass durchläuft wie jedes andere Produkt einen Entwicklungszyklus, nur angepasst an die Notwendigkeiten für eine bisher nicht existierende Produktgattung. Das Google-Glass-Explorer-Programm wiederum ist als Beta-Programm ein Teil des Entwicklungszyklus, der vereinfacht dargestellt immer gleich aussieht:

  1. Produktentwicklung
  2. Öffentliche Betaphase mit Feedbackrunde
  3. Zurück ans Reißbrett und Feedback in die nächste Version einbauen
  4. Release Candidate
  5. Endprodukt

Nun dauern Betaphasen manchmal länger als gedacht, doch auch das ist nicht ungewöhnlich. Aber: Jede Betaphase kommt zu einem Ende, das liegt in ihrer Natur. Bei einem Hardwareprodukt wie macht es im Vergleich zu einem Softwareprodukt keinen Sinn, die Betaversion weiter zu vertreiben. Die nächste Version muss neu produziert werden. Deshalb wird die Google-Glass-Beta eingestellt, ganz so, wie es von Anfang an geplant war.

Was Google erreichen wollte: Hype, maximale Aufmerksamkeit und öffentlicher Diskurs

(Foto: Google)
(Foto: Google)

Die New York Times schreibt in einem lesenswerten Artikel, dass bei Glass nichts so gelaufen ist, wie es sollte, und dass Glass niemals mit soviel Aufmerksamkeit hätte starten sollen und dürfen. Das habe, so die Zeitung weiter, dazu geführt, dass bei der Strategie des Glass-Explorer-Programms „der Schuss nach hinten losging“. Doch dieser Schluss ist ein Trugschluss: Das nämlich würde voraussetzen, dass Google so naiv ist zu glauben, dass ein solches Beta-Programm nicht mit einem medialen Paukenschlag begleitet werden muss. Die maximale Aufmerksamkeit durch Exklusivität und das durch künstliche Verknappung geweckte Begehren aber ist kein unerwünschtes Nebenprodukt des Explorer-Programms, sondern ein Ergebnis der Planung. Brin hat das Produkt Google Glass mit voller Absicht mit Pauken und Trompeten eingeführt.

Es ist völlig überflüssig, von einem Scheitern zu sprechen.

Festzustellen ist aber: Das Marketing ist ein Erfolg. Das Produkt ist schon vor der Marktreife ein Gattungsname, bekannt wie ein bunter Hund und umstritten wie die Frage nach dem extraterrestrischem Leben. Und: Ein Wearable diesen Ausmaßes könnte den Alltag so maßgeblich verändern, dass es schlicht nötig ist, einen öffentlichen Diskurs zu starten. Nur um zu sehen, welche Implikationen sich ergeben, welche Einschränkungen und Probleme entstehen. Wie die Gesellschaft auf Glass reagiert. Das Produkt auf Marktreife zu bringen, ist ohne eine breite öffentliche Beteiligung überhaupt nicht möglich.

Google Glass ist jetzt einen Schritt weiter auf dem Weg zur Marktreife, wie immer die Form dieser Marktreife auch aussehen mag. Das Explorer-Programm hat seinen geplanten Beitrag dazu geleistet. Auch wenn das Programm für viele Explorer verständlicherweise enttäuschend war, wie Blogger Sascha Pallenberg in einem Interview erzählt, steht für mich eins fest: Hätte Google das Produkt im Stillen entwickelt und dann auf den Markt geworfen, könnten wir jetzt das Scheitern von Google Glass beobachten.

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5 Antworten
  1. von Jimmi am 11.02.2015 (09:54 Uhr)

    Naja, mir fällt da spontan ein Hersteller ein, der ohne öffentliche Betaphase auskommt. Die machen das immer so und bringen auch immer Produkte raus ohne öffentliche Betaphase. Google kann einfach keine Hardware, nur Suche und Werbung können sie noch besser als alle anderen.

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    • von Florian am 11.02.2015 (10:45 Uhr)

      Meinst du den Hersteller, dessen "Maps"-App so brutalst schlecht war, dass ein Tag nach der Veröffentlichung schon der Shitstorm wütete? Oder dessen Weckfunktion im Smartphone nicht funktionierte nach einer Zeitumstellung? So eine öffentliche Betaphase hat auch Vorteile...

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      • von Marcel am 13.02.2015 (10:57 Uhr)

        Ich würde sogar sagen das eine beta Version immer Vorteile bringt, da der "Kunde" direkt mitreden und evtl. auch Dinge beeinflussen kann. Und die Strategie hat doch auch Apple benutzt bei ihrem OS Yosemite, und jetzt benutzt es Microsoft bei Windows 10, und ich vermute das die es auch bei ihrer neuen Hololense nicht and erst machen werden. Bei Software Produkten ist es üblich eine Betaphase zu machen, also warum nicht auch bei Hardware Dingen, welche es in dieser Form noch gar nicht gibt?

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    • von antilla am 16.02.2015 (13:12 Uhr)

      Ja klar. Nur ist das nicht 1:1 vergleichbar IMHO...

      Ein neues Produkt wie ein iPhone, iPad, ein neues Macbook kann man einfach so rausbringen.
      Aber wie der Autor m.M.n. richtig argumentiert, ist eine solche Produktkategorie wie die Glass nicht so einfach gestrickt.

      Denke nur mal an die Diskussion (Glass=NSA-Tool), Reaktionen (Glass wird verboten), etc.pp.

      Ich finde es gut und richtig, wenn bei so einem Produkt diese Verschwiegenheit fehlt. Ein Nexus wird ja auch erst vorgestellt wenn es fertig ist.
      Und so ganz macht dies Apple ja auch nicht immer. Wie lange wissen wir jetzt schon die Facts über die AppleWatch und wann kann man sie kaufen...

      Neue Produktekategorien brauchen andere Vorgehen!

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      • von antilla am 16.02.2015 (13:16 Uhr)

        P.S: Und man könnte auch argumentieren, dass bei Apple die 1. Version oftmals der Beta-Version entsprechen könnte...

        Schau dir mal die Änderungen vom iPhone zum iPhone3G an, vom iPad zum iPad2, wenn die Watch wirklich so eine schlechte Akkuleifzeit bekommt... Wäre vielleicht ein Beta vorher besser gewesen, für die Early Adopter und Devs und eine vernünftige danach...

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