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Digitale Gesellschaft

Google Glass: Heute so ungewohnt wie Kopfhörer vor 35 Jahren

    Google Glass: Heute so ungewohnt wie Kopfhörer vor 35 Jahren
Träger von Google Glass stechen optisch noch aus der Masse hervor – das wird sich ändern. (Quelle: Google)

Google Glass und ähnliche Wearable Devices in Form einer Brille sorgen momentan überall noch für kritische Blicke. Das wird sich aber bald ändern. Diese These unterstützt ein Blick in die 70er Jahre und auf die Reaktion der Gesellschaft auf die ersten Menschen, die mit Kopfhörer rumliefen.

Google Glass Explorer werden angestarrt, angesprochen oder beschimpft

Wer momentan mit Google Glass oder einem der vielen ähnlichen Wearable Devices in Brillenform rumläuft, der wird häufig komisch angeschaut oder direkt angesprochen (Im Idealfall nur von interessierten Menschen, im schlechtesten Fall von militanten Verfechtern ihrer Privatsphäre). An High-Tech in der Brille hat sich die Gesellschaft noch nicht gewöhnt. Es wirkt futuristisch. Star Trek und Co. haben es uns vorgemacht, und jetzt wird es endlich Realität, das beängstigt einige Menschen.

Viele prophezeien auch, dass sich Google Glass und die gesamte Gerätegattung nicht durchsetzen werden – nur aufgrund der Tatsache, dass Google Glass „lächerlich“ aussieht. Man kann den Kritikern insofern Recht geben, als dass der Anblick von Datenbrillen innerhalb der nächsten fünf Jahren sicherlich noch nicht zum Alltag gehören wird. Zusätzlich werden die Geräte garantiert auch immer kleiner und unauffälliger, und bereits die nächste Version von Google Glass wird ästhetisch bestimmt deutlich anspruchsvoller sein – den ersten Schritt hat Google mit seinen Korrekturbrillen bereits getan.

Träger von Google Glass stechen optisch noch aus der Masse hervor – das wird sich ändern. (Quelle: Google)
Träger von Google Glass stechen optisch noch aus der Masse hervor – das wird sich ändern. (Quelle: Google)

Vorgänger von Wearable Devices: Kopfhörer und Walkman

Um den Kritikern zu begegnen, gibt es eine interessante Analogie, nach der wir uns auch an den Anblick von Glass und Co. schnell gewöhnen werden. Dazu müssen wir nur in die Vergangenheit blicken. Es gab nämlich schon einmal eine Zeit, in der wir anfingen, Technik auf unserem Kopf durch die Straßen zu tragen: Die Erfindung des Walkman.

Kopfhörer gab es bereits seit etwa 1910, aber zunächst waren Kopfhörer eine rein stationäre Erscheinung, da es noch keine mobilen Abspielgeräte gab. Aber dann kam Sony im Jahr 1979 mit dem ersten mobilen Kassettenspieler, dem Walkmen auf dem Markt und auf einmal trugen Menschen in der Öffentlichkeit Kopfhörer auf den Ohren.

headphones vintage
Viele Anti-Google-Glass-Argumente gab es schon vor 35 Jahren zu hören – im Zusammenhang mit dem Walkmen. (Quelle: © Pavel Losevsky - Fotolia.com)

Straßen-Umfrage im Jahr 1981: Kopfhörer sind unausstehlich

Das amerikanische Medienhaus NPR machte damals, im Jahr 1981, eine Radio-Umfrage auf der Straße und wollte wissen, was Leute auf ihrem Walkman hören, beziehungsweise was andere Passanten über die Walkman-Fraktion denken. Und die Antworten sind wenig überraschend. Einen Großteil davon würde man auch heute noch zu hören bekommen, wenn man Menschen nach der öffentlichen Meinung zu Google Glass befragt.

  • Unbekannter #1: „Sie sind unausstehlich.“
  • Unbekannter #2: „Es sieht dumm aus. Manche finden das tatsächlich gut. Wenn man zuhause ist, ist das noch okay.“
  • Unbekannter #3: „Ja, die Leute sehen wirklich lustig aus und auch ein bisschen eingebildet.“
  • Unbekannter #4: „Es ist doch schön, wenn man herumläuft und andere Menschen reden hört und sieht was sie tun. Und damit setzt man sich quasi Scheuklappen auf.“
  • Reporter: „Weißt du, als nächstes sollten sie kleine Filme, so kleine Filme in der Sonnenbrille zeigen, so dass man auch nicht mehr gucken muss.“

via www.onthemedia.org

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5 Reaktionen
Christian
Christian

Der Betrag bringt es auf den Punkt und meine "Vorredner" teilweise ebenfalls.
Fortschritt - egal welcher Art - lässt sich nie aufhalten. Zum Kopfhörer passt auch bestens das Mobiltelefon. Wer kennt noch die GEOSSEN C-Netz Telefone...? Große Knochen bzw. anfängliche Koffer waren es. Dann wurden sie etwas handlicher. In den 90ern liefen meist Geschäftsleute und eine Anzahl sehr Unwichtige Persönlichkeiten mit diesen Geräten rum. Dann kam später die Headset-Generation dazu. Leute sprachen scheinbar mit sich selbst... Bis der Knopf im Ohr sichtbar wurde...
...dann SMS - auch anfänglich nicht ernstgenommen - heute WhatsAppt man (19 Milliarden Wert!!!)
Daher wird die Datenbrille sicher sehr schnell gesellschaftlich "assimiliert" ;-)

Mir macht eher die " digitale Demenz" sorgen! Ja, mit dem Telefonnummern merken fing es an und es wird weiter zunehmen. Warum Personen und Namen sich merken, wenn sie mir beim Anschauen einer Person im Display eingeläutet werden...?!?

Überwachungskameras brauchen auch nicht mehr installiert werden. Das Jetzt und Hier liegt ja eh als Livestream im den Clouds der Welt...

Wer jetzt sagt "Unsinn" ... Schon mal überlegt warum heute die APPs soviel Rechte im Handy brauchen... NetzwerkZugriff, KameraZugriff, DatenZugriff auf die SD-Karte.......
Gibt's doch schon alles! Angst macht es mir nicht, nun müsse der User wissen was er da eigentlich macht und wann er evtl. auch mal den Akku rausnehmen sollte (AUS ist heute auch nicht mehr wirklich Oft(-line)!

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meinereiner
meinereiner

@derautodidakt
Huxley wollte gerade den Kapitalismus kritisieren.
Wells ging es um die Darstellung einer faschistisch dominierten Welt.
Den Kommunismus hatten beide eher weniger im Sinn - im Gegensatz zu Samjatins "Wir"
;)

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Thomas D.

In ein paar Jahren wird die Technik so klein sein, dass man sie nicht mehr sieht und dann sind solche ästhetischen Kriterien eh nicht mehr relevant. Wenn dann noch die richtigen Funktionen mit dazu kommen (Wo muss ich lang, woher kenne ich die Person etc.) wird das zumindest die jüngere Generation nicht mehr missen wollen und dann ist es da.
Wahrscheinlich verblöden wir dann komplett (kann sich heute noch jemand richtig Telefonnr. merken?!?), aber das ist dann halt so.

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derautodidakt
derautodidakt

Ein niedlicher Beitrag als Einstieg zu einer Verharmosungskampagne. Der Fokus wird auf die Ästhetik gerichtet und das eigentlich revolutionäre (sic!) marginalisiert: Möge es keiner bermerken.
Man werde "im schlechtesten Fall von militanten Verfechtern ihrer Privatsphäre" direkt angesprochen, vulgo: angegriffen.
Privatsphäre ist doof, anachronistisch und wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, muss auch nichts befürchten. Willkommen in der schönen neuen Welt.
Denn das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem Kopfhörer und einer "Datenbrille": Habe ich einen Kopfhörer auf, bin ich in meiner Welt.
Trage ich Google Glass (darf man den Begriff eigentlich ohne Jingle, Trademark und Urheberrechthinweis benutzen?) seit ihr in meiner Welt, freilich ohne es zu wissen. Vielleicht sollte man die Aufzeichnungsfunktion mit einer ebenfalls auf dem Kopf zu tragenden roten Rundumleuchte kenntlich machen? Sieht auch Sch... aus.

Das Huxleys und Wells Visionen allerdings nicht unter kommunistischen, sondern unter kapitalistischen Vorzeichen Realität werden ist dabei nur eine kleine, aber feine Nuance im Lauf der Geschichte.

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sebs
sebs

Nach dem Walkman mit den Kassetten, und als die CD ihren Durchbruch hatte, sind die ganzen Kopfhörerträger aber wieder verschwunden und kamen erst wieder mit ihren MP3 Playern und vor allem jetzt mit ihren Smartphones wieder raus.

Die wenigsten haben wirklich einen tragbaren CD Player mit sich rumgeschleppt. Das waren dann eher Erscheinungen in Bus und Bahn, wobei dann doch eher in Zügen, da man dort länger und von der Bewegung her ruhiger fuhr.

Daher sehe ich Google Glass gerade in der "Kassetten-Phase", wobei das Smartphone gerade mit tollen Apps und Techniken, siehe Amazon Follow oder iBeacon, die "CD-Zeit" einläutet. Der Kontext: Ort, Zeit, Gegenstände, Personen wird noch am besten und zufriedenstellend mit dem Handy erfasst. Da kann Google Glas nicht mithalten.

Google müsste also für die nächste Phase ein tolles Produkt haben. Aber wie man Google kennt, bleibt das momentan aus. Das Produkt verschwindet in einem Jahr in irgendeinem Keller und das war es dann.
Die Erkenntnisse, die natürlich gewonnen worden sind, wandert in andere, bereits bestehenden Produkten, wie Smartphones.

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