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Google kauft Motorolas Handysparte: Was bedeutet das für Apple, HTC & Co.?

Sehr überraschend verkündete soeben die Übernahme von Mobility. Mit der Handysparte des Traditionsunternehmens, die sich Google 12,5 Milliarden US-Dollar kosten lassen hat, steigt der Android-Entwickler zum Smartphone-Hersteller auf und kann dem Konkurrenten künftig noch direkter Konkurrenz machen. Man habe trotz des großen Erfolgs von Android immer nach neuen Wegen gesucht, Android weiter nach vorne zu bringen. Mit Motorola Mobility habe man nun einen Weg für einen Quantensprung gefunden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Google kauft Motorolas Handysparte: Was bedeutet das für Apple, HTC & Co.?

Google übernimmt Motorola für 12,5 Mrd. US-Dollar

auf schwarzen Hintergrund Motorola-Logo unten in Schwarz-weiß, Google-Logo oben in den Google Farben
Google & Motorola - was wird nach der Übernahme?

Das ist schon ein Hammer für den Smartphone- und Tabletmarkt. Nachdem sich Google bislang nur mit Referenzmodellen am Markt versuchte, die noch dazu von externen Herstellern gebaut wurden, steigt Google mit der Übernahme von Motorola Mobility mit einem Schlag zum Hardware-Hersteller für Smartphones und Tablets auf. In einem Blogpost im offiziellen Google Blog verkündet Google-CEO Larry Page:

Since its launch in November 2007, Android has not only dramatically increased consumer choice but also improved the entire mobile experience for users. Today, more than 150 million Android devices have been activated worldwide—with over 550,000 devices now lit up every day—through a network of about 39 manufacturers and 231 carriers in 123 countries. Given Android’s phenomenal success, we are always looking for new ways to supercharge the Android ecosystem. That is why I am so excited today to announce that we have agreed to acquire Motorola.

Was heißt das für die Zukunft von Android?

Die ganze Tragweite der Übernahme wird allein dadurch deutlich, dass Page noch in der Übernahmemeldung verkündet, dass Android auch weiterhin eine offene Plattform bleiben solle. Motorola solle für Google ein separat geführtes Unternehmen werden und man wolle bestehende Partnerschaften mit anderen Hardware-Herstellern keinesfalls aufkündigen.

Dennoch stellt sich natürlich die Frage: Was hat Google genau vor? Dass es Vorteile hat, wenn das Betriebssystem und die Hardware aus einer Hand kommen, hat Apple mit der Kombi iOS-iPhone-iPad bewiesen. Und auch Google selbst hat mit dem Nexus schon erste Erfahrungen sammeln können. Die als Referenz für die Fähigkeiten von Android gedachten Geräte kamen am Markt sehr gut an und haben gegenüber der zahlreichen Konkurrenz von Herstellern wie , Samsung, LG oder eben bis jetzt Motorola einen entscheidenden Vorteil: Sie können die neuesten Updates von Android direkt verwenden, ohne dass zunächst arbeitsintensive Anpassungen durch den Hersteller durchgeführt werden müssen.

Das Customizing der Hersteller sorgte zwar für einen regen Zulauf der Hersteller, konnten sie damit die offene Plattform doch nach ihren eigenen Vorstellungen nutzen, doch es entwickelte sich zunehmend zu einer Achillesferse für Android. Wer Pech hatte und sich das falsche Gerät zulegte, musste entweder sehr lange auf die Vorzüge eines Android-Updates warten oder bekam es im schlimmsten Falle gar nicht.

Mit der Übernahme von Motorola Mobility bekommt Google jetzt die Möglichkeit selbst Android-Smartphones auf den Markt zu bringen, die sehr wahrscheinlich neue Updates sofort erhalten. Damit macht Google nicht nur Druck auf alle anderen Hersteller von Android-Smartphones und -Tablets, die ihre Customizing-Strategie überdenken müssen, sondern wird gleichzeitig auch zum direkten Konkurrenten für Apple. Zukünftig wird es dann nicht mehr nur um die Zahl der Android-Geräte insgesamt gehen, sondern auch um den direkten Vergleich der Verkaufszahlen.

Larry Page erklärt in der Übernahmemitteilung zudem, dass die Kombination von Google und Motorola sei auch eine Reaktion auf die Einigkeit von Apple und Microsoft im medienwirksamen Streit um die für Smartphones relevanten Patente. Mit Motorola Mobility habe Google nicht nur einen Hardwarehersteller übernommen, sondern zugleich auch das eigene Patent-Portfolio aufgestockt. Daher sei die Übernahme nicht nur ein Quantensprung für Android, sondern auch für den Wettbewerb. Die Verbraucher könnten sich über ein höheres Innovationstempo, mehr Auswahl und insgesamt eine besseres Nutzer-Erlebnis freuen.

Was haltet ihr von der Meldung, dass Google nun auch zum Hardware-Hersteller aufgestiegen ist? Schwere Zeiten für HTC, Samsung und Co.? Und entwickelt sich jetzt ein direkter Marktkampf zwischen Google und Apple?

Weiterführende Links zur Übernahme von Motorola Mobility durch Google:

Bildnachweis: Foto von titanas auf Flickr. Lizenz: CC BY. Collage von t3n.

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8 Antworten
  1. von Norman am 15.08.2011 (15:47Uhr)

    Ich sehe hier keine Nachteile für die Hardware-Hersteller. Wie man im Artikel bei Engadget zu diesem Deal nachlesen kann, haben sich drei Hersteller erfreut zu diesem Deal geäußert. Es wird positiv aufgenommen dass Google sich um die Verteidigung der Android-Plattform kümmert. Google hat ja selbst gesagt dass sich für die Hersteller nichts ändern wird.

    Wie auf diversen Seiten bekannt gegeben wurde, besitzt Motorola ein Patent-Portfolio von knapp 17.000 Patenten. Zum Vergleich : Nokia besitzt 10.000. Dass dieser Deal eine große Tragweite für Google und Android hat, dürfte spätestens dadurch klar werden.

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  2. von Tim Kraut am 15.08.2011 (15:52Uhr)

    Der Grund, warum es so viele angepasste Benutzeroberflächen für Android gibt, dürfte sein, dass Android von Haus aus einfach nicht entsprechend ausgerüstet ist. Gerade bei einem Touchscreen ist die Benutzeroberfläche eines der wichtigsten Merkmale, immerhin hat man vor allem damit zu tun.

    Hoffentlich sieht Google/Motorola das ein und bringt dementsprechend gut ausgestattete Geräte auf den Markt.

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  3. von René am 15.08.2011 (16:19Uhr)

    @Norman
    Stimmt, die haben sich so doll gefreut, dass sie alle das gleiche sagen: (mehr PR-Bullshit geht nicht)

    “We welcome today’s news, which demonstrates Google’s deep commitment to defending Android, its partners, and the ecosystem.”
    – J.K. Shin
    President, Samsung, Mobile Communications Division

    “I welcome Google‘s commitment to defending Android and its partners.”
    – Bert Nordberg
    President & CEO, Sony Ericsson

    “We welcome the news of today‘s acquisition, which demonstrates that Google is deeply committed to defending Android, its partners, and the entire ecosystem.”
    – Peter Chou
    CEO, HTC Corp.

    “We welcome Google‘s commitment to defending Android and its partners.”
    – Jong-Seok Park, Ph.D
    President & CEO, LG Electronics Mobile Communications Company

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  4. von Norman am 15.08.2011 (16:27Uhr)

    @René : Es dürfte ja klar sein dass Google diesen Deal seinen Partnern vorher bekannt gegeben hat. Ich Bezweifle stark dass Google seine Partner so an die Karre fährt. Schließlich ist es ja auch der großen Anzahl an Hardware-Herstellern zu Verdanken, dass Android so schnell gewachsen ist.

    Welche Alternative hätten die Konkurrenten denn nun? WP7 wäre keine bessere Wahl, da Microsoft auschließlich Nokia großzügige zugeständnisse bei der Anpassung gegeben hat. Die Konkurrenten (HTC, Samsung, ...) haben diese Erlaubnis von Microsoft nicht bekommen. Daher sehe ich die hier mit Android immer noch besser aufgestellt als mit einem anderen System.

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  5. von René am 15.08.2011 (17:24Uhr)

    @Norman

    Google's Geschäftspraktik mag für Durchschnittsuser nach wie vor durch "Don't be evil" verblendet sein. Tatsächlich sind mehr und mehr Unternehmen, auch viele vormalige Partner einfach nur gepisst von Google's dreister "Buy-or-Copy"-Strategie und ja, Google hat in der Vergangenheit diversen Partnern an die Karre gefahren. (siehe http://searchengineland.com/portrait-of-google-as-a-big-scary-expanding-everywhere-copy-monster-88652 oder http://techcrunch.com/2011/08/06/ive-abandoned-my-boy/)

    Was die Alternative betrifft: Samsung hat nicht umsonst Bada eingeführt (keine Frage, kein Vergleich zu Android.)
    Und wer weiss, vielleicht kommt Symbian 2 oder was auch immer durch einen Plattformzusammenschluss von Samsung HTC & LG. Auf jeden Fall ist diesbezüglich dieser Artikel sehr interessant: http://www.businessinsider.com/google-motorola-deal-2011-8

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  6. von stooni2 am 15.08.2011 (17:45Uhr)

    finde ich super, dann gibt es gleichlange Spiesse!

    Google Apple

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  7. von Norman am 15.08.2011 (18:36Uhr)

    @René : na, zum Glück bin ich kein Durchschnittsuser.

    Auch wenn Google nicht so gut ist wie sie immer tun, so bezweifle ich dennoch stark deine Vermutung, dass Google hier den Hardware-Herstellern an die Karre fährt. Den Grund dafür kommt man mit ein bisschen Nachdenken von selbst (ok, der Durchschnittsuser vielleicht nicht) : Google verdient bei Android nicht an der Hardware, sondern primär an der Werbung und zum Teil auch an der Software über den Android Market. Google hat ein Interesse daran, dass Android möglichst weit verbreitet wird. Und das erreicht man mit einer Vielzahl an Geräten. Das ist ja der Grund dafür, dass Android einen größeren Marktanteil als Apple mit dem iPhone hat. Und Google wäre sehr dumm wenn die das aufgeben würden. Daher bin ich mir sehr sicher, dass Google das gute Verhältnis mit den Hardware-Herstellern nicht vernachlässigen wird. Ganz im Gegenteil. Google hilft ja sogar HTC bei der Anklage durch Apple. Und zwar aus dem Grund, weil HTC eben ein wichtiger Partner für Android ist. Ich kann mir auch gut Vorstellen dass Google hier in Zukunft auch öfters den Hardware-Herstellern bei Patentproblemen mit Apple und Microsoft beisteht, schließlich haben die ja etwas davon.

    Zum Vergleich : Apple hingegen verdient neben der Software auch sehr viel an der Hardware, weil Apple die Bauteile durch die große Anzahl an Menge sehr günstig einkaufen kann, und dann auch entsprechend viele Geräte verkaufen kann. Apple ist es wichtig hier eine hohe Qualität zu bieten, und sowieso alles unter Kontrolle zu haben. Daher gibt es hier auch nur Apple als Hersteller. Bei Google ist das anders. Die wollen mit primär Werbung, Software, und auch Büchern, Musik und Filmen verdienen. Daher sind Hardware-Hersteller höchst willkommen und werden sicher nicht vernachlässigt.

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  8. von hanswener am 15.08.2011 (18:59Uhr)

    nun ja aber 12,5 Mrd sind auch kein Pappenstil und 19k Angestellte bei Motorola wollen ja auch bezahlt werden, sprich Google wird also schon zusehen müssen, dass Motorola ihre Smartphones an den Mann bringen kann und das geht nun mal eben nur in direkter Konkurrenz zu HTC, Samsung, LG, SonyEricsson usw und ich weiß echt nicht ob sie davon wirklich so begeistert sind.
    Die Zeit wird's zeigen, ich finde es auf jeden Fall eine interessante Entwicklung. Bin gespannt wie es weiter geht :)

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