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Die Google-Logik: Warum erfolgreiche Projekte eingestampft und fragwürdige am Leben erhalten werden

Für viele sind die Entscheidungen von bisweilen nicht nachzuvollziehen. Warum kauft man den Handyhersteller , stampft aber den ein? Im britischen Guardian geht Michael Mace, Buchautor und Kenner der Branche, der Frage nach Googles ureigener Logik nach.

Die Google-Logik: Warum erfolgreiche Projekte eingestampft und fragwürdige am Leben erhalten werden
Michael Mace schrieb im Guardian über die Google-Logik. (Bild: Michael Mace/Google+)
Michael Mace schreibt im Guardian über die Google-Logik. (Bild: Michael Mace/Google+)

Michael Mace kennt die Technologiebranche. Der Buchautor und CEO des Startups Cera Technology hat unter anderem für Apple, Palm und Silicon Graphics gearbeitet. In einem Artikel, der jetzt auf der Webseite des britischen Guardians erschien, versuchte Mace sich daran, die Google-Logik zu erklären. Denn für viele Nutzer, aber auch für Journalisten und Analysten scheint die Vorgehensweise der Firma nicht immer nachvollziehbar. Während sich nicht wenige Publikationen fragen, warum man ausgerechnet Motorola gekauft hat, wundern sich Nutzer, warum immer wieder Produkte wie der Google Reader eingestellt werden. Für Mace sind das alles Symptome der Google-Logik.

Die Google-Logik wird von der eigenen Kultur bestimmt

Einen wichtigen Punkt zum Verständnis der Entscheidungen des Suchgiganten sieht Mace in der schnelllebigen Realität des Internets. Weil traditionelle Wirtschaftsunternehmen lange Produkt- und Entwicklungszyklen hatten, sei dieser Umstand mittlerweile fest verankert in den Gehirnen der entsprechenden Entscheidungsträger. Laut Michael Mace ist Google einer der ersten Großkonzerne, der nicht mehr in solchen Kategorien denkt. Schnell zu reagieren, sei wichtiger als starre Planung. Als Grund dafür sieht er den Umstand, dass der Konzern von Entwicklern mit Doktortitel statt von traditionellen Managern kontrolliert wird. Diese sprächen eher die Sprache der Wissenschaft als die der Geschäftswelt. Genau darum werden eben auch Projekte wie beispielsweise der Google Reader eingestellt. Man sieht jedes neue Tool als Experiment. Nach einer Weile schaut man, ob man es weiterführen möchte oder nicht. Mace betont, dass andere Firmen die Einstellungen eines Produktes als Eingeständnis zum Versagen ansehen und es mit Begriffen wie „Neuausrichtung“ oder Ähnlichem zu tarnen versuchen. Google hingegen kündigt seinen Frühjahrsputz regelmäßig an – und scheint laut Mace sogar stolz darauf zu sein.

Die Google-Logik: Die Kontrolle bleibt bei den Gründern

Mace bemerkt außerdem, dass die Kontrolle von Google trotz des Umstands, dass es ein börsennotiertes Unternehmen ist, noch immer in den Händen der beiden Gründer Sergey Brin und Larry Page liegt. Die beiden halten über 50 Prozent der Aktien mit Stimmrecht. Solange sie sich nicht überwerfen, könnten sie mit der Firma machen, was sie wollen.

„Indem Sie in Google investieren, schließen Sie eine ungewöhnliche Langzeit-Wette auf das Team ab, im Besonderen auf Sergey und mich.“ Larry Page

Mace glaubt nicht, dass dieser Zeitraum ein Fiskaljahr umfasst. Vielmehr könne damit die gesamte Lebensspanne der beiden Firmengründer gemeint sein. Auch glaubt er, dass die Firma ein klares langfristiges Ziel habe. Ihre Art, einzelne Produkte als Experimente anzusehen, könne Googles kurzfristiges Handeln für Beobachter jedoch unverständlich machen.

Die eigene Logik kann zu Problemen führen

In seinem Artikel erwähnt Mace auch die negativen Seiten von Googles eigener Denke. So führe die schnelle Anpassung an ein sich dauernd veränderndes Internet beispielsweise auch dazu, dass Projekte im Verlauf geändert werden und bisweilen nur noch anderen Produkten hinterherjagen, statt eigene Akzente zu setzen. Sollte das Geschäft mit der Online-Werbung eines Tages nicht mehr so stark wachsen wie bisher und der Konzern sich genötigt fühlen, neue starke Einnahmequellen zu erschließen, könnte es laut Mace unter Umständen problematisch werden. Ob es so kommt, wird die Zukunft zeigen müssen. Derzeit scheint Google mit seiner Philosophie gut zurechtzukommen.

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4 Antworten
  1. von Hans dieter am 09.07.2013 (17:29 Uhr)

    Man muss auch daran denken, welche langfristigen Ziele Google in Hinblick auf google+ plant. Wegen Google Plus wurden auch andere Google Produkte eingestampft.
    Ich denke das auch der Google Reader aus Gründen der Diversifizierung von anderen Google Produkten (Zu denen er dann in einer Art Überschneidung gestanden hätte) das Nachsehen hatte ;)

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  2. von Gudrun am 09.07.2013 (21:41 Uhr)

    Die dachten wohl, ihren Anwendern das neutrale RSS des Readers auszutreiben und sie statt dessen in ihre hangouts, feeds und G+ zu locken. Denn RSS ist ja ein Format, dass wie Email vollkommen frei von proprietären Vorgaben ist. Social Networks Zeug ist das Gegenteil.

    Vergleich: die googlis führen massenhaft Klone von allgegenwärtigen Internettechniken ein, z.B. coffee script zu Java Script. Und wollen damit den verbreiteten allgemeinen Standard Java Script... was... angreifen? Wozu?

    es gibt noch weitere Bsps...

    Ziel? Dominanz im Internet

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  3. von Dominik am 10.07.2013 (00:15 Uhr)

    Ich sehe bei dieser experementierfreudigen Philosophie eher den starken Gegenpunkt, dass sich Google damit bei den jeweiligen Anwendern nicht gerade beliebt macht und es immer schwieriger werden dürfte treue Stammnutzer für die neuen Google Dienste zu begeistern.

    Das nun das Keywordtool eingestellt und der Anwendungsbereich mit dem Keywordplaner für Adwords Kunden geschärft wird hätte ich hingegen sogar schon eher erwartet.

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  4. von Tarulia am 10.07.2013 (08:12 Uhr)

    @Gudrun, erstens wurde CoffeeScript nicht von Google entworfen (auch wenn es vielleicht mittlerweile von ihnen gefördert wird, keine Ahnung). Und zweitens ist CoffeeScript kein JavaScript ersatz oder angriff, sondern ein Precompiler so wie es LESS bzw. SCSS/Sass für CSS sind.
    CoffeeScript hat das Ziel die Entwicklung von JavaScript zu vereinfachen (so wie es eben LESS und SCSS/Sass für CSS tun), aber nicht es zu ersetzen. Bisher ist nach meiner Kenntnis kein Browser in der Lage nativ CoffeeScript auszuführen, es muss vorher in JavaScript kompiliert werden und nimmt bei dieser Kompilierung diverse Performance Verbesserungen vor.

    Und wenn wir gerade bei Internettechniken sind, Google engagiert sich (wie andere Browser Anbieter auch) sehr stark im W3C um die Entwicklung des Webs vorranzubringen. Ich frage mich wo wir heute im Web stünden wenn es Unternehmen wie Opera, Google und Microsoft nicht gäbe bzw. diese sich nicht so im W3C engagieren würden wie sie es heute tun.

    Google mag immer der böse Bruder sein, aber nicht alles was Google tut ist schlecht.

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