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Google+: Warum das Netzwerk selbst schuld an seinem „Geisterstadt“-Image ist

    Google+: Warum das Netzwerk selbst schuld an seinem „Geisterstadt“-Image ist
Google+ eine „Geisterstadt“? (Screenshot: plus.google.com)

Google+ wird sein „Geisterstadt“-Image nicht los. Zwar gibt es treue Nutzer und eine loyale Community, ein gehöriger Teil der Anwender  aber besteht aus Karteileichen und Gelegenheitsnutzern.

Google zwingt Nutzer in sein Soziales Netzwerk

Gleich vorweg: Es gibt sie, die regen Communities, die auf Google+ für Unterhaltung sorgen. Ihr Anteil aber ist, gemessen an der Gesamtnutzerzahl, immer noch vergleichsweise gering. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Google zwingt Nutzer in das Soziale Netzwerk, obwohl einige gar kein Interesse daran haben, sich dort anzumelden. Der Grundstein dafür ist schon im Januar 2012 gelegt worden, als Google entschieden hat, dass Nutzer beim Anlegen eines Google-Accounts automatisch auch ein Google+-Profil und ein Gmail-Konto bekommen. Dahinter stand eine klare Strategie: Die Suche sollte sehr eng mit Google+ verknüpft werden, da der Google-Account noch stärker zur Schaltzentrale für die Personalisierung der Suchergebnisse werden sollte. Wer seitdem beispielsweise Google-Docs oder den Google-Kalender nutzen wollte, kam nicht um das Soziale Netzwerk herum. Der Schritt zur stärkeren Integration aller Dienste in den Google-Account wurde seitdem konsequent weitergeführt.

Vor ein paar Tagen haben die Google-Entwickler eine weitere Maßnahme umgesetzt, die Nutzer in Google+ spülen soll. Die Verantwortlichen haben die Kommentarfunktion auf YouTube grundlegend überarbeitet. Ohne einen Account ist es nicht mehr möglich, Kommentare auf dem Portal zu hinterlassen. Google verfolgt damit grundsätzlich das gleiche Ziel: Eine stärkere Integration aller Services, um noch mehr Informationen für die personalisierte Suche sammeln und verbinden zu können. Davon abgesehen argumentieren die Kalifornier offiziell, das neue Kommentarsystem schaffe mehr Übersichtlichkeit – eine Begründung, die den Nutzern aber entweder nicht aufgeht oder ihnen auf gut Deutsch am Allerwertesten vorbeigeht. Beobachter können das an den aktuellen Reaktionen aus der YouTube-Community ablesen.

Nicht nur einzelne Nutzer ärgern sich über das neue Kommentarsystem und die Zwangsrekrutierung ins Google+-Netzwerk, es handelt sich um eine ganze Nutzerschaft, die sich dieser Tage mehr und mehr Luft verschafft. Kurz nach dem Bekanntwerden haben sich viele Menschen einer Petition angeschlossen, die sich dafür einsetzt, dass Google wieder zur alten Kommentarfunktion zurückkehrt. Schon nach sieben Stunden haben sich 112.000 Unterzeichner gefunden. Aktuell steht die Marke bei rund 180.000, und der Höhenflug dürfte weitergehen. Auch im YouTube-Produktforum finden sich böse Kommentare, doch Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen: YouTube-Mitgründer Jawed Karim hat schon zu Beginn der Integration wenig gute Worte für den Entschluss gefunden – und ganz nebenbei seinen ersten Kommentar auf YouTube verfasst: „Warum zum Teufel brauche ich einen Google+-Account, um ein Video zu kommentieren?“

YouTube Mitgründer Jawed Karim ärgert sich über das Google-Kommentarsystem auf der Videoplattform. (Screenshot: YouTube-Channel Jawed Karim)
YouTube Mitgründer Jawed Karim ärgert sich über das Google-Kommentarsystem auf der Videoplattform. (Screenshot: YouTube)

Google+-Integration + desinteressierte Nutzer = „Geisterstadt“-Image

Soviel zur Strategie und zum Unmut vieler Nutzer. Warum ich das jetzt erklärt habe? Weil die Erklärung notwendig ist, um das „Geisterstadt“-Problem, mit dem Google+ sich von Beginn an konfrontiert sieht, verständlicher zu machen. Google+ vereint um die 540 Millionen Nutzer. Das ist für ein Soziales Netzwerk, das vor kurzem erst sein zweijähriges Jubiläum gefeiert hat, eine ansehnliche Zahl. Doch in Anbetracht der Tatsache, wie Google+ zu dieser Nutzerschaft gekommen ist und angesichts dessen, dass vermutlich viele gar nicht wissen, dass sie einen Account dort haben oder sie gar nicht vorhaben, ihn zu nutzen, liegt der Gedanke nicht fern, dass diese Zahl wenig wert ist. Wie Google im Oktober diesen Jahres bestätigte, waren davon tatsächlich nur 300 Millionen Menschen monatlich im Stream, also auf plus.google.com, unterwegs. Das ist etwas mehr als die Hälfte – wie viele davon täglich aktiv waren, lässt sich anhand der Pressemitteilung nicht sagen.

Zugegeben, im Vergleich zu den Zahlen vom Mai wächst Google, insofern muss man nicht unbedingt von einem „Flop“ sprechen, allerdings besteht das Soziale Netzwerk bis dato zu 45 Prozent aus Karteileichen und wahrscheinlich zum Großteil auch nur aus Gelegenheitsnutzern, die hier und da mal etwas posten – so wie ich. Im Sommer hat Gigya eine schon oft zitierte Studie herausgebracht, die deutlich macht, dass Google+ nur zwei Prozent des gesamten Sharing-Marktes ausmacht. Das ist für ein Soziales Netzwerk, das mit so vielen Nutzern aufwartet und so aggressiv von dem wohl finanzstärksten Internetkonzern auf dem Markt beworben wird, ein kaum erwähnenswerte Größe.

Eine „belebte Stadtmitte“ jedenfalls sieht anders aus, da halte ich es dann doch lieber mit dem Gegenstück der „Geisterstadt“. Schlussendlich ist das Image aber tatsächlich hausgemacht – wie so oft, wenn finanzielle Interessen von Anfang an der treibende Faktor für die Gründung eines Sozialen Netzwerks sind.

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6 Reaktionen
Verärgerter Youtube-Nutzer
Verärgerter Youtube-Nutzer

Dieser Quasi-Zwang ist nur die Spitze des Eisberges. Das neue Kommentarsystem bringt keine Vorteile, im Gegenteil. Zwar wurde die Zeichenbegrenzung von 500 Zeichen aufgehoben, doch dies hätte man auch vorher machen können. Nun hat man das andere Extrem und man kann anscheinend ohne Zeichenbegrenzung posten.
Links und ähnliches sind nun auch möglich.
Der Wortfilter ist zahnlos, da man Kommentare mit solchen Wörtern nur auf Moderation stellen kann, aber nicht von vornherein blockieren.
Andauernd muß ich mich neu bei Google+ anmelden, da ich nun mit zwei verschiedenen Accounts(Youtube und eben Google+) auf einer Seite bin. Bequem geht anders.

Ich bin in keinem sozialen Netzwerk, möchte und brauche das auch nicht. Doch Google zwingt einen dazu, wenn man Youtube sinnvoll verwenden will. Auch wenn ich ein Android-Gerät habe, brauche ich ein Google+-Konto, um Reviews zu schreiben.
Ja, so treibt man die Nutzerzahlen auch in die Höhe.
Ach ja, ich habe übrigens auch mehrere Google+-Konten, aber nicht beabsichtigt. Eines für meine Android-Geräte und nun eben für Youtube.
Das erste nutze ich nur für gelegentliche Reviews und das zweite nun zwangsläufig für Kommentare. Und ein weiteres ist versehentlich erstellt worden, als ich die nervige neue Kommentarfunktion mal ausprobiert habe.
Aktive Nutzung oder Bedarf? Habe ich bei beiden sonst nicht. Nun kann man sich ja ausmalen, wieviele die Seite wirklich freiwillig und aktiv nutzen, wenn man die ganzen inaktiven Nutzer, Mehrfachkonten und Zwangsregistrierten abzieht. Sicher wird man nämlich auch als Aktivität zählen, wenn man sich alle zwei Wochen für ein App-Review im Playstore einloggt.

Selbst wenn ich in ein soziales Netzwerk wollte, wäre Google+ wohl alles andere als meine erste Wahl. Die Navigation ist nämlich ein Krampf und sinnvolle Funktionen und selbst die Einstellungen ziemlich versteckt, sinnloser Krempel dagegen ausladend mit bunten Flächen auf die Seite gepappt, als ob man da die Position ausgewürfelt hat.
Intuitiv geht anders. Während Facebook mittlerweile selbst von Rentnern genutzt wird, wird Google+ dies durch die miese Nutzeroberfläche wohl kaum erreichen.
Schon alleine diese blödsinnigen "Kreise". Es können mich Leute hinzufügen, von denen ich das jedoch nicht wünsche. Ich kann mich auch nicht aus deren Kreisen austragen.
Diese folgen mir also ungewollt.
Google+ ist eine mißlungene Mischung aus Facebook, Tumblr und Flickr, ohne deren Vorteile zu haben. Schlußendlich also sinnlos.

Das ganze Produkt ist ein Totalreinfall, dennoch hält man bei Google starrhalsig daran fest.
Das Video zum neuen Kommentarsystem hat aktuell fast 20x mehr Daumen runter als hoch.
Selbst ein Weltkonzern wie Google kann nicht auf Dauer seine Nutzer ignorieren und so ein sinnloses Produkt promoten, dessen Nutzerakzeptanz nicht steigt, sondern im Gegenteil noch sinkt.

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Marcus

Dazu brauchts wohl nur folgenden Thread aus g+, den ich gerade gelesen habe:

Ich habe drei Gmail-Adressen und Google zwingt mir ja mit jeder Gmail ein Google+ Profil auf. Also soll ich mich dreimal bei Google+ als "xyz" anmelden, ja?

Das sagt wohl alles zum Problem aus, das g+ hat: Wenn jemand mit drei Accounts zwangs-angemeldet wird, darf man sich nicht wundern, das das Netzwerk zwar 540 Mio Nutzer / Accounts hat, aber nur eine kleine Anzahl wirklich das Netzwerk (rege) nutzt!

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Sven

G+ ist lediglich eine nerdbase. Diese Leute werden auch bis zum letzten Atemzug G+ eine sonnige Zukunft prophezeien. Google wird das Netzwerk abschalten, wie viele andere seiner Vorgänger. Erinnert sich noch jemand an Wave?!

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PHofmann
PHofmann

Naja, so intensiv wirbt Google gar nicht mehr für das Netzwerk. Wird sich wohl totlaufen und irgendwann in den nächsten Dienst integriert ...

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eseff
eseff

..sollen ruhig so weiter machen :-)

auch in der virtuellen welt gibt es eine evolution und überlebenskampf, und (zum glück) läßt sich noch nicht alles mit viel geld erzwingen... :-]

(bin auch kein freund von fatzebock, aber goggle-minus ist noch schlimmer..)

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Oink
Oink

Die Beschwerden bei Youtube sind übrigens nicht nur Leute die G+ nicht nutzen wollen. Wie schon angemerkt hat fast jeder ein G+ Account, somit ist das kein Problem. Schwerwiegender sind andere Sachen, die nicht mehr korrekt in YT funktionieren. Das moderieren von Kommentaren z.B., das abonnieren etc. Vieles hat sich geändert, wurde unlogischer ... verwirrt Nutzer und ärgert die Channelbetreiber, denke da wird jetzt einfach nachgebessert und in ein paar Monaten redet keiner mehr drüber, das man ein G+ brauch...

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