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Google Now und die Zukunft der Suche [Kolumne]

Google Now und die Zukunft der Suche [Kolumne]

integriert sich immer stärken in den Alltag seiner Nutzer. Mit wird vieles abgenommen, was lästig erscheint. Das ist gut, birgt aber auch Risiken, meint Kolumnist Björn Tantau.

Google Now und die Zukunft der Suche [Kolumne]
Google Now.

Vor knapp einem Jahr verabschiedete ich mich endgültig von meinem iPhone und stieg auf das Nexus 4 um. Mittlerweile habe ich ein Nexus 5 und wo anfangs einfach nur die Intention darin bestand, weg vom iPhone zu kommen, habe ich mittlerweile nicht nur das Smartphone, sondern auch die großartigen Features schätzen gelernt. Ein Feature davon ist Google Now, von dem ich denke, dass es schon heute andeutet, wie sich die Suche in den kommenden Jahren revolutionär entwickeln wird.

Menschen sind vergesslich

Offizielle Website zu Google Now. (Screenshot: Google Now)
Offizielle Website zu Google Now. (Screenshot: Google Now)

Man kennt das: Auch wenn man sich Dinge merken will und sie sich sogar aufschreibt, vergisst man von Zeit zu Zeit doch etwas. Das ist nicht so problematisch, wenn es sich um Kleinigkeiten handelt. Geht es aber um einen Termin oder andere wichtige Dinge, sieht es anders aus.

Terminkalender, Listen und Funktionen, die uns im Alltag an wichtige Dinge erinnern, sind keine wirkliche Neuigkeit mehr und wer sein Smartphone halbwegs sinnvoll konfiguriert, wird auch rechtzeitig informiert, wenn es etwas Wichtiges zu erledigen gibt. Trotzdem ist Google Now auch hier schon sehr nützlich, obwohl es mit diesen rudimentären Funktionen nur einen Bruchteil seiner erstaunlichen Fähigkeiten entfaltet.

Das Prinzip ist grundsätzlich sehr einfach: Wer zum Beispiel ein Nexus 5 besitzt, seine E-Mails mit Google Mail verschickt und auch den Kalender von Google nutzt, erlebt die automatische Zusammenführung von Daten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort wichtig sind und benötigt wird.

Google Now macht das Leben leichter

Beispiel: Als ich vor einigen Wochen in Köln auf einer Konferenz war, musste ich natürlich anschließend nach Hamburg zurückfliegen. Weil ich Google Mail nutze und meine Bordkarten von der Lufthansa an meine Google Mail-Adresse geschickt wurden, war es für mich so gut wie unmöglich, die mobilen Bordkarten zu verbummeln.

Google Now auf meinem Nexus 5 wusste über die Verbindung zu Google Mail, dass ich ein bestimmtes Element zu einer bestimmten Zeit benötige – nämlich die Bordkarte. Der normale Weg für mich wäre gewesen, dass ich meine E-Mails öffne und nach der Bordkarte suche oder eine gespeicherte Version aufrufe. Beides wäre mit zeitlichem Mehraufwand verbunden.

Google Now allerdings extrahierte die Bordkarte aus der E-Mail, die ich von der Lufthansa bekommen hatte und zeigt sie prominent an – zusätzlich gab es noch einen internen Reminder, mit dem ich sicher sein konnte, die Anzeige der Bordkarte auf keinen Fall zu verpassen. Für mich persönlich ist ein solcher digitaler Assistent, der mir ungefragt Empfehlungen unterbreitet oder Hilfe anbietet, ein ganz klarer Vorteil.

Informationen, wenn man sie braucht

Auch wenn man einen Termin hat, der an einem anderen Ort stattfindet, hilft Google Now, insofern auf den Termin zugegriffen werden kann. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Termin über den Google Kalender eingegeben wurde. Doch die Erinnerung an sich ist noch nicht alles, denn Google Now ermittelt auch ungefragt die Dauer der Reise zu diesem Termin, macht auf Verkehrsprobleme aufmerksam und zeigt eine Karte an.

Das alles funktioniert dank der Kombination verschiedener Google-Dienste, wie eben Kalender, Google Mail oder Maps. Solche Informationen auf Abruf zu bekommen ist eigentlich nicht spektakulär und dennoch ist das der markante Unterschied, den wir bei Google Now beobachten können: Das System denkt für uns mit, es versucht uns mit sinnvollen Vorschlägen zu helfen und springt ein, wenn es ein Problem gibt. Informationen werden nicht einfach abgerufen – sie werden intelligent und zu einer Situationen passend bereitgestellt.

Google Now: Der schnellste Weg zum Ziel. (Screenshot: Google Now)
Google Now: Der schnellste Weg zum Ziel. (Screenshot: Google Now)

So ermittelt Google Now auch ungefragt Alternativen bei Verkehrsproblemen – lange bevor man als Fahrer von diesem Problem weiß. Einen Stau erkennt man oft erst dann, wenn man sein Ende erreicht hat und auch erst dann sucht man in der Regel nach Alternativen. Das ist zwar gut, doch die Lösung von Google Now ist besser, denn man weiß rechtzeitig, dass ein Stau kommen wird und man bekommt rechtzeitig eine Alternative, damit man gar nicht erst Teil des Staus wird.

Die Zukunft der Suche ist Heute

Die Beispiele zeigen schon heute die Zukunft der Suche. Google will nicht länger einfach nur ein ausführendes Organ sein. Keine simple Maschine, die auf eine Anfrage reagiert. Google will aktiver Teil des digitalen Lebens und somit auch des Alltags werden. Google Now ist dafür der Startschuss und zeigt schon heute, was in Zukunft alles möglich sein kann.

Einen Haken hat die Sache: Man muss selbst, zumindest gegenüber Google, in vielen Bereichen zum gläsernen User werden. Nur durch die Preisgabe der eigenen Daten und die Nutzung von Google-Diensten wird das System überhaupt erst möglich. Das Smartphone oder auch das Tablet werden so zum persönlichen Assistenten, der dafür sorgt, dass man nichts mehr vergisst.

Während Leute wie ich solche Entwicklungen begrüßen, werden andere Menschen damit sicherlich Probleme haben. Wie viele Daten sollte man preisgeben? Ist es gut, wenn Google viel über mich weiß? Und was passiert, wenn man sich an Services wie den von Google Now gewöhnt hat? Degeneriert man dann und kann sich nicht mehr selbst helfen, wenn mal der Strom ausgefallen ist?

Risiken und Nebenwirkungen

Ich gebe zu: Die Entwicklung ist nicht ganz unproblematisch. Was heute mit sich selbst aktualisierenden Verkehrsinformationen und dem automatischen Zuschicken von Bordkarten noch harmlos ist und sehr nützlich klingt, kann in Zukunft auch zu extremen Abhängigkeiten führen. So wäre es ohne weiteres denkbar, dass man aufgrund der Informationen von Google Now Entscheidungen trifft, die sich nachträglich nicht als die besseren erweisen.

Um solche Situationen zu vermeiden, muss immer ein Stück gesunder Menschenverstand mit im Spiel sein und genau so, wie man sich nicht blind auf bestimmte Dinge verlassen soll, wie zum Beispiel den Fahrplan der Deutschen Bahn, ist auch bei Google Now etwas Skepsis sinnvoll, wenn man den Dienst als persönlichen Assistenten benutzt. Google Now lässt sich übrigens auch schlicht und ergreifend deaktivieren. Durch das Abschalten ist man dann weniger abhängig.

Grundsätzlich aber eine tolle Erfindung, die eines ganz klar bietet: Mehrwert. Google Now sorgt dafür, dass das eigene Leben einfacher wird und man sich weniger um lästige Dinge kümmern muss. In diesem Zusammenhang ist übrigens auch das selbstfahrende Auto von Google zu nennen. Es geht nicht darum, den Menschen das Recht zum Autofahren abzuerkennen, sondern es geht darum, das Leben zu erleichtern und Zeit zu sparen. Wenn ich nicht mehr selbst fahren muss – wofür kann ich gewonnene Zeit dann nutzen? Hier tun sich in Zukunft ganz neue Möglichkeiten auf.

Google merkt sich alles

Was das Kerngeschäft von Google angeht, die Suche, ist Google Now auch hier in Zukunft ein wichtiger Faktor, denn Google merkt sich natürlich, wonach wir suchen, worauf wir klicken, was wir mit +1 auf Google+ auszeichnen und was wir links liegen lassen. Aus allen gesammelten Daten können proaktive Antworten geschnürt werden, die uns im Falle eines Falles weiterhelfen.

Kennt Google zum Beispiel meine Vorliebe für persisches Essen, kann Google Now mir auch sofort ein passendes Restaurant empfehlen, wenn ich mal auf Reisen in Berlin bin. Hat Google dann durch die eigenen Datenbanken auch noch Zugriff auf die Speisekarte des Restaurants (über die Website), kann Google Now mir auch gleich schon vorschlagen, was ich zu welchem Preis essen könnte.

Der Wandel von der Such- zur Antwortmaschine hat für Google mit Google Now bereits begonnen. Spannende Sachen wie der Knowledge Graph werden in Zukunft dafür sorgen, dass Google auch schon dann informiert, wenn man die Anfrage noch gar nicht gestellt hat. Und genau darum geht es: Die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer herauszufinden, noch bevor sie artikuliert werden. Denn auch die Suche nach der schnellsten Verkehrsverbindung ist ein Bedürfnis, dass gestillt werden will.

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7 Antworten
  1. von ablank1904 am 27.11.2013 (14:56 Uhr)

    Super nett und einfach geschrieben.Ich nutze inzwischen auch google now und schätze die Informationen zu Zielen-samt den Erinnerungen....

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  2. von Heiko am 27.11.2013 (18:44 Uhr)

    Nette Kolumne, die für mich fast schon wie aus einer internen Herstellerinfo abgeschrieben wirkt.... oder von einem ganz echten Googlefan.
    Aber ehrlich gesagt wirkt es auf mich so wie wenn das ein Unternehmensvertreter anstelle eines Journalsten verfasst hätte.

    Ok, ich geb's zu, ich bin Ixquick-Nutzer...

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  3. von Suche und Zukunft am 27.11.2013 (21:39 Uhr)

    Die Individualisierung funktioniert bisher oft nicht gut.
    Und viele Google-Dienste machen nur in Umgebung der Google-Büros und New York und Google-City Sinn, weil woanders die Informationen durch Abmahnungen geschützt werden oder einfach zu dünn erfasst werden.

    Google hätte z.B. schon vor Jahren durchsetzen können, das Adressen, Telefonnummern, Bilanz-Zahlen, Uhrzeiten, Datumsangaben usw. als einheitliche Microformate markiert werden.

    Semantisierung hat bis heute nicht stattgefunden. Zig verschiedene Schreibweisen, Thesaurus-Worte usw. machen beispielsweise das erfolgreiche Wiederfinden von News-Artikeln sehr schwer.

    Wie man an Google-Reader oder Wave oder Google Radio-Werbe-Vermarktung sehen konnte, interessiert Google oft nur kurzzeitig etwas und dann wird es gedroppt. Auch gibt es keine Qualitäts-Überwachung und systematisiertes Verbessern für die Seitenprojekte.

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  4. von Googler am 28.11.2013 (08:49 Uhr)

    Meiner Meinung nach basiert der Artikel auf einem grundlegenden Irrtum: das Kerngeschäft von Google ist nicht die Suche, sondern Werbung. Durch die Suche wird die Werbung nur geschickt bei der Zielgruppe platziert. Und Google Now wird noch bessere Wege zur zielgruppen-genauen Werbung eröffnen.

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  5. von Gannicus am 28.11.2013 (10:10 Uhr)

    Mehr Propaganda geht wohl nicht oder? Der Autor sollte sich mal mehr mit Google beschäftigen. Man verkauft hier seine Daten an Google und dafür bekommt man sinnlose, schlechte und kostenlose Dienste? Dafür macht Google Milliarden?

    Dann benutzt man ein Betriebssystem wo sogar die NSA seine Finger im Spiel hat. NSA hat Google geholfen Android zu programmieren. Das könnt ihr alle gerne recherchieren. Google macht zu 95% Geld mit Werbung. Also sammeln sie alles was sie nur können. Die neuen Android Geräte haben eine Funktion wo Google jeder Zeit mithören kann und sehen kann wo man ist. Google weiß in welchen Geschäfte man einkauft und was man kauft. Google sammelt ALLES um die Daten dann für Firmen zu nutzen, die Werbung bei Google machen.

    Jetzt droht Google sogar wenn man einen Adblocker nutzt. Wer einen Adblocker nutzt, bekommt einen Hinweis das man den Adblocker deaktivieren soll, da sonst Google keine "kostenlose" Dienste mehr bereit stellen wird.

    Ich hoffe sehr das Google auf die Fresse fällt.

    Android? Nein Danke!

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  6. von rethink! am 28.11.2013 (11:27 Uhr)

    Je mehr wir einem Konzern bereitwillig bekanntgeben desto zielgenauer kann er uns mit WERBEinformationen beliefern. Googles Krengeschäft besteth nun mal aus Werbung.

    Ich sehe ein grosses Problem das grundsätzlich bei allen "Zeitsparenden" Erfindungen mit einhergeht und das ist die damit verbundene Bequemlichkeit. Durch die Bequemlichkeit entsteht mit der Zeit eine immer tiefere Bewusstlosigkeit die man heute an allen Ecken und Enden unserer Gesellschaft antrifft. Was manchen nur all die Menschen mit der "gesparten" Zeit?
    Ich denke häufig nichts, sie verbringen sie vor Fernsehern oder vor Computern und "vertreiben" sich damit die Zeit.
    Wenn man gesparte Zeit vertreibt braucht man sie auch nicht sparen.
    Sorry Folks das ist ein toller Apfel da im Garten Google aber ich werde ihn kraft meines Bewusstseins nicht anrühren da ich selbst entscheiden will ob ich die Bordkarte überhaupt nutzen will, wenn ich gerade doch eine tolle neue Persönlichkeit in der Launch kennen gelernt habe...

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  7. von Thomas C am 03.12.2013 (08:51 Uhr)

    Wenn ein Unternehmen unser Leben erleichtert hat, dann Google. Und Google Now setzt genau dieses fort. Was ich gestaunt habe, als mir mein iPhone (ja da gibt es auch Google Now) nach dem Arztbesuch ungefragt sagte, auf welcher Route ich wie lange bis ins Büro brauche. Oder also plötzlich die Information aufpoppte, dass mein Paket morgen ankommt oder das Hertha BSC schon wieder gewonnen hat. Toll! Und sicher lassen sich zukünftig auch noch viel weltverbessernde Services wie eine Notfallhilfe im Umkreis o.ä. integrieren.

    Und seit Jahrzehnten werden wir im Radio, TV oder im täglichen Straßenbild von Werbung belästigt. So langsam sollte man den Umgang damit gelernt haben. Mein Adblocker erlaubt z.B. explicit die Werbung auf Google-Seiten, weil diese für mich einen Mehrwert bietet. Auf t3n leider nicht, sorry einfach viel zu laut ...

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