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Interview

Ex-Googler Jonas Weber mit Insights zum Penguin 4.0 Update

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OnlineMarketing.de: Wie lange dauert es, sich davon zu erholen? Ist eine Seite auf ewig “gebrandmarkt”?

Weber: Wie in unserem deutschen Rechtssystem auch gibt es verschiedene Verstöße, die mit unterschiedlichen manuellen Penalties bestraft werden.

In den meisten Fällen ist aber eine komplette Erholung möglich. Dies gilt auch für Filter, hier gilt es die Grenzwerte zu unterschreiten.

Natürlich gibt es Ausnahmen, hier ein Beispiel: Der Webmaster hat 100 teils minderwertige Backlinks aufgebaut und damit gute Rankings erzielt. Nun landet er im Penguin Filter. Um aus dem Filter zu kommen hat er 80 Backlinks abbauen oder disavowen, also entwerten müssen. Er hat fünf neue gute Links aufgebaut. Das bedeutet zwar, dass er jetzt vielleicht 25 Google konforme Backlinks hat und keine schlechten. Das Verhältnis passt. Er wird aus dem Penguin Filter entlassen. Aber: Die Substanz der Linkreputation ist mit 25 Backlinks jetzt deutlich geringer (früher 100). Das bedeutet: Die gleichen alten Rankings einzunehmen wie vor dem Penguin Update, wird in den meisten Fällen nicht gelingen, weil viel künstliche Linkreputation verloren gegangen ist. In diesem sehr realistischen Rechenbeispiel sind das 75 Prozent der Backlink-Substanz. Die einzige Lösung ist hier der nachhaltige Aufbau von neuen hochwertigen Backlinks, um den Verlust wieder aufzufangen. Und das kann dauern.

OnlineMarketing.de: Was ist deiner Meinung nach im Fall von Home24 geschehen?

Weber: Home24 hat definitiv zu aggressiv Backlinks aufgebaut, ein großer Anteil war nicht Google konform. Dies wurde auch von den Verantwortlichen in der Facebook-Diskussion bestätigt. Also wurde gegen die Webmaster-Richtlinien von Google verstoßen, auf diesem Level definitiv bewusst, um schneller Erfolge zu erzielen.

Es handelt sich hierbei um eine manuelle Penalty, zusätzlich hat der Penguin Filter zugeschlagen. Manuelle Penalties und algorithmische Filter sind zwei paar Stiefel.

Die manuelle Penalty wurde nach einer gewissen “Reinigung” des Backlinkprofils entfernt, hier sind die Google-Verantwortlichen nicht nachtragend und sehr kulant. Ob sich bei uns im echten Leben jeder so verantwortungsbewusst und fair verhalten würde, wage ich zu bezweifeln. Die Google Search Quality Mitarbeiter sind definitiv kulanter und hilfsbereiter als jede Politesse, die auf Deutschlands Straßen herum rennt. Die manuelle Abstrafung betrifft wie gesagt die einzelne Website, in diesem Fall Home24.

Aber der der Penguin Filter hat sich nicht gelöst. Ursache hierfür ist, dass Google in den letzten gut zwei Jahren die Daten des Filters hier nicht aktualisiert hat. Diesen “Stillstand” haben aber alle Penguin betroffenen Websites erfahren, nicht nur Home24. Auch musste Home24 zunächst mal neue hochwertige Backlinks aufbauen. Wie schnell das passiert ist, weiß ich nicht.

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(Screenshot Home24.de: Sistrix)

Google hat hierfür seine Gründe. Mehrfach wurde das Update angekündigt, leider hat es sich immer wieder verzögert. Es ist ein sehr komplexes Projekt, bei dem immense Datenvolumen verarbeitet werden müssen. Bevor ein Update dann live geht, wird ausführlich getestet. Performen die neuen Resultate nicht besser als die alten, dann geht es nicht live. Eine meiner Meinung nach sehr nachvollziehbare Vorgehensweise. Google testet jährlich im fünfstelligen Bereich Algo-Änderungen, danach gehen ca. “nur” Änderungen im dreistelligen Bereich live. Unverantwortlich wäre es, nicht ausführlich zu testen. Deswegen finde ich Kommentare wie “Google war in dieser Stelle unfähig” nicht objektiv und erkläre diese mir so, dass die Betroffenen persönlich enttäuscht reagieren oder die komplexen Prozesse dahinter nicht richtig kennen.

Eine spitze Bemerkung sei erlaubt: Im Vergleich zu anderen großen Konzernen hat das Google sogar relativ schnell hinbekommen.

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2 Reaktionen
Putzen

Hallo,
ich freue mich über diesen Beitrag-- sehr sogar denn er macht klar dass nicht Google schuld an Verstoßen hat, sondern die Nutzer. Ich kann es nie verstehen wie man so agumetieren kann.

Jörg Gastmann
Jörg Gastmann

Google ist entgegen Herrn Webers Behauptung oft unfähig, guten Content von schlechtem zu unterscheiden. So liegen z.B. amazon und ebay ohne jeglichen Text vorn, weil sie einfach nur lange Listen haben und einen Markenbonus geschenkt bekommen. Mir fällt oft auf, dass inhaltlich relevantere Seiten nicht vor schlechteren liegen.

Backlinks werden immer noch maßlos überbewertet. Eine 3- oder gar 4-stellige Zahl Backlinks ist bei fast allen Seiten ein Zeichen für manipulierte Links, mit denen Google sich täuschen lässt. Wenn man nicht Wikipedia, eine Zeitung oder eine sehr bekannte Marke ist, sind solche Backlink-Massen seriös nicht erreichbar.

Keyword Stuffing funktioniert auch immer noch sehr gut bei vielen Websites, da der Algorithmus Spam Signale oft nicht erkennt.

Beispiel: Googeln wir einmal passend zu diese Tagen "Kostüm Halloween". Auf den ersten beiden Plätzen präsentiert Google horrorklinik punkt de und karneval-megastore punkt de. Beide strotzen nur so vor Keyword Stuffing.

In kümmerliche 146 Worte eines inhaltlich schlechten Textes stopft horrorklinik punkt de 30 x das Wort "Halloween" (22% Keyword-Dichte!) und 18 x "Kostüm" (12% Keyword-Dichte). Zählt man alt-tags, titles, Dateinamen etc hinzu, kommt horrorklinik auf 60 x "Halloween". Bei karneval-megastore ist es kaum besser.

Wie erklärt sich Herr Weber, dass dieses massive Keyword Stuffing und die Spamsignale von Google nicht erkannt werden? Oder werden solche Seiten bald abgestraft?

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