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Google Penguin: Ein Update, drei Fragen, zwölf Experten

Google Penguin: Ein Update, drei Fragen, zwölf Experten

Mit dem Penguin-Update hat bedeutende Korrekturen an seinem Ranking-Algorithmus vorgenommen und damit zuletzt für viel Diskussionsstoff in der SEO-Branche gesorgt. Nicolai Kuban von Linkbird hat zwölf renommierte Experten nach ihrer Einschätzung des Updates und seiner Folgen befragt.

Google Penguin: Ein Update, drei Fragen, zwölf Experten

 

Artikel ursprünglich erschienen bei Linkbird

Kein Update in der letzten Zeit hat mich und auch viele meiner Kollegen so sehr beschäftigt wie das Google Penguin-Update. Ist Linkaufbau in der Form, wie er betrieben wird noch sinnvoll? Was genau hat nun dazu geführt, dass einige Seiten Positionen verloren haben? Wie kann man reagieren? Diese und weitere Fragen musste man sich stellen, auch wenn natürlich die “Exact-Match-Ankertext-Risiken” – die eine sehr entscheidende Rolle beim Penguin-Update gespielt haben – bekannt waren.

Um ein bisschen Klarheit zu schaffen und Einschätzungen aus verschiedenen Blickwinkeln zu dieser Thematik zusammenzuführen, habe ich mir ein Interview mit 12 Experten überlegt und nach dem Motto “1 Pinguin, 3 Fragen und 12 Experten” für euch aufbereitet. Ich denke. es sind viele spannende und auch teilweise sehr unterschiedliche Antworten dabei. Aus meiner Sicht besonders Interessantes habe ich fett markiert.

Folgende Experten/Speaker/SEOs sind im “Penguin-Interview” dabei:

Marcus Tober ist Geschäftsführer des SEO-Toolanbieters searchmetrics GmbH.

Marco Janck ist Geschäftsführer der SEO-Agentur SUMAGO und Veranstalter der SEO-(Un)Konferenz SEOCampixx.

Fabian Rossbacher ist in unterschiedlichen SEO-Bereichen aktiv und veranstaltet den SEODay in Köln (derzeit mit einem spannenden EM-Gewinnspiel).

Dominik Wojcik (auch bekannt als BöserSEO), war jahrelang bei Rocket Internet. Derzeit konzentriert er sich auf seine SEO Agentur Trust Agents.

Andreas Graap ist Geschäftsführer der ANGRON GmbH und konzentriert sich auf skalierbares Linkmarketing.

Frank Doerr ist Geschäftsführer der spinpool GmbH, die sich auf SEO-Consulting und Linkaufbau konzentiert.

Julian Dziki ist Experte unterschiedlicher SEO- und Linkaufbaudisziplinen. Er ist Geschäftsführer der SEOKRATIE GmbH und bloggt unter www.seokratie.de.

Thomas Gruhle ist Geschäftsführer der Berliner SEO-Agentur Barketing IMS GmbH.

Björn Tantau ist Spezialist für Social Media, Suchmaschinenoptimierung und Linkaufbau, seit über 12 Jahren im Online Marketing aktiv und derzeit Head of Social Media bei TRG – The Reach Group GmbH tätig. Auf seiner Website schreibt er in regelmäßigen Abständen zu aktuellen Online Marketing Themen.

Sasa Ebach ist Geschäftsführer der VIPEX Organic Link Marketing GmbH, die sich 100%ig auf organischen Linkaufbau fokussiert.

Jens Fauldrath ist Speaker auf unterschiedlichsten Events und als Teamleiter SEO der Deutschen Telekom einer der bekanntesten deutschen InHouse SEOs.

Nicolai Kuban ist Geschäftsführer der linkbird GmbH, die ein Tool für effizientes und effektives Linkmanagement betreibt.

1. Hast Du deine Vorgehensweisen beim Linkaufbau oder sogar generell beim SEO nach dem Pinguin Update verändert/überdacht? Warst du betroffen?

Marcus Tober: Searchmetrics Projekte waren vom Penguin Update nicht betroffen, aber das Update führt sehr gut vor Augen worauf man beim Linkaufbau achten muss. Nicht umsonst wurde im Vorfeld von einem Update gegen unnatürliche Linknetzwerke und Überoptimierung gesprochen. Aufklärung des Kunden ist daher noch wichtiger geworden, was selbstverständlich mit unseren Daten gut möglich ist.

Marco Janck (Sumago)

Marco Janck: Ja, ich war betroffen und will in diesem Zusammenhang sagen, dass ein guter SEO in meinen Augen auch in irgendeiner Weise betroffen sein muss, sonst macht er etwas falsch. Das nur zur Klarstellung, weil sich jetzt viele mit ihrer auch so reinen Weste hinstellen und Müll erzählen. Die Inhouser nehme ich da jetzt mal bedingt raus. Wobei selbst die ja nicht nur ihr Brötchengeberzeug bearbeiten.

Das Linkbuilding hat sich im Grunde nicht total verändert, aber etwas neu ausgerichtet. Die Quellen sind nach den Updates alle neu bewertet worden. Ein Vorgang, der im daily business oft ein wenig untergegangen ist. Da haben wir jetzt bessere Prozesse aufgesetzt, um auf Veränderungen besser und schneller reagieren zu können. Gleiches gilt für die Netzwerkquellen, die auch noch tiefer gecheckt wurden. Am Ende haben sich halt die ganzen Quellenlisten deutlich bereinigt und sind ein wenig zusammengeschrumpft. Ich würde mal schätzen, dass 1/3 wirklich in die Tonne gewandert ist.

Wenn man jetzt mal einfach die Zahl 3000 nimmt, dann sind uns 1000 Linkquellen weggefallen. Hört sich jetzt nicht so megaviel an. Ist aber für den Alltag schon echt eine ganze Menge.

Neben dem, was übrig geblieben ist, setzten wir aktuell auf mehr exklusive Networks und „normales Marketing“ als Träger für das Linkbuilding. Nach meiner Meinung ist der Markt aber noch nicht soweit die höheren Kosten, die daraus resultieren, wirklich zu tragen. Es wird noch bestimmt ein Jahr dauern bis sich das angepasst hat und die Budgets neu angesetzt werden. Durch gute Vorarbeit werden wir da aber vorbereitet sein und hoffen den „Zwischenhandel“  soweit wie möglich ausgemerzt zu haben.

Fabian Rossbacher (Seoday)

Fabian Rossbacher: Du meinst wohl nach dem Venice-Update. Spaß bei Seite, nach Penguin habe auch ich ganz schön verwundert geschaut. Auch ich war betroffen und zwar mit Pages die 100% clean sind.

Dies zeigt mal wieder, dass Google härter wird in Sachen Aufräumen und der sogenannte “Kollateralschaden” ebenfalls steigt. Ich habe direkt nach dem Update viele Gespräche mit befreundeten SEOs geführt. Einer hat sogar gesagt, dass SEO kurz nach Penguin eine reine Würfelei sei. Dies kann ich bestätigen und auch heute sehen die Serps nicht viel besser aus, als letztes Jahr. Es gibt kaum gute Ergebnisse, sondern es ist alles Affiliate-verseucht. Mein Vorgehen hat sich erstmal nicht geändert. Seit 1,5 Jahren baue ich keine Sitewide-Links mehr auf, sondern nur noch Content-Links. Dabei achte ich auf einen gesunden Mix bei den Quellen und baue von 10 Links nur noch 1-2 Keywordlinks und mittlerweile 90% in die Tiefe.

Dominik Wojcik: Nein, die Vorgehensweise hab ich nicht geändert. Man muss immer zwischen Spielwiesen und Kundenprojekten unterscheiden. Bei Spielwiesen war auch ich betroffen und hab Positionen verloren, das aber auch zu Recht. Bei von mir betreuten Kunden sieht es anders aus: Diese haben zum Teil sogar stark gewonnen.

Andreas Graap: Gibt es Faktoren beim Pinguin Update, die überraschend oder neu sind? Nicht wirklich, oder?Nehmen wir beispielsweise die Ankertexte. Dass man nicht nur mit seinen Money-Keywords auf seine Money-Pages verlinken sollte ist seit Jahren bekannt. Wer sich Gedanken über nachhaltiges und natürlich (wirkendes) SEO gemacht hat, ist nicht betroffen. Für mich hat sich nicht viel geändert seit dem Update. Das Panda-Update hatte da schon mehr Faktoren, bei denen bis dahin noch nicht wirklich bekannt war, dass sie einen Einfluss auf SEO haben.

Frank Doerr (spinpool)

Frank Doerr: Meine Vorgehensweisen habe ich bereits 2010 weiter angepasst, wobei ich schon vorher nie zu derb auf harte Ankertexte gegangen bin. Siehe beispielsweise meinen Artikel. Auch Julian Dziki und Christoph Cemper haben damals darüber geschrieben, insofern ist es eher überraschend, dass es so viele erwischt hat. Ein Zeichen für eine gewisse Lernresistenz in der Szene bzw. hohen Wettbewerbsdruck durch beratungsresistente Kunden.

In dieser Hinsicht bin ich auch nicht betroffen. Allerdings gab es Kollateral-Schäden. So ist beispielsweise seo-scene.de mit “SEO” von Seite 4 aus den Top100 rausgeschossen, dito mit vielen anderen Keys – eine Seite für die ich keinerlei “unnatürlichen” Linkaufbau betrieben habe, die freiwillig verlinkt wird, hochwertigen Content hat und gepflegt wird. In dieser Hinsicht hat es ein paar hochwertige Seiten von mir erwischt, wo ich dann eindeutig sagen muss: Google macht hier keinen guten Job. Ich kenne auch genügend Kollegen, wo wirklich hochwertige, gepflegte Seiten rausgekegelt wurden und Crab nachgerutscht ist. Aber das wäre Thema für einen eigenen Artikel.

Julian Dziki: Ja und Ja. Und zwar mit Projekten, bei denen wir seit 2009 keinen Linkaufbau mehr gemacht hatten. Die hat es ordentlich erwischt, weil man damals einfach viel mehr mit Anchortexten gearbeitet hat. Unsere Strategie haben wir schon vorher geändert und ändern wir ständig, nur eben nicht bei jedem Mini-Projekt.

Thomas Gruhle: In jedem Fall sollte man mehr Vorsicht walten lassen. “Muster vermeiden” ist eigentlich das wichtigste Credo des Updates. Wenn aufgebaute Links eine ähnliche Struktur haben, die Linkquellen sich gleichen, immer von ähnlichen Seitentypen kommen, immer mit vermeintlichen “Ablenklinks” etc. – dann hinterlässt man Muster, die selbst eine “Blechbüchse” auslesen kann.

Björn Tantau: Beim Pinguin Update war ich selbst nicht betroffen, habe das Update an sich aber zum Anlass genommen, hier und da die Backlinkstrukturen zu überprüfen. Im Zuge dessen sind ein paar Links aufgetaucht, meine eigenen Qualitätskriterien heute nicht mehr erfüllen konnten – insofern hab ich mich von diesen Links dann getrennt. Ob das wirklich notwendig war, kann ich nicht 100%ig sicher beurteilen, aber von Zeit zu Zeit ist es sinnvoll, ein bisschen aufzuräumen. Ansonsten achte ich jetzt noch mehr als früher auf Qualität, wenn es um neue Backlinks geht, deren Generierung ich selbst beeinflussen kann.

Leider klappt das natürlich nur bei solchen Backlinks. Bei der natürlichen Verlinkung sind auch mal ein paar “Nieten” dabei – will man hier nachträglich etwas nachjustieren, dann bleibt wohl nur die persönliche Ansprache des Linkgebers.

Sasa Ebach: Ein klares JA! Wie in meinem Vortrag auf der SEMSEO12 (Links after Penguin) erörtert, habe auch ich meine Einstellung weiter angepasst/verschärft. Vor dem P-Day (24.04.2012) habe ich in Gastbeiträgen das Risiko diverser Linkbuilding-Methoden noch als deutlich niedriger eingestuft. Vor allem bei Freeforall-Links (Verzeichnisse aller Art), Kommentarlinks, Tauschlinks, Sponsoringlinks (z. B. auf Konferenzseiten), Presseverteilerspam etc. sollte man Vorsicht walten lassen. Dieser einfach aufzubauende Typ von Link ist nicht grundsätzlich schlecht, aber wessen Linkprofil hauptsächlich aus solchen Links besteht, der steht auf dünnem Eis. Zur Zeit schwirren verschiedenen Zahlen durchs Netz, was kritische Grenzen betrifft. Wer beispielsweise mehr als 60 % Moneykeywords in seinen Linktexten verwendet, der wurde „gefiltert“. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass die Relation von normalen zu aggressiven Linktexten jetzt auf 59 % reduziert werden soll. Wer langfristig stabile Rankings erreichen will, der muss unanfechtbare Taktiken und Methoden einsetzen.

Die finden sich im organischen Linkaufbau, den jeder auch für sich selbst betreiben kann. Hier kommen automatisch keine aggressiven Linkmuster zustande. Denn wenn ich als Betreiber von kredit.xy 100 Portale mit einer Linkanfrage anschreibe, dann verlinken sicherlich unter 10 % der Linkgeber mit einem Wunschkeyword wie „Kredit“.

Jens Fauldrath: Wir waren nicht von dem Update betroffen. Wir haben aber als altes und großes Webangebot sehr viele Links und eine lange Historie. Ich denke nicht, dass wir hier ein Risiko haben.

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4 Antworten
  1. von Dominic Thimm am 20.06.2012 (15:31 Uhr)

    Schöne Umfrage - es scheinen sich ja fast alle einig zu sein :)

    Ich finde es ein wenig schade, dass in allen Diskussionen bisher nur Experten befragt werden, die im Rahmen einer Agentur unterwegs sind und Jens Fauldrath braucht sich ja nicht wirklich um so etwas zu kümmern :)

    Es ist jetzt die Zeit der Inhouse-SEOs. Die können direkten Einfluss auf die Prozesse nehmen, können auch Content-Strategien entwickeln und damit optimales Linkbuilding aufbauen und skalieren. Und es ist sogar kalkulierbar.

    All the best, Dom

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  2. von Schuhfreund am 20.06.2012 (16:43 Uhr)

    Auch wenn Betroffene das bestimmt anders sehen: so ausgefuchst ist das penguin update nicht. Das heisst nicht das ein recover leicht fällt. Wer jahrelang high autority links nur mit anchor verlinkt hat wird sich nun schwer tun ein sauberes Linkprofil hinzubekommen (siehe die berühmten beispiele im Bereich pkv)
    Insgesamt macht das penguin die serps zumindest kurzfristig auf jeden fall gerechter

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  3. von Raphaela am 21.06.2012 (14:07 Uhr)

    Danke für den informativen Artikel, in dem die SEOs auch mal einen kleinen Einblick hinter die Kulissen geben und fast schon aus dem Nähkästchen plaudern.
    Ihre Ehrlichkeit ist bemerkenswert.

    Leider kann ich nicht eindeutig sagen, in wie fern meine Seiten vom Penguin Update betroffen sind, sie ranken nur besser als vorher.

    Wenn gute Seiten nach diesem Update auf die hinteren Ränge geschupst wurden, ist das meines Erachtens nur vorrübergehend. Denn Google ist dafür bekannt, dass sie nachjustieren.

    Matt Cutt wird ja nicht müde zu erklären, dass dauernd Updates gemacht werden und, dass man nicht eindeutig sagen könne, weshalb eine Seite plötzlich schlechter rankt. Es sei denn, man hat genau das angestellt, was Google gerade auszumerzen versucht. Dann dürfte der Fall klar sein.

    Lieben Gruß
    Raphaela

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  4. von Fewo Vogtland am 21.06.2012 (15:26 Uhr)

    das mit dem penguin update ist völlig an mir vorbeigegangen, da ich im seo-bereich lange nicht mehr aktiv war. ich hab auch gedacht, dass ist der grund warum meine seite weit abgerutscht ist. heißt es jedoch, wenn ich keinen blauen brief bekommen habe, dass ich nicht betroffen bin?

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