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“Graph Search”: Facebook präsentiert soziale Suchmaschine

Das Geheimnis ist gelüftet: bietet seinen Nutzern eine , mit der sich das Netzwerk endlich durchforsten lässt. Die „Graph Search“ Funktion ist somit keine Websuche wie Google, sondern stellt die vier Suchaspekte Menschen, Fotos, Orte und Interessen in den Vordergrund. Da Facebook seine Kooperation mit Bing ausgeweitet hat, werden aber auch Ergebnisse angezeigt, die über Netzwerk-spezifische Suchanfragen hinausgehen. Auch in puncto Privatssphäre hat Facebook nachgelegt.

“Graph Search”: Facebook präsentiert soziale Suchmaschine

Graph Search: Direkt-Antworten statt Verlinkungen

Ein Facebook-Phone ist es nicht geworden, aber auch nicht nur ein paar kleine, neue Features, wie von vielen befürchtet. Statt dessen hat Facebook auf der heutigen Pressekonferenz eine neue Suchfunktion präsentiert, die lange erwartet und von CEO Mark Zuckerberg bereits vor einem halben Jahr angekündigt wurde.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg verkündet in Menlo Park gut gelaunt die neue Suchfunktion "Graph Search".

Eine Websuche wie Google oder Bing soll Graph Search aber nicht sein, auch wenn sich Facebook einer Kooperation mit Bing bedient, um die eigenen Suchinhalte auszuweiten (Nutzer können sich zum Beispiel Wettervorhersagen oder Kinoprogramme anzeigen lassen). Doch während Web-Suchen auf fremde Seiten verlinken, will die Graph-Suche Direkt-Antworten liefern, erklärt Zuckerberg. Über die Suchfunktion geben Nutzer ihre Frage oder Schlüsselwörter ein und erhalten zum Teil Autocomplete-Vorschläge zu den vier Bereichen Menschen, Fotos, Orte und Interessen.

Facebooks Graph Search: Was lässt sich damit anstellen?

Personen finden

Mit der Graph-Suche lassen sich bekannte und unbekannte Facebook-Mitglieder aufstöbern.

Mit der „Graph Search“-Funktion können Nutzer nach Menschen suchen, die ebenfalls bei Facebook sind. So lässt sich in die Suchzeile zum Beispiel eingeben „Freunde, die in meinem Unternehmen arbeiten“ oder „Freunde, die Star Wars und Harry Potter mögen“. Die Suche eignet sich auch, um Menschen ausfindig zu machen, deren genauen Namen man nicht kennt, so zum Beispiel „Menschen, die Chris heißen, mit Lars befreundet sind und an der Standford Uni waren“. Rechts gibt es ein Drop-Down-Menü, mit der sich die Suche weiter spezifizieren lässt, zum Beipsiel nach Geschlecht und Stadt.

Bilder finden

Welche Fotos haben meine Freunde beim gemeinsamen Argentinien-Trip geschossen? Facebooks neue Graph Search Funktion verrät es.

Eine wichtige Funktion ist die Möglichkeit, Fotos zu filtern. Die Sucheingabe „Fotos meiner Freunde“ zeigt zum Beispiel die beliebtesten Fotos aus dem eigenen Freundeskreis an. Angaben wie „Fotos meiner Freunde vor 1990“ grenzt die Ergebnisse weiter ein. Dabei sollen die eingestellten Privatssphäre-Einstellungen nicht verletzt werden sondern Menschen weiterhin nur solche Fotos sehen können, die entsprechend freigegeben sind, wie Zuckerberg und zwei weitere Entwickler mehrfach betonten.

Interessantes finden

Die Graph-Suche liefert auch Antworten, welche Filme, Bücher, Songs. etc. bei den eigenen Freunden beliebt sind.

Mit der Graph-Suche können Nutzer zum Beispiel nach „Filmen, die meine Freunde mögen“ suchen. Bei den Antworten findet sich dann auch das von Amazon bekannte „Menschen, die Pulp Fiction mögen, mögen auch...“. Welche Musik mögen Menschen, die Mitt Romney gewählt haben? Solche und ähnliche Fragen beantwortet die Suchmaschine und klärt auch auf, wer im eigenen Freundeskreis bestimmte Fremdsprachen spricht, die man eventuell für eine Übersetzung benötigt.

Orte finden

Die Graph Search Funktion fragt gleich zu Anfang ab, um welchen Themenbereich es sich bei der Anfrage handelt - zum Beispiel Restaurants in der Nähe.

Die Graph-Suche soll auch dazu dienen, neue Plätze und Restaurants kennen zu lernen. Nutzer stoßen damit auf Orte, die von ihren Freunden gemocht oder schon besucht wurden. Entsprechend gibt es im Drop-Down-Menü die Spezifikationen „liked by“, „visited by“. Auch nach „Zahnärzten, die meine Freunde mögen“ kann gesucht werden, genauso wie nach „Restaurants, die meine afrikanischen Freunde mögen“.

Auch in Bezug auf die Privatssphäre hat Facebook nachgelegt. So soll es künftiger einfacher werden, die eigenen Privatssphäre-Einstellungen vorzunehmen. Auch gibt es eine neue Funktion, mit der Tags aus Bildern gelöscht werden können. Im selben Zug können Nutzer eine Nachricht an die Person schicken, die das Foto eingestellt hat, und darin bitten das Bild ganz rauszunehmen.

Fazit

Auf den ersten Blick überzeugt Facebooks neue Suche, auch wenn sie sich im Betastadium befindet und sicherlich noch einige Macken aufweisen wird. Zunächst wird die neue Funktion nur einer sehr kleinen Nutzerschar zugänglich sein und erst über die nächsten Wochen und Monate auf alle Nutzer ausgeweitet werden. Auf jeden Fall wird Facebook mit der neuen zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für Empfehlungs-Dienste wie Yelp und Foursquare. Außerdem nähert sich Facebook dem, was Google als "Social Search" bezeichnet: die Verschmelzung von Inhalten aus sozialen Netzwerken und Websuche.

Auch wenn Mark Zuckerberg auf Nachfrage versicherte, dass das Kaufen von Suchergebnissen wie bei der Google-Suche erst mal nicht auf der Agenda stehe, ist dies doch ein logischer nächster Schritt, der sicherlich irgendwann kommen wird. Denn wie sehr Facebook nach tragfähigen Modellen zur Finanzierung sucht, ist allgemein bekannt.

Update: Auf dieser Facebook-Seite könnt ihr euch ganz unten als Beta-Tester bewerben, sofern ihr dafür euer Nutzerprofil auf Englisch umstellt. Möglicherweise kommt ihr so schon früher in den Genuss, die neue Funktion auszuprobieren.

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9 Antworten
  1. von Unklare Berichte am 15.01.2013 (21:01 Uhr)

    In anderen Kontexten wurde berichtet, es würde nur in den eigenen Daten gesucht.
    Wenn man aber über die Beispiele "Wo hängen Surfer in ... gerne ab" oder "Filme die meine Freunde mögen" "Welche Musik hören Romney-Wähler" nachdenkt, kommt man vermutlich darauf, das nur das durchsucht wird, was man offiziell erreichen kann. So wie im Unix-Filesystem. Also keine Weltweite Websuche oder Suche in allen Facebook-Daten sondern nur in den Daten an die man selber dran kommen würde weil man in den entsprechenden Freundeskreisen ist oder es öffentliche Informationen sind oder es eigene Daten sind oder die von Familienmitgliedern die sie einem mitgeteilt haben.

    Da es so viele Leute betrifft, ist es bedauerlich, das sowas fast überall unklar dargestellt wird und Beispiele kommen, die sofort Nachfragen erzeugen sollten:
    - Werden meine persönlichen geheimen Daten durchsucht und weltweit geoutet ?
    - Wenn ich keine Romney-Fans kenne, wieso kann ich dann wissen welche Musik sie mögen ? Werden also doch deren persönlichen geheimen Daten durchsucht ?

    Cool wären natürlich Features wie "in welchen Suchen werden meine Daten benutzt.". Bei Freiberuflerbörsen ist sowas üblich damit man sieht, wonach gesucht wurde und welche Skills grade gefragt sind bzw. wonach die Vermittler so suchen. Google hat das früher ja auch gemacht, outet es aber inzwischen nicht mehr so sehr wonach gesucht wurde wenn die eigenen Webseiten getroffen wurden.

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  2. von André am 15.01.2013 (21:28 Uhr)

    "Auch in Bezug auf die Privatssphäre hat Facebook nachgelegt. So soll es künftiger einfacher werden, die eigenen Privatssphäre-Einstellungen vorzunehmen. Auch gibt es eine neue Funktion, mit der Tags aus Bildern gelöscht werden können. Im selben Zug können Nutzer eine Nachricht an die Person schicken, die das Foto eingestellt hat, und darin bitten das Bild ganz rauszunehmen."

    Diese Funktion ist doch schon live oder nicht? Im Aktivitätsfeed kann man Markierungen direkt entfernen, dem Freund mitteilen, dass die Markierung weg soll oder das ganz auch direkt an FB schicken.

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  3. von Hottehü am 15.01.2013 (21:41 Uhr)

    Gut gefällt mir: "Mit der „Grapf Search“-Funktion lässt sich nach Menschen suchen, die ebenfalls bei Favebook sind."

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  4. von Mike am 15.01.2013 (22:39 Uhr)

    Suchmaschinen-Schwachsinn 2.0

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  5. von derus am 16.01.2013 (08:09 Uhr)

    "Mission: Make the world more open and connected"

    Von wem hat denn der Hr. Zuckerberg diesen Auftrag erhalten..?
    Das lässt wieder das typische Gehabe von (wenn auch ehemaligen) Startups erkennen:

    "Wir liefern Lösungen für Probleme, die ohne uns bzw. vor uns niemand hatte..."

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  6. von Hans am 16.01.2013 (08:52 Uhr)

    Ich kann nur finden was andere Leute "geliked" haben. Mit anderen Worten ich kann nur das finden was andere mögen? ...nur noch in Restaurants, die andere mögen... nur noch Musik, die andere mögen... ...nur noch Filme anschauen, die andere mögen?
    Neues entdecken scheint nicht auf dem Programm zu stehen und wenn dann wird es zukünftig ein bezahltes Suchergebnis sein. Da werden es neue Produkte schwer haben, wenn diese auf anhieb keine kritische Anzahl von Likes haben und nicht "viral" im Facebook-Kosmos verbreitet/empfohlen werden.

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  7. von agentur am 16.01.2013 (08:56 Uhr)

    Ich finde nicht, dass der Facebook Graph Search ein großer Wurf. Facebook Graph Search ist die Korrektur einer unbrauchbaren Suchfunktion. Die neue Suche erzieht zur Akzeptanz von Facebook gefilterten Antworten. Das habe ich hier erläutert:

    http://www.socialmedia-talk.com/facebook-graph-search-kein-grosser-wurf/

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  8. von severin am 16.01.2013 (09:38 Uhr)

    Graph Search wird dazu führen, dass es sich gerade für Unternehmen lohnt, auf facebook aktiv zu werden. Und es ist ein Baustein zu einem facebook Smartphone (OS).

    http://www.severint.net/2013/01/16/graph-search-facebooks-genialster-schachzug/

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  9. von Sabienchen am 16.01.2013 (11:47 Uhr)

    Ich weiß auch nich genau was ich davon halten soll. Auf der einen Seite sind Emphelungen immer mehr Wert aber auch die können gefaked werden. Mal sehen wie sich das entwickelt. Bin aber dafür offen.

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