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„Größtenteils Scheiße“: Warum dieser Investor von den meisten Startups nichts hält

„Größtenteils Scheiße“: Warum dieser Investor von den meisten Startups nichts hält

Milliardenbewertung, Millionenfinanzierung, zweistelliges Umsatzplus: Geht es nach den Zahlen, boomt die Startup-Szene. Ein Investor aus dem sieht das ganz anders – und findet in einem drastische Worte.

„Größtenteils Scheiße“: Warum dieser Investor von den meisten Startups nichts hält

(Foto: hans.gerwitz / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

San Francisco und das Silicon Valley sind das Mekka der IT-Szene. (Bild: Flickr-Jeff Gunn / CC-BY-2.0)
San Francisco und das Silicon Valley gelten als Mekka der IT-Szene. Nun äußert ein Investor Kritik am System. (Bild: Flickr-Jeff Gunn / CC-BY-2.0)

Investor wirft VCs „fürchterlichen Job“ vor

Er hat in den Messenger Slack investiert, in das Büro-Netzwerk Yammer und in das Fintech-Startup Cozy: Chamath Palihapitiyah ist ein gefragter Mann in der Startup-Szene, er zählt zu den Top-Investoren im Silicon Valley. Doch nur, weil der frühere Facebook-Mitarbeiter Teil des Systems ist, teilt er noch lange nicht seine Ansichten – der Gründer des Wagniskapitalgebers Social Capital übt sogar deutliche Kritik an und ihren Bewertungen.

„Wir sind in einer Phase, in der wir realisieren, dass Menschen, die Kapital vergeben, einen fürchterlichen Job gemacht haben“, sagt Palihapitiyah im Gespräch mit Vanity Fair. Es gebe nur eine Handvoll Investoren, die eine extreme Vision hätten und in Dinge investierten, die es zuvor nicht gab. Als Beispiele nennt er die Wagniskapitalgeber von Facebook, Google oder Uber. Alle anderen Investoren hingegen reagierten nur auf deren Erfolg, indem sie ein sehr ähnliches Geschäftsmodell unterstützten.

„Ein Resultat davon ist, dass die meisten Unternehmen nicht gut sind“, kritisiert der Venture Capitalist. Sie würden schlecht geführt und hätten niemals überhaupt Geld erhalten sollen, so die Meinung des gebürtigen Sri Lankers. Er drückt es sogar noch deutlicher aus: Man müsse sich davon verabschieden, das Wagniskapitalgeber-Dasein als Beruf zu verstehen. Es gehe darum, wirklich große Wetten auf Ideen einzugehen, die völlig verwegen erschienen. „Heute machen wir das nicht oft genug, und das Ergebnis ist, dass die meisten Dinge, die wir unterstützt haben, hauptsächlich Scheiße und größtenteils wertlos sind“, so Palihapitiyah.

Warum Wachstum nicht langfristig ist

Seine Kritik äußert der Investor in einer Zeit, in der gerade in den USA immer mehr Firmen sogenannte Down-Runden erleben. Das sind Finanzerungsrunden, in denen Startups weniger Geld für ihre Anteile einnehmen, als sie laut vorher publizierten Schätzungen wert wären. Der gehypte Bezahldienst Square verkaufte seine Aktien bei seinem Börsengang beispielsweise nur für die Hälfte dessen, was die Bewertung des Startups verlangt hätte. In Deutschland soll der Kochbox-Dienst Hellofresh aus einem ähnlichen Grund nicht an die Börse gegangen sein: Den potenziellen Investoren soll die Bewertung von 3,3 Milliarden Euro, die das Unternehmen laut Berichten angestrebt hatte, zu hoch gewesen sein. Experten sehen dies als Zeichen einer allgemeinen Überbewertung junger Unternehmen.

Palihapitiyah macht die Investoren mitverantwortlich für diese Entwicklung. Während große Konzerne wie Microsoft oder Apple 25 bis 35 Jahre brauchten, um auf eine Milliardenbewertung zu kommen, habe Facebook diese binnen zehn Jahren erreicht. „Als Reaktion darauf versucht man nun im Silicon Valley, Ideen zu finden, die schnell funktionieren“, so der Investor.

„Wertvolle Unternehmen müssen über Jahrzehnte aufgebaut werden.“

Ein Grund dafür sei die Risiko-Aversion vieler Kapitalgeber: Sie wollten nur einen kurzfristigen Gewinn. Geschäftsmodelle mit großen Wachstum, aber negativen Bruttomargen sind seiner Meinung nach aber wertlos. „Wachstum weist nicht auf einen langfristigen Unternehmenswert hin“, argumentiert er.

Naturgemäß sondert er sich in dem Interview von diesen Werten ab: Er selbst strebe langfristigere Wege an. „Wertvolle Unternehmen müssen über Jahrzehnte aufgebaut werden“, mahnt er. Bei seinem Kapitalgeber Social Capital investiere man in Geschäftsmodelle, die ehrgezeizig und technologisch ambitioniert seien, aber große menschliche Bedürfnisse stillten. Für diese Ideen brauche es nicht immer viel Geld, aber generell viel Zeit.

via www.vanityfair.com

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2 Antworten
  1. von Aspekte dahinter am 29.03.2016 (16:48 Uhr)

    Die wahren Hintergründe vieler Investments wären auch mal wichtig.
    http://t3n.de/news/verdienen-deutscher-startups-691163/#comment-195926
    http://t3n.de/news/deutsche-startup-boerse-hoechste-500567/ (man suche "Prozent" und sehr wer ein großes Interesse hat weil er viel bekommt).

    Und im Winter werden die Temperaturen kälter und die Sonnenzeit tagsüber kürzer. Am Anfang der Saison sind die Formel1-Autos auch eher langsamer als am Ende der Saison. Baisse und Hausse, Rezession und Aufschwung, Volle und leere Auftragsbücher,... D.h. die niedrigeren Bewertungsrunden sind nur ein Zeichen der Marktsituation und nichts überraschendes. Im Winter wird auch weniger gebaut als im Sommer. Früher zumindest vor dem Klimawandel...

    Auch stellt sich die Frage ob man endlos wachsen will oder einfach nur effizienter wird und stabile Profite abwirft oder die Firma herunterfährt und eine Weile lang gut Profit verdient hat.
    Ferrari und die anderen Supersportwagen haben andere Ziele als Cashburner welche den Bilanzwert maximieren wollen weil sie dafür dicke Bonis einstreichen können.
    Alternative Aspekte sieht man auch an
    http://www.gruenderszene.de/allgemein/hacking-business-model
    auch wenn sich die Startup-(Gebühren)-Industrie sicher über das "sozialistisch" freut.
    Der Prinz von England hat schon vor vielen Jahren nachhaltig Landwirtschaft betrieben. Jetzt ist das plötzlich "modern".
    Warren Buffet präferiert Untenehmen welche stabil Gewinne abwerfen...
    Über die Steuerzahlenden Startups wird hier ja fast nicht berichtet. Cashburner sind der Focus. Die 99% Mitarbeiter aus dem Filmtrailer sieht man nur bei IMDB aber nicht auf den Kinofilm-Pressekonferenzen sondern nur die Film-Stars und den Regisseur.

    Die Startup-Industrie ist ja nicht schlimm. Man sollte aber wissen worum es oft wirklich geht statt nur naiv die Meldungen zu wiederholen ohne sich zu erinnern oder mal die Aspekte dahinter zu hinterfragen...
    Der Wind dreht sich alle paar Jahre mal. Im Gegensatz zu früher passen sich die Firmen aber an. HP und andere splitteten sich glaube ich. Andere bauen Stellen ab usw. Google verkauft Fehl-Investments inzwischen auch wieder.

    Viele Startups früher am neuen Markt machten wohl weniger Jahres-Umsatz als ein normaler Supermarkt. Allerdings handelt es sich um globale Geschäftsmodelle (wenn man wie ich multi-lingual wäre und nicht mal drüber nachdenken würde alle Sprachen so schnell wie möglich anzubieten) teilweise sogar ohne physischen Standort und halt nicht um die 99% der normalen Startups mit (meist wohl nur einer) Filiale vor Ort welche die Sparkassen täglich finanzieren.
    Die meisten Firmen werden oft wohl eh nicht älter als 30 Jahre oder so.

    Aktuell kann jeder Software zu Hause schreiben. Gute Akkus entwickeln klappt trotz vollmundiger Ankündigungen immer noch nicht. DNA-Reprogramming usw. braucht auch Labore usw. D.h. in Zukunft braucht man doch leider wieder Spezialkrams statt einfach Leute die sich denken "Hey, wieso kann ich kein Lexikon online abrufen, lasst uns Wikipedia gründen" oder "Boar ey, Überweisen ist voll umständlich und die meisten Ebay-Verkäufer haben gar keine Kreditkarten-Abwicklungs-Dienstleister weil sie privat sind und Schecks per Post dauern voll lange. Lasst uns Paypal gründen." oder "Boar. Wieso fahren Leute in leeren Autos an mir vorbei wenn ich an der Bushalte stehe. Da nimmt mich sicher einer für ein paar Cent einer mit. Lasst uns Uber/BlaBlaCar/Lyft/.... gründen und die Kosten teilen. Virtuelle Mitfahrzentrale...". Also reine triviale Informations-Konnektierungs-Dinge und oft nicht mal was besonders kompliziertes. Genossenschaften usw. gabs auch früher schon. Siehe Raiffeisenbanken. Heute heisst das "crowd-investing" usw. Vieles gabs schon. Die etablierten Anbieter suchten sich aber keine neuen Internet-Kundengruppen oder (Mitfahrzentralen, Lokal-Zeitungen, Lokal-Radios,...) waren zu lokal orientiert.

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  2. von GerberD am 29.03.2016 (17:09 Uhr)

    Zu einem guten Investment gehört auch die Weitsicht und auch die Bereitschaft, durch windige Zeiten trotzdem an potentiellen Projekten festzuhalten. Viele setzen auf die steigende Kurve und weniger auf den Aufwärtstrend.

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