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Warum die große Disruption des Fernsehens gerade erst beginnt [Kolumne]

Warum die große Disruption des Fernsehens gerade erst beginnt [Kolumne]

Video-Streaming-Dienste wie , Instant Video oder Watchever sind auch hierzulande in aller Munde. Doch nicht der bequeme On-Demand-Service solcher Dienste ist das eigentlich Umwälzende – vielmehr schaffen sie die Basis für völlig neue Erzählformen. Die von Luca Caracciolo.

Warum die große Disruption des Fernsehens gerade erst beginnt [Kolumne]
(Foto: Netflix)

Nie wieder ohne Video-Streaming

Wenn es neben dem mobilen Netz und Smartphones eine Technologie gibt, auf die ich nie wieder verzichten will, dann ist es Video-Streaming. Herkömmliches Fernsehen mit festen Sendezeiten, schlechtem Fernsehprogramm und nervender Werbung kommt mir heute wie ein Relikt längst vergangener Zeiten vor. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass wir hierzulande Festplatten-Receiver programmiert und am Abend die Videothek aufgesucht haben, um den Fernsehabend individuell zu gestalten.

Doch Video-Streaming an sich hat keinen Wert, wenn die Inhalte nicht vorhanden sind – denn was nützt die fortschrittlichste Technologie, wenn nur Inhalte abrufbar sind, die aus einer TV-Zeit stammen, in der die Ausstrahlung einer zwölfteiligen Serienstaffel auf drei Monate gestreckt wurde – mit zwei künstlichen Spannungsbögen innerhalb einer Episode, die dafür sorgen sollten, dass die Zuschauer auch ja nicht während des Werbeblocks abschalten?

Netflix und Co. sind die Theaterbühnen unserer Zeit

Und das ist es, was man schnell vergisst: Natürlich kann man ein House of Cards oder Breaking Bad auch im klassischen Rhythmus konsumieren, heißt: eine Folge pro Woche. Das wird dem Format aber nicht gerecht und wäre in etwa vergleichbar mit einem 600-seitigen Roman, der an drei oder vier Stellen von jeweils 20 Seiten Werbung unterbrochen wird. Serien wie House of Cards oder jüngst Bloodline oder True Detective verabschieden sich von dem Vermarktungsauswüchsen der herkömmlichen Fernsehwelt. Die ihnen zugrundeliegende Dramaturgie gehorcht einzig und allein den Gesetzen der Erzählung.

Mit Eigenproduktionen wie Daredevil will Netflix sich im Streaming-Markt Wettbewerbsvorteile verschaffen. Auch Amazon hat mit der Produktion eigener Inhalte begonnen. (Foto: Netflix)
Mit Eigenproduktionen wie Daredevil will Netflix sich im Streaming-Markt Wettbewerbsvorteile verschaffen. Auch Amazon hat mit der Produktion eigener Inhalte begonnen. (Foto: Netflix)

Das Disruptive am Videostreaming ist also nicht die Instant-Verfügbarkeit medialer Inhalte, sondern die Schaffung einer technischen Basis für eine neue Form der Erzählung. Netflix und Co. sind quasi die Theaterbühnen des digitalen Zeitalters. Denn erst echtes Streaming erlaubt es, in nahezu perfekter Art und Weise die großen Geschichten so zu erzählen, wie sie es verdienen: Wenn Dramaturgie und Schauspielerei eben keinen künstlichen externen Zwängen unterworfen sind, etwa wie die oben schon beschriebenen künstlichen Spannungsbögen, um Werbeblöcke einzubauen oder das in sich abgeschlossene Episodenformat.

Natürlich gab es große TV-Serien auch schon, als das Video-Streaming noch in den Kinderschuhen steckte und herkömmliches TV noch der Standard war. Denken wir etwa an The Sopranos oder The Wire. Zum Glück aber gab es damals DVD-Boxen, und das sogenannte „Binge-Viewing“, das Schauen von mehreren Folgen nacheinander, war kein Problem. Meisterwerke wie The Wire könnte man insofern als Vorläufer einer neuen Fernsehwelt deuten, die gezeigt haben, zu was Serien narrativ und dramaturgisch im Stande sind. Der Theater und Literaturkritiker Christopher Schmidt schrieb in der Süddeutschen Zeitung dazu:

„Serien wie ‚Mad Men‘ oder ‚House of Cards‘ sind weniger Plot-getrieben als ältere Vorgänger und legen den Akzent eher auf eine panoramatische Gesamtbetrachtung eines bestimmten Milieus, sie sind ein additiver Gesellschaftsroman, die zeitgenössische Comédie humaine.“

Big Data und die Zukunft des Erzählens

Was die Produktion von Serien dieses neuen Formats angeht, stehen wir gerade erst am Anfang. Erzählungen wie die oben erwähnten Bloodline oder True Detective zeigen, wohin die Reise geht: Sie nehmen sich Zeit für Geschichte und Charaktere, bauen eine dramaturgische Spannung auf, die ich so im Fernsehen bisher noch nicht gesehen gab. Vor allem True Detective ist in dieser Hinsicht vielleicht das erste Meisterwerk der neuen Serien-Ära.

Die HBO-Serie True Detective zeigt, wie Geschichten im Fernsehen in Zukunft erzählt werden (Bild: HBO)
Die HBO-Serie True Detective zeigt, wie Geschichten in Zukunft erzählt werden. (Bild: HBO)

Und die Zukunft wird vielversprechend. Nicht nur, dass wir mehr qualitativ hochwertige Serien zu sehen bekommen. Große Plattformen wie Netflix werten schon heute die Vorlieben ihrer Nutzer aus und schlagen bekanntlich entsprechende Inhalte vor. Aber mehr noch: Diese Datenauswertung wird mittlerweile auch dafür genutzt, Serien zu produzieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit den Massengeschmack treffen und einen entsprechenden Erfolg garantieren.

Die Kehrseite der Medaille dieser analytischen Herangehensweise hat Andrew Leonard auf den Punkt gebracht:

„The interesting and potentially troubling question is how a reliance on Big Data might funnel craftsmanship in particular directions. What happens when directors approach the editing room armed with the knowledge that a certain subset of subscribers are opposed to jump cuts or get off on gruesome torture scenes or just want to see blow jobs. Is that all we’ll be offered?“

Wenn Drehbücher nur auf Basis von Datenanalysen geschrieben werden, mutiert die schöne neue Fernseh-Welt in der Tat zu einem engstirnigen und opportunistischem Monster des immer Gleichen. Gelingt den großem Streaming-Plattformen hingegen die Balance zwischen Datenanalyse und künstlerischer Freiheit, stehen uns wahrlich großartige Zeiten bevor. Kauft euch schon mal ein neues Sofa. Denn die Disruption der Fernsehwelt hat gerade erst begonnen.

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16 Antworten
  1. von Vieles ist nicht wirklich neu am 07.06.2015 (16:23 Uhr)

    Von Journalismus wird auch gefordert, das der Zeitungsartikel im Print der platzbegrenzte Fast-Food ist während der Internet-Artikel das volle Gänge Menü ist. Hier wird dasselbe von TV-Serien gefordert: Differenzierung und Evolution vom vorhandenen stark formatierten Free-TV-Angebot.


    Es wurde schon lange gefordert, das auf der BluRay immer die volle 2 Stunden-Version der Episode ist. Auf dem handy können Romantiker halt die Romantik-Selection in 15-120 Minuten gucken und echte Kerle die Harte-Kerle-Version mit 15-120 Minuten und mehr Action als die übliche 40-Minuten FreeTV-Version und bei Sky die 55-Minuten-Version.
    Wie am Buffet wo jeder individuell auf den Teller zieht was er mag. Jamie Oliver gibts auch als 15, 20, 30 Minute-Menus auch wenn ich nicht weiss wie viel es überschneidet.

    Serien gabs schon 1927 als Flash Gordon oder evtl auch schon Buck Rogers (beide vom gleichen Schauspieler gespielt) und natürlich Sherlock Holmes. Die Folgen waren wohl 30 Minuten und das Kino hatte eine Playliste mit verschiedenen Filmen (Kinofilme waren damals auch nicht 90 sondern 60 Minuten) und nach 3 Stunden wiederholte sich alles d.h man ging in den Saal und ging raus wenn man alles gesehen hatte. Zwischen den Serien und Filmen gabs dann alle 30 Minuten die Wochenschau. Oder so ähnlich.

    TV hat laut Arte-Dokumentation mit den Serien eine Erzählform geschaffen die eine Fortentwicklung der Spielfilme ist.
    Bei 24-Teiligen Serien gibts immer Wiederholungs-Folge, eine Holo-Deck-Folge, eine Folge auf der Erde, Eine Weihnachts-Folge, Eine Helloween-Folge, eine Tanksgiving-Folge usw. je nach Thema.
    10-12 teilige Serien (Game of Thrones, Black Sails, Dexter, True Blood, Spartacus...) haben keine unnötigen Füller-Folgen nötig. 6teiler sind oft als TV-Mini-Serien zu sehen.
    Und 3*90 Minuten pro Jahr wie Sherlock oder Pfarrer Braun gibts auch. Wird Tatort nicht jeden Monat von einem anderen Landes-Sender gezeigt ? Vielfalt gabs auch früher schon.
    Die 20-24 teilige Struktur mit Beginn wohl im Herbst wurde wohl von den Auto-Firmen vorgelegt welche die Werbe-Budgets der Sender und deren Programm-Planung dominierten.
    Bei Walking Dead gibt es Folgen wo nur ein paar Teilnehmer gemeinsam herumlaufen und man nicht weiss was mit den anderen versprengten Gruppen ist. Da stecken aber Längen drin wo die dann extra langsam essen oder durch die Gegend laufen damit man auf die 40 Minuten kommt. Sowas braucht man im Internet natürlich nicht aber könnte wie schon oben vorgeschlagen unterschiedliche Teile der Erzählstränge selektieren.
    Die erste Staffel war nur 6 teilig so wie viele TV-Kurz-Serien. Aber nicht jeder kommt anscheinend damit klar:
    http://www.golem.de/news/streaming-serie-woody-allen-bereut-deal-mit-amazon-1505-114091.html

    In USA und UK ist TV extrem stark formatiert. Da lief wohl auch Wetten Dass als 60-Minuten-Show. Als Youtube mit Regisseuren zusammenarbeitete (was ist daraus geworden, ist doch Jahre her) hiess es, das TV-Sender "tausendseitige" Regeln haben. Darauf kann man in Youtube verzichten.

    Es wäre nett gewesen vorzuführen worin sich die neuen Serien unterscheiden. Hier steht mehr was man nicht will (Werbe-Blöcke, Wartezeiten, Sendetermine). Das t3n-Magazin hat doch auch einen festen Sendetermin (Erscheinungs-Tag) im Monat.
    Es gibt ja abgesetzte Serien die von Internet-Studios mit den Schauspielern und hoffentlich auch Drehbuchschreibern weitergeführt werden.
    Und es gibt ja schon viele Internet-Serien im Gegensatz zu Volks-Elektro-Auto-Modelle. Da hätte man ruhig die Unterschiede nennen können. Denn "Amazon Originals" sind ja schon verfügbar und mit dieser Piraten-Serie macht Amazon ja Prime-Werbung im normalen TV.

    Auch ist der Text wohl über fiktionale Erzähl-Serien. Die tausenden Reality-Dokus oder Scripted Reality oder Daily-Soaps oder Sachthemen-Serien (Top Gear, Jamie Oliver,...) oder Superstar/Supertalent/TheVoice/Supermodel/... oder Gruppen-Serien wie Newtopia, BigBrother, Dschungelcamp,... gibts ja auch und haben jeweils ihre eigenen Regeln.

    In USA haben die Leute oft zwei Jobs. Die bezahlen teuer für TV so das die deutschen Auswanderer sich wundern das Grill-Abende oder Freizeit-Treffen, Geburtstags-Feiern usw wie in Deutschland von Amerikanern nicht so beliebt sind oder anders ablaufen. Denn man sollte/will das Football-Spiel oder Serien-Episode gucken und hat schon teuer bezahlt.

    Die etablierten Player werden sich anpassen. Denn man kann sich entweder Google Fiber ODER KabelTV oder KabelInternet leisten und vier! Mbit werden von den Providern als ausreichend angesehen.
    Und wenn man zu abgespaced agiert gucken die Zuschauer es nicht und die Zillionen an Investment sind verloren. Man muss also die Zuschauer langsam an Neuerungen gewöhnen. Alternative Endings. Serien aus Blickwinkel verschiedener Darsteller gibts ja schon als Cross-Over-Specials zwischen verschiedenen CSI-Teams am gleichen Fall und vermutlich auch anderen Serien. Gabs in Deutschland aber auch mal wo der Spielfilm aus der Sicht der Mannes auf ARD und der Frau auf ZDF zeitgleich liefen. In USA kann man sich das vielleicht patentieren lassen... Oder "Das Millionenspiel" also Running Man nach dem Krieg im deutschen TV als Reality-Serie.

    Im Prinzip sind (wie in der BWL oder Informatik) viele Dinge nur alter Kaffee der vor Jahren schon mal experimentell auf irgendwelchen Sendern lief.
    Aber jetzt dank Internet-Abruf-TV könnten sich die Features durchsetzen.

    Bart Simpson weist hin und wieder darauf hin das er sich nicht länger als 8 Minuten konzentrieren kann. Also weil die Werbung alle 8 Minuten kommt. Obwohl man schon teuer für KabelTV bezahlt hat...
    Die kurze Aufmerksamkeits-Spanne in USA sieht man hier:
    http://www.golem.de/news/don-daglow-mehr-erfolg-bei-us-spielern-1208-93803.html

    Irgendwie müssen sich die Titel finanzieren. Bei True Detective sinds wohl soweit ich es verstanden habe bei jeder Staffel andere Darsteller. Das senkt vermutlich die Kosten und man muss nicht (extrem bei Season1-Finale bei Stargate Universe) die Haupt-Darsteller am Ende der Staffel in gefährliche Situationen bringen damit jeder der zu viel Geld will in der nächsten Staffel nicht mehr mitspielt... .

    Die 20-Teiler werden wohl jede Woche gedreht was auch zu den 17teilern während der Drehbuch-Schreiber-Streiks vor wenigen Jahren führte. Flashforward lief weltweit überall fast zeitgleich und die Schauspieler bekamen sofort mit wie es ankam. D.h. wenn man mitkriegt ob ein Charakter (Jar Jar Binks, Wesley Crusher,...) gut oder schlecht ankommt ist der 1-2 Folgen später mehr oder weniger Minuten zu sehen. Im Prinzip machen das die Casting-Shows per Zuschauer-Vote. Das entfällt bei Deinen vorher am Stück gedrehten 10-Teilern.
    In Deutschland werden viele Serien auch als Doppel-Folgen oder Binge gezeigt oder zumindest die Wiederholungen ein Jahr später vor der neuen Staffel sind Binge mit 3-6 Folgen pro Tag. Und es gibt viel mehr Sender als früher. Soo schlecht ist lineares TV nicht. Denn nicht überall ausserhalb der Groß-Stadt gibts Internet in Wifi-Feindlichen Diktaturen und das Volk will Brot&Spiele.

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  2. von Julian am 07.06.2015 (19:16 Uhr)

    Sehr guter Artikel! Ich schreibe über genau dieses Thema derzeit meine Bachelor-Arbeit und kann dies nur unterschreiben. Ich habe dabei gerade eine kleine Umfrage zu dem Thema Laufen, die bei Interesse gerne unter folgendem Link ausgefüllt werden kann: https://docs.google.com/forms/d/1uDkRYzQcD8yQ8wSXNeOWzcDZq-2VonHL5pRpc8zUVos/viewform

    Viele Grüße :)

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    • von Ingo Vollenberg am 08.06.2015 (11:44 Uhr)

      Der Umbruch bietet eine Menge Chancen, die ich mit Freude beobachte. Die Frage ist, wie lang es dauert, bis wir in Deutschland vollständig davon profitieren, denn zahlreiche US-Angebote wie HBO sind hier noch immer nur sehr verzögert zu bekommen.

      Gute deutsche Serienproduktionen sind weiterhin rar. Ich habe selbst eine Serie fürs Netz produziert, Helden der Hauptstadt: http://www.hdh-serie.de

      Damit sind wir wohl so ziemlich die ersten, die ein längeres Format dieser Art rein online anbieten. Allerdings ohne Budget und somit mit beschränkten Möglichkeiten. Dennoch: Ich möchte gern zum Umbruch beitragen.

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  3. von Jan am 07.06.2015 (23:34 Uhr)

    Man vergesse aber bitte nicht das Urgestein, bzw. den Wegbereiter der modernen Serie: The X-Files :) Hier wurde zum ersten Mal aus der Zuschauerschaft eine Community, die auch als solche dann von den Produzenten wahrgenommen wurde. Und das Monster of the week wurde neben der sich immer weiter aufbauenden Haupthandlung immer nebensächlicher, bis es halt in dieser mehr oder weniger aufging. Aber die letzte Folge lief 2002 und seitdem hat sich vieles in der Serienlandschaft und in den Sehgewohnheiten der meisten von uns verändert (weiter-)entwickelt und so weiter...

    Ein Grund mehr gespannt zu sein, wie sich die Entwicklungen der letzten Jahre auf die geplanten neuen Folgen auswirken werden.

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    • von Jürgen Schulze am 08.06.2015 (09:42 Uhr)

      X-Files als Urgestein für Fan-Serien?
      Enterprise? Schonmal gehört? Ja, das mit den Spitzohr und der Pille.

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      • von Jan am 08.06.2015 (11:47 Uhr)

        Also Star Trek würde ich hier ganz klar rausnehmen - Die Serie folgt stark dem episodischen Erzählweisen, es gibt eigentlich keine episodenübergreifenden Stories.... Zwar lief die Serie im Rahmen einer "5-Jahres Mission" ab, darauf wurde sich aber in den Folgen eigentlich nie bezogen.
        Erst mit DS9 kamen auch in Star Trek Story-Arcs, die über mehrere Folgen und Staffeln liefen.... Da haben sich beide Serien wenn dann schon eher gegenseitig inspiriert ;)

        Generell trat das Phänomen von epsiodenübergreifenden Erzählungen erst in den 90ern auf, wüsste nicht welche Serie das zuvor gemacht hat.

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  4. von Jürgen Schulze am 08.06.2015 (09:41 Uhr)

    Habe vor einigen Wochen "24" zum ersten Mal gestreamt.
    Nach 12 von 24 Folgen habe ich aufgehört, da die künstlich hergestellte Taktung am Stück "genossen" einfach nur ermüdend, weil vorhersehbar, ist.
    Solche Serien sollte man wirklich besser nur im Wochenrythmus schauen.

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  5. von Edgar v. Cossart am 08.06.2015 (09:55 Uhr)

    Auch ich kann den Inhalt unterstützen. Das hiesige Film- und Fernsehgeschäft ist leider geprägt von zwei öffentlich-rechtlichen Sendern, die Unfähig zu neuem Denken sind und das Fernsehgeschäft nach Gutsherrenart betreiben.
    Eine Drehbuchbearbeitung in Deutschland dauert Monate, oft sogar Jahre. Dabei wird aber nicht um die beste Erzählweise gerungen. Es werden allzu freche Formulierungen oder Dialoge gestrichen, weil man sie den Zuschauern nicht zumuten will. Die öffentlich-rechtlichen Bedenkenträger nehmen spannende und unappetitliche Szenen heraus, weil sie den Konsumenten nicht zutrauen, diese zu verkraften. Sie lassen Aussagen wiederholen, weil sie nicht glauben, dass diese beim ersten Mal schon verstanden wurden. Sie wollen weitere Personen mit weiteren Problemen behandelt sehen, weil sie Angst haben, der Stoff könnte für 90 Minuten nicht reichen. Dann legen sie alles auf die Waagschale, damit es politisch korrekt ist. Kurz und gut, die Geschichten werden weichgespült. Da das mit jedem Stoff passiert, der in Deutschland in das Fernsehehen kommt, gleichen sich die Filme wie ein Ei dem anderen, und weil das deutsche Kino am Tropf der Fernsehsender hängt, betrifft es auch den Spielfilm.
    Es geht um die Dramaturgie. Sie muss überdacht und geändert werden, aber dafür muss man die Notwendigkeit einsehen, etwas zu ändern, grundlegend und nachhaltig. Und man sollte sich in Sachen Dramaturgie auskennen.

    Ich habe selber viele Jahre für das Fernsehen gearbeitet, davon die meiste Zeit als Drehbuchautor, ich weiß, wovon ich spreche. In den Anstalten herrschen Angst und Duckmäusertum vor, nicht selten geht es ums Geld – bevorzugt um das Geld der anderen. Ich schreibe momentan ein Buch über die Zustände ("Die Filmverhinderer", erhältlich ab Mitte August bei Amazon). Darin erzähle ich von meinem Kampf mit öffentlich-rechtlichen Bedenkenträgern, von Betrug und Diebstahl im Namen der Zuschauer.

    Edgar v. Cossart

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  6. von Sender könnten besser sein am 08.06.2015 (13:34 Uhr)

    Erinner ruhig auch an übernommene Drehbücher anderer vor ein paar Jahren. Sollte aus diesem Umfeld nicht ein neuer Top-Manager kommen. Betroffene sind vermutlich bekannt und äußern sich gerne.


    Viel Erfolg für Dein Buch. Als Autor merkst Du vermutlich wie Preisbindung und Gebühren usw. die Kalkulation nicht schön machen. Manche Schlagersänger meinten auch sie würden schauen das ihre Endpreise bei ca. 30 Euro fürs Konzert sind aber wenn die Zuschauer für Autogramme kämen und man viel höhere Preise auf den Tickets sehen würde wäre das schon unschön. Da sind viele Dinge im Bücher-Wesen die dank Digitalisierungs-Disruption dankenswerterweise deutlich dünnere Prozente kriegen müssten.


    In USA haben die Sender auch viele Vorgaben:
    http://www.golem.de/1201/88891.html
    3/6/10/12teilige Serien die am Stück gedreht werden sind viel freier also ähnlich wie Sonderhefte, 24teiler die wöchentlich gedreht werden so wie monatliche Zeitschriften. Tageszeitungen haben am Dienstag auch Probleme mit wenig Seiten und machen daher gern Sonderbeilagen während Samstag gefüllt sein muss (Sonderbeilagen) und Montag voll ist weil viel am Wochenende passiert ist. Da haben es 3/6/10/12Teiler viel einfacher. FreeTV muss sich finanzieren und Sendungen so legen (und nicht zu viele und zu wenige produzieren) das alles gut passt. Im Sommer oft Wiederholungen weil die Hälfte der Zuschauer im Urlaub ist und die Werbekunden entsprechend weniger bezahlen wenn Bayerns Kaufkraft im Urlaub ist man also pro Sendestunde weniger Einnahmen hat als im Winter wo alle ab 17 Uhr drinnen sind weil es dunkel und kalt ist.

    Zeitungen berichten bei politischen Themen gerne pro-EigentümerFamilien-Meinung. Man abonniert dann halt eine rechte oder linke Zeitung. Aber die internationalen Artikel sind vielleicht die ehrlichsten weil man über Leute berichtet die einem eher nichts tun können. In den befreiten Islamischen Ländern waren dieselben Redakteure auch froh und auch fähig endlich offen berichten zu können statt wie bisher die Partei-Meinung zu verkünden. So wie ein Sport-Arzt in manchen Sport-Arten der plötzlich ein doping-freies Team betreut und seine Arbeit richtig machen kann. Wegen potentieller Schikane berichten WerbeTV-Sender in Diktaturen in den Nachrichten auch eher weiche Themen.

    Die Sender sind vermutlich per GEZ finanziert damit der Finanzminister nicht bei unliebsamen Berichten den Geldhahn zudrehen kann. Bei Star-Trek wurde eine Episode auch nicht gesender oder so oder ich glaube eine Scheibenwischer-Folge in einem südlichen Bundesland.
    Auch gibt es keinen Zentral-TV damit keine Zentral-Meinung der Regierung das Land dominiert. Sowas vergessen Zentralisten und Steuer-TV-Finanzierer-Forderer gerne.
    Statt aber über die Regierung auf der anderen Straßenseite zu kritisieren machen das die Sender der anderen Bundesländer...

    Das man coole Sachen wie "Das Millionenspiel" nicht mehr bringt ist halt Mainstream. Aber die GEZ-Sender sollten natürlich nur das Ergänzen was im kostenlosen WerbeTV nicht läuft. Es gibt keinen Grund für Tele-Novelas oder US-Spielfilme oder Konkurrenz mit RTL und Pro7 für Fußball-Übertragungen. Das Geld müsste man einsparen. Warum soll Magnum o.ä. auf ÖR laufen wenn es die WerbeTV-Sender auch zeigen würden ? Na also.
    Pfarrer Braun ist nicht pauschal proaktiv Kirchen-Führung um mal ein Gegenbeispiel zu bringen.
    ÖR-Dokus kann man beim Bügeln hören ohne unbedingt das Bild sehen zu müssen. Die sind auch besser als viele ausländische Dokus oder WerbeTV-Dokus wo aufgrund der Mentalität und/oder Zielen (viele Werbe-Einnahmen auf diesem Sendeplatz also nicht maximal viele Zuschauer was viele auch verwechseln) halt anders ist als bei den meisten ÖR-Dokus.

    Die Finanzierung stammt noch von damals als nur reiche Leute und die Dorf-Kneipe einen TV hatten. M.E. sollten Firmen gar nix zahlen weil 99% der Mitarbeiter und Kunden sowieso schon bezahlt haben und das die Verbreitung sinnvoller Informationen (so wie das faktische Free-WiFi-Verbot) verschlechtert.

    Es sollte nichts finanziert werden was gleichartig von den Werbe-TV-Sendern finanziert würde. Die Zuteilung auf alles mögliche (Hollywood, US-Serien, Bundesliga,...) stammt noch von damals als es keine Privat-Sender gab. DVB-T2 und HEVC/h.265 erlauben bei gleicher Bitrate (T2 hat aber sogar noch höhere Bitrate als T1) aber vier mal so viele PAL-Sender als bisher. Die ganzen kleinen Lokal-Sender könnten dadurch per DVB-T2 aufkommen weil die Sende-Kosten sich vierteln. Seit die Lokalradios erlaubt wurden gabs auch in jedem Kreis etwa einen selbstfinanzierten Radio-Sender die sich z.B. mit lokalen Brillengeschäften und Bäckereien finanzieren.


    Wenn es keine Abmahnungen gäbe, hätte ich längst eine App geschrieben mit der man bei Talkshows Feedback geben kann. Den Politikern bleibt dann nichts übrig als ein Tablett auf dem Tisch zu sehen wo sie sehen das sie sich versprochen haben oder etwas schlecht erklärt haben oder hoher Widerstand oder hohe Zustimmung besteht (auch bei allem was der Gegner sagt).
    Allerdings würde dann auch auffallen das die meisten Talk-Shows aufgezeichnet sind und kurz-fristige Formate wie Tages-Schau oder echte Live-Shows wie ZDF-Sonntags-Garten (oder wie das heisst) würden es übernehmen. Oder wurde das auch am Samstag davor aufgezeichnet ?

    Oder eine Website wo man festlegen kann, wer mein/dein/... GEZ-Geld kriegen soll wäre in kürzester Zeit ohne Aufwand programmiert wenn man die vermutlich hohen Rechtskosten nicht einkalkuliert. Wenn ich z.b. 100% auf Arte schiebe (oder spezielle Formate) kriege ich noch mitgeteilt das 3sat bei Arte-Votern auch beliebt ist. Man kann natürlich auch einzelne Formate selektieren oder festlegen das die Talkshows und Telenovelas nix kriegen sollen. Das Geld der anderen GEZ-Zahler ohne Internet kann dann ja zu Telenovelas und Talkshows oder Fußball-Bundesliga oder besser Kreisliga fliessen weil es mich nix angeht was andere mit ihrem Geld machen. Klar ist das anfangs nicht relevant. Aber wenn die Büro-Kontakte der Politiker-Büros daneben stehen und man dort einmal pro Monat fordert das man sein GEZ selber verteilen darf, könnte sich das durchsetzen. Wie hier immer steht kommt es auf die Durchführung an und nicht auf die (allgemeine) Idee. Wie man immer sehen kann, scheitern die meisten Startups mit sinnvollen Ideen. Sogar die Samwers mussten im Ausland Projekte beenden während sie bei anderen Dingen wie z.B. Groupon klar durchgezogen haben.
    Die kleinen unterfinanzierten Formate würde sowas schnell für Eigenwerbung beim Budget nutzen. Natürlich hält sich jedes Format öffentlich für unterfinanziert. Die Formate wo die Luft dünner wird müssen dann fordern das ihre Zuschauer ihre Gebühren ihnen zuschieben sollen. Das ist wie die TV-Uhren-Werbung die es vor iWatch kaum gab. Oder Mediatheken-Werbung die beim Netflix-Start deutlich mehr wurde...

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  7. von Sender könnten besser sein am 08.06.2015 (13:44 Uhr)

    Klarer-Stellung: Die Star-Trek-Folgen (TOS aber auch DS9) wurden in manchen US-Bundes-Staaten oder lokalen Regionen in USA nicht gezeigt (wikipedie star-trek . nach 'kuss' suchen, zwei Fundstellen). Die südlichen deutschen Bundesländer waren diesbezüglich nicht gemeint.

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  8. von Ulf J. Froitzheim am 08.06.2015 (15:12 Uhr)

    Wenn man von der falschen Prämisse ausgeht, mutiert selbst der sympathischste Gedanke zur Wackelkonstruktion.

    In diesem Zusammenhang Streaming überhaupt zu erwähnen, ist nämlich eine eindeutige Themaverfehlung. Was der Autor sich wünscht – gut erzählte Geschichten ohne für die Seifenvermarkter in die Dramaturgie gequetschte Cliffhanger – gab es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen jahrzehntelang. Das geht noch heute, wenn 1. sich die Redakteure trauen und 2. die Sendung nicht im Vorabend- alias Werberahmenprogramm läuft.

    Das wirkliche Problem für den anspruchsvollen Zuschauer ist die Störer-Werbung. Diese jedoch kann es auch in einem gestreamten Film geben, und falls es sie heute noch nicht geben sollte, wird es sie bald geben. Die Privat-TV-Sender sind bereits sehr kreativ darin, Werbeumgehungen im Netz zu erschweren. (Das ist auch ihr gutes Recht, weil sie sich ja nicht mit Haushaltsabgaben finanzieren können.)

    Lieber nehme ich mir mit einem Festplattenrekorder eine Sendung auf als dazu beizutragen, dass Millionen Streamer vermeidbaren Traffic produzieren. Vor allem da, wo Bandbreite als shared medium gehandelt wird (Kabel-TV-Netze), kann es eng werden, wenn noch mehr Menschen zur gleichen Zeit Streaming nutzen wollen. 32 bis 100 MBit klingt viel, aber bei 10 bis 20 Haushalten bleibt davon nicht mehr viel. Wenn dann auch noch 4k kommt, hat bald keiner mehr Spaß.

    Wer sich an einer Serie im Sinne des Binge Viewing überfressen will, mag das gerne tun, sollte aber seine audiovisuelle Bulimie nicht zum Maßstab machen. Es gibt Menschen (vor allem Berufstätige), die pflegen das Ritual, am Sonntag den Tatort oder am Freitag The Voice anzuschauen (o.ä.). Sie freuen sich manchmal die ganze Woche darauf, den Abend so zu verbringen.

    Der Vergleich mit dem Buch zieht übrigens nicht. Ich lese einen dicken Roman auch nicht am Stück. Dann könnte ich ja nur im Urlaub lesen.

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    • von Mordred am 09.06.2015 (13:36 Uhr)

      der autor wünscht sich meines erachtens neben dem weglassen der optimierung für werbeiblendung vor allem nicht episodenbeschränkte handlungsstränge. und die gab es noch nie irgendwo vorher.
      bzgl. werbung bezahlt man ja gerade dafür beim streaming, keine zu sehen. und das nicht zu knapp!

      fernsehen über kabel/internet wird zukünfitg wahrscheinlich satelit+terrestrisch komplett verdrängen. "nur" die bandbreite auszubauen dürfte billiger sein als die anderen infrastrukturen aufrecht zu erhalten. zumal eine technologische weiterentwicklung (wie ihr 4k) auch weitaus leichter eingeführt werden kann. schauen sie sich nur an, wie lange das bei dvb-t andauert.
      ganz davon abgesehen, dass man über kable/internet noch die ganzen anderen funktionalitäten, dienste usw. nutzen kann.

      die abwertung und das schubaldendenken bzgl. binge viewing und arbeitslose sollten sie sich sparen. denn jenseits davon gibt es noch ein paar mio. andere menschen. beispiel: ich arbeite vollzeit, gucke oft den tatort "live" und konsumiere an manchen abenden 4 folgen einer serie am stück. in meinem privaten umfeld (20-55) gibt es vergleichbare konsumenten - und es werden mehr.

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      • von Ulf J. Froitzheim am 10.06.2015 (17:28 Uhr)

        1. Dass Streaming den User Geld kostet, stimmt so nicht. Die Technik lässt sich unabhängig vom Geschäftsmodell nutzen – als Pay per view genauso wie werbefinanziert.
        2. Leute, die einen halben oder ganzen Arbeitstag damit verbringen, eine Folge einer Serie nach der anderen zu verschlingen, sind eine Minderheit und werden es bleiben. Es ist kein Trend, sondern eine neue Nutzungsmöglichkeit. Das ist vom Zuschauerverhalten hat aber nichts anderes als das alte Double- oder Triple-Feature im Programmkino, nur eben selbstbestimmt im TV. Da die Mehrheit der Zuschauer nicht das Sitzfleisch und/oder die Zeit hat, wird sich weder die Dramaturgie der Serien grundlegend ändern noch wird es fürs TV produzierte XXXXXL-Formate geben (z.B. 10-Stunden-Filme, quasi Tolstois "Krieg und Frieden" als ungekürzte Vollverfilmung). Schon Wagner-Opern gelten als Masochisten-Theater, und die sind kurz gegenüber einer kompletten Serienstaffel.
        Kurz gesagt: Eine Serie ist eine Serie ist eine Serie. Wenn es keine Episoden gäbe, wäre es keine.
        3. Dass terrestrisches Fernsehen ausstirbt, ist klar. Satellit bleibt.
        4. 4k ist eine Technik, die nur jemand braucht, der Platz für einen Riesenfernseher hat (echtes Heimkino) oder einen Splitscreen nutzen will. Splitscreen braucht aber eigentlich keiner, weil die Zielgruppe schon das Tablet als Second Screen hat. Der zusätzliche Nutzen einer höheren Auflösung ist für die Masse der Zuschauer sehr gering, weil man den Unterschied bei normalem Betrachtungsabstand nicht mit bloßem Auge erkennt; dafür sind der technische Aufwand in der Produktion und die Belastung der Infrastruktur und somit die Kosten für die Programmherstellung wesentlich höher. 4k ist ein Premium-Produkt für die High-end-Nische – und angesichts des heterogenen Netzausbaus hierzulande nur marktfähig als Datei-Download-, nicht aber als Streaming-Angebot.
        Wiederum die Kurzfassung: Erst mal Glasfaser bis ins Haus, dann können wir über 4k reden.
        5. Ihre anekdotischen Beobachtungen über Bingeviewer sind nicht repräsentativ. Selbst wenn sie es wären: Die TV-Produzenten brauchen einen Business Case dafür. Auch im Zuschauerverhalten gibt es Moden, die schnell wieder vergehen.

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  9. von Stefan am 09.06.2015 (14:33 Uhr)

    Die These, eine Serie wie Breaking Bad mit einer Episode pro Woche zu konsumieren würde dem Format nicht gerecht, finde ich gewagt, wenn nicht absolut unsinnig. Wir reden hier von einer Serie, die für einen klassischen TV-Sender produziert wurde - für eine Ausstrahlung in wöchentlichem Rythmus. Genau das ist ihr originäres Format.
    Die Episodizität ist das, was die Serie vom Film unterscheidet. Eine 20-stündige Serie ohne Bruchpunkte, ohne episodische Spannungsbögen, ist keine Serie, sondern ein sehr langer Film. Die Serie an sich definiert sich darüber, dass sie eben kein gleichförmiger "Stream" ist, sondern einer "Serie", eine Reihung von Einzelteilen.
    Ich will damit gar kein Kontra gegen Binge-Watching geben. Es ist nicht meine bevorzugte Sehform für Serien, aber ich kann vollkommen nachvollziehen, welcher Reiz und Vorteil darin liegt.
    Aber wer im Binge-Watching die natürliche Form der Serie sieht, irrt imo ganz gewaltig. Und wer glaubt, Streaming befreit Serien von episodischen Spannungsbögen, der sollte hoffen, Unrecht zu behalten, da wir sonst demnächst breiige Geschichten bekommen, die an 24h-Experimental-Arthouse erinnern. Episodische Spannungsbögen sind genau wie übergreifende Spannungsbögen das Handwerkzeug eines guten Serienautoren.
    Mit den sehr artifiziellen Cliffhangern vor Werbepausen und am Episodenende verhält sich das anders. Die sind in der Tat oft gezwungen, übertrieben und dramaturgisch schwach (insbesondere in der Auflösung). Aber ersteres ist ein Artefakt werbefinanzierten TVs, welches es zB auch im PayTV nicht gibt. Und letzteres ist etwas, was gerade das serielle TV erst hervorgebracht hat, das gab es zuvor im prozeduralen Fernsehen fast nicht. Und das sehe ich auch nicht durch Streaming verschwinden, denn auch da wird die Bindung der Zuschauer immer wichtig sein, die damit erzielt werden soll.

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  10. von Sabine am 09.06.2015 (18:05 Uhr)

    "Wenn Drehbücher nur auf Basis von Datenanalysen geschrieben werden, mutiert die schöne neue Fernseh-Welt in der Tat zu einem engstirnigen und opportunistischem Monster des immer Gleichen."
    lol, das immer Gleiche ist eher der Inhalt dieses Artikels. Der Autor wirft hier vieles in einen Topf, was nicht zusammen passt. The Sopranos etwa funktioniert als HBO-Serie völlig anders als Serien, die in den USA bei werbefinanzierten Broadcastern wie ABC produziert werden und wurden. Nach 24 hat auch dort eine Hochzeit der Fernsehunterhaltung eingesetzt mit groß- und neuartigen Serien wie Lost, Desperate Housewives oder The Good Wife z. B. Mad Men ist da nur ein Beispiel von vielen.

    Der wirklich Unterschied liegt nicht in seriellen Erzählstrukturen, die sich an Werbung orientieren oder eben darauf verzichten. Sondern der Unterschied liegt im Wagemut der Sender, Serienkonzepte aufzulegen, die ungewöhnlich und neu sind. Dieser geht z. B. deutschen Sendern egal ob öffentlich-rechtlich oder werbefinanziert völlig ab.

    Interessant auch, dass vom Autor wieder einmal nur die klassischen Männerserien genannt werden. So ist bei Netflix etwa Orange is the New Black weltweit erfolgreicher als House of Cards, und m. E. auch besser, weil vielfältiger und neuer in der Art Geschichten zu erzählen. Bahnbrechend in dieser Richtung ist bspw. auch die neue Serie der Wachowski-Geschwister Sense8 auf Netflix. Auch Homeland fehlt völlig als grandiose und gleichzeitig neue Serie. Kurz alle wirktlich bahnbrechenden Serien, in denen Frauen eine zentrale Rolle spielen finden keine Erwähnung. Was eher den Artikel zu einer engstirnigen Auflistung des immer Gleichen macht. Ich mache mir weniger Sorgen, dass die Streaming-Dienste aus Datenanalysen lesen, sondern um die vorurteilsbehaftete deutsche Kritiker-Branche. Netflix hat z. B. verstanden, dass Orange is the New Black ein Renner ist.

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