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Groupon muss erneut Zahlen zum Börsengang korrigieren und verliert zweiten COO innerhalb weniger Monate

Man muss der amerikanischen Börsenaufsicht gratulieren. Sie lassen sich auf keines der Spielchen ein, die mit ihnen zu treiben versucht. Bereits mehrfach musste der Coupon-Vertreiber seine Unterlagen anpassen. Jetzt hat die Börsenaufsicht sie endlich gezwungen, ihre Umsätze korrekt zu deklarieren. Derweil verlässt die Chefin des operativen Geschäfts nach nur fünf Monaten die Firma…

Groupon muss erneut Zahlen zum Börsengang korrigieren und verliert zweiten COO innerhalb weniger Monate

Groupon: Auch für Groupon sind Umsätze dieselben Umsätze wie bei anderen

Bereits mehrfach haben wir hier bei t3n auf die ungewöhnlichen Zahlenspielchen des Gutscheinhändlers hingewiesen. Besonders übel stieß dabei stets auf, dass Groupons Art der Darstellung, ein weit erfolgreicheres Unternehmensergebnis vorspiegelte, als es tatsächlich der Fall ist. Zwei weitere wesentliche Missdarstellungen hat die SEC (amerikanische Börsenaufsicht) nun offenbar beseitigt, wie man den neu eingereichten Unterlagen entnehmen kann:

Groupon nähert sich in der Darstellung immer mehr gängigen Standards an

Dabei handelt es sich um den Ausweis des Umsatzes, sowie die Darstellung des sog. Gross Profit. Bislang galt:

  • Umsatz nach Groupon-Lesart war erst einmal das gesamte Geschäft einschließlich der Anteile, die den Händlern zustehen. Durch den Mitausweis von Beträgen, die man bestenfalls als durchlaufende Posten bezeichnen würde, erschien der Umsatz des Unternehmens um mehr als das Doppelte höher, als er tatsächlich ist.
  • Der nächste optische Trick verbarg sich im Ausweis des sog. Gross Profit, zu deutsch etwa Bruttoumsatzergebnis. Der Gross Profit ist eine Größe, die nach dem in Deutschland weniger gebräuchlichen Umsatzkostenverfahren ermittelt, was vom Umsatz übrig bleibt, wenn man ihm nur die direkt produktbezogenen Kosten der Erzielung dieses Umsatzes entgegen stellt. Groupon interpretiert den Begriff so, dass es lediglich die an die Merchants auszuschüttenden Beträge den Umsätzen gegenüber zu stellen hat. Das ist extrem kurz gesprungen. Grundsätzlich gehören hier sämtliche Kosten berücksichtigt, die man direkt auf den Produktumsatz beziehen kann, insbesondere die entstandenen Vertriebskosten für die konkreten Umsätze. Sonstige Vertriebskosten, die sog. Sonderkosten des Vertriebs, können im Gross Profit außer Betracht bleiben: solche, die sich nicht direkt dem Produktumsatz zurechnen lassen, etwa allgemeine Werbemaßnahmen für den Aufbau der Marke. Gleich ganze Kostenbereiche rundheraus zu unterschlagen, ist selbst in den USA nicht gebräuchlich und zeigte im Falle Groupons einen in dieser Höhe nicht vorhandenen Gross Profit.

Beide Fehldarstellungen finden sich in den jüngsten Unterlagen so nicht mehr. Halbwegs korrekt stellt Groupon jetzt nur noch die eigenen Umsatzteile dar und zieht auch die relevanten Kostenbereiche ab. Dadurch sinkt der dargstellete Umsatz von 1,5 Milliarden auf 688 Millionen, mithin um mehr als die Hälfte. So wird gängigen Standards wenigstens in der Darstellung Rechnung getragen. Man darf davon ausgehen, dass diese Änderungen nicht auf freiwilliger Basis erfolgt sind.

Die Leiterin des operativen Geschäfts verlässt nach nur fünf Monaten das Unternehmen

Margo Georgiadis, Leiterin des operativen Geschäfts, und damit nach dem Vorsitzenden der Geschäftsführung die zweit wichtigste Person im Unternehmen, verlässt Groupon nach nur fünf Monaten im Amt. Sie kehrt zurück zu ihrem früheren Arbeitgeber Google. Schjon ihren Vorgänger, Rob Solomon, hielt es nur ein knappes Jahr auf seinem Posten. Beide verließen Groupon auf eigene Initiative.

Groupon-Chef Mason führt den Weggang zum Teil darauf zurück, dass in 2011 acht weitere Mitglieder in das Geschäftsführungsteam aufgenommen wurden und man eben nicht bei jeder Personalentscheidung zu 1000% einen Treffer landen könne. So werde der Weggang Georgiadis auch keinen nennenswerten Effekt auf die Geschäfte haben. Mason werde sich den Geschäftsbereich schlichtweg selbst unterstellen.

Nun ja. Wenn er das operative Geschäft einfach selber mitleiten kann, wieso benötigt er dann ein Geschäftsführungsteam von der Größe einer Fußballmannschaft, wäre eine naheliegende Frage. Aus meiner Sicht ist es daher mindestens ebenso wahrscheinlich, dass Georgiadis den Weg Groupons nicht teilen wollte und es vorzog, das Schiff zu verlassen, solange es noch Alternativen gibt.

Groupons Zeitfenster schließt sich offenbar immer schneller und ich glaube nicht, dass es lange genug offen bleibt, um letztlich doch noch einen erfolgreichen IPO hinzulegen. Gelingt dies doch, ist dennoch nicht viel gewonnen, wenn es nicht gleichzeitig gelingt, die rasante Geldverbrennung wenigstens drastisch zu verlangsamen, besser noch zu stoppen.

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4 Antworten
  1. von Matthias am 25.09.2011 (13:11 Uhr)

    hmm

    Sie geht zurück zu Google &
    Google kauft DailyDeal..

    wo bleiben die Verschwörungstheorien? ;)

    Aber ansonsten top artikel, genau wie die anderen bzgl. groupon.. kenne Ihre Konditionen von ehemaligen Kunden und jo.. muss man nix zu sagen ;)

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  2. von tompkins am 25.09.2011 (13:37 Uhr)

    Den gleichen Gedanken hatte ich auch Matthias.

    Das war doch nur Spionage ;-)

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  3. von Tadeusz am 27.09.2011 (16:39 Uhr)

    Also was mich an dem ganzen mal wieder erstaunt, ist, dass so etwas erst bei einer Überprüfung der Börsen-Aufsicht zu Tage tritt. Zahlen die denn keine Steuern? Solch kreative Buchhaltung wird doch normalerweise von Amts wegen verfolgt, dachte ich zumindest.
    Aber Groupon kommt mit einigen suspekten Geschäftspraktiken durch bei denen ich mich am Kopf kratzen muss:
    http://www.coupons4u.de/blog/2011/07/18/groupon-deal-oder-gefahrliches-spiel-vorteile-und-nachteile/
    Wer dreist und groß genug ist kann sich offenbar mehr leisten.

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  4. von Gratisalarm am 20.11.2011 (03:19 Uhr)

    Gutscheine gibt es auch bei Gutscheinagent.de und mit dem Schnäppchenangeboten kann häufig mehr gespart werden als mit vielen anderen Deals.

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