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Kolumne

Gründen: Liebe Eltern, erzieht eure Töchter wie Mark Zuckerberg!

Facebook-Chef Mark Zuckerberg. (Foto: dpa)

Noch immer stellen Frauen eine unbefriedigende Minderheit in der deutschen Startup-Szene dar. Die Ursache: Eine fehlerhafte Kinderziehung, meint t3n-Kolumnist Florian Nöll.

Schon gewusst? Der wichtigste Business Angel der deutschen Wirtschaftsgeschichte war eine Frau. „Sie war wagemutiger als ich und hat einst eine für die Weiterentwicklung des Motorwagens entscheidende, sehr strapaziöse Fahrt unternommen“ sagte Carl Benz mal über seine Frau Bertha.

Jene Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts erst ihrem Mann, einem Tüftler und Ingenieur, das Wagniskapital gab, damit der seine Erfindung vorantreiben konnte und die dann den Mut hatte, mit dem ersten „Stinkkarren“, wie ihn Kaiser Wilhelm II. nannte, 180 Kilometern von Mannheim nach Pforzheim zu fahren. Ein Jahrhundert später scheint es fast selbstverständlich, dass Frauen keine Startups gründen. So wie auch kein Automobilkonzern von einer Frau geführt wird. Dabei belegen viele Studien, dass Unternehmen mit Frauen im Management erfolgreicher sind.

Die Spezies „Bertha Benz“ scheint in der deutschen Gründerszene ausgestorben zu sein

Bertha Benz, die Gattin von Karl Benz, taugt auch heute noch als Vorbild zum Gründen – gerade für Frauen. (Foto: dpa)

Seit dem jüngsten Deutschen Startup Monitor wissen wir, dass 15 Prozent der Startup-Gründer weiblich sind. 2014 waren es noch zehn Prozent. Ein kleiner Erfolg, besonders wenn man berücksichtigt, dass die Zahl der MINT-Absolventen unter den Gründern seitdem deutlich zugenommen hat. Studiengänge, in denen Frauen bekanntlich ebenso unterrepräsentiert sind. Und dennoch sind jene 15 Prozent eine völlig unbefriedigende Minderheit.

Noch seltener als Startup-Gründerinnen sind weibliche Business Angels und Investoren. Die Spezies „Bertha Benz“ scheint im Jahr 2017 ausgestorben zu sein. Dass es anders geht, zeigen Investoren wie iAngels in Israel. Zwei der drei Gründer sind Frauen. Die Männerquote unter den Mitarbeitern beträgt 20 Prozent. Das Ergebnis ist das weiblichste Portfolio in Israel. Es ist der Praxisbeweis aller Studien, die sagen, dass Männer vornehmlich in Männer investieren.

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Warum so wenige Frauen gründen

Eine Vielzahl der Startup-Investoren sind selbst aktive oder ehemalige Unternehmer. Mehr Gründerinnen werden deshalb in Zukunft auch mehr Investorinnen nach sich ziehen. Aber warum haben wir so wenige Startup-Gründerinnen?

  • Der erste Grund: Startup-Gründer sind größtenteils Hochschulabsolventen und zum Zeitpunkt der Gründung im Schnitt Anfang 30. Damit sind sie im gleichen Alter wie Akademikerinnen beim ersten Kind. Unternehmens- und Familiengründung zur gleichen Zeit. Das kann nicht funktionieren.
  • Der zweite Grund: Zu wenige Frauen studieren MINT-Fächer, also beispielsweise Ingenieurwesen oder Informatik, fast die Hälfte der Startup-Gründer hat jedoch ein MINT-Studium absolviert. Der Anteil der Studentinnen in diesen Studiengängen liegt nur zwischen einem Drittel und einem Fünftel.

Und dann gibt es jene weiteren Gründe, die sich nicht so einfach in Zahlen und Statistiken bemessen lassen. Wie die Erziehung unserer Töchter.

„Um es im Klartext zu sagen: In unserer Gesellschaft und bei dem hohen Niveau von sozialstaatlicher Fürsorge, das wir erreicht haben, muss jemand eigentlich verrückt sein, wenn er ein eigenes Unternehmen gründet“, schreibt Günter Faltin in seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“. Ich gebe zu: Ja, Startup-Gründer sind regelmäßig verrückt, so wie es Faltin voraussetzt, und fast immer unangepasst.

Oder würdet ihr Mark Zuckerberg, Richard Branson oder Elon Musk als normal bezeichnen? Viele Gründer sind verhaltensauffällig, weil extrovertiert, extrem ehrgeizig, Extremsportler und manchmal schlimmeres. Es ist nicht nur gut, sondern für unsere Gesellschaft existenziell, dass wir diese Typen haben, die häufig schon in der Schule Schwierigkeiten hatten oder ihr Studium abgebrochen haben.

Für ein echtes Gründerland braucht es weibliche und männliche Pippi Langstrumpfs.

Prügeln auf dem Schulhof, dem Lehrer widersprechen und Streiche jeder Art: Was bei Jungen dazu gehört, wird bei Mädchen nicht toleriert. Unangepasstheit erziehen wir unseren Töchtern ab. Für ein echtes Gründerland braucht es aber weibliche und männliche Pippi Langstrumpfs. Und deshalb müssen wir gerade unseren Töchtern erlauben, sich hin und wieder wie Pippi Langstrumpf zu benehmen.

Der geringe Anteil von Gründerinnen ist eine gesellschaftliche Fehlentwicklung

Hinzu kommt: Knapp 80 Prozent der Deutschen nennen die Angst vor dem Scheitern als Hinderungsgrund für eine Gründung. Dabei ist die Angst vor dem Scheitern bei Frauen noch einmal deutlich stärker ausgeprägt, sagen Studien. Risikoaversion und vor allem Risikoreduktion müssen thematisiert werden, nicht nur bei Frauen und Mädchen. Risikoaversion muss auch nicht immer als etwas Negatives angesehen werden. Männer sind manchmal zu risikobereit.

Ein Startup zu gründen, ist keine Raketenwissenschaft. Und selbst wenn es das wäre, dann könnten es Frauen mindestens genauso gut wie Männer. Der geringe Anteil von Frauen in den Gründerteams von Startups ist nicht gottgegeben. Vielmehr ist er die Folge einer gesellschaftlichen Fehlentwicklung, der man energisch entgegentreten muss. Viel energischer, als wir es aktuell tun.

Und deshalb dürfen wir uns nicht mit der Situation abfinden. Wir müssen und können sie ändern! Mit einer Erziehung und Schulbildung, die zulässt, das Jungen und Mädchen Ecken und Kanten haben. Mit Blick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist viel zu tun. Familienleistungen wie das Elterngeld sind aktuell inkompatibel mit dem Leben von Selbstständigen, die Kinderbetreuungsangebote zu statisch. Darunter leiden alle selbständigen Eltern, egal ob Mann oder Frau. Hier sind konkrete Handlungsfelder für die künftige Bundesregierung. Zudem sollten Gründerzentren und Coworking-Spaces bei der Schaffung von Kitaplätzen unterstützt werden. Und der vielleicht wichtigste Punkt: Wir brauchen Vorbilder. Vorbilder wie Bertha Benz.

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Eine Reaktion
Julia Nikolaeva
Julia Nikolaeva

Mit anderen Worten, ich bin schon richtig, nur im falschen Film...

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