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Gründungsideen: Unterschätzte Chance E-Mail-First-Startup

Ein weit verbreitetes Medium, mit dem man zahlreiche Internetnutzer erreichen kann, wird von Gründern oft übersehen: . Es ist nicht so schick und modern wie eine , aber es hat zahlreiche andere Vorteile. Ryan Hoover, Gründer aus San Francisco, zählt sie auf. Und er hat auch gleich noch einige Beispiele für parat, für die E-Mail der erste Schritt war.

Gründungsideen: Unterschätzte Chance E-Mail-First-Startup

Normalerweise gehe es um Web-first, Mobile-first, Tablet-first, schreibt Ryan Hoover in seinem Blog. Am wenigsten verbreitet aber sei es, auf E-Mail für den Start zu setzen. Dabei liegt es eigentlich auf der Hand: Praktisch jeden Internetnutzer kann man per E-Mail erreichen, unabhängig von Zeit, Ort, Gerät und Betriebssystem. Aber das ist nicht alles, was E-Mail einem Gründer zu bieten hat:

  • Man findet schneller heraus, wie gut die eigene Idee ankommt und funktioniert, weil man es in der Regel schneller umsetzen kann als eine Website oder gar eine App.
  • Im Fall der Fälle kann man einen automatischen Dienst auch erst einmal nur vortäuschen, während im Hintergrund eigentlich echte Menschen werkeln – oder im Zweifel sogar nur der Gründer selbst. Stichwort „Wizard of Oz experiments“.
  • Per E-Mail kann man nur wenige Funktionen umsetzen – und das sei eine Stärke, schreibt Ryan Hoover. Man müsse sich im Gegenzug auf den eigentlichen Kern der Idee beschränken und konzentrieren.
  • Viele Internetnutzer schauen mindestens einmal am Tag in ihre Mails, gerade im dienstlichen Zusammenhang auch mehrfach am Tag. Deshalb könne man mit einem E-Mail-Angebot schnell zu einem Teil des Alltags der Nutzer werden.
  • E-Mail ist ein guter Ausgangspunkt, um von dort aus weitere Angebote zu unterbreiten. Man hat einmal einen Kommunikationskanal mit Interessenten und Kunden aufgebaut.

Beispiele für E-Mail-First-Startups

Thrillist
Thrillist verspricht, mit einer Empfehlung pro Tag einem das Beste vom Besten in Sachen Lifestyle für Männer zu präsentieren.

Aber was kann man eigentlich per E-Mail umsetzen? Funktional ist man wie beschrieben eingeschränkt, um so mehr kommt es auf die Idee an. Die folgenden Beispiele zeigen dabei auch, wie sich der simple Anfang weiterentwickeln kann:

  • Die App Timehop zeigt einem, was man vor einem Jahr, vor zwei Jahren usw. im Social Web veröffentlicht hat. Angefangen hatte es als E-Mail-Service „4SquareAnd7YearsAgo“, der einem per E-Mail jene Foursquare-Checkins zuschickte, die man vor exakt einem Jahr getätigt hatte.
  • IDoneThis ist ein simple Möglichkeit, um über die Aktivitäten eines Teams auf dem Laufenden zu bleiben. Jeder schreibt den Tag über per E-Mail an einen Verteiler, was erledigt wurde. Nächsten Tag bekommen alle eine Zusammenfassung zugeschickt. Enstanden ist das über ein Wochenende.
  • Thrillist ist ein Newsletter, der sich voll und ganz um Lifestyle-Themen für Männer dreht. Jeden Tag gibt es genau eine Empfehlung – ganz kurz und knapp. Die Macher versprechen, dabei nur das Beste vom Besten zu empfehlen, aufgeschlüsselt nach US-Städten. Ganz nach dem Motto: Weniger ist mehr.
  • Bei AngelList bekommen die Abonnenten wöchentlich eine aktuelle Liste von Angel-Investoren zugeschickt, inklusive Angaben darüber, wie man sie erreicht. Wie man sieht, ist aus den so gesammelten Informationen inzwischen eine beachtliche Website entstanden.
  • Der Dienst Sunrise wiederum liefert den Nutzern jeden Morgen eine Liste mit allem, was an dem Tag anliegt – Geburtstag und Meetings beispielsweise. Zudem gibt es Informationen über die Personen, mit denen man Besprechungen hat. Für diese Informationen verknüpft sich Sunrise mit Facebook, Google und LinkedIn. Entsprechend muss man diese Dienste nutzen (und die Daten Sunrise zur Verfügung stellen wollen), damit es funktioniert.

Was diese Idee gemeinsam haben, ist ihr zunächst simpler Ansatz, der im Prinzip nur eine einzige Funktion zur Verfügung stellt. Der Dienst kann im Hintergrund dabei durchaus komplex sein oder über die Zeit anwachsen. Wie man ebenfalls erkennt, kann aus einer simplen E-Mail in den nächsten Schritten dann einiges mehr entstehen, bis hin zu Website und App.

Und nicht zuletzt sind solche E-Mail-First-Startups noch aus einem anderen Blickwinkel interessant: Man baut sich einen E-Mail-Verteiler auf, den man später auch nutzen kann, um auf andere eigene Projekt hinzuweisen.

Wie es in den Kommentaren zu dem Blogpost so schön heißt: E-Mail ist unsexy, aber es funktioniert.

Bildnachweis: mattlemmon / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA

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5 Antworten
  1. von Horst am 26.02.2013 (09:23 Uhr)

    Wie wäre es mit einem deutschen Beispiel:
    http://www.abnehmtipps.info/
    Jede Woche erhält man einen Abnehmtipp per Email. Dieser kann auch bewertet werden, eigene Tipps können eingegeben werden und werden dann auch an die anderen Teilnehmer verschickt. Ein wenig wie eine Community per Email.

    Allerdings: Es gibt auch eine App. Die ist deutlich erfolgreicher. ;-)

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  2. von Michael Mueller am 26.02.2013 (10:07 Uhr)

    Das Medium E-Mail ist nach wie vor auch interessant zur Neukundengewinnung. Wir haben zum Beispiel auf einen Anbieter wie http://www.address-base.de zurück gegriffen. Die sind uns damals als Start-Up auch ganz gut entgegen gekommen.

    Wir hatten damals auch das Problem, dass wir nicht wussten wie wir diese Schreiben dann richtig verfassen ... so dass potentielle Kunden überhaupt unsere Seite besuchen ... naja hier haben wir viele Fehler gemacht. Deswegen mein Tipp: Erstmal in die Thematik richtig gut einlesen und dann loslegen ;)

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  3. von Viktor am 26.02.2013 (11:01 Uhr)

    Sehr guter Artikel, der auch genau unsere Strategie mit http://www.Newsslash.com hervorhebt. Hier handelt es sich um einen täglich erscheinenden Newsletter rund um Games-Business, Startups und Tech, welcher gester offiziell an den Start ging.

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  4. von Michael Krause | onchestra am 26.02.2013 (12:52 Uhr)

    @Viktor: wäre Dein Beitrag nicht gar so werblich gewesen, hätte ich den Link eventuell sogar angeklickt ;)

    Gutes Gelingen Euch!

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  5. von Viktor am 26.02.2013 (12:58 Uhr)

    @Michael: War garnicht so werblich geplant. Aber nun wo ich ihn nochmals lese muss ich sagen, du hast absolut recht.

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